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Kundenrezensionen

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am 13. März 2006
Zugegeben: "A Passion Play" ist nichts für den schnellen emotionalen Kick oder das gefällige Mitträllern schlichter Refrains. Eingängig ist die Musik aber allemal - und wie! Spätestens nach dem zweiten Hinhören horcht man auch auf - eben auch auf den Text, der es neben einer superben musikalischen Umsetzung wahrlich in sich hat.
Im Unterschied zu heiteren Ironie von "Thick As A Brick" setzten sich Ian Anderson & Co mit "A Passion Play" auf düster-ironische Weise mit Gott und Welt, hier mit Sterben und Tod auseinander. Vernimmt man zu Beginn ein Herz, das langsam zu schlagen aufhört und den Eintritt des Todes anzeigt, so entführt uns das Album im Anschluss sogleich in die "Welt danach". Wer sich nicht auf die düstere Ironie der ständig flashartig wechselnden Szenen einlässt, wird wohl die abgründige Genialität dieses Albums nicht zu schätzen wissen. Wer sich dagegen der Mühe unterzieht, sich auf den assoziativen inneren Dialog von Musik und Text dieses grandiosen Albums einzulassen, wird in ein faszinierendes Passionsdrama entführt, das metaphorisch für das eigene Leben steht und in eine aufwühlende Auseinandersetzung mit Tod, Sterben und dem Sinn des Lebens führen kann. Eine Reise durch Himmel und Unterwelt, die immer wieder Licht auf das Leben und seinen Sinn oder seine Sinnlosigkeit wirft (die Frage bleibt unbeantwortet und wird an die Hörerinnen und Hörer weitergereicht), das einem immer tödlich endenden Drama gleicht, eben einem "Passionsspiel".
Die Genialität dieses 1973 erschienen Albums ist oft verkannt worden. Dafür sorgte ein Mainstream-orientierter Musikgeschmack, der - im Unterschied zu Jethro Tull - keinen Blick für die milde Absurdität des Lebens hatte, das sich phasenweise eben nur düster-ironisch beschreiben lässt. "A Passion Play" ist damit so etwas wie die musikalische Umsetzung des absurden Theaters, für das Namen wie Samuel Beckett ("Warten auf Godot") und Eugène Ionesco stehen. In dieser Persektive passt dann auch die absurd-heitere Einlage "The Hare Who Lost His Spectacles" (auf der Remastered-CD auch als Videoclip!), in die man nicht zu allzu viel hineingeheimnissen sollte.
A Passion Play - das ist "Tull at their very best"! Ein musikalisch und poetisches Meisterwerk, das sich damit trösten darf, dass es das Schicksal des Genies ist, verkannt zu werden. Schade nur, das Jethro Tull so dünnhäutig auf die Kritik reagierten, statt sich in aller Ruhe ihrer Sache gewiss zu sein. Was für ein grandioses Album! Musikgeschichte eben.
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am 7. August 2007
Bei allen Lobhymnen, Biografien und sonstiger Laudatio im Zusammenhang mit dem musikalischen Schaffen von Jethro Tull steht in vorderster Linie immer Thick as a Brick, das sicherlich zu Recht als Meisterwerk bezeichnet wird. Aber das A Passion Play in der Gunst so abfiel (zumindestens damals 1973), bleibt für mich bis heute unverständlich. Ich stelle mir daher manchmal vor, Thick as a Brick hätte es nicht gegeben (grausige Vorstellung) und frage mich dann, ob der Stellenwert von A Passion Play ebenfalls so negativ wäre. Man stelle sich bei diesem Album bitte vor, sperrig hin oder her, dass wir hier ein Stück Musik haben, was zum besten überhaupt zählt. Für mich schwierig war allein der Zugang zum Thema, wie Ian Anderson das Leben nach dem Tode besonders skurril umsetzt. Nicht dass Thick as a Brick jetzt besonders leicht gewesen sei, aber Anderson sagt selbst, dass ihn die warme, homorvolle und völlig ironische Geschichte vom 12jährigen Gerald Bostock letztlich heute noch im besonderen Maße erfreut und Spaß macht. Und darum wird auch immer wieder ein Auszug davon auf Konzerten gespielt. Nach Anderson's Darstellung sei die damalige Band komplett nach dem Riesenerfolg und Lob für Thick as a Brick gemeinsam in die Falle getappt, ein ernsthaftes Konzeptalbum vorlegen zu wollen. Zu diesem Zweck hatten sie sich damals nach Frankreich zurückgezogen, ins Chateau d'Heurieuxville (ich glaub, müsste richtig geschrieben sein), um dort dort ein Doppelalbum aufzunehmen. Man sieht, der Wunsch, Thick as a Brick so richtig zu toppen, war da. Alles was in Frankreich dann folgte, muss wohl eine einzige Katastrophe gewesen sein, so dass das eigentlich wunderschöne Schloss den neuen Namen Chateau d'Istaster erhielt. Bei dem Song Skating away ... wurden dann die Aufnahmen abgebrochen. Was nun tun. Es war bereits eine Menge Zeit vergangen, so dass der Kostenfaktor im Nacken saß, insbesondere auch deswegen, weil die Band trotz der hohen Steuern doch lieber wieder nach England wollte. Die Aufnahmen noch mal von vorne beginnen, wollte Ian auch nicht, also arrangierte er die Musik vollkommen neu, verkürzte auf normale Albumlänge und so entstand A Passion Play. Viele musikalische Ideen blieben wohl unberücksichtigt. Beweis sind die etwa 11minütigen Chateau d'Isaster's Tapes auf dem 20jährigen Jubiläum. Wer solch tolle Musik unveröffentlicht lässt, muss von seinen Qualitäten wahrlich überzeugt sein. Wenn man sich überlegt, wer heutzutage alles seinen Scheiß veröffentlichen darf ... ohne Worte. Auf welchen späteren Alben noch musikalische Ideen aus der Passionzeit verwendet wurden, entzieht sich größtenteils meiner Kenntnis. Sicher verbrieft sind zwei Songs auf War Child, nämlich Skating away ... und Only Solitaire. Aber sonst müsste da noch mehr sein, denn es waren schließlich die Ideen für ein Doppelalbum da. Wie auch immer, musikalisch ist A Passion Play ebenfalls Meisterklasse, aber vielleicht waren die Ansprüche nach Thick as a Brick für viele einfach zu hoch geworden, wer weiß das schon. Auf jeden Fall entschied Ian Anderson danach, diesen Weg nicht mehr weiter zu verfolgen, möglicherweise sehr zum Leidwesen vieler Fans, und kehrte zu "einfacheren" Songs zurück. Nur Baker St. Muse war noch mal ein Ausflug in diese Gefilde. Was vielleicht A Passion Play für viele so problematisch machte, war diese skurrile Geschichte über das Laben nach dem Tode, die gesangsmäßig mit dem aussetzenden Herzschlag zu Beginn des Albums einsetzt. Mir ist außer für die nach dem Album folgende Tour nicht bekannt, ob A Passion Play jemals wieder live gespielt wurde. Wie gesagt Thick as a Brick bereitet Ian Anderson wohl immer neues Vergnügen, A Passion Play aber wohl nicht. Zumindestens von der Musik her aber völlig zu unrecht. Die Frage wäre dann letztlich wirklich zu stellen, wäre A Passion Play ohne Thick as a Brick nicht vielleicht Jethro Tull's Meisterwerk? Nun, ich will da nicht spekulieren, Thick as a Brick ist vielleicht eines der schönsten und zeitlosesten Werke, die es gibt, aber der Stellenwert von A Passion Play ist für mich heute völlig unterbewertet. Und Humor ist doch mit the Story of the Hare, who lost his Sectacles trotzdem da. Musikalisch zwar ganz aus dem Kontext, aber eine köstliche Geschichte. Für alle, die sich gerne öfter mit einem Stück Musik beschäftigen sei A Passion Play eine absolut lohnenswerte Empfehlung. Aber das Album braucht Zeit, vielleicht waren 34 Jahre noch nicht genug.
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am 12. Februar 2004
"Jethro Tull" waren immer relativ vielseitig und Anderson hat es verstanden immer die eine oder andere Seite der Band bis ins Extrem herauszufordern. Mit "A Passion Play" aus dem Jahre 1973 erleben wir den exzessiven Höhepunkt der komplexen Progressiv-Rock-Phase der Band. Nach dem allseits als genial anerkannten "Thick as a brick", ebenfalls einem sehr komplexen, aber im Vergleich noch eingängigen, Progressiv-Rock Album, nun der Exzess. "A Passion Play" ist sehr pompös, mit Hörspiel-Passagen bestückt, mit jazzigen Ausbrüchen, die man von Tull so nie mehr gehört hat, komplex, voller Rhythmus- und Tempowechsel...und deshalb das Meisterwerk der komplex-progressiven Seite der Band.
Natürlich fehlen Andersons eindringlicher Gesang, sein intensives Flötenspiel und die akustisch getragenen, leiseren Töne auch auf "A Passion Play" nicht - aber alles in allem würde ich das Album doch nur den wirklichen Proggies da draußen empfehlen. Für die wird es, wie für mich auch, wohl immer ein geniales Stück Musik bleiben. Nicht zuletzt hört man auf "A Passion Play" wer, neben den anderen Ur-Vätern, den Prog auf den Weg geschickt hat. Jeder aber, der mehr die eingängige, leichter verdauliche Folk-Rock Seite der Band bevorzugt, sollte sich vielleicht eher an spätere Veröffentlichungen halten.
Die einzige Kritik, die man üben könnte, beträfe vielleicht die Tatsache, dass Anderson kein angemessenes Ende des Ganzen findet. "A Passion Play" endet irgendwie mitten drin...wenn man es nur einmal hört. Beginnt man das Ganze aber wieder von neuem, dann verflüchtigt sich dieser Eindruck und man entdeckt, dass es sich um einen Endlos-Track handelt, für den das Ende nur eine kurzer Kunstpause bedeutete. Ein Moment der Stille der im Prinzip genauso zur Komposition gehört, wie alles andere.
Also: Ran an dieses zeitlose Kunstwerk!
5 Sterne!
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am 15. Juli 2014
Ich beziehe mich auf die Neuausgabe von Jethro Tulls "A Passion Play - An Extended Performance". Daher muss ich wohl zur Musik kaum noch etwas sagen, hoffe ich, nach 26 anderen Rezensionen. Die Musik finde ich persönlich großartig, die Musiker sind allesamt hervorragend und das komplexe Werk ist ein weiterer Beweis, wie hintersinnig witzig Ian Anderson einst war. A Passion Play spielt so sehr mit dem aufgeblasenen Prog seiner Zeit, ohne dass es die Kritiker, die das Werk in der Luft zerrissen, gemerkt haben, dass es eine Freude ist. Folkige Passagen und harter Rock, intelligente Lyrics, all das in typischer Tull-Weise der frühen Jahre. Einzig das dominate Saxophon statt der Flöte ist ungewöhnlich.
Bedauerlicherweise führte die Kritik dazu, dass Anderson selbst sein Werk nicht mehr mochte und allen, die A Passion Play für eines der besten Tull-Alben halten, den Aufenthalt in der geschlossenen Psychatrie empfahl. Nun ja, Anderson war nie ein besonders freundlicher Mensch (weiß dies aus erster Hand).
Was spricht nun für die Extended Performance?
A Passion Play war ein Konzept-Album mit einem Stück pro Seite, unterbrochen von dem Nonsense-Gedicht "The Hare who lost his spectacles". Noch auf der CD gab es nur zwei Titel zum anwählen. Hier die erste entscheidende Neuerung: es gibt jetzt 15 Stücke zum anwählen, alle haben plötzlich Titel. Dass man die Titel jetzt anwählen kann, finde ich gut, sollte man auch bei anderen Alben machen (z.B. bei Amarok von Mike Oldfield).
Zudem wurden ungefähr in der Mitte der ehemaligen zweiten Seite (jetzt track 10) ca. 50 Sekunden Musik/Gesang angehängt, die damals einfach rausgeschnitten worden waren. Das irritiert zuerst, hat man sich doch an die andere Fassung gewöhnt.
Steven Wilson hat beim Stereo-Mix versucht, einzelne Instrumente klarer hervortreten zu lassen, wodurch er andere stärker reduzieren musste, das Sopran-Saxophon z.B. wurde z.T. ganz gelöscht, aber nur selten, obwohl Anderson es am liebsten ganz rausgenommen hätte. Der Sound ist gut im Stereo-Mix, obwohl A Passion Play (das Original) schon immer eher dumpf klang.

CD 2 ist die großartige nun fast vollständige Vorgänger-Session "The Chateau D'Herouville", die bereits bruchstückhaft auf der 20 Years of Jethro Tull-Box enthalten war und fast ganz auf Nightcap.
Hier muss ich ganz ehrlich sagen handelt es sich ein bisschen um ein Mogelpaket: wer Nightcap hat und kennt, ist, finde ich, besser bedient. Zwar sind die jetzigen Fassungen "echter" und ca. 10 Minuten länger, aber sie bieten kaum Mehrwert. Alle Songs (bis auf Sailor?) sind bekannt, die 10 Minuten mehr rühren nur von "Skating away..." (hier in der Erstfassung) und anderen Streckungen her. Die Flöte, die Anderson für Nightcap eingespielt hatte, wurde wieder herausgenommen, was ich sehr schade finde. Auch dass No Rehearsal nicht mehr auf Audition folgt, ist gewöhnungsbedürftig.
Wilson und Anderson rechtfertigen das damit, dass es der geplanten Reihenfolge entspräche und der Fan (?) lieber den rohen echten Entwurf wolle als die überarbeitete Fassung auf Nightcap. Hm, gilt für mich nicht. Nightcap klingt auch besser. Steven Wilson lässt auch irgendwie alles lebloser wirken, bei den Sessions sogar manchmal dumpf. Das ist natürlich nur mein Eindruck, habe allerdings auch keine super teure Highend-blabla-sonstwas-Anlage. Mag sein, dass da dann der 5.1 Surround-Mix einen umwirft.
Abschließend bleibt noch zu sagen, dass die Verpackung klasse ist, ein 80-seitiges Buch mit den lyrics (auch zu den sessions) und einem Nachdruck des originalen Linwell-Theatre-Programms (das natürlich auch ein Witz ist: alle Schauspieler sind die Musiker mit Pseudonym, die Autorin des Stücks, Rena Sanderone ist fast ein Anagram von Ian Anderson usw.) Ausführliche Äußerungen und Erinnerungen der damaligen Band-Mitglieder und von Wilson sowie Tournee-Daten, Zeitungsausschnitte und mehr, die vielen Fotos nicht zu vergessen, runden das Paket ab, das für 2 CDs und 2 DVDs und das dicke Buch echt günstig ist.
Ach ja, als Schmankerl gibts noch VIDEO-Material: der großartige kleine Film "The Hare who lost his spectacles" (ca. 7 Minuten lang; war bereits auf der remastered-Ausgabe von 2003 dabei) sowie intro und outro film footage (die Ballerina, tot, wird wiedergeboren), das bei der Tour gezeigt wurde.
Insgesamt, trotz aller Bedenken und der für mich besseren Chateau-Fassung auf Nightcap (natürlich auch eine Frage der Gewöhnung) für Tull-Fans ein Muss.
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am 11. Mai 2012
Kurz nach Auflegen der Scheibe vermeinte ich, in einen Frank Zappa-Titel geraten zu sein, doch nach den ersten Takten offenbart sich das progressive Genie von Ian Anderson, das auf "A Passion Play" seine Vollendung findet. Dabei machen es Jethro Tull dem geneigten Hörer gar nicht leicht, verwenden oft dissonante Sequenzen, Jazz-Anleihen und Elemente des Musiktheaters in kunterbunter Reihenfolge.Der Vorgänger "Thick as a Brick" war da bedeutend kontinuierlicher komponiert. Beschrieben wird die Reise eines Toten im Jenseits-eine Mischung aus Pathos und typisch britischem Humor.
Das Zwischenstück "The Story of the Hare Who Lost His Spectacles" ist zwar nettes Cabaret, jedoch für den inhaltlichen und musikalischen Fluß des Albums eher störend.
Für den Hörer, der Jethro Tull von früheren , aber auch späteren Produktionen her kennt, ist "A Passion Play" eine ungewöhnliche Herausforderung mit Unikat-Status-Jethro Tull kehrten nach diesem Album wieder in eingängigere Strukturen zurück. Dennoch hörenswert, am besten abends mit Kopfhörer.
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am 25. Februar 2004
Viel Kunden fragen sich jetzt vielleicht, warum ich zwei verschiedene Rezensionen zum selben Album verfasse:
Meine erste Rezension verfsste ich in einem wesentlich kritischeren Grundtenor, weil ich mich damals mit A PASSION PLAY nicht anfreunden konnte. Zum Kontrast hier meine aktuelle Meinung, die wesentlich positiver ausfällt, zumahl ich ja nun Zeit genug hatte, mich mit diesem Epos auseinanderzusetzen.
Wer meine Rezensionen kennt, der weiß vielleicht, dass es mir eigentlich nie progressiv genug sein kann (siehe Yes, Genesis).
A PASSION PLAY ist das progressivste, was Jethro Tull jemals der Musikwelt zumuteten. Es ist nicht so stringent und flüssig durchkomponiert wie der kongeniale Vorgänger THICK AS A BRICK, sondern wesentlich zerfahrener, abgehackter, jazzlastiger, dafür aber auch abwechslungsreicher. Man muss Anderson für seinen Ideenreichtum Respekt zollen, denn einfallsreicher und anspruchsvoller klangen sie nie wieder und nachdem dieses tolle, auch von mir zunächst zu Unrecht verissene Album vernichtende Kritiken einheimste, wandte Anderson sich der kommerzielleren Musik zu und schrieb eine leichter verdauliche Fortsetzung des Epos, nämlich WARCHILD, welches ebenfalls noch sehr progressiv ist, allerdings auch offener und zugänglicher. An meiner Meinungsänderung bezüglich dieses Albums erkennt man, dass die Alben, die man zunächst ratlos in die Ecke schmeißt, am Ende doch am besten sind, weil sie nicht so schnell zünden, dafür aber länger brennnen.
Das Stück zeigt besonders Bassist Jeffrey Hammond und auch Schlagzeuger Barriemore Barlow auf ihrem Höhepunkt in der Band. Die Interaktion zwischen Bass und Schlagzeug ist absolut genial, besonders weil Hammond ja auch an der Komposition des Stücks mitbeteiligt war. Überdimensionale Rhythmen und weit ausladende Keyboredpassagen machen das Album zu einer Bombastorgie ohne Gleichen. Leider wirkt der Einsatz des Synthesizers etwas deplaziert und fehl am Platze, auch die Flöte wurde von Anderson schonmal verschwenderischer eingesetzt, dafür kommt aber das Saxophon zum Einsatz und das nicht zu knapp, was den avantgardistischen Touch noch verstärkt. Die aksutischen zwischenpassagen allerdings sind atemberaubend emotional, zumal die Akustikgitarre hier ein wenig mehr Verwendung findet, als noch auf THICK AS A BRICK. Man findet hier sogar mittelalterlich folkloristische Passagen, die schon auf die Richtung hindeuten, die Anderson zwei Jahre später mit MINSTREL IN THE GALLERY einschlug. Etwas weniger Synthesizer und mehr Querflöte hätten dem Album gut getan, weil es dann etwas organischer klingen würde. Ein kleiner Lichblick in dieser düsteren Inszenierung musikalischen Irrsins ist das Monty Python inspirierte Hörspiel THE STORY OF THE HARE WHO LOST HIS SPECTACLES, welches soweit ich weiß von Bassist Jeffrey Hammond vorgetragen wird. Einfach nur witzig und kurios. Nach hundertmaligem Konsum dieses Epos (eine andere Bezeichnung wäre unangemessen) vertsehe ich nun die inneren Zusammenhänge im Song. Es gibt aber immer noch viel Schatten auf dem Album, besonders die kakophonischen Ausbrüche der Band in einigen Passagen. Doch diese verstärken den Kontrast und machen das Stück umso dynamischer, abwechslungsreicher, beinahe schon zu einem Musical, besser noch, zu einem Theaterstück. Repräsentativ für Tulls Musik ist dieses Werk nicht, dennoch aber hebt es sich deutlich von allen anderen Tull Alben hervor. Genauso wie für THICK AS A BRICK hat Anderson heirfür den Musiknobelpreis verdient, schade nur, dass einen solchen nicht gibt.
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am 13. Juli 2005
Das ist keine Kritik, das ist eine Laudatio:
Rockmusik auf ihrem Höhepunkt. Schade, dass Jethro Tull sich durch die durchwachsenen Kritiken auf dieses Werk
wieder auf konventionellere Wege begeben haben.
Die Qualität von "A Passion Play" wurde nie mehr erreicht.
Auf das überragende "Thick as a Brick" - Album hat Ian Anderson nochmals eine nicht für möglich gehaltene Steigerung folgen lassen. Tiefe Verneigung. Mit "A Passion Play" haben sich Jethro Tull in die Walhalla der Rockmusik gespielt.
Das Passionsspiel hört zu den drei Scheiben, die ich auf die Insel mitnehmen würde, vielleicht sogar die definitive Nummer eins.
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am 25. Februar 2003
Jethro Tull hat einige superbe Alben geschaffen. Das bisher beste war jedoch 1973 das Konzeptalbum: A Passion Play, ein Werk, das bis heute polarisiert. Man liebt es oder lehnt es ab, aber man muss sich damit auseinandersetzen. Ist ein Hörer aber bereit, sein Hirn und Herz für diese Musik zu öffnen, wird er reichlich belohnt. Die gesamt Bandbreite der Pop/Rockmusik von leise bis laut, von filigran (akustisch) bis bombastisch, alles drauf auf diesem Werk. Und es kommt der ernorme Fortschritt der CompactDisc zum Tragen: dank CD muss nämlich nicht mitten in "The Hare Who Lost His ..." die Platte umgedreht werden.
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am 1. August 2014
Steven Wilson hat einen unglaublichen Job geleistet. Der 2014er Remix hebt sich klar von allen anderen Veröffentlichungen vorher ab. Er ist klar, angenehm trocken, luftig und sehr dynamisch. Die Instrumente sind im Stereospektrum ortbar gut verteilt und rücken näher an den Hörer. Obwohl bei Passion Play ja bekanntlich instrumental viel los ist, kann man nunmehr alles sehr gut differenziert hören. Ich hatte es schon seit langem vor, aber mit diesem Mix kann man sich nun endlich an eine Transkription trauen, so gut sind die Stimmen auszumachen.
Am allerwichtigsten ist (leider bei heutigem Mastering) aber zu nennen, dass hier nicht auf Brickwall Loudness gemastert wurde. Ich habe es noch nicht gemessen, aber ich tippe auf einen DR Wert von um die 12.
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am 7. Juni 2007
Nein, jedes Album der Jethros hat unterschiedliche Stärken und Schwächen, wobei bei diesem die Stärken deutlich überwiegen und weil es einfach eins der genialen Alben von JT ist. Die ersten drei Alben waren bluesig-poppig und eher unbeschwert, Aqualung driftete wieder ins rockig-folkige ab, während mit Thick as a Brick und dem hier rezensierten Alben richtiger Prog geboten wird. Nach diesen beiden Alben ging es dann wieder in Richtung Folk; wobei nach einem grandiosen Livealbum die Musik für mich persönlich immer schlechter wurde.

Wie bei "Thick as a Brick" und vielen Mike-Oldfield-Sachen hat man es hier mit einem Tonträger mit zwei überdimensionalen Longtracks à ~21 Minuten zu tun. Gut, dass man sie nicht in unterschiedliche Sektionen geteilt hat, damit würde man nur den "natürlichen Zusammenhang" stören. Los geht's mit PP Part 1: nach einer Minute psychedelischen Effekten, Zirpen und Klopfen von Synthesizern und dissonantem verfremdetem Saxofongequietsche und Hammondklängen erklingt ein "frickeliger", fanfarenartiger, jazziger Teil für Schlagzeug, Hammond und Synthi, Mike-Oldfield-esquer Gitarre, Flöte und Saxophon. Nachdem eines dieser dort vorkommenden Themen pfeifend wiederholt wird, wird es "tullig": Andersons - besonders hier - ausdrucksstarker Gesang, dezentes Klavier und Gitarrenbegleitung, wobei auch das hier komplexer als auch "Aqualung" klingt, und vor Allem melancholischer und düsterer, was v.A. durch den pessimistischen, aber genialen Text zu begründen ist. Alles zusammen klingt - musikalisch wie textlich - wie eine Fortführung von "My God" auf "Aqualung" zwei Jahre davor.

Frickelige Hammondorgel und ein Vibraphon leiten einen kurzen saxophonlastigen und freejazzigen Teil ein, wobei nach etwa einer halben Minute der akustische Teil wieder aufgegriffen wird. Wieder geht das ganze in einen Improvisationsteil über, der jedoch hier orgellastiger ist. Wie erwartet, wird es wieder akustisch. Diesmal klingt es eher nach klassischer Gitarrenmusik, begleitet von plingender Hammondorgel. Jetzt wird es richtig proggig: vertrackte Gitarren-, Bass-, Orgel- und Keyboardlinien erklingen und werden ab und zu von Andersons Gesang begleitet. Nach 12 Minuten - vom Anfang aus gerechnet - kommt auch noch eine rockige Flöte dazu, wie immer nach der guten alten Anderson-Manier gespielt. Man hört zwar überall sehr deutlich den klassischen Tull-Stil durch, wobei man an vielen Stellen auch an "Van der Graaf Generator" erinnert wird. Nach einiger Zeit wird es beinahe hard-rockig/bluesig. Anderson ist gesanglich in Hochform! So geht es dann auch bis zum Ende weiter.

Weiter zu "Part 2".

Jetzt geht es weiter: und zwar mit der "Story of the Hare who lost his Spectacles". Zu Orchestermusik trägt John Evan in englischer Art eine surreale Geschichte über einen Hasen, der seine Brille verloren hat, vor. Herrlich! Vor allen Dingen die zahlreichen Wortspiele und die Aussprache und Art des Vortragens sind ungemein komisch. Wer "The Wind in the Willows" kennt, könnte sogar auf die Idee kommen, dass die hier vorliegende Geschichte eine Art (liebevolle) Parodie von "TWitW" ist.

An seltenen Stellen hört man einzelne Instrumente der Bandmitglieder durch, die das Orchester dezent begleiten (Hammond und Saxophon erklingen manchmal). Nach einer kurzen rockigen Gesangseinlage Evans (!) geht es mit Synthesizer mit schneller Gitarrenbegleitung und Querflöte über. Die Synthesizerteppiche, die dort zu hören sind, lassen einen direkten Vergleich mit Mike Oldfields "Incantations" zu. Das klingt wirklich, als ob Oldfield sich ein Beispiel daran genommen!

Danach folgt ein Bandteil mit Hammond, Gesang, A-Gitarre und Schlagzeug, der einen an das Album "Aqualung" erinnert ("My God", "Wind-up" etc.). Wenig später kommt auch noch das Saxophon, der Synthi und die E-Gitarre dazu; es wird instrumental und "proggig/frickelig". Nach einem kurzen Hammond-Zwischenspiel hört man wieder nur noch Anderson singend und Gitarre spielend. Wenig später wird die Gitarre durch den Synthesizer abgelöst (d.h. Anderson wird nur noch von Synthi begleitet), dann kommt wieder die ganze Band dazu. Bombastische Hammondklänge erklingen, der Synthesizer plingt dazu, bis die Band wieder einsetzt und ein neues Thema beginnt, das wieder leicht psychedelisch/bluesige Klänge bringt: Anderson singt tief und chromatisch und brüllt ab und zu in die Aufnahme herein. Anstatt jedoch - wie es bei Peter Hammill mit VdGG der Fall ist - das Lied in einem Klangchaos inklusive furiosem Geschrei enden zu lassen, wird man - nach einer klassischen Gitarren-Bridge - in einen perkussiven Endteil geleitet, wobei auch die "klassischen Mike-Oldfield-Gitarren" nochmal einsetzen. Bevor alles in die - erlösende - Stille übergeht, fängt Anderson nochmal das "Passion Play"-Thema aus dem ersten akustischen Teil von Part 1 aus und lässt das Album - letztendlich - mit dissonanten Stakkato-Saxofonnoten ausklingen.

Wahrlich, keine leichte Kost. Aber auf jeden Fall - für Proggies - eine Gesunde! Mit diesem Album (und dem Vorgänger) waren sie - kurzfristig - auf gleicher Stufe mit den "Top 4" des Progs: "King Crimson", "Yes", "Genesis" und "ELP". Wie gesagt, die anderen Alben waren nicht wirklich schlecht, aber - bis auf den Vorgänger - weniger progverwandt.

Am besten vergleichbar ist das ganze Spielchen am Ehesten mit "H to He" oder "Pawn Hearts" von "Van der Graaf Generator".

Eigentlich, wenn man sich das Album genauer betrachtet, ist - rein musikalisch - kein großer Unterschied zu "Aqualung" etc. Nur: hier werden die rockig/bluesigen Sachen - wunderbar - in proggige und häufig auch jazzige Instrumentalteile eingebettet.

Der zweite Teil nimmt qualitativ nach dem ersten Teil ein wenig ab, da der erste Teil kreativer, spielfreudiger und proggiger klingt. Das würde die Note "4/5" ergeben. Hätte man die zwei Stücke andersherum veröffentlicht, wäre es eine glatte "5/5" gewesen.

ABER: der halbe Punkt für den Kultstatus (den das Album trotz der damaligen Kritiken verdient hat: es war immerhin auf Platz 1 der LP-Charts!!!) und der halbe Punkt für das Bonusmaterial werten das ganze ein gutes Stückchen auf: auf der CD findet sich nämlich ein Filmchen von der Ballettaufführung von der "Hare"-Geschichte. Denn, dieses Konzeptalbum über Tod und Leben nach dem Tod, wurde sogar als eine Art "Musical" aufgeführt. Herrlich, zu der ohnehin amüsanten Story den verkleideten Evan zu sehen, der mit den Tierfiguren und Tänzerinnen auf der Bühne herumtobt. An einer Stelle springt sogar Ian Anderson durch das Bild.

Daher: gut gemeinte, aber verdiente 5 Punkte! Für Progger: uneingeschränkte Kaufempfehlung (vor allen Dingen für die Van der Graaf und Genesis Fans)!
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