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Rave: Erzählung (suhrkamp taschenbuch) Taschenbuch – 24. April 2001

3.1 von 5 Sternen 20 Kundenrezensionen

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Rainald Goetz, der inzwischen nicht mehr ganz so junge Stirnschlitzer von Klagenfurt, ist mit einem Buch angetreten, das den Techno-Sound, die Dj-Kultur, das Leben am Rauschtropf im Titel trägt. Es geht um "Exzeß. Saufen, Sex, Gewalt und natürlich um alle Arten von Drogen und Drogenkaputtheit. Das absolut aller Kaputteste freilich, die "Totalverblödung" schlechthin, läßt uns der Erzähler wissen, das ist die "generelle Abstinenz" und alle anderen Formen von risikolosem Langweilertum.

Also Insider. Insider feiern mit Insidern, an der Tür zum Club "heute wieder großes Redakteure-, Werber-, Fotografen und Studenten-Bashing!". Draußen bleiben müssen, obwohl sie überall mit ihren Kameras und Mikrofonen dazwischenstolpern, die ignoranten Pressemenschen, die übers "Abfeiern, Aufreißen, Ausrasten" ein Filmchen drehen, einen "Textcheftext" schreiben wollen.

Was macht also der Rainald, wenn er nicht gerade snifft oder kifft oder tanzt? Er notiert die "gleichzeitig mitlaufendenden Reflexionen" zu einer "Theorie der Kritik". Er schimpft auf die intellektuelle Anmaßung, das Techno-Phänomen der 90er zu erklären. Das Grundproblem sei doch, "daß man sich für manche Phänomene der populären Kultur einfach nur aufgrund der eigenen Klassenzugehörigkeit, als zunächstmal NICHT zuständig zu qualifizieren hat, und damit eigentlich auch als UNFÄHIG, sie zu erkennen, zu verstehen, und zu bewerten".

Kritiker haben es also denkbar einfach (und die meisten haben in diese Kerbe gehauen!), das Buch als arrogante Predigt zu lesen. Ja und Nein. Über das ganze elitäre Getue hinweg faszinieren die präzisen Situationen, die Goetz mit seinem Erzählstakkato schafft: ansetzen, absetzen, nächste Rille. Das ist ein Buch, das lieber Musik wäre, von einem Autoren mit einer "Art Ahnung von Sound in mir, ein Körpergefühl, das die Schrift treffen müßte". Und dann gibt es da noch sieben thrillermäßig spannende Seiten, eine Situationsbeschreibung der Arbeit des DJ vor Publikum, eine Mikrotheorie dieser "Augenblicklichkeitskunst", die jeden Moment von übelschmeckender Attitüde in diesem Buch vergoldet.-- Nikolaus Stemmer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Rainald Goetz, geboren 1954 in München, studierte Medizin und Geschichte, lebt in Berlin.

Er hat bisher fünf Bücher geschrieben über die folgenden Themen: über PSYCHIATRIE den Roman Irre; über REVOLUTION die Stücke Krieg; über die RAF: Kontrolliert. Geschichte; über SPRACHE: Festung. Stücke; und über PARTY die Geschichte der Gegenwart Heute Morgen.

Mit seinem neuen Roman Johann Holtrop setzt Goetz das Buch Schlucht, eine Analyse der Nullerjahre, fort; bisher erschienen: Klage, loslabern, elfter september 2010.


Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

Format: Taschenbuch
Jeder der aktiv am Nachtleben einer Großstadt teilnimmt, muss sich in " RAVE " wiedererkennen, es sei denn er versteht es nicht, sich zu amüsieren.Kaum ein Buch beschreibt die Begeisterung für den Rausch, Suff, Sex des allabendlichen Weggehens so wie "RAVE", Goetz gelingt es perfekt, den Ekel auszudrücken den man dabei empfindet und doch nicht davon loskommt,Tanzen, Saufen, Drogen, Discobekanntschaften.Genauso ist es.Voraussetzung für dieses Gelingen ist die Abkehr von alten Erzählformen, hin zum Pop, traditionelle Stilmittel unberücksichtigt lassend schuf Goetz eine Erzählung die meinem Leben und dem Leben vieler meiner Freunde über Jahre gleicht. Bewundernswert ist die Offenheit, mit der Goetz über das "Ruppen" und "Kiffen" schreibt, es ist geradezu erfrischend und angenehm, endlich mal ein Buch zu lesen ohne diese Gutmenschenattitüde : "Nehmt bitte keine Drogen !".Goetz trifft keine Wertung zum Thema, sondern zeigt es so auf, wie es ist.Aus diesem Grunde ist dieses Buch daher nur für "Kenner" der Szene empfehlendswert.
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Von Maja am 28. März 2013
Format: Taschenbuch
Rainald GoetzŽ Version der Nacht kommt meiner schon sehr nahe. Ich musste echt oft grinsen während des Lesens und dachte: "Genau so!"
Allerdings ist das Buch nicht einfach zu lesen. Besonders am Anfang erlebte Rede in Gedankenfragmenten - der hat wohl wirklich seinen Notizblock mit zum Feiern genommen!- was im Laufe des Buches mehr und mehr zu einer zusammenhängenden Erzählung wird. Mit manchen Orten und Personen kann ich nix anfangen, war noch nicht meine Zeit.
"Rave" ist packend, liebenswert, sympathisch, komisch und schrecklich zugleich. Dank "Rave" wär ich gerne dabei gewesen, damals.
Für Raver ein Muss, alle anderen sollten erst einmal einen Blick ins Buch riskieren, ein paar Zeilen lesen und schauen ob sie klarkommen.
Wahrscheinlich nicht.
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Format: Gebundene Ausgabe
Ein Buch fuer Raver und deren Eltern :-) Du weisst nicht, was du Montagabend machen sollst - lies dieses Buch und die Party geht weiter. Rainald hat es verstanden, den Leser auf ganz eigene Art in seinen Bann zu ziehen. Man ist dabei, wenn er erzaehlt. Man steht neben ihm und hoert zu. Das Buch ist keine Richtigstellung ueber Techno sondern eine Tatsachenbeschreibung. Was passiert jetzt und hier und warum? Schonungslos schreibt er, was abgeht. Ohne zu verherrlichen oder zu verdammen. Das gefaellt mir.
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Von Ein Kunde am 30. November 1998
Format: Gebundene Ausgabe
War interessant, wie ratlos das deutsche Feuilleton mit diesem Buch umging. Da hat es einer geschafft, eine literarische Ebene für eine Subkultur zu finden, die sich bisher nur über Musik und Mode ausgedrückt hat und zu Unrecht als inhaltslos und zwanghaft hedonistisch verschrieben ist. Aber das ist ja die Hauptfunktion aller Subkulturen - die Abgrenzung nach Außen durch Abstrahierung und Kodierung. Das läßt sich nicht an germanistischen Maßstäben messen.
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Irgendwann vor langer Zeit habe ich das Buch "Irre" von Rainald Götz gelesen. Der Autor war mir bekannt, weil er sich mal beim Bachmann-Literaturpreis medienwirksam die Stirn aufgeschnitten hat. Das Buch war, glaube ich, nicht übel. Dieses Jahr hat Götz den großen Büchner-Preis bekommen, die höchste Auszeichnung ist das in Deutschland. Deswegen habe ich mir nun "Rave" gekauft.

"Rave" ist offiziell eine Erzählung. Ja, Roman könnte man das auch nicht nennen, denn das kleine Buch kommt praktisch ohne Handlung aus. Immer klebt die Hauptfigur "Rainald" als Ich-Erzähler mit seiner Clique zusammen, also mit Wolli, Siggi, Olaf, Susi, Sassy, Kathi, Anki und noch anderen Leuten mit ähnlich beknackten Namen. Aber was namentlich wie eine Provinz-Kombo klingt, ist gar nicht provinziell. Jedenfalls nicht intendiert. In Wirklichkeit natürlich schon. Aber diese ganzen Iggis und Lollis sind DIE SZENE. Die Super-Szene der 90er-Jahre, die Allerwichtigsten von den Wichtigen, der absolute Inner-Circle der deutschen Drogen-Kasperei. Man hält sich an den entscheidenden Orten auf, also im Münchner P1, im Pulverturm, in Berliner Spitzen-Clubs, überall da, wo Techno ballert und Pillen tief fliegen. Das soll alles sehr kaputt klingen und sehr authentisch, aber die Drogenheinis passen dann doch so gut auf, dass im Buch niemand stirbt. Es kommt auch keine Gewalt vor. Es ist alles "toll", "wunderbar" und "wahnsinnig angenehm". Dieses Tussi-Schulhof-Deutsch ziert das Buch von hinten bis vorne. Kurz und gut: Hier wird Drogenkonsum medienwirksam gespielt. Aber der Totalabsturz kommt nicht. Götz selbst ist ja jetzt auch schon 61.
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Format: Taschenbuch
Ich hab das Buch innerhalb ein zwei Tage gelesen und fand es einfach unglaublich. Sowas habe ich noch nie vorher gelesen und nachher auch nicht. Aber ich denke auch, dass es wohl zu denen Büchern gehören wird, denen man entweder 5 oder 1 Stern geben wird, für ein ganz nett ist es einfach zu radikal.
Um dieses Buch richtig geniesen zu können, wären Kenntnisse, der Literatur des 20.Jhds. mehr als hilfreich.
Trotzdem: wahnsinn, hammer, schön.
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