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TOP 1000 REZENSENTam 29. April 2014
"Pierre" (natürlich nicht "von" Daniel Göske, sondern von Herman Melville) hat so gar nichts von dem Geschmack nach Meerwasser, den man bei Romanen von Herman Melville erwarten könnte. Die Geschichte spielt an Land, und die größte Entfernung, die die Personnage auf dem Wasser zurücklegt, ist eine Fährüberfahrt. Dafür bietet sie eine Menge umfänglicher Betrachtungen und Grübeleien über die Dinge des Lebens. Der Haken bei Pierre ist nur: sie sind weniger originell und allgemeingültig als etwa im Moby-Dick oder in Mardi, vieles wirkt recht bemüht, für ein Stück schwarzer Romantik ist es dabei zu diesseitig und profan. Die enigmatische exkursive Textpassage über die "Chronometricals and Horologicals" könnte allerdings die Fabel jedenfalls in einer Hinsicht erschließen helfen, denn unterm Strich behandelt der Roman die Geschichte eines jungen Idealisten, der über seinen Gefühlsverwirrungen und im Übermaß der Ambition den Weg ins Leben verfehlt; auf seine Weise versäumt es der Held, den Gang seiner Lebensuhr der wirklichen Ortszeit seines Daseins anzupassen.

Die Fabel ist ja bereits in anderen Rezensionen geschildert, deshalb nur noch einige Bemerkungen hierzu:

Isabel, die dunkle Seite der Beziehungen des Helden, ist keineswegs sicher dessen Halbschwester. Mit der Möglichkeit, dass es so sein könnte, oder aber auch nicht, wird in diesem Buch gespielt, es ist eine der "ambiguities", der Mehrdeutigkeiten, auf die der Titel anspielt. Als Halbschwester existiert sie in diesem Roman in Form einer Behauptung Isabels und im Glauben von Pierre Glendinning. Ambivalent ist auch das Verhältnis des Helden zu seiner Mutter, wobei in beiden Verhältnissen mit inzestuösen Folien gespielt wird, insbesondere durch die akzentuiert jugendliche Attraktivität, die der Mutter zugeschrieben wird (die seltsamerweise ihren Sohn als "Bruder" anspricht - und dieser seine Mutter als "Schwester"). Die Attraktion, die von der vermeintlichen Halbschwester ausgeht, ist ebenfalls eine offensichtlich erotische; Melville verwendet nicht wenig Mühe und Geschick auf die Gestaltung dieser beinahe vamphaften fille fatale, zugespitzt noch durch eine angebliche Eheschließung. Die eindeutig legitime Beziehung zu der hellen Seite, Lucy Tartan, wird dagegen anfänglich in geradezu klinischer Reinheit und Züchtigkeit abgebildet.

Zu diesem Themenkreis noch eine weitere bezeichnende Notiz: in Leos Carax an "Pierre" orientiertem Film "Pola X" (ein Akronym: Pierre ou les ambiguités)aus dem Jahre 1999 werden genau diese Schwebezustände der Identitäten und Neigungen aufgegriffen - mit Catherine Deneuve als Mutter; mit der nun wirklich vamphaften Jekaterina Golubeva als angeblicher Halbschwester - und in der nochmaligen Zuspitzung des Isabel-Motivs mit einem vollzogenen Geschlechtsverkehr.

Wahrscheinlich ist es ratsam, den Roman hauptsächlich unter dem Motto seines Titels zu lesen und die Faszination seiner ambiguities auf sich wirken zu lassen. Der Gang der Erzählung selbst fällt wegen seiner etwas wirren und mutwilligen Art eindeutig dahinter zurück.

Wer als Melville-Leser etwas auf sich hält, sollte ihn gelesen haben, keine Frage.
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am 8. Oktober 2005
melvilles "pierre" ist atemberaubend, herzzerreißend, schön, merkwürdig, spannend und langatmig zugleich.
vor allem im letzten drittel des buches wundert man sich oft über die seitenlangen ausschweifungen über philosophisches, die so voll sind von andeutungen, dass man sie, ohne den anhang zu rate zu ziehen, kaum verstehen kann. aber dann kommt das nächste kapitel und erzählt wieder pierres geschichte weiter. die geschichte eines mannes, der seine verlobte abgöttisch liebt - und trotzdem starke und ihn beherrschende gefühle zu einer anderen hegt, die sich auch noch als seine (uneheliche) schwester zu erkennen gibt. beide frauen sind gleichsam positiv und negativ eines photos und pierre verliert sich ein stückweit zwischen ihnen. da seine schwester eine unglaublich traurige und verstörende kindheit hatte und in bedrückender armut lebt, beschließt pierre, sie anstelle seines toten vaters zu umhegen. um aber seiner mutter nicht das bild des treusorgenden ehemanns kaputt zu machen, gibt er vor, das mädchen, von dem niemand weiß, dass es seine schwester ist, geheiratet zu haben. damit fällt er in ungnade, wird enterbt und von der familie geächtet. seine mutter stirbt im gram, seine verlobte beinahe. um sein leben mit seiner schwester leben zu können, geht pierre schließlich nach new york in ein schäbiges arme-leute-haus und beginnt, ein buch zu schreiben. ein wichtiges buch. ein buch, das er nicht zu ende bringen wird, das aber dafür ihn zum ende bringen wird.
und während pierre immer weniger wird und an seinem schaffen, der situation und seinem leben langsam zu grunde geht, bekommt er plötzlich einen brief von seiner verlobten, die ihn zurück haben will. und doch kommt alles ganz anders, als man denken würde...

sicher, melville ist bisweilen verschwiemelt und ausufernd; aber es ist eben melville! man braucht einen langen atem, um den zu lesen. aber man wird auch fürstlich belohnt mit oftmals brillanten gedanken, geradezu erschütternd großartigen beschreibungen von natur und geschehnissen und nicht zuletzt mit bemerkenswerten erkenntnissen: ich etwa ertappt mich zum schluss hin oft dabei, dass ich pierre, den leidenden schriftsteller, schütteln und anschreien wollte, sich doch nicht so hängen zu lassen; nicht so einen stuss zu machen - und endlich zu LEBEN. dann aber wird einem klar, dass der mensch nicht so ist, wie man denkt, dass er sein müsste; nicht so ist, wie es einen die schlichteren büchlein dieser welt glauben machen wollen: er handelt selten nachvollziehbar, er ist und bleibt geheimnisvoll - und er ist nie alleiniger urheber all seiner entscheidungen (was den menschen mit genügend selbsteinsicht nicht verborgen bleiben wird (wie schon melville wusste)).

ein schwieriges, aber auch tolles buch!
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am 5. März 2012
...einem Roman, der mich außerordentlich fasziniert hat, habe ich mir auch Pierre und Billy Budd, erschienen im Hansa-Verlag, zugelegt und gelesen. Sowohl literarisch (wenn auch nicht an Moby Dick heranreichend), als auch in der gehobenen Aufmachung ein wirklich lohnenswerter Kauf.
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