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am 9. Dezember 2009
Es sind zwar "nur" Vorworte, die als Einleitungen zu größeren Arbeiten über eine Reihe von Philosophen erschienen sind, aber sie haben es in sich. Denn der Autor, der Philosoph Peter Sloterdijk portraitiert seine Zunftgenossen von Platon bis Foucault so eindringlich und brillant, dass jedes dieser Portraits für sich stehen kann.

Dem Leser werden nicht nur Kenntnisse über die Philosophen vermittelt; es gibt auch eine Art "roten Faden" durch die Philosophiegeschichte - und die Portraits eröffnen zugleich den Zugang zu den Denkern und ihren Werke und sind so eine Aufforderung zur weiteren Beschäftigung mit ihnen.

Im Vorwort heißt es: ""dass die hier zusammengetragenen Denker-Vignetten so etwas wie ein sinnvolles Aggregat ergebe - keine Philosophiegeschichte, aber doch eine Galerie von Charakterstudien und intellektuellen Portraits, die zeigen, wie sehr Nietzsche im recht war, wenn er notierte, alle philosophischen Systeme seien immer auch etwas wie unbemerkte Memoiren und Selbstbekenntnisse ihrer Verfasser gewesen."

Das wird bei der Lektüre sehr schnell klar und deutlich und macht die Sache so spannend. Außerdem aber hat dieses Buch auch zweifelsfrei einen erzieherischen Aspekt; dargelegt wird er durch die Berufung Sloterdijks auf Platon, wo er wiederum unter dem Begriff paideia subsummiert wird. Und wir lassen uns das gern gefallen, vor allem, wenn diese "Erziehung zum Denken so leicht und gut lesbar daher kommt.

Nach Hegel und von Sloterdijk "zitiert" heißt "philosophisch denken die Ernte des Seienden nach Hause zu bringen"". Die Lektüre bringt eine sehr gute Ernte ein.
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am 22. November 2009
Um dies als Hintergrundfolie voranzustellen: ich gehöre, obwohl oder weil professioneller Philosoph, nicht zu den "Fans" von Peter Sloterdijk. Mit seiner "Kritik der zynischen Vernunft" (1983) etwa habe ich mich ausführlich befasst, verführt von einer gewissen sprachlichen Intensität - um jedoch am Ende nicht zu wissen, was er eigentlich will. "Der Weltinnenraum des Kapitals" ließ mich als Kapitalismuskritiker ebenso hilflos zurück, und wenn ich meine Zeit auf "Du musst dein Leben ändern" verwenden werde, dann erst auf die Empfehlung zweier unterschiedlicher Freunde hin - nun allerdings auch unter dem hervorragenden Eindruck dieses Buches. Diese Kurzportraits von 19 Meisterdenkern der abendländischen Tradition frappieren durch ihre Sprachkraft, hinter der eine ganz urtümliches Talent, wenn nicht Genie, in der Erfassung geistesgeschichtlicher Zusammenhänge steht, was sich in gekonnten, bildreichen Formulierungen verdichtet. Beispiel-Zitate aus jedem der Portraits:

* Anlässlich von Platons Programm der Philosophie: "Zum Weisen wird, wer das Chaos als Maske des Kosmos durchschaut. Wer in die Tiefenordnungen blickt, gewinnt Verkehrsfähigkeit im Ganzen" (18).
* Aristoteles: "Im Blick auf seine denkerische und schriftstellerische Lebensleistung drängt sich der Gedanke auf, daß das, was seit dem Mittelalter Universität heißen sollte, in der Gestalt eines einzigen Mannes vorweggenommen war. Das Gehirn des Aristoteles war gleichsam der Senat einer an Fakultäten reichen Universität" (30).
* Augustinus als "Staatsanwalt Gottes", der die Fundamentalinquisition gegen die menschliche Eigenliebe in Gang setzte" (40 f).
* "Aus der glanzvollen Reihe der Renaissance-Philosophen (...) ragt die verkohlte Silhouette Giordano Brunos eindrucksvoll hervor. (...) Es ist an der Zeit, die Asche über Brunos Manuskripten wegzublasen, um freizusetzen, was einen Denker (...) alleine ehrt: die leuchtende Buchstäblichkeit seiner wirklichen Gedanken" (43.45).
* "Es war, als habe Descartes damit neben dem alten Blut- und Schwertadel und der jüngeren noblesse de robe einen eigenständigen Methoden-Adel geschaffen, der seine Mitglieder in allen Schichten rekrutierte, sofern seine Angehörigen den Eid auf Klarheit und Deutlichkeit zu leisten bereit waren" (49).
* "Wäre die Geistesgeschichte der letzten Jahrhunderte ein Bericht von den Konjunkturen des Absurden: Pascals Platz in ihr wäre für immer gesichert. Er ist der Erste unter den philosophischen Sekretären der modernen Verzweiflung" (56).
* "Wie ein Sonnenkönig des Denkens verausgabte sich Leibniz in zahllosen Vernunft-Ressorts (...) Leibniz Heiterkeit vertritt eine Welt, in der die Kabinettskreige der Vernunft noch von einem unerschütterlichen Harmonievertrauen eingehegt werden konnten" (62).
* "Die Kantischen Weltbürger sind Heilige im Gehrock. (...) Bei Kant schwelt unter der skeptisch-humanen Asche eine vernunftfundamentalistische Glut. In seiner Zivilreligion sollen Heilige zu Juristen und Helden zu Parlamentariern werden"(67).
* "Die Wissenschaftslehre jedoch (..) ist die logische Posaune, die zur Auferstehung aus den Gräbern des Objektivismus bläst" (73). - Für Fichte duldet es keinen Zweifel, daß die logisch-moralische Auferstehung der Subjekte und die politische Revolution des Gemeinwesens konvergieren" (74).
* Dialektisch-paradoxe Hegel-Rezeption: "Seit Hegel kann geleugnet werden, daß die Geschichte im wesentlichen zu Ende sei. Vieles bleibt in der Welt zu tun - das wird zum Schlachtruf nachhegelscher Vernunftpolitik; es gibt noch Ungesagtes im Haus des Selbst - das wird zum Leitwort nachhegelscher Diskursschöpfungen" (84).
* "In Schellings Spätstil, mit seiner wunderlichen Komplexität und seinem melancholischen Helldunkel, manifestiert sich der schwierige Abschied vom Epochentraum der Vernunftallmacht" (93).
* "Schopenhauer ist der erste Denker ersten Ranges gewesen, der aus der abendländischen Vernunftkirche ausgetreten ist (94). - Verzicht ist für die Modernen das schwierigste Wort der Welt. Schopenhauer hat es gegen die Brandung gerufen" (95).
* "Für Kierkegaard steht der einzelne auch heute vor der christlichen Legende völlig unbeholfen. Sollte er sich zur Nachfolge entscheiden, dann auf keinen Fall deswegen, weil schon so und so viele Machtmenschen, Hysteriker und Konformisten ihm auf diesem Weg vorangegangen sind. (...) Er betrat als Erster das Zeitalter des Zweifels, des Verdachts und der schöpferischen Entscheidung" (101).
* "Als Heros, der ins Totenreich hinabsteigt, um mit Wertschatten zu ringen, bleibt Marx auch für die Gegenwart auf unheimliche Weise aktuell" (109).
* "Mit letzter Schärfe hebt Nietzsche den bis dahin bis dahin kaum je eigens beleuchteten Sachverhalt ans Licht, daß die Aufgabe, das eigene Leben aus der Rohstoffartigkeit herauszuführen und es zu einem Werk sui generis zu machen, den Charakter eines Kampfes auf Leben und Tod annehmen kann" (113).
* Husserl: "Als bevorzugter Schauplatz von allem, was erscheint, wird der Schreibtisch des Philosophen zum transzendentalen Belvedere (...), ein Altar, an dem der Denker als reiner Funktionär des Absoluten amtiert; hier versieht der Philosoph seinen Dienst als Vikar eines klaren Gottes" 121 f).
* Wittgenstein: "die Hochspannung eines Menschen, der der ständigen Konzentration auf seine Ordnungsprinzipien bedarf, um nicht den Verstand zu verlieren. Als Borderliner des Seins hat es der Philosoph nie mit weniger zu tun als mit dem Block der Welt im Ganzen, auch wenn er nur über die korrekte Verwendung eines Wortes in einem Satz nachdenkt" (126).
* "Was Sartre angeht, so bliebt er zeitlebens seiner Weise, die bodenlose Freiheit zu leben, treu. Für ihn war das Nichts der Subjektivität kein herabziehender Abgrund, sondern eine heraufsprudelnde Quelle, ein Überschuß an Verneinungskraft gegen alles Umschließende" (133).
* "Foucault könnte in der Tat behauptet haben, daß alles wahrhaft Seiende von der Natur der Blitze sei. (...) Während aber die deutschen Adepten Nietzsches und Heideggers den Begriff Ereignis meist in einer kultischen Besinnlichkeit verschwimmen lassen, ist Foucault der Durchbruch zu einer ereignisphilosophisch orientierten ,Grundlagen'forschung gelungen, für die er den leise ironischen Titel Archäologie in Vorschlag brachte" (141).

Wie man sieht, ist der Anwalt einer "zynischen Vernunft" in diesen Kurzportraits abendländischer Philosophen alles andere als zynisch, nämlich einfühlsam und wohlwollend gegenüber dem jeweiligen Theorietyp - wenngleich seine Vorliebe für den dekonstruktiven, die Ansprüche einer Vernunftallmacht destruierenden Typus des nachmetaphysischen" Denkens doch unüberhörbar bleibt. Dass einige bedeutende Namen wie Thomas oder Spinoza fehlen, sei nur erwähnt, keineswegs in kritischer, eher in herausfordernder Absicht.

Auch wenn der Rezensent selbst entschieden die Möglichkeit und Fruchtbarkeit moderner Sinn-Systematik vertritt, einer von Allmachtsphantasien befreiten Reflexionsphilosophie auf der Linie Kant - Fichte - Hegel, die Sloterdijk bisher nicht zur Kenntnis genommen zu haben scheint; auch wenn mir umgekehrt seine eigene, möglicherweise konstruktive Philosophie kaum deutlich geworden ist, so ist ihm zuzugestehen, dass er mit dieser sprachkräftigen Art von ereignishafter, urheberzentrierter Philosophiegeschichte einen Erweis des Geistes und der Kraft geliefert hat, wie er in der derzeitigen Schulphilosophie kaum anzutreffen ist. Auf eine verschwiegene Voraussetzung von Sloterdijks Denken sei schließlich hingewiesen: Er sieht offensichtlich eine Kontinuität in der Abfolge der Denker, eine Geistes-Geschichte als Reflexions-Schichtung. Wie verträgt sich derartige, freilich nicht deduzierbare "Vernunft in der Geschichte" (Hegel)mit seiner vielfach geäußerten Vernunft-Skepsis? Der Titel "Philosophische Temperamente" spielt diese geschichtskonstruktiven Bezüge etwas einseitig psychologisierend herunter, mag darin auch ein Fichte-Wort anklingen: "Was für eine Philosophie einer wählt, hängt davon ab, was für ein Mensch er ist." Was natürlich auch für den Geist dieses brillanten, wenngleich auch diskutablen Buches gilt. Sloterdijk ist für mich der Poet der geistesgeschichtlichen Einbildungskraft.
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am 3. September 2013
Genuß an Sloterdijk fantasievoller Sprache allenfalls. Im Schnellverfahren durch die "Temperamente" der Philosophen, die man erst einmal wieder studieren und sich vergegenwärtigen müßte, um zu verstehen, was diese Kurzbeurteilungen eigentlich meinen.
Braucht man nicht - dieses Buch... sorry - bei aller Wertschätzung.
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am 21. November 2009
Blaise Pascal schreibt in seinen Pensées vom Menschen als einem denkenden Schilfrohr; wer kann dann nicht verstehen, wie die neu erlebte Zerbrechlichkeit des Menschen sichtbar wird. Was Nietzsche an Pascal entdeckte, ist jener Sinn für eine intellektuelle Redlichkeit, die sich gegen die eigenen Interessen zu wenden vermag; fiat veritas, pereat mundus. (Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe die Welt darüber zugrunde.) Doch wieviel Gewißheit der Mensch braucht, um sich im Denken zu orientieren, ist eine Frage, die spätestens mit Husserl beantwortet wird. Weniger als absolute Gewissheit wird nicht genügen, meint er. Kann man daraus schließen, dass im Wissen, dass es absolute Gewissheit nicht geben wird, Orientierung im Denken ebenso ausgeschlossen ist?

Neunzehn Miniaturen großer Philosophen sind es, die Sloterdijk über 2500 Jahre im Mittel aus Notwendigkeit und Willkür gewählt hat und subjektiv über sie berichtet. Getreu dem Motto Fichtes, dass die Wahl des Philosophen von der eigenen Wahl des Menschseins abhängt, wird auch Sloterdijk zumindest seine willkürliche Wahl getroffen haben, denn Platon zu wählen als den nahen Anfang aller Philosophen ist eine Notwendigkeit. Über den Typenansatz des Menschen (man wählt, wie man ist) hinausgehend, gilt der Ansatz der Temperamente. Sloterdijk kommt nicht an eine Grenze auf diesem seinen Weg, weil auch er erkennt, dass man an keine Grenze kommen kann, soweit man auch gehe. Dieser Gedanke Heraklits trägt das Buch und die Vorstellungen Sloterdijks, die sich eben mehr in den Verbindungen und Übergängen großer Denker bewegen und somit den Kontext deren Geistesleben offenbaren. In allem wird deutlich, dass ein Ziel aller Philosophie ist, aus berauschten Meinungsinhabern besonnene Wissensfreunde zu machen. Und aus den Sklaven der Leidenschaften heitere Selbstbeherrscher. Denn, dass der Mensch etwas sei, was überwunden werden müsse, ist seit Nietzsche Programm und mit dem Wiener Kreis um Wittgenstein wurde dem Genius Grandiosität zur Pflicht. Selbstübersteigung, so Sloterdijk, wurde zur Mindestbedingung. Der Mensch ist nun nicht mehr als ein Seil zwischen einem Tier und der Logik im Sinne Wittgensteins. Logik nicht mehr im Sinne der prosaischen Sprache, vielmehr in der korrekten Wortwahl innerhalb eines Satzes und letztlich als ein Sprachspiel in der "Passion eines Intellekts, der sich seinen Ort in der Welt an deren Grenzen zu erklären versucht". Des Menschens Existenz wird mit Sartre zur Verdammung zur Freiheit und final mit Foucault ist der Mensch tot. Tot in dem Sinne, dass er nicht mehr den Urbedingungen genügt, sondern sich in seiner Überwindung neu schaffen muss in seiner Sorge um sich. Spätestens hier erkennt man die Rundung der philosophischen Welt, die in Hegel einen Wendepunkt erfuhr und wo Foucault als Denker des 20. JH. sich nun Nietzsche nimmt und jener über Schopenhauer von Platon lernte, dass die Selbstüberwindung seit jeher Aufgabe des Menschen sei. Wieder ist der Mensch auf sich zurückgeworfen als auf den Selbstschöpfer aller Dinge. Wieder ist die alte Fassung: "Ich, Plato, bin die Welt" [Lou Salome über Nietzsche], möglich geworden und steht als letzte Weisheit am Anfang aller Philosophie.

Nach den bravourösen Übersichten von Russell, Weischedel u. a. über die Geschichte der Philosophie und ihrer Denker ist Sloterdijk ein neuer Blick gelungen, der die Aufgabe der Philosphie als Umbeseelung, Umbegeisterung der Menschen hervorhebt, letztendlich den Weg mit den großen Miniaturen (Platon, Aristoteles, Augustinus, Bruno, Descartes, Pascal, Leibniz, Kant, Fichte, Hegel, Schelling, Schopenhauer, Kierkegaard, Marx, Nietzsche, Husserl, Wittgenstein, Sartre, Foucault) aufzeigt, den alle Philosophie dem Menschen gibt: aus ihnen erwachsene Weltbürger zu machen. Oder die Antwort auf die Frage zu geben: Wie die freien Bodenlosen wieder zu festen sachlichen Verhältnissen kommen können?

So wie Sloterdijk vorwarnend auf die subjektive Wahl hinweist, gilt dieses für den Rezensenten als Leser und Schreiber ebenso, aber auch für den Leser, also für Sie, der in seinem Interesse das Gelesene mit seiner Erfahrung verbindet. Subjektivität erscheint somit als Wahrheit und als Unwahrheit gleichzeitig, unvorstellbar und nahezu destruktiv im Sinne Platons, der diese Gleichheit ins Reich der Transzendenz verschob oder man trifft sich im Kierkegaardschen "Entweder - Oder", nämlich dort, wo eine Wahl zu treffen im Angesicht des Unglaublichen und des Zweifels notwendig ist. So ist Kierkegaard Vorbild der Moderne, man betritt mit ihm das Zeitalter der "schöpferischen Entscheidung". Ein anregendes Intermezzo durch die philosophische Zeit- und Ideengeschichte ist hier dem philosophischen Essayisten Peter Sloterdijk (1947-) gelungen.
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am 8. Dezember 2016
Selten eine schlechtere philosophische Porträtierung gelesen. Sloterdijk behmüt sich einer anspruchsvollen Rhetorik, diese kann jedoch nicht den Hauch von nichts übertünken der hier produziert wurde. Jedem/ Jeder Leser/In sollte auffallen wie dünn und oberflächlich dieses Werk geschrieben ist, es ist nicht anmaßend im Stande den Klassikern der Einführung in die Philosophie das Wasser zu reichen. Jeder/e der/die sich einbildet nach dem Lesen wirklich einen tiefen Einblick in das Denken der Philosophen erhalten zu haben oder nur behauptet durch das Lesen der Lektüre deren Grundgedanken zu kennen, unterliegt einer gestörten Selbstwarnehmung oder ist von der rhetorischen raffinesse Sloterdijks getäuscht worden. Fortgeschrittene Leser können sich entgegen der hier angeführten Komentare kein weiterführendes Wissen erwarten, sie können sich trotz einiger Anspielungen an philosophische Insider über noch weniger Erkenntnis freuen. Das Werk hält überhaupt nich was die Beschreibung verspricht. Als Einführung in die Philosophie empfehle ich: Weischedels Philosophische Hintertreppe, Die Philosophie des Abendlandes Russels, Störigs Kleine Weltgeschichte der Philosophie oder Ludwigs Philosophie für Anfänger. Zur Einführung in Foucaults Denken empfehle ich das Utb Profil Ruffings von Foucault.
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Peter Sloterdijks "Philosophische Temperamente - Von Platon bis Foucault" stellt eine Zusammenstellung von Vorworten dar, die der Philosoph seit Mitte der neunziger Jahre für eine Sammlung von Primärtexten der jeweiligen Denker verfasst hat. Dabei geben die insgesamt 19 Essays nicht so sehr Einblick in das Denken der großen Philosophen von Platon bis Foucault als vielmehr in die Rhetorik und philosophischen Grundprämissen von Sloterdijk selbst.

Der Gedanke, der im Zentrum von Sloterdijks vorhergehender Darstellung Du mußt dein Leben ändern steht, lautet, dass der Mensch selbst als ständig übendes Wesen Architekt seiner eigenen Existenz ist. Dementsprechend wirken Sloterdijks Essays zu den großen Philosophen der Freiheit und der Selbstgestaltung, Sartre und Nietzsche, besonders enthusiastisch: "Nietzsches berüchtigtes Wort vom Übermensch bedeutet in diesem Kontext nichts anderes als die Aufforderung, aus dem Halbfabrikat, das Mütter und Lehrer in die Welt entsenden, ein autoplastisches sich fortbildendes Ich-Kunstwerk zu schaffen" (114) beschreibt Sloterdijk in der für ihn typischen Sprache die Essenz von Nietzsches Denken. Ebenso spürt man seinen Furor über die Fundamentalismen jedweder Coleur, die danach trachten, das Denken und Sich-Selbst-Gestalten durch einfache und simple Wahrheiten zu ersetzen: "Der Fundamentalismus [...] kann immer nur Hilfskonstruktion für Hilflose liefern; er erzeugt nur Scheinsicherheiten ohne Weiterwissen; auf lange Sicht ruiniert er die befallenden Gesellschaften durch die Drogen der falschen Gewißheit" (28). Als Gegengift hierfür biete es sich an, den "Zeiten und Wegen des klassischen Denkens noch einmal zu folgen" (29).

Philosophie als Sinnstiftung, Philosophie als Lebenskunst, Philosophie nicht als graue Theorie, sondern als Praxis der eigenen Lebensgestaltung; die Grundpfeiler Sloterdijks Denken sind auch in seiner Behandlung der großen Philosophen von Platon bis Foucault jederzeit zu spüren. Somit ist "Philosophische Temperamente" vor allem für Sloterdijk-Fans zu empfehlen, die daran interessiert sind, wie sein eigenes Denken in der Behandlung von 2500 Jahren abendländischer Philosophiegeschichte sichtbar wird.
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am 20. Januar 2013
Die Zusammenstellung einer Reihe kurzer Aufsätze über Philosophen durch die Denkgeschichte stammt aus einer Reihe von Vorworten zu "Philosophie Jetzt", monographische Lesebücher zu den einzelnen Denkern. Dort als Leselust machender, sehr subjektiver Auftakt machen die Stücke eher Sinn. Bei der Zusammenfassung in einem Band bleiben kurze rein wertende Aufsätze übrig. Dies ist in bei Sloterdijk gewohnter sprachlicher Brillianz und Zuspitzung geschrieben und macht schon Laune. Besonders Fichte und Schelling erfahren hohe Wertschätzung, was dem Autor schon vorher immer wieder ein Anliegen schien. Überhaupt erfährt man in kurzer Form mehr über den philosophischen Instrumentenkasten Sloterdijks, als über die Denker. Für die Fangemeinde oder zum Einstieg in die Denkwelten ist dies durchaus geeignet und macht sicher etwas Auflage. In Regalmaß und Surrogat gehört es doch eher zu den dünneren Bänden Sloterdijks. Ein niveauvoll unterhaltender Begleiter auf einer Zugfahrt war es allerdings.
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am 1. Januar 2014
Peter Sloterdijks Ritt durch 2500 Jahre Philosophiegeschichte durch eine überdeutende Kommentierung ausgewählter Philosophen ist gewiss keine Anfängerlektüre. Dies möchte ich in zweifacher Hinsicht anhand von Zitaten aus dem Kapitel über Husserl verdeutlichen.
1) Für philosophische Anfänger und Laien ist das Buch schwer zu bewältigen. Obwohl die Kapitel als Überschrift nur den Namen des Philosophen tragen, ordnen sie ihn nicht (philosophie-) geschichtlich ein oder geben einen Überblick über dessen Hauptwerke und den Kern seines Denkens. Dies wird beim Leser vorausgesetzt; hier eine Kostprobe aus dem Husserl-Kapitel: „In diesem Prozeß sprach die Phänomenologie ihr Urteil gegen die Wesensblindheit des vulgären Relativismus und Psychologismus ebenso wie gegen die Subjektivitätsblindheit des szientistischen Objektivismus.“
2) Auch sollte man mit Sloterdijks eigentümlicher und ausdrucksstarker Denk- und Schreibweise vertraut sein – also man sollte schon vorher von ihm etwas gelesen haben. Dies erleichtert ungemein die Einordnung des Textes, wenn man die Sloterdijkschen Eigenheiten gewohnt ist.
Bsp.: So wird Husserl zu „den philosophierenden Weltärzten des 20. Jahrhunderts“ gezählt: „Als Lehrer der denkenden Selbstwahrnehmung entrückte er sich und seine Schüler in ein theoretisches Sanatorium“.
Wenn beim gewillten Leser beide Voraussetzungen erfüllt sind, wird es eine kurzweilige Lektüre mit dem gewohnten Sloterdijkschen Tiefgang. Besonders hervorzuheben sind für mich die Kapitel zu Marx und Nietzsche, wo eindrucksvoll die spannungsvolle Rezeption beider klar dargestellt wird. Erwähnenswert sind ebenso die Ausführungen zu Fichte und Husserl – diese nicht leicht zu bewältigenden Philosophen werden von Sloterdijk mit einer solchen Leichtigkeit und Verständlichkeit portraitiert, dass mir der Zugang zu beiden nach der Lektüre leichter fällt. Allerdings stößt es mir als Schopenhauerianer sauer auf, wenn der Großmeister nur mit 2 (!) Seiten bedacht wird.
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TOP 500 REZENSENTam 6. September 2010
Die Stafette des europäischen Feuers wurde entzündet bei Parmenides und Heraklit. Sloterdijk greift dieses Feuer auf und gibt in dem Buch auf etwa 140 Seiten die Kurzportraits der bekannten 19 abendländischen Philosophen und deren wesentlichen Inhalte wieder. Wer bei dem Begriff Kurzportrait vermutet, es sei ein leichter und seichter Überblick der wird sich wundern, denn die Gedanken haben es in sich!

Man entdeckt in dem Buch Platons Meisterschriften, die als Samenbank der Ideen spätere Intelligenzen befruchteten. Aristoteles zeigt einem das Gebäude des Wissens, dass er als Gemeinschaftswerk vieler Generationen ansah. Als Mann der Mitte verherrlichte er das Wunder des Seins im Stetigen und Normalen.
Augustinus wird zum Staatsanwalt Gottes. Es folgen die leuchtenden Gedanken von Giordano Bruno. Man begegnet Descartes, der mit dem Wort "Methode" die Fenster zur Gegenwart aufstieß. Weiter geht es zu Pascal, der von dem Menschen als einem denkenden Schilfrohr sprach.
Lesenswertes findet man zu dem Alles-Könnenden, Alles-Versuchenden und Alles-Unternehmenden Leibniz. Dann folgt der bürgerliche, übersinnliche Kant, der sich aus der Metaphysik zurück zog und zur spontanen Selbstformung aufforderte.
Von Fichte, dem Entdecker der entfremdeten Subjektivität, der als kategorischen Imperativ forderte: "Verwende Dich selbst für die Hervorbringung einer besseren Welt.", geht es zu dem Vollendungsphilosophen Hegel der in der Metaphysik allein die Vollendung im "Jetzt" sah.
Schelling, der Mitwisser Gottes, wendet sich von der Großartigkeit der Vernunft ab und erkennt die Grenzen sterblicher Reflektionen.
Weiter geht es zu Schopenhauers Willenslehre und der Betrachtung der Triebnatur des Seins. Sein Ruf nach " Verzicht" gegen den Lebenshunger der Moderne wirkt wie ein einsamer Rufer in der Brandung.
Es folgt Kierkegaard für den es unmöglich war am Lichtfaden der Begriffe ins Zeitlose aufzusteigen.
Dann findet der Leser den bisher unverstanden Marx und sein Abenteuer der "Kritik der proletarischen Vernunft."

Nietzsche, dem Artisten der Metaphysik, wird Respekt gezollt, der den Menschen als ein autoplastisch sich fortbildendes "Ich-Kunstwerk" ansieht, der nun von der Selbsterkenntnis zur Selbstverwirklichung übergeht.

Zu Husserl, Wittgenstein, Sartre und Foucault stehen auch noch schöne Gedanken in dem Buch. Für Foucault sprechen z.B. viele Anzeichen dafür, daß die gegenwärtigen Generationen durch einen Weltformbruch hindurchgehen, der an Tiefgang und Folgenreichtum mindestens ebenso bedeutsam ist wie jener, der vor 2500 Jahren die klassische Philosophie provozierte.
Sloterdijk empfiehlt das Buch des europäischen philosophischen Wissens von neuem aufzuschlagen und dem Weg des klassischen Denkens noch einmal zu folgen, im Sinne von lesen und "WIEDER DENKEN"

Fazit: Tolles anspruchsvolles Buch, dass zeigt wie "die Münze umgeprägt wird".
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TOP 500 REZENSENTam 17. April 2012
Es ist bewundernswert, wie der Philosoph und Schriftsteller Peter Sloterdijk dieser Sammlung von ihm verfaßter Vorworte, die Lesebüchern der vergriffenen Reihe "Philosophie Jetzt!:" entnommen sind, in der Titelwahl Zusammenhang gibt und ihnen gewissermaßen ein zweites Leben einhaucht. (zur Lesebuchreihe s. z.B. Philosophie Jetzt! Fichte)

Schon das Vorwort zu den Vorworten bereitet großes Vergnügen, wenn er den Buchtitel der philosophischen Temperamente mit Fichte - "Welche Philosophie man wähle, hänge davon ab, was für ein Mensch man sei." - begründet und dann interpretiert, was dieser damit sagen wollte:
»Die unterwürfigen Seelen entscheiden sich für ein naturalistisches System, das ihre Servilität rechtfertigt, während Menschen von stolzer Gesinnung nach einem System der Freiheit greifen. Diese Beobachtung ist so wahr wie eh und je.«
Die besondere Pointe dieser Lesart liegt darin, daß ein Naturalist jetzt einwenden würde, daß Fichtes Sentenz doch im Grunde genommen selbst naturalistisch ist ;-). Einen Moment sieht man ganz klar, wie verschlungen doch die Frontlinien in die Freiheitsdebatte verlaufen.

Wer die Kreativität und den Metaphernreichtum von Sloterdijks Sprache schätzt, wird auch an diesem Bändchen seine Freude haben. Zur Euphorie von fünf Sternen fehlt es aber ein Stück. Zum einen - das geht an den Verlag - geizt dieser mit Hinweisen auf weiterführende Literatur. Dabei ist z.B. das Vorwort zu Giordano Bruno mit seinen drei Seiten wirklich nur ein geistreicher Appetitanreger für den Primärtext, als dessen Vorwort es gedacht war. Da wundert es einen dann auch nicht weiter, daß der Verlag im Platon-Text auch nachlässig darin war, die sog. amtliche Rechtschreibung auszumerzen, die sich sein Autor Sloterdijk ja in allen seinen Publikationen verbittet. Zum anderen - und das geht an den Autor - beklagt sich Sloterdijk im Vorwort zu Recht darüber, daß die Nachlaßbesitzer von Heidegger und Adorno die Lesebücher zu diesen beiden Autoren verhindert hätten. Ist das aber ein Grund, nicht wenigstens diese beiden Lücken in der Sammlung der Vorworte zu schließen?
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