Sale70 Sale70w Sale70m Hier klicken Sonderangebote studentsignup Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ HI_PROJECT BundesligaLive Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusicUnlimited BundesligaLive longss17

Raúl Aguayo-Krauthausen

Raúl Aguayo-Krauthausen


Sind Sie ein Autor?

Author Central
Helfen Sie uns Ihre Autorenseite zu verbessern. Sie können uns Daten zu Ihrer Bibliografie, Bilder von sich oder Ihre Biografie schicken.

Erfahren Sie mehr darüber

Autor-Aktualisierungen


Bücher von Raúl Aguayo-Krauthausen

Suchergebnisse für Autor "Raúl Aguayo-Krauthausen" in Bücher anzeigen

Interview mit Raul Aguayo-Krauthausen im Rahmen des Entdeckt! Amazon Autoren-Preis


Warum haben Sie ein Buch geschrieben?
Freunde haben mich erst auf die Idee gebracht, ein Buch zu schreiben. Ich bin ein offener Mensch, der sich gerne mit Menschen unterhält und Erfahrungen aus seinem Leben mit anderen teilt. Und da meine Welt durch den Rollstuhl ein bisschen anders ist, passieren mir auch Sachen, die für einige Menschen kurios klingen. Nach langem Überlegen wurde mir klar, dass, wenn ich ein Buch schreibe, es nicht um mich gehen soll, sondern darum, wie es ist, in Deutschland mit einer Behinderung zu leben. Darum, dass Menschen mit Behinderung in dieser Gesellschaft mehr wahrgenommen und respektiert werden sollen. Mit diesem Buch will ich einen Teil dazu beitragen, dass uns bewusst wird: Behinderung geht alle an. Früher oder später werden wir alle einmal eine Behinderung haben.

Fühlen Sie sich manchmal «behindert» und falls ja, in welchen Situationen?
Es gibt diesen schon leicht abgedroschenen Spruch: «Behindert ist man nicht, behindert wird man!» Zum größten Teil stimmt der Spruch auch, weil ich gelernt habe, mit einer Behinderung zu leben, die Gesellschaft aber irgendwie noch nicht. Ich muss meinen Alltag anders organisieren, beispielsweise meine Assistenz koordinieren oder bei Zugfahrten immer einen Platz reservieren, aber eigentlich macht jeder Mensch seine alltäglichen Planungen. Die Behinderungen beginnen dann, wenn mir mein Alltag erschwert wird, wenn ich beispielsweise in ein Café nicht reinkomme, weil die Stufen zu hoch sind, oder ich nicht ins Kino kann, weil es der Brandschutz verbietet. Dazu kommt noch die Bürokratie mit Versicherungen oder Sozialunterstützungen. Auch wenn ich mich über manche Barrieren aufrege, versuche ich dann schnell zu hinterfragen, warum es so ist und wie man es verändern könnte. Natürlich hilft auch eine Portion Humor dabei, diese Alltagsbehinderungen zwar nicht zu überwinden, sich aber wenigstens nicht den ganzen Tag versauen zu lassen.

Welchen Spruch haben Sie schon zu oft gehört?
Die Liste der Sprüche ist lang und kann auch von vielen anderen Rollstuhlfahrern wiederholt werden. Ich habe dann mal angefangen, in meinem Kopf den Floskar für Sprüche zu vergeben, die gängig und gleichzeitig kurios sind, weil man sie einem nichtbehinderten Gesprächspartner nicht sagen würde. Zum Beispiel: «Sag mal, du kennst doch bestimmt XY? Der sitzt ja auch im Rollstuhl.» «Schaust du eigentlich gerne Fußball?» Oder auch: «Darfst du eigentlich was trinken, wenn du nachher noch fährst?» Je nach Situation sind die Sprüche mehr oder minder witzig, aber was mich stört, sind intime Fragen, die manche Personen stellen, obwohl man sich erst zwei Minuten kennt. Zum Beispiel: «Kommen Sie alleine aus dem Bett?» Das finde ich schon bizarr, dass, nur weil ich im Rollstuhl sitze, man glaubt, mir diese Fragen kurz nach der Begrüßung stellen zu dürfen, und ich antworte dann gerne: «Interessante Frage! Waren Sie heute alleine auf Toilette?»

Was wünschen Sie sich für den Umgang zwischen Behinderten und Nichtbehinderten?
Da wir uns gerade über Sprüche unterhalten haben, würde ich mir wünschen, dass man ganz normalen Smalltalk anfängt und bei der Frage «Na, Raul, wie geht’s?» nicht sofort peinlich berührt ist oder sogar ein «Oh, sorry, war das jetzt blöd?» hinterherschiebt. Denn die Frage ist doch ganz normal, und das wünsche ich mir auch, dass in mir mehr als meine Behinderung oder mein Rollstuhl gesehen wird. Dazu gehört auch, dass ich gerne kritisiert werden kann, wenn es angebracht ist. Der normale Umgang kann zwar noch keine Stufen verschwinden lassen, aber würde dazu beitragen, dass Behinderung nicht mehr als etwas «Krankes» gesehen wird, das man reparieren oder therapieren muss. Behinderungen gehören zur Gesellschaft einfach dazu und sollten eher kulturell als medizinisch betrachtet werden.

Können Sie über Behindertenwitze lachen?
Klar kann ich über Behindertenwitze lachen, wenn sie wirklich lustig sind und es kein Auslachen, sondern ein Mitlachen ist. Es ist mir nur wichtig, dass Witze nicht mit dem Streben nach Normalität zwischen Behinderten und Nichtbehinderten gleichzusetzen sind. Die BILD hat mal einen großen Artikel gebracht – «So gehen Sie richtig mit Behinderten um» –, und weil die Überschrift nicht schon fragwürdig genug war, hat man neben dem Artikel noch Behindertenwitze abgedruckt. Nach dem Motto: So, jetzt haben wir kurz über Behinderte gesprochen, jetzt können wir Witze über sie machen. Nichtsdestotrotz hier einer meiner Lieblingswitze: Fährt ein Rollstuhlfahrer an einem Schwimmbecken vorbei, da ruft einer im Wasser: «Hilfe, ich kann nicht schwimmen!» Da sagt der Rollstuhlfahrer: «Ja und? Ich kann nicht laufen, schrei ich hier deshalb so rum?»