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Pius XII. und die Vernichtung der Juden Taschenbuch – 1. Juni 2013
- Seitenzahl der Print-Ausgabe450 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberAlibri
- Erscheinungstermin1. Juni 2013
- Abmessungen14 x 2.9 x 20.7 cm
- ISBN-103865690769
- ISBN-13978-3865690760
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Produktinformation
- Herausgeber : Alibri; 1. Edition (1. Juni 2013)
- Sprache : Deutsch
- Taschenbuch : 450 Seiten
- ISBN-10 : 3865690769
- ISBN-13 : 978-3865690760
- Abmessungen : 14 x 2.9 x 20.7 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2,037,956 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 13,603 in Das Dritte Reich (Bücher)
- Nr. 137,880 in Religion & Glaube (Bücher)
- Nr. 348,858 in Film, Kunst & Kultur (Bücher)
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Am 19. 12. 2009 wurde Papst Pius XII von Papst Benedikt XVI aufgrund seiner "heroischen Tugenden" für "ehrwürdig" erklärt, eine folgende "Seligsprechung" ist absehbar. Die Diskussion um die Rolle von Pius XII - bzw. Eugenio Pacelli bis zu seinem Pontifikat ab März 1939 - während der Entwicklung, Ausbreitung und Gräueltaten des Nazi-Regimes erhitzt seit Ende des 2. Weltkrieges die Gemüter (siehe auch "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhuth); unter Historikern bestehen nach wie vor grundlegende Meinungsverschiedenheiten zum Auftreten und Wirken des Papstes und zur Haltung der katholischen Kirche insgesamt. Manche sehen in Pius XII einen Helden des Widerstandes, einen Retter zahlloser Menschen, andere Historiker kommen - bei Bewertung der gleichen Quellenlage - zum Schluss, dass sein Opportunismus gegenüber dem Naziregime mitverantwortlich für den Tod unzähliger Menschen - vor allem Juden - im Holocaust gewesen sei.
Dirk Verhofstadt zitiert eine große Zahl von Hinweisen und Dokumenten, die belegen, dass der Vatikan über Gräueltaten des Nazi-Regimes (z.B. in Euthanasieanstalten) sowie über die Vernichtung der Juden in den KZs früh Bescheid wusste und nichts dagegen unternommen hatte. Er fragt sich auch, warum der Vatikan (die katholische Kirche insgesamt) gegen die ersten Unterdrückungsmaßnahmen 1933, die Rassengesetze 1935, die Misshandlungen von Juden beim Anschluss Österreichs 1938, die Vorgänge der sogenannten "Kristallnacht" 1938 und die danach einsetzenden massenhaften Deportationen nicht protestierte. Viele weitere Fragen schließen sich an, z.B. auch, warum nie ein hochrangiger Nazi exkommuniziert und warum Hitlers "Mein Kampf" nie auf den Index verbotener Bücher gesetzt wurde.
Nach Aussage des Autors ist das Ziel des Buches, zu einem besseren Verständnis der Rolle des Vatikans vor und während des 2. Weltkrieges beizutragen, wobei die möglichen Gründe für das vatikanische Verhalten aufgezeigt und bewertet werden. Das Buch (447 Seiten) gliedert sich in 5 Teile mit zahlreichen Unterkapiteln; wegen der Fülle der aufgeworfenen Fragen sowie der umfangreichen historischen Darstellungen und zitierten Dokumente kann in dieser Rezension allerdings nur auf sehr wenige Punkte näher eingegangen werden.
Teil I stellt u.a. die Frage, was der Papst wusste und warum er weitgehend geschwiegen hat. Die Antwort - sehr verkürzt - lautet: Er hat sehr früh, sehr viel gewusst; die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Kommunismus hat sein Schweigen wesentlich bestimmt.
Teil II widmet sich u.a. der 1937 veröffentlichten Enzyklika "Mit brennender Sorge", die nach Ansicht mancher Historiker die strengste Missbilligung eines nationalen Regimes, die der Heilige Stuhl jemals publiziert hat, darstellt. Allerdings: Diese Enzyklika enthielt allgemeine Aussagen gegen Rassismus, aber keine Verurteilung des herrschenden Rassismus und der Menschenrechtsverletzungen; zu den Judenverfolgungen wurde nichts gesagt und auch die damals bereits bekannten Verbrechen des Naziregimes wurden mit keinem Wort erwähnt. Außerdem war der Text wegen zahlreicher schwieriger theologischer Wendungen so kompliziert, dass er für normale Leute unverständlich blieb.
Teil III behandelt den Krieg in Polen und Westeuropa, die Deportationen aus Frankreich und die massive Unterstützung des Unternehmens "Barbarossa" durch die deutschen Bischöfe. Als ein Beispiel aus vielen sei hier der Hirtenbrief des Bischof Rackl genannt, der den Russlandfeldzug als "wahren Kreuzzug, einen heiligen Krieg für Volk, Vaterland, Glauben und die Kirche sowie für Christus und sein heiliges Kreuz" bezeichnete. Zu diesen, in den Kirchen verlesenen "Briefen" und vielen weiteren (unerträglichen) Schriften und Aussagen höchster deutscher katholischer Würdenträger gibt es nicht einen Hinweis, kein Dokument und keine historisch verbürgte Aussage, dass der Vatikan, oder der Papst persönlich, die deutschen Bischöfe zurechtgewiesen oder deren Verhalten zumindest missbilligt hätte.
In Teil IV geht es um "Mitschuld"; dabei werden die Rollen des "Priesterpräsidenten Tiso" und der Ustascha, weiters die Vorgänge in Rom selbst, wie auch der ungarische Holocaust sowie die von div. Klerikern (z.B. Bischof Hudal) geleistete Hilfe für Kriegsverbrecher beleuchtet.
Teil V mit dem Titel "Verleugnung" widmet sich u.a. dem Thema "Erinnerung". Die protestantischen Kirchen bekannten sich sehr bald nach dem Krieg zu ihrem Versagen "..wir klagen uns selbst an, dass wir nicht mit mehr Mut zu unseren Überzeugungen standen..", die katholische Kirche hat sich viele Jahre davor gedrückt; erstmalig im Jahr 1998 nahm der Vatikan unter dem Titel "Wir erinnern uns" zum Holocaust offiziell Stellung.
Pius XII schwieg zur Vernichtung der Juden in Europa; zahlreichen Bitten von div. Institutionen, Botschaftern und Bischöfen (z.B. 1942 von Adam Sapieha, Erzbischof von Krakau) um eine persönliche öffentliche Verurteilung der Gräueltaten erteilte er nur vage Antworten oder wies darauf hin, "dass es Sache der örtlichen Bischöfe wäre, sich eventuell dazu zu äußern". Apologeten des Papstes behaupten, dass er mit seiner neutralen Haltung, seiner stillen Diplomatie und sogar mit seinem Schweigen Hunderttausende Juden gerettet habe. Aussagen, denen zahlreiche namhafte Historiker entschieden widersprechen: "Vor allem war es das Schweigen, das die Juden zum Tode verurteilte" postulierte Bruno Bettelheim 1985. Ein harter Vorwurf an alle Menschen, die über die Verbrechen der Nazis Bescheid wussten, aber schwiegen!
In Kapitel 37 "Schlussfolgerung" bekräftigt der Autor als Resultat seiner Untersuchungen die Aussage, dass "die katholische Kirche protestierte, wenn ihre eigenen Interessen auf dem Spiel standen, dass sie aber schwieg, als die deutschen und österreichischen Christen durch antisemitische Ideen indoktriniert und die Juden verfolgt und ermordet wurden". Das Argument "mit dem Schweigen habe man Schlimmeres verhindert" wird vom Autor verworfen und mit einigen Beispielen erfolgreich mutigen Auftretens widerlegt. Für den Vatikan gab es eine Vielzahl von Beweisen und glaubwürdigen Aussagen zu Gräueltaten und Massenmorden in den KZs, in Euthanasieanstalten, hinter den Fronten in Osteuropa etc. - durch entschiedene öffentliche Verurteilung der Verbrechen durch den Papst persönlich wäre es aller Wahrscheinlichkeit nach möglich gewesen, Millionen Menschen zu retten. Als Grundursache für die opportunistische Haltung und das Schweigen des Papstes zum NS-Regime sieht Verhofstadt die damalige eindeutige Präferenz des Vatikans für Faschismus und Nazismus in deren Gegnerschaft zu Kommunismus, Sozialismus und Liberalismus.
Das Buch bietet ein umfassendes, gut lesbares, hoch interessantes Geschichtswerk für alle einschlägig Interessierten, die Diskussion zu diesem - auch nach 68 Jahren noch immer brisanten - Thema ist damit aber sicherlich nicht zu Ende. Bei einigen der behandelten Fragen liegt die Bewertung "im Auge des Betrachters", es bleiben aber mehr als genug "harte" Fakten, die das Verhalten des Vatikans, bzw. des Papstes, während dieser schrecklichen Zeit zumindest sehr zwielichtig und äußerst bedenklich erscheinen lassen. Ein historisch letztes Wort wird es vermutlich nie geben, mehr Klarheit und Wahrheit könnte aber erreicht werden, wenn der Vatikan sich bereit erklärte, die Archive des Pontifikats Pius XII für wissenschaftliche Forschung zu öffnen. Ob - und gegebenenfalls wann - dies je der Fall sein wird, ist nicht absehbar.
Sicherlich kann Schweigen zu bestimmten Vorgängen schuldhaft sein. Allerdings muss dabei jeweils der Kontext betrachtet und auch die Frage gestellt werden, was Worte erreichen können resp. ob durch Nicht-Schweigen das jeweilige Verbrechen nicht oder wenigstens nur in geringerem Maße geschehen würde resp. wäre. Dabei darf man ruhig einmal darüber nachdenken, wie heutzutage die Masse darauf reagiert, wenn die Kirche gegen Kindermord im Mutterleib, gegen Ehebruch, gegen Heidentum etc. pp. spricht. Richtig - das ist der Masse bestenfalls vollkommen egal. Wenn eine Reaktion kommt, dann eben die, dass der - im besten Sinne des Wortes - Moralprediger noch zusätzliche Strafverfolgung erleidet. Jeder kann sich gerne über die Strafen informieren, die in der BRD gegen Lebensschützer verhängt werden. Also Schweigen kann zwar schuldhaft sein, insofern es eine Pflichtverletzung ist; jedenfalls ist aber mit Schweigen nicht notwendig eine "Mitschuld" an einem Verbrechen gegeben.
Sobald man allerdings die genauen historischen Fakten betrachtet, wie der Papst und überhaupt der Klerus sowie viele katholische Laien mit dem Nationalsozialismus umgegangen sind, hat sich diese "Schweige"- und erst recht "Mitschuld"-Lüge vollkommen erledigt. Sind die Enzyklika "Mit brennender Sorge" (zu deren Hauptautoren Pacelli gehörte) und die Weihnachtsansprache des Papstes v. 25.12.1942 denn schon allesamt vergessen? Sind die Tausenden von Priestern vergessen, die vom Nazi-Regime vor Gericht gezerrt und in Gefängnisse oder Konzentrationslager gepfercht wurden, oftmals mit Todesfolge?
Also: Wer braucht solche Machwerke wie nun dieses von Dirk Verhofstadt eigentlich? Natürlich niemand! Aber es gibt eben genug Willige, die jeden Abfall fressen. Offenbar besteht ein riesiger Bedarf, dass eben viele ihr schlechtes Gewissen bzgl. der Kirche damit zeitweilig etwas ruhigstellen, dass sie verlogene Hetzpropaganda gierig schlucken. Diejenigen, die so inbrünstig auf den Papst schimpfen, sind hiermit ganz herzlich eingeladen, offen und lautstark vor aller Welt gegen die Abtreibung zu protestieren. Und nicht vergessen: Allein auf dem kleinen Gebiet der BRD sind bereits um ein Vielfaches mehr Kinder im Mutterleib ermordet worden, als im gesamten Machtbereich Hitlers Juden vergast wurden. Und solche Fragen wie, ob Juden bzw. Ungeborene sich strafbar gemacht haben resp. ob sie aus Deutschland resp. aus dem Mutterleib fliehen konnten, sind dabei noch gar nicht gestellt. Wer große Töne spucken will, der tue es hier und jetzt, u.z. wo es berechtigt und notwendig ist. Stattdessen auf Toten herumzuschlagen, ist weit weniger heroisch.
Abschließend ein Zitat des Juden Albert Einstein: "Einzig und allein die katholische Kirche hat gegen Hitlers Kampf - für die Freiheit protestiert. Bis dahin interessierte ich mich nicht für die Kirche. Heute aber kann ich nicht umhin, meine große Bewunderung und Anhänglichkeit einer Kirche gegenüber zu bekunden, die als einzige den Mut hatte, einen fortgesetzten Kampf für die Aufrechterhaltung der geistigen Wahrheit und moralischen Freiheit zu führen."