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am 22. April 2012
Benjamin (Ben) Schilling lebt seit geraumer Zeit in dem verschlafenen Nest Wingroden, oder wie er es gerne nennt: am Arsch der Welt. Dorthin gekommen ist er eigentlich nur aufgrund des Durchsetzungsvermögens seiner Mutter, die unbedingt wollte, dass er eine Lehre zum Gärtner bei seinem Großvater macht ' er, der eigentlich viel lieber Mechaniker werden würde. Im Laufe der Zeit ist sein Großvater, den Ben immer nur Karl nennt, jedoch so senil geworden, dass sich der Spieß quasi umgekehrt hat. Nun kümmert sich nicht mehr der Großvater um seinen Enkel sondern umgekehrt. Ben fühlt sich von seinem Leben ziemlich veräppelt. Sein Traum ist es, in einem zebrafarbenen VW-Bus nach Afrika zu fahren, um das Abenteuer seines Lebens zu erleben und den Spuren seines Vaters zu folgen. Doch stattdessen sitzt in dem unbedeutendsten Ort Deutschlands fest, mit einer handvoll Einwohner und Karl als Klotz am Bein. Einer der wenigen Bewohner Wingrodens ist Maslow, der das genaue Gegenteil Bens darstellt. Er liebt seine Heimat so sehr, dass er alles daran setzt, diesen Ort weltberühmt zu machen. Immer wieder schmiedet er neue Pläne ' einer verrückter als der andere. Bis er schließlich auf die Ide mit den UFOs kommt. Ben, dem nichts ferner liegt als Maslows Pläne zu unterstützen, wird ungewollt Komplize der UFO-Taktik und somit in Maslows Geheimnis integriert. Als dann plötzlich die vermeintliche Journalistin Lena auftaucht, nimmt die Geschichte einen unerwarteten Lauf, der durch das Gefühlschaos eines Teenagers und zu einer bedeutenden Wende der Geschichte führt.

Anmerkungen:

Zu Beginn schleppt sich die Geschichte ein wenig, da einfach nichts Interessantes geschieht. Doch nach einigen Tracks merkt man, dass dies einfach nur Taktik ist. Man lernt sämtliche Einwohner Wingrodens mit all ihren Eigenheiten kennen, die Umgebung lieben und die Gedankengänge des Teenagers Ben zu verstehen. Die Geschichte, die aus der Sicht des Protagnisten erzählt wird, berichtet auch von seiner Vergangenheit ' von dem ursprünglichen Charakter seinem Großvater, von seiner weltoffenen Mutter und seinem verstorbenen Vater. Man lernt aber auch seinen größten Traum kennen, nämlich einmal nach Afrika zu reisen, um den Spuren seines Vaters zu folgen. Was schleppend begann, erlebt im letzten Drittel der Geschichte plötzlich eine beachtliche Wende. Lena, eine vermeintliche Reporterin, tritt plötzlich in das Leben aller Wingrodener und verursacht besonders bei Ben ein wahres Gefühlschaos. Plötzlich steht für Ben die Welt auf dem Kopf, was durch das jähe Verschwinden Lenas noch auf den Höhepunkt getrieben wird. Auf der Suche nach ihr gerät er letztlich auch auf die Suche nach seinem eigenen Ich. Der Schwerpunkt der Geschichte wendet sich von dem Bekanntmachen Wingrodens durch die UFO-Idee Maslows auf das Erwachsenwerden des Protagonisten.

Doch nicht nur Bens Leben gerät aus den Fugen, auch das der restlichen Einwohner Wingrodens wird Schlag auf Schlag durcheinander geworfen, so dass es zu einer überraschenden Wende und einem unerwarteten Ende kommt.

Fazit:

Anders als der Klappentext vermuten lässt, handelt es sich bei Pampa-Blues nicht um eine verrückte UFO-Geschichte, sondern vielmehr um eine tiefgründige Darstellung der Probleme des Erwachsenwerdens. Man erlebt die Entwicklung Bens von einem genervten Teenager hin zu einer Person, die sein Leben lieben lernt.
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am 8. März 2012
"Pampa Blues" spielt im Sommer, nirgendwo auf dem Land in Wingroden: Der Asphalt flirrt, die Sonne sticht, es wird Bier und Limo getrunken, ein UFO gesichtet, im Baggersee gebadet, mit dem Tuk-Tuk gefahren, hochgestapelt und tiefgefallen, sehnsüchtig gefühlt und eigentümlich gehandelt - und dann taucht Lena mit ihrem Peugeot auf und verdreht vor allem dem 16jährigen Ben Schilling den Kopf, der bei seinem kopfmüden Großvater lebt und eigentlich eine Gärtnerlehre macht, obwohl er die ganze Zeit an Autos schraubt und davon träumt, mit einem zebragestreiften Bus nach Afrika zu reisen. Plötzlich ist nichts mehr wie vorher und nachher. Und der Erzähler führt so leicht durch die Geschichte, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand gibt, weil man endlich wieder weiß, wie das mit 16 ist, wenn die Hitze von drinnen und draußen kommt.
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am 30. Juli 2012
Erster Satz:
ICH HASSE MEIN LEBEN.

Inhalt:
Der Traum vom großen Reißausnehmen schlummert schon lange im 16jährigen Ben. Er sitzt in einem verschlafenem Dorf fest und sorgt sich um seinen debilen Großvater. Während seine glamouröse Mutter durch Europa tourt, weiß er noch nicht mal, wie es sich anfühlt, ein Mädchen zu küssen. Um ein wenig frischen Wind in das kleine Örtchen zu bringe, entschließt sich Bens bester Freund Manlow zur Umsetzung seiner schlechtesten Idee überhaupt. Er möchte Gerüchte über ein UFO ins Land streuen, damit die Presse ihm hilft, das Dorf aufregender wirken zu lassen.
Als dann tatsächlich das Mädchen Lena von der Zeitung auftaucht, wissen die Anwohner nicht mehr was sie glauben sollen. Die Presse eilt auf einmal einem Mordverdächtigen hinterher und Ben merkt: Er hat sich verliebt.

Meine Meinung:
Das Buch kommt unscheinbar daher, aber für mich ist dieses wirklich das Cover Highlight des Jahres 2012! Es ist natürlich und kommt ohne viel Photoshop aus. Es wirkt für sich ohne Glitzer, überlagerte Bilder oder ineinanderverschlungende Schriftzüge. Obendrein ist es ein sehr witziges Motiv: eine alte Zapfanlage einer Tankstelle - mitten im Nirgendwo. Und genau dort spielt auch die Geschichte natürlich hat da auch eine Tankstelle seinen Auftritt. Das Foto sieht also nicht nur toll ländlich aus, sondern passt auch perfekt zum Inhalt des Romans, was den Verlagen in letzter Zeit nicht mehr viel Wert zu sein scheint.. Veredelt wird die ansehnliche Gestaltung noch vom breiten Rahmen, der ebenso schlicht schwarz gehalten wurde wie die Lettern, in denen Titel und Autor abgedruckt wurden. Für mich stimmt hier einfach alles und das beste, es ist mal kein 0815 Verschnitt.
Auch die Geschichte ist etwas außergewöhnlicheren Kalibers. Langsam lernt man den Hauptprotagonisten Benjamin kennen und erwährt nach und nach seine Einstellung zum Leben und seine Probleme. Ich hätte nur ungern mit ihm getauscht. Wer will schon im jugendlichen Alter für seinen uralten und senilen Großvater verantwortlich sein, ohne Taschengeld, ohne Freizeit und ohne Freunde. Das macht sicher keinen Spaß. Deswegen konnte ich Bens Wunsch, nach Afrika auszuwandern, so wie es einst sein Vater getan hatte, sehr gut nachvollziehen. Seine Träume und Sorgen werden von ihm selbst so ehrlich und nackt erzählt, dass ich mich schon peinlich berührt fühlte. Dieser Junge gibt so viel, da kann man es ihm nicht verübeln, am liebsten woanders zu sein, oder? Spannend empfand ich auch die Entwicklung, die Ben durchlebt. Bereits zu Beginn wirkt er viel älter und reifer als man es bei einem 16jährigen für möglich halten könnte. Doch fehlende Klassenkameraden, Partyräusche und das Hinwegsetzen über elterliche Regeln haben aus ihm einen verantworungsbewussten, jungen Mann gemacht. Ich habe ihn mit der Zeit wirklich in mein Herz geschlossen.

Wie in einem Blues spürt man bereits von der ersten Seite an die tragische Komponente.

Nicht nur, dass Ben sich in ein anderes Leben wünscht. Er muss ohne Eltern auskommen. Zwar wird dem Leser diese Information nicht zurück gehalten, aber man verweilt auch nicht lange an diesem traurigen Wendepunkt in Bens Leben. Die Erwähnung scheint genug, es gibt anderes, worüber man sich Sorgen machen muss - so wirkt Benjamin. Im Gegensatz zu vielen anderen Jugendromanen haben wir hier keinen zu sehr selbstbemitleidenden Jungen sitzen, der an allem rumnörgelt und zutiefst naiv ist. Endlich habe ich meinen Helden gefunden, mit dem es Spaß macht, den abenteuerlichen Geschichten Betrunkener zu lauschen oder Luftschlösser in den Himmel zu bauen.

Seite 61

>> Ich erwische mich wieder bei dem Gedanken, dass es mir nicht viel ausmachen würde, wenn sie mit mitteilen würde, Karl sei krank und müsse bald sterben.
Ich hasse mich dafür und wünschte, ich würde anders ticken. <<

So sehr mich die Erzählung auch berührte .. leider passierte einfach nichts. Es blieb bei dem einsamen Jungen am Ende der Welt, um ihn herum viele alte Menschen. Erst nach etwa 100 Seiten scheint die Geschichte Fahrt aufzunehmen, plötzlich kommt Bewegung in die Gesellschaft. Denn bislang diente das Gewort nur dazu, um einem die Figuren vorzustellen. Die Eigenheiten der verschiedenen Dorfbewohner wurden in kleinen Szenen liebevoll und detailreich präsentiert. Nun brennen einem die Charakterzüge im Kopf und man kann frei dem weiteren Verlauf des Romans folgen, ohne sich in jedem dritten Satz fragen zu müssen, wer jetzt noch einmal Otto und wer dieser liebeskranke Jojo war. Das macht viel aus und kitzelt auch hier einen Bonuspunkt für das Buch aus mir heraus. Doch die Taktik allein macht die angenehme Atmosphäre, in der die Protagonisten schweben, nicht aus. Ein entscheidender Faktor ist auch die Schreibe. Dieses Detail ließ micha auch die anfängliche Durststrecke überstehen, denn sie war durch den flüssigen Text nur von kurzer Weile.
Nachdem endlich etwas Spannung aufkommt, entwickelt sich der bislang sehr erwachsene Roman in ein regelrechtes Feuerwerk aus jugendlichen Emotionen, kindlicher Zurückhaltung und sprudelnder Neugierde! Lappert bietet nun mit dem auf, was aus seiner einfachen Idee ein Jugendbuch werden lässt. Er erzählt vom Erwachsenwerden, vom ersten Kuss und dem unwiderstehlichem Traum, einfach abzuhauen - weit weg!
Da ich glaube, dass diese Geschichte dennoch eher die ältere Generation ansprechen wird, möchte ich es ein gelungenes jugendliches Erwachsenenbuch nennen. Lest es und fühlt euch noch einmal wie 16!

Mein Fazit:
Die Frische und Freiheit, der Mut zu träumen und darum zu kämpfen werden zwischend den Buchseiten verborgen gehalten. ~ 4 Sterne ~

papierkruemel.blogspot.com
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am 3. September 2013
Die Idee, dass ein Jugendlicher mit seinem Opa zusammenlebt ( in einem seelenverlassenen Dorf) läßt einen nicht ahnen, wie toll sich die Geschichte im Laufe des Buches entwickelt. Durch die tollen Einfälle der Dorfbewohner (nur um Menschen in Ihr Dorf zu locken, um es wieder berühmt zu machen) wird man als Leser immer wieder verblüfft und möchte am liebsten auch dorthin. Eine sehr liebe Geschichte!
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am 14. Juli 2013
... dann reicht es jemandem, der sich hierher verirrt, zu erklären, dass sich aus den Buchstaben dieses Örtchens ein wohl äußerst passendes Anagramm bilden lässt, nämlich: Nirgendwo.
Dann wäre eigentlich alles gesagt.
Denn in Wingroden passiert einfach nichts. Jedenfalls nichts Erfreuliches...
So sieht es der 16-jährige Ben, der ziemlich gefrustet ist von seinem Dasein in diesem Kaff.
Doch dann überschlagen sich die Dinge - Ben erlebt seine erste Liebe und wird im Laufe des Sommers immer erwachsener.

Rolf Lappert lässt seinen unkonventionellen Helden Ben in einem herrlich lakonischen und auf dem Boden der Tatsachen gebliebenen Ton von seinen Eindrücken, Erlebnissen, Einsichten, Erfahrungen, Sehnsüchten und seinem Leben und Leiden in Wingroden mit dessen verschlafenen Einwohnern und deren schrulligen Macken und Einfällen erzählen.
"Pampa Blues" ist sehr originell, sympathisch und Rolf Lappert beweist großen Einfallsreichtum. Einige Ideen sind jedoch sehr skurril, wirken aber nie übertrieben oder gar an den Haaren herbeigezogen.

Der Autor konzentriert sich sehr auf die Hauptfigur, weshalb man Bens Beweggründe, Gefühle und Gedanken gut verstehen und nachvollziehen kann.
Die meisten Nebencharaktere bleiben dagegen relativ farblos, kommen zwar hin und wieder vor, aber nach einer geraumen Zeit habe ich es immer noch nicht geschafft, die Namen mit den einzelnen Figuren zu verbinden.

"Pampa Blues" liest sich leicht, da es mit ein klein wenig Tiefe und Tragik überwiegend komisch und amüsant ist und ich so vor allen Dingen meinen Spaß an diesem Roman hatte. Es wird aber nichts ins Lächerliche gezogen, was mir sehr positiv aufgefallen ist.

Auch die Milieustudien sind eher locker gehalten, dafür aber treffend auf den Punkt gebracht.
Das Buch schlägt, wie gesagt, auch ernste Töne an, doch die meisten dieser Probleme sind sehr typisch und schon ziemlich "ausgelutscht". Jedoch finde ich die Erwähnung des Schreckens des Tschetschenienkriegs und dessen Folgen für einen einfachen Soldaten sehr gut.
"Pampa Blues" ist somit auch ein Buch, das mich nachdenklich stimmt.

Fazit: Ein Mauerblümchen erzählt mit einer trockenen Aufrichtigkeit von seinem Leben in der Pampa. Erfrischend, zu Herzen gehend und mit einer gewissen Tragik: Das ist für mich "Pampa Blues".

"Ich lege das Skizzenheft weg. Die Sonne ist gewandert. Sie steht jetzt genau vor uns, drei Handbreit über dem leeren Feld. Karl macht noch immer seine Schnipsel. Er erinnert sich nicht daran, einen Sohn namens Paul gehabt zu haben, der vor acht Jahren in Afrika ums Leben gekommen ist. Manchmal beneide ich ihn fast darum, dass er vergessen kann." - S.78
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am 22. Januar 2016
Rolf Lapperts Roman 'Pampa Blues', erstmals erschienen 2012 im Carl Hanser Verlag München, handelt von dem 16 jährigen Ben und seinem dementen Großvater Karl.
Die Geschichte spielt in einem kleinen Dörfchen namens Wingroden. Ben muss auf seinen an Demenz erkrankten Großvater aufpassen, aus diesem Grund hasst er sein Leben. Diese Melancholie zieht sich durch das gesamte Buch. Auch nach dem absurden Plan Maslows, Wingroden mithilfe eines UFOs berühmt zu machen, wird das Buch nicht spannender.
Auch hat das Buch wenig Spannung und Auflockerungen, die Sprache ist sehr einfach gehalten, so hat man die Geschichte verdaut, bevor man das Buch zu Ende gelesen hat. Leider sieht man alles nur aus der Perspektive vom Protagonisten Ben, der im gesamten Buch nur weinend der Ferne entgegensehnt, anstatt sich auf sein momentanes Leben zu konzentrieren.
Für mich eine sehr unwahrscheinliche Geschichte, da ich niemanden kenne, der sein Leben so hasst, nur weil er/sie in einem Dorf wohnt. Es werden generell nur die negativen Aspekte eines Dorfes beschrieben.
Das Ende ist wie der Anfang nur mit dem Unterschied, dass plötzlich alles super ist und alle glücklich sind. Ein kläglicher Versuch ein Ende à la Hollywood zu schaffen. Ich empfehle dieses Buch nur für Leute, die keine Ansprüche haben.
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am 3. Mai 2014
Der Artikel wurde schnell geliefert.
Es ist ein Buch, dass sich einfach liest und eine nette Geschichte aus unserer heutigen Zeit (etwas rückständige Landgegend) ist. Es ist mehr für jugendliche, aber auch für erwachsene, die sich an ihre Jugendzeit gerne erinnern ist diese Buch ganz nett.
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am 4. April 2013
Man könnte dem Buch die Überschrift „Miteinander leben“ geben. Denn genau darum geht es. Bens Vater ist schon lange tot, seine Mutter, eine Musikerin zieht durch ganz Europa von einem Auftritt zum anderen. Ganz bequem hat sie ihren Sohn Ben beim pflegebedürftigen Schwiegervater platziert. Bens großes Verantwortungsbewusstsein, mit dem er sich um seinen Opa kümmert, hat mich beeindruckt und ihn für mich zu einer liebenswerten und interessanten Romanfigur gemacht.

Eingebettet in eine Gemeinschaft skurriler Leute in einem vergessenen Dorf, fühlt man gemeinsam mit Ben den Widerspruch zwischen Geborgenheit und Trostlosigkeit. Der Roman bleibt stets in der Schwebe zwischen Melancholie und Heiterkeit.

Mir genügte es, den Anfang des Romans zu lesen, um zu wissen, dass ich dieses Buch lesen muss. Mein Gefühl hat nicht getrogen, die Tonart des Textes blieb bis zum Schluss konstant.
Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus Sicht Bens.

Der Anfang:
Ich hasse mein Leben. In drei Jahren werde ich zwanzig, das ist die Hälfte von vierzig. In acht Jahren ist Karl neunzig, und ich bin fünfundzwanzig und vielleicht noch immer hier. Mit ihm. Das will ich mir gar nicht erst vorstellen. Die Realität reicht mir völlig.
Karl steht vor mir, splitternackt. Schaum liegt auf seinen knochigen Schultern wie Schnee. Er schlottert ein wenig, dabei ist es warm im Badezimmer. Der Spiegel hat sich beschlagen, unter der Decke hängen Dampfschwaden. Ich trockne Karl den Rücken ab, weil er das nicht mehr selber kann. Was Karl alles nicht mehr selber kann, würde ganze Bücher füllen. Karl schwankt und streckt die Arme nach der Wand aus. In fünfundsechzig Jahren bin ich so alt wie er jetzt.
„Hier, dein Gehänge kannst du dir selber abrubbeln“, sage ich und gebe ihm das Handtuch.
„Gehänge ist gut“, nuschelt Karl und kichert.

Rolf Lappert erwies sich erneut als großer Erzähler und hat meiner Meinung nach ein fantastisches Jugendbuch geschrieben, dass auch Erwachsenen schöne Lesestunden beschert. Im Gegenzug zu seinem Erwachsenenbuch „Nach Hause schwimmen“ war das Geschriebene direkter und dynamischer. Für mich eine deutliche Verbesserung.

S. 57
Die Sonne scheint, aber es ist noch nicht wirklich heiß. Weit weg, auf der Linie, die sich zwischen den Feldern und dem Himmel hinzieht, liegen ein paar schneeweiße Wolken. Ein leichter Wind weht. Wenn ich ein anderes Leben hätte, würde ich mich bestimmt über einen so schönen Morgen wie diesen freuen.

Die zart eingebettete Liebesgeschichte beginnt erst spät, ist nur ein Nebenhandlungsstrang. Im Vordergrund steht definitiv Bens Beziehung zu seinem Großvater.
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am 29. Oktober 2015
Meiner Meinung nach ein gelungenes Buch. Es ist erfrischend anders und sehr ansprechend geschrieben.
An manchen Stellen hat es sich jedoch etwas gezogen, was aber nicht besonders tragisch war im Nachhinein.
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am 14. August 2012
Ben ist sechzehn und der einzige Jugendliche in Wingroden. Müsste er sich nicht um seinen senilen Opa Karl kümmern, so wäre er schon längst weg, am liebsten in Afrika, dem Land seiner Träume. Sein Vater ist tot, seine Mutter tingelt als Jazzsängerin durch die Welt, und Ben steckt in einem abgelegenen Dorf fest, dessen Bewohner bis auf eine Ausnahme alle männlich sind und seine Väter, wenn nicht gar seine Großväter sein könnten. Er macht eine vorgebliche Gärtnerausbildung und schraubt leidenschaftlich an alten Fahrzeugen herum.

Der Alltag ist öde und wird durch die abendlichen Zusammenkünfte im Gasthaus Schimmel" auch nicht spannender. Worüber sollte man auch reden, wenn den ganzen Tag nichts passiert ist?

Wenn das so weitergeht, wird Wingroden in Kürze von der Landkarte verschwinden, aber das will Kneipenwirt Maslow, der hier geboren wurde und trotz finanzieller Erfolge wieder zurückgekehrt ist, unbedingt verhindern. Sein Plan ist ehrgeizig: Mithilfe eines selbst gebauten UFOs soll Wingroden weltweite Aufmerksamkeit erregen und zu einem Wallfahrtsort für Journalisten, Wundergläubige und Sensationslustige werden.

Leider zeigen die lokalen Zeitungsredaktionen sich kaum interessiert an den ersten UFO-Sichtungen. Dann taucht Lena auf, die angeblich eine Autopanne hatte. Ist sie eine getarnte Reporterin? Warum sonst hat sie eine so professionelle Fotoausrüstung dabei? Zumindest ist sie jung genug, um Bens Fantasie zu beflügeln, und sie scheint ihren Automechaniker auch gar nicht so übel zu finden. Wenn da bloß nicht Opa Karl wäre, den man keine Minute aus den Augen lassen kann!

Schon auf den ersten Seiten zieht Rolf Lappert den Leser mitten in das schräg-charmante Universum von Wingroden. Der liebenswerte Ich-Erzähler Ben mit seinen nur allzu menschlichen Schwächen und Träumen ist ein wunderbarer Beobachter und charakterisiert die Dorfgemeinschaft präzise, illusionslos und dennoch immer mit respektvoller Zuneigung. Hier wird niemand abgeurteilt oder ausgegrenzt, die Schrullen der Alteingesessenen werden einfach wertfrei beschrieben. Auch Ben ist ja einer von ihnen und wird trotz seiner jungen Jahre genauso selbstverständlich integriert wie sein dementer Opa Karl, der traumatisierte Russe Georgi oder der Bier trinkende Hund Rühmann.

Genau das macht für mich den größten Reiz dieses Romans aus: dass die Charaktere keine Schwarz-Weiß-Abziehbilder sind, sondern liebevoll gestaltete Persönlichkeiten mit sämtlichen Spleens und Momenten innerer Größe, die Menschen nun mal so haben. Hinzu kommt die wirklich witzige Story rund um das falsche UFO, das dem rührigen Maslow ziemlich außer Kontrolle gerät, und natürlich die hauchzarte Liebesgeschichte zwischen Ben und Lena. Es gibt sogar einen mutmaßlichen Mord in Wingroden. Ganz so öde ist es eben doch nicht auf dem platten Land im hohen Nordosten.

Pampa Blues ist im höchsten Maße empfehlenswert, und das keineswegs nur für jugendliche Leser!
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