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Psychologie der Massen Gebundene Ausgabe – 1. April 2009
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- Seitenzahl der Print-Ausgabe208 Seiten
- SpracheDeutsch
- Abmessungen13.5 x 2.5 x 19.3 cm
- HerausgeberNikol
- Erscheinungstermin1. April 2009
- ISBN-103868200266
- ISBN-13978-3868200263
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Produktinformation
- Herausgeber : Nikol (1. April 2009)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 208 Seiten
- ISBN-10 : 3868200266
- ISBN-13 : 978-3868200263
- Lesealter : Kundenempfehlung: ab 17 Jahr(en)
- Abmessungen : 13.5 x 2.5 x 19.3 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1,178 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Le Bon vertritt einen bürgerlich-elitären Konservatismus, der angesichts des beginnenden „Zeitalters der Massen“ jeglicher Hoffnung auf sich daraus entwickelnde kulturelle, soziale und politische Fortschritte eine Absage erteilt. Die Masse, wie er sie empirisch beobachtet, ist bar jeder Vernunft. Selbst der Gebildete, der Einzelne, der sich im Alltag vernünftig zu verhalten versteht, wird in dem Moment, wo er Teil einer Masse wird, überwiegend von unbewussten, niederen Instinkten geleitet. Jede sich bildende Masse Mensch ist eine wachsende Ansammlung von Opportunisten. Die Masse nivelliert dabei all ihr geistiges Vermögen auf das niedrigste Niveau. Angesichts gegenwärtiger Massenveranstaltungen (Sport, Kultur, Politik, aber auch Netzwerken) kann man diese Beobachtung noch heute nicht gänzlich leugnen. Doch während sie hier noch harmlos erscheint, wirkt die Tumpheit der Massen in den gesellschaftspolitischen Fragen sehr bedenklich und – wie die Historie wiederkehrend mit ihren vielen blutigen Kriegen, Pogromen, Volksverhetzungen belegt – oft sogar mörderisch:
„Die Massen haben nur die Kraft der Zerstörung. Ihre Herrschaft bedeutet stets eine Stufe der Auflösung.“
Und an anderer Stelle:
„In den Massen verlieren die Dummen, Ungebildeten und Neidischen das Gefühl ihrer Nichtigkeit und Ohnmacht; an seine Stelle tritt das Bewusstsein einer rohen, zwar vergänglichen, aber ungeheuren Kraft.“
Doch Le Bon versteht Masse nicht allein als den namenlosen Plebs oder diskriminiert sie als dumpfen Pöbel, sondern erkennt dieselben psychologischen Muster auch bei nicht namenlosen Gruppen, wie z. B. Geschworene, Parlamentarier oder Wissenschaftler. Auch wenn Le Bon es vermeidet, explizit auch sich selbst als gefährdet zu betrachten, so schließt er dies auch nicht aus. Offensichtlich ist jeder gefährdet, und es gibt keine geistige Immunität gegen Mitläufertum.
Der Glaube, verbunden mit der Suggestionskraft einfacher Bilder, und nicht Aufklärung sei die Triebfeder der Massen, lautet die Quintessenz von Le Bon. Und angesichts der doch kläglichen Erfolge eines bislang 250jährigen philosophischen Bemühens, uns aus unserer selbstverschuldeten Unmündigkeit zu führen, kann man dieser Einschätzung nicht vehement widersprechen. Denn auch die heutigen gesellschaftspolitischen Ideologien erweitern nur das Spektrum der Glaubensrichtungen.
„Beim Studium der Einbildungskraft der Massen fanden wir, dass sie namentlich durch Bilder erregt wird. Diese Bilder stehen einem nicht immer zur Verfügung, aber man kann sie durch geschickte Anwendung von Worten und Redewendungen hervorrufen. ... Worte, deren Sinn schwer zu erklären ist, sind oft am wirkungsvollsten. So z.B. die Ausdrücke Demokratie, Sozialismus, Gleichheit, Freiheit u. a., deren Sinn so unbestimmt ist, dass dicke Bände nicht ausreichen, ihn festzustellen. Und doch knüpft sich eine wahrhaft magische Macht an ihre kurzen Silben, als ob sie die Lösung aller Fragen enthielten. In ihnen ist die Zusammenfassung der verschiedenen unbewussten Erwartungen und der Hoffnung auf ihre Verwirklichung lebendig.“
Entsprechend ablehnend würde sich Le Bon heute wohl auch über die Schwarmintelligenz äußern:
„Die Masse nimmt nicht den Geist, sondern nur die Mittelmäßigkeit in sich auf. Es hat nicht, wie man so oft wiederholt, die „ganze Welt mehr Geist als Voltaire“, sondern Voltaire hat zweifellos mehr Geist als die „ganze Welt“, wenn man unter dieser die Massen versteht.“
Le Bon bescheinigt den Massen nicht nur geistlosen Opportunismus, sondern auch Obrigkeitshörigkeit und Duckmäusertum:
„Die Massen erkennen die Macht an und werden durch Güte, die sie leicht für eine Art Schwäche halten, nur mäßig beeinflusst. Niemals galten Ihre Sympathien den gütigen Herren, sondern den Tyrannen, von denen sie kraftvoll beherrscht wurden.“ (Das lässt einen doch an einige lebende Personen und lupenreine Demokraten denken.)
Würde Le Bon heute auferstehen, könnte er sich vollends bestätigt in den kulturpessimistischen Diskurs des 21. Jahrhunderts einbringen. Die Entwicklung der Medien, besonders die Omnipräsenz und Verfügbarkeit von endlosen Informationen, wäre ihm Erklärung genug für die aktuelle Empörungsgesellschaft:
„Der Erwerb unnützer Kenntnisse ist ein sicheres Mittel, einen Menschen zum Empörer zu machen.“
Seit an Seit mit Günther Grass & Co. würde er sich nach den guten alten Zeiten sehnen als Intellektuelle noch überzeugt von ihrer politischen gesellschaftlichen Relevanz waren und sich im naiven Glauben befanden, Meinungsbildner zu sein:
„Einst, und dies Einst liegt gar nicht so weit hinter uns, wurde die öffentliche Meinung von der Tatkraft der Regierung, dem Einfluss einiger Schriftsteller und einer ganz geringen Anzahl von Zeitungen getragen. Heutzutage haben die Schriftsteller allen Einfluss eingebüßt, und die Zeitungen spiegeln nur die öffentliche Meinung wider.“
Und er würde mir vielleicht beipflichten, wenn ich behaupte, dass wir heute keine Politiker mehr wollen, die ernsthaft die Zukunft gestalten wollen, sondern nur Verwalter unserer bürgerlichen Komfortzone wählen:
„Und was Staatsmänner anbelangt, so denken sie nicht daran, sie (die Masse) zu lenken, sondern suchen ihr nur zu folgen. Ihre Furcht vor der öffentlichen Meinung ist fast schon Schrecken und raubt ihrer Haltung jede Festigkeit.“
Ebenso würde ihn wohl unsere wiederkehrende Enttäuschung über die Mehrheit von Führungskräften verwundern. Denn schon vor über 100 Jahren erkannte er:
„Meistens sind die Führer keine Denker, sondern Männer der Tat. Sie haben wenig Scharfblick und könnten auch nicht anders sein, da der Scharfblick im Allgemeinen zu Zweifel und Untätigkeit führt. Man findet sie namentlich unter den Nervösen, Reizbaren, Halbverrückten, die sich an der Grenze des Irrsinns befinden.“
Ebenso müde oder vielleicht auch süffisant lächelnd könnte er die aktuelle medienkritische Diskussion verfolgen. Ist doch schon zu seiner Zeit klar, dass der heute so gepriesene, unabhängige, aufklärende und Haltung erfordernde Qualitätsjournalismus allenfalls sporadisch und in unauffälligen Nischen aufkeimt:
„Die Presse, die einstige Leiterin der öffentlichen Meinung, hat wie die Regierungen gleichfalls der Macht der Massen weichen müssen. Gewiss, besitzt sie noch eine bedeutende Macht, aber doch nur, weil sie lediglich die Widerspiegelung der öffentlichen Meinung und ihrer unaufhörlichen Schwankungen ist. Sie ist zum einfachen Informationsmittel geworden und hat darauf verzichtet, irgendwelche Ideen oder Lehren zu verbreiten. Sie geht allen Veränderungen des öffentlichen Geistes nach, sie ist dazu verpflichtet, weil sie sonst Gefahr läuft, durch die Maßnahmen der Konkurrenz ihre Leser zu verlieren. Die alten, ehrwürdigen und einflussreichen Blätter von ehedem, deren Ansprüche von der vergangenen Generation noch ehrfurchtsvoll wie Weissagungen angehört wurden, sind verschwunden oder zu Nachrichtenvermittlungen geworden, die von unterhaltenden Neuigkeiten, Gesellschaftsklatsch und geschäftlichen Anzeigen umrahmt sind.“
Und wer glaubt, dass Feuilleton bilde da eine hoffnungsvolle Ausnahme und könne zumindest noch in elitären Kreisen seinen Einfluss behaupten, dem hat Le Bon schon 1895 vorgehalten:
„Die Kritik hat nicht einmal mehr die Macht, ein Buch oder ein Theaterstück durchzusetzen. Sie kann schaden, aber nicht nützen.“
Wer sich einmal die Mühe macht, Buchempfehlungen in den deutschen Feuilletons mit denen der Amazon-Rezensenten zu vergleichen, kann der Einschätzung nur zustimmen.
Wer bis hierhin noch nicht von der zeitlosen Relevanz Le Bons überzeugt ist, lässt sich vielleicht von seinem abschließenden Fazit einnehmen, in dem er uns auch deutlich macht, dass die aktuelle Krise der Staatsfinanzen, die wir historisch so einmalig empfinden, doch einzig nur eine logische Konsequenz unserer besten unter den schlechten, von den Massen getragenen Staatsformen ist. Denn auch nach Ansicht Le Bons erweist sich die parlamentarische Demokratie noch immer als die beste unter allen schlechten Regierungsformen. Sie birgt
„eigentlich nur zwei ernstliche Gefahren in sich: die übermäßige Verschwendung der Finanzen und die zunehmende Beschränkung der persönlichen Freiheit.“
Letzteres durch die unendliche Zunahme stets einschränkender Gesetzgebung. Und dass die wachsende Verschwendung von Staatsgeldern dann in die uns akut betreffende Finanzkrise führt, ist schon vor über 100 Jahren evident – und wurde schon damals von uns altbekannten Staaten angeführt:
„Das ununterbrochene Anwachsen solcher Ausgaben muss notwendigerweise zum Bankrott führen. Viele Staaten Europas, Portugal, Griechenland, Spanien, die Türkei, sind dabei angelangt, andere werden bald soweit sein. Aber man braucht sich nicht viel darum zu kümmern, da das Publikum ohne großen Widerspruch nach und nach die Kürzung von vier Fünfteln aller Zinszahlungen der verschiedenen Länder angenommen hat. ... und in einer Zeit allgemeinen Zerfalls muss man sich damit begnügen, in den Tag hinein zu leben, ohne allzu sehr an das Morgen zu denken, das sich unserer Macht entzieht.“
Wie recht er damit hatte! Leider. Denn die Masse ist offensichtlich nicht das, wofür sie von den meisten Menschen gehalten wird, sie ist nicht unbedingt das "edle Volk" im Sinne einer positiven politischen Kraft, sondern eine blinde Naturgewalt, die man manipulieren und für eigene Zwecke einsetzen kann, wenn man weiß, auf welche Knöpfe man drücken kann. Die Masse ist eine Waffe und wer es versteht, diese Kraft in den Griff zu bekommen, wird zum Machthaber - wie die Architekten des Dritten Reiches, die das Werk von le Bons kannten und von ihm gelernt hatten, wie man die Massen beeinflussen, lenken und für eigene Zwecke instrumental einsetzen kann!
Was unterscheidet die Masse von der Menge? Denn es ist nicht dasselbe. "Die Menge besteht aus Individualitäten, Menschen, die eine Masse bilden, haben keine Eigenart. Die bewusste Persönlichkeit schwindet, die Gefühle und Gedanken aller einzelnen sind nach derselben Richtung orientiert. Es bildet sich eine Gemeinschaftsseele." Der Einzelne, schreibt le Bon, ist sich dann seiner Handlungen nicht mehr bewusst, ja, er verliert jegliches Verantwortungsgefühl und die Fähigkeit einer moralischen Bewertung seines Verhaltens. Die Hauptmerkmale des einzelnen in der Masse sind also: "Schwinden der bewussten Persönlichkeit, Vorherrschaft des unbewussten Wesens, Leitung der Gedanken und Gefühle durch Beeinflussung und Übertragung in der gleichen Richtung, Neigung zur unverzüglichen Verwirklichung der eingeflößten Ideen. Der einzelne ist nicht mehr er selbst, er ist ein Automat geworden, dessen Betrieb seine Wille nicht mehr in der Gewalt hat." Wie die Masse funktioniert, veranschaulicht le Bon am Beispiel der Französischen Revolution: "So befanden sich unter den wildesten, grausamsten Konventmitgliedern gutmütige Bürger, die unter normalen Verhältnissen friedliche Notare oder ehrsame Beamte geworden wären. Als der Sturm vorüber war, nahmen sie ihren Normalcharakter als friedliche Bürger wieder an."
Sein Fazit: "Die Massenpsychologie zeigt, wie außerordentlich wenig Einfluss Gesetze und Einrichtungen auf die ursprüngliche Natur der Massen haben und wie unfähig diese sind, Meinungen zu haben außer jenen, die ihnen eingeflößt werden."
Allerdings muss die Masse nicht prinzipiell schlechter sein, als die Summe ihrer Glieder. Zweifellos gibt es verbrecherische Massen, aber es gibt auch tugendhafte, heroische und noch viele andersartige Massen, schreibt Le Bon. "Man bringt sie leicht dazu, sich für den Triumph eines Glaubens oder einer Idee in den Tod schicken zu lassen, begeistert sie für Ruhm und Ehre, dass sie sich, wie im Zeitalter der Kreuzzüge, fast ohne Brot und Wasser zur Befreiung des göttlichen Grabes von den Ungläubigen... fortreißen lässt". Auf den Punkt gebracht: "die Masse wird leicht zum Henker, ebenso leicht aber auch zum Märtyrer". Was die Masse gefährlich macht, ist also nicht ihre Weltanschauung, sondern ihre Unbewusstheit und ihre Beeinflussbarkeit!
Die Erklärung dieses Phänomens ist einleuchtend: Die Masse funktioniert auf einer Bewusstseinsstufe, die mit dem Kollektivbewusstsein der primitiven Naturvölker oder der Kinder, die noch kein Ich, kein individuelles Bewusstsein haben, zu vergleichen wäre. Sie sei deshalb, so le Bon, dem allein stehenden Menschen stets intellektuell untergeordnet. Er schreibt: "Ihre Handlungen stehen viel öfter unter dem Einfluss des Rückenmarks als unter dem des Gehirns. Die vollzogenen Handlungen können ihrer Ausführung nach vollkommen sein, da sie aber nicht vom Gehirn ausgehen, so handelt der einzelne nach zufälligen reizen. Die Masse ist der Spielball aller äußeren Reize, deren unaufhörlicher Wechsel sie widerspiegelt. Sie ist also die Sklavin empfangener Anregungen." Deshalb kann die Masse - im Gegensatz zu einem bewussten Menschen, der die Fähigkeit hat, über die langfristigen Folgen seines Verhaltens zu reflektieren und dem Druck zum Handeln, der vom Unbewussten herkommt, widerstehen kann -, ihre wechselnden Empfindungen nicht beherrschen und wird zum Monster, das seine einstigen Götter stürzt, wenn der Wind sich wendet. (Symbolisch: die Zerstörung der Denkmäler.)
Während ich das alles schreibe, erinnere ich mich an den preisgekrönten Film von Bob Fosse "Cabaret" (1972). Da gibt es eine Szene, die wirklich unter die Haut geht. Sie spielt sich in Nazideutschland, in einem Gartenrestaurant ab. Die Sonne scheint, die Leute trinken ihr Bier, unterhalten sich, ein Tag wie jeder andere. Und auf einmal fängt ein schöner, blauäugiger blonder Junge in einer Hitlerjugenduniform zu singen an. Langsam fesselt er die Aufmerksamkeit aller Menschen, sie hören auf, sich zu unterhalten, die Energie steigt sichtbar und auf einmal werden alle, wohlgemerkt sehr unterschiedliche Menschen, zu einem Organismus (zur Masse). Einer nach dem anderen stehen sie auf und alle singen mit - voller Inbrunst und mit verklärten Gesichtern - "Der Morgen kommt, wenn die Welt ist mein, der morgige Tag ist mein". Alle, bis auf einen alten Mann, der als Einziger sitzen bleibt und nicht mitsingt - ein Außenseiter, einer, der dem Sog der sich bildenden Masse widerstanden hat. (Die ganze Szene ist bei Youtube zu sehen, sowohl in der englischen als auch in der deutschen Sprachversion.)
Fazit: Man merkt dem Buch an, dass es vor Hundert Jahren geschrieben wurde, denn aus heutiger Sich ist nicht alles darin "politisch korrekt". Was für den modernen Leser sicher gewöhnungsbedürftig ist, ist der Begriff der "Rassenseele" im Sinne von "kulturell ererbten Komplexe", die bei le Bon eine entscheidende Rolle spielt. Le Bon unterscheidet auch zwischen "höherstehenden" und "niedrigeren" Rassen. Es ist ein explosiver Gedankenstoff, mit dem man sorgfältig umgehen soll. Dem Buch hätte deshalb eine kritische Einführung in das Thema sicherlich nicht geschadet! Doch im Großen und Ganzen halte ich "Psychologie der Massen" für ein wichtiges Buch, denn es stellt ein Phänomen zur Diskussion, dass im Zeitalter des Internets und zahlreicher Massenbewegungen, die die heutige Welt erschüttern und nichts als Zerstörung bringen, immer mehr an Bedeutung gewinnt. Wie Le Bon es vorausgesagt hatte. Ich kriege Gänsehaut. Ilona Banet
P.S. Meine Empfehlung für Leser, die sich für dieses Thema interessieren: "Der Sog der Masse" von Harald Martenstein in ZEIT online, 14. Nov.2011. Eine gute Zusammenfassung der massenpsychologischen Thesen Le Bons ist in Wikipedia unter "Gustave Le Bon" zu finden.















