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In diesem wunderbaren, bereichernden und uneingeschränkt - auch für Anfänger in Sachen Agamben - empfehlenswerten Buch, geht es um die Wiedereinschreibung des Heiligen ins Profane. Agamben führt hier Gedanken weiter, die er schon im Anhang zu seinem Buch Die kommende Gemeinschaft (dt, Merve 2003) mit dem Titel Das Irreparable entfaltet hat. Dort hatte er geschrieben, dass die Offenbarung nicht die Offenbarung der Heiligkeit der Welt bedeute, sondern die Offenbarung der unabänderlichen Profanität der Welt. Die Welt als absolut und unabänderlich profane ist Gott, schrieb Agamben. An diesen Gedanken anknüpfend, geht es Agamben in den Profanierungen vor allem darum, Strategien zu entwickeln und zu beschreiben, wie das Heilige in das Profane wieder eingeschrieben werden kann. Agamben ist sich natürlich der Gefahr bewußt, dass die völlige Profanierung der Welt mit einer erneuten Weihung zusammenfallen würde (p. 79).

In 10 hochgelehrten Abschnitten, die von Reflektionen über den Genius, über den Autor, über das Spiel und den Ritus, die Parodie, das spezielle Sein, das Wünschen, Zauberei und Glück, über die Gehilfen bis hin zum Messianismus und dem Lob der Profanierung reichen, versucht Agamben, diesem Gedanken Rechnung zu tragen. Jeder Abschnitt streift auf subtilste und bewundernswerte Art und Weise die Idee der Profanierung.

Vorherrschend ist in diesem Buch die Vorstellung, dass das messianische Reich in der profanen Zeit in zwielichtigen und verzerrten Formen gegenwärtig ist, und sich ausgerechnet in dem verbirgt, was uns heute als lächerlich und schändlich erscheint. Kurz, dass die Schande insgeheim mit der Glorie zu tun hat, ist ein tiefes messianisches Thema. Alles, was uns heute niederträchtig und gering erscheint,ist das Pfand, das wir am letzten Tag einlösen müssen, und zum Heil führen wird uns ausgerechnet der Gefährte, der sich unterwegs verlaufen hat (p. 28). Wie sind also auf Gehilfen angewiesen, die ihrerseits durch ein Unvermögen zum Werk auffallen - wie Agamben wunderschön anhand von Figuren von Kafka, Robert Walser, Shakespeare, bis hin zu Ibn Arabi exemplifiziert. Diese Gehilfen können auch Dinge sein. Die sprachliche Strategie, die darauf aufmerksam macht, dass die Welt keineswegs hermetisch in sich abgeschlossen ist und ein Sinnkontinuum bildet, ist für Agamben die Parodie. Die Parodie unterbricht das vermeintliche Sinnkontinuum der Welt und läßt durch ihre Möglichkeit der völligen Sinnverkehrung das undenkbare Heilige in das Profane hinabgleiten. Er schreibt in einem wunderbaren und hochgelehrten Abschnitt über die Parodie: Die Parodie ist die Theorie und die Praxis dessen, was sich neben der Sprache und neben dem Sein befindet [...], so drückt die Parodie als Paraontologie die Unmöglichkeit der Sprache aus, das Ding zu erreichen, wie auch die Unmöglichkeit des Dings, seinen Namen zu finden (p. 43). Es geht also keineswegs darum, dass Heilige im Profane auszulöschen, sondern im Spiel immer wieder die subtile Spannung zwischen Heiligem und Profanen in die Welt einzuschreiben. In diesem Sinne schreibt Agamben, dass das Spiel die Menschheit von der Sphäre des Heiligen befreit und ablenkt, aber ohne diese einfach abzuschaffen [...] Auch das Spiel hat in unserer Gesellschaft episodischen Charakter, nach dem Spiel muss das normale Leben wieder seinen Lauf nehmen. Und niemand weiss es besser als die inder, wie entsetzlich und unheimlich ein Spielzeug werden kann, wenn das Spiel, zu dem es gehörte, zu Ende ist (p. 73 ff). Dieses Buch wird ein jahrelanger Begleiter für Leser werden, die sich für Walter Benjamin, Robert Walser, Franz Kafka, Michel Foucault interessieren. Leser, die noch Wert darauf legen, dass sich im Denken Reflexionsschärfe, Gelehrtheit und sprachliche Brillianz und Knappheit zu wunderbaren Essays verbinden, werden hier beglückt sein. Denn Agamben ist leider einer der letzten Vertreter dieser Art des Denkens.
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am 27. Mai 2013
Wer vom Autor schon ein paar Titel gelesen hat, wird sich erneut an diesem kleinen aber sehr inspirierenden Band erfreuen. Wem der essayistische Stil zusagt, wird auch mit diesem Band einige "Erleuchtungen" erleben.
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am 9. August 2006
"Profan heißt im eigentlichen Sinn das, was zuerst heilig und religiös war und nun wieder in den Gebrauch des Menschen zurückgegeben wird." (S. 70). Dieses Heilige aus der Religio (relegere) kommend, zementiert den Unterschied. Religio ist damit nichts, was Menschen mit dem Göttlichen verbindet, sondern sie unterscheidbar macht. Widerspruch erzeugt Religion nicht gegenüber der Gleichgültigkeit oder Ungläubigkeit sondern gegenüber Nachlässigkeit. Agamben positioniert sich damit gegen eine freie und zerstreute, von den Normen losgelöste Haltung den Dingen und ihrem Gebrauch und ihrer Bedeutung gegenüber.

Doch weit gefehlt, wenn man nun glaubt, Agamben beziehe sich nur auf die Religion in Bezug auf die Profanierungen oder Säkularisierung, wobei der Unterschied auch hier gut durchleuchtet wird. Im Gegenteil: er weiss in 10 einzelnen Lehrstücken das Immanente jeden Bereichs herauszuholen, um es dem Menschen erneut und in neuer Perspektive zu Eigen zu machen. Sinn, der den Dingen und den Eigenschaften gegeben ist, wird den Menschen zurückgegeben. Profanierung löscht nicht das Heilige wie es die Säkularisierung macht, sondern lässt es in neuer Lebendigkeit - wie das Rituale, der Ritus im Spiel - fortleben.

Und so beginnt er mit dem Genius in uns, den Bildern, die schon das jüngste Gericht beschwören, fährt fort mit den Gehilfen, die unsere versteckten Eigenarten darstellen, unsere unerfüllten Wünsche begleiten und uns in eine neue paradiesische Leichtigkeit bringen, der Rhapsodie und deren Antipode, die Parodie, die als Sinnumkehr erst den 360 Grad Blick ermöglicht, hin zu den Wünschen. Kindlicher Wunsch zur Zauberei wird mit anderer Perspektive ins Erwachsenleben geholt, um letztendlich die Spezies im speziellen Sein ebenso zu beleuchten. Das Finale ist das Lob auf die Profanierung, wo er auf die Verzweigung zu seinem Buch "Homo sacer" nicht verzichtet, ist doch auch der Begriff "sacer" in seiner Mehrdeutigkeit Anlass und Gegenstand genug, Profanierung zu betreiben. Kapitalismus als Religion ist ein interessantes, lesenswertes Essay, welches mündet in eine ergänzende Wertedarstellung.

Die Werte unserer modernen Welt, der postmodernen ganz sicher, sind neben Gebrauch und Tausch ergänzt um die Ausstellung. Der Benjaminsche Ausstellungswert ist nicht anderes, als das Vorzeigen des Vorzeigens und damit einer immanenten Sache entzogen. Letztendlich ist Medienintegrität das Merkmal unseres Lebens.

Walter Benjamin (vielleicht der Wichtigste), Robert Walser, Franz Kafka, Michel Foucault sind wichtige und ständige Begleiter - vielleicht sogar Gehilfen - Agambes auf dem Wege seines Denkens. Man könnte meinen, sein Denken ist ein Mäandern durch die Welt, essayistisch wiedergegeben ist es jedoch ein Geschenk, das sprachliche Raffinesse mit hoher sachlicher, philosophischer Reflexion zu einer Lesefreude verbindet.
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