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TOP 500 REZENSENTam 29. November 2015
Der Roman Günter de Bruyns erschien 1984. Der Jenaer Friedenskreis propagierte wie so viele andere in der DDR "Schwerter zu Flugscharen" und schon der Begriff "Herrlichkeit" bei der Beschreibung von Lebensverhältnissen in der DDR wirkte als satirische Provokation in Anbetracht der vielen Probleme in Wirtschaft und Versorgung und der Beschneidung der Freiheit vieler im Land. Diese Empfindung setzte sich fort mit dem Erleben, mit dem Lesen über Viktor Kösling, der Hauptfigur des Romans. Dieser, für eine Diplomatenlaufbahn bestimmt, sitzt in einem Staatlichen Ferienheim im märkischen Land fest, wo er sich seiner Doktorarbeit widmen soll, lieber jedoch dem Mädchen Thilde nachstellt. Das Ferienhaus ist verkommen, der Beinahediplomat letztlich auch, der sich ganz schnell wendet, als er bemerkt, dass seine Eltern die Verbindung nicht billigen. Ein Opportunist, der die DDR diplomatisch im Ausland vertreten soll, also als Empfänger von Befehlen innerhalb einer Diktatur hervorragend funktioniert, zeigt dieses Funktionieren auch in der persönlichsten aller möglichen Lebensentscheidungen, der, mit wem man sein Leben gemeinsam verbringen möchte. Es ist viel Enttäuschung und Schmerz zu erfahren bei den Figuren von de Bruyns Roman,die so gar nicht dem sozialistischen Menschenbild entsprachen. Dadurch wirken die Charaktere jedoch ehrlich und lebendig, so wie Menschen mit ihrem Können aber auch ihren Schwächen tatsächlich sind. Die erlesbare Traurigkeit als Pendant zu der titulierten Herrlichkeit war eine souveräne Kritik an den Verhältnissen in der DDR an dem propagierten Menschenbild, das von der Wirklichkeit konterkariert wurde. Auch heute sind Menschen immer wieder für große Leistungen , hohe Moral aber auch für fehlerhafte Verhaltensweisen gut, auch ohne die Zwänge der gesellschaftlichen Verhältnisse, die de Bruyns Figuren erlebten. Daher ist das Buch unbedingt zu empfehlen, da es mehr bietet, als nur eine allgemeine Kritik an dem Leben in der nun schon 25 Jahre vergangenen DDR. Inzwischen ist das literarische Werk Günter de Bruyns, welches er nach 1990 schuf umfangreicher als das aus der Zeit in der DDR. Er ist immer noch ein scharfsinniger Denker und großartiger Literat. Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag am 01.11.2016.
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am 4. September 2011
In gewisser Weise handelt es sich mit diesem Roman im Format einer längeren Erzählung um einen kleinen 'Zauberberg' der DDR Endzeit. Im Mittelpunkt steht allerdings kein Sympath in Person eines Hans Castorp, der die Projektsfläche abgäbe für den letzten Streit der Richtungen, sondern ein schlaffes, an der eigenen dysfunktionalen Familie und einem Übervater degeneriertes Funktionärssöhnchen, das im Abseits eines Ferienheims eigentlich seine Dissertation schreiben soll, um so die Diplomatenkarriere zu forcieren. An wissenschaftlicher Arbeit bewältigt der junge Kösling allerdings nicht eine einzige Seite. Sofort eingesponnen von dem aus der Zeit gefallenen märkischen Ort und abgeschnitten von einem Wintereinbruch, betätigt sich der unfähige Doktorrand als Verführer eines Zimmermädchens, das in der 'Neuen Herrlichkeit' genauso feststeckt wie alle andern Angestellten und Gäste. Er manipuliert das Mädchen ebenso wie sich selbst, begehrt es nur als Kompensation für eigenes Unvermögen und ist dabei echter Gefühle überhaupt nicht fähig. Im Hintergrund dräut stets die neurotische Mutter; die im Heim ansässige Witwe eines legendären Großkommunisten betätigt sich esoterisch und und mit süßlich-ältlicher Kitschromantik als Kupplerin; der einzige Konkurrent, ein als Hausmeister arbeitender Systemaussteiger und leibhaftiger Gegenentwurf zum Helden, wird ausgebremst, die gute, aber bei der Schürzenjägerei im Wege stehende Großmutter der Umworbenen in ein Altersheim abgeschoben, das eher einem Totenhaus gleicht. Ja, es handelt sich hier um eine Satire, aber um eine der traurigen Sorte. Wenn man lächelt, dann nur auf die melancholische Weise wie bei Tschechows Stücken. Ich halte das Buch für einen echten Geheimtip. Es erschließt die kalte Stimmung der Stagnation und skizziert ein tragisch verkommenes System, ohne auch nur eine Moralisierung oder Betroffenheitsübung nötig zu haben. Literarisches Schmuckstück, absolute Empfehlung!
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am 7. Oktober 2015
Ich lese und höre in den letzten Monaten sehr viel Literatur aus der späteren DDR. Ich tue dies zur Reflektion meiner Erinnerung an diese Zeit. So habe ich mich der Neuen Herrlichkeit genähert. Gleich vorab- als Hörbuch eine sehr gelungene Sache von Jürgen Hentsch mitreißend gelesen. Und in der literarischen Bewertung stimme ich meinen Vorrednern uneingeschränkt zu. Ein kleiner Zauberberg, eine vielschichtige Parabel auf die DDR- Endzeit. Doch warum gebe ich nur 3 Sterne? Nun, dies ist ein KUNSTwerk, vieles ist wie durch einen Spiegel hindurch abgewandelt, fast ins Allegorische gezogen. Und damit ist dem Buch der Klang,die Sprache dieser Jahre ein wenig abhanden gekommen. Alle Figuren reden und fühlen so, als sei Ihnen jederzeit bewusst, dass Sie in einem Buch leben. Dies gibt der Neuen Herrlichkeit tatsächlich eine gewisse Zeitlosigkeit, aber wie auf einer Theaterbühne und entfernt sie der erlebten DDR der 80er in Richtung eines literarisch durchdrungenen Irgend-Landes mit spärlicher Ost-Deko. Und das ist der große Unterschied zu Tellkamps ,,Turm"- trotz aller intellektuellen Manierismen und Ausflügen ins Phantastische ist dieses Buch eine faszinierende Zeitmaschine: ( Immer wieder) Aufschlagen und schon wird man in die 80er gezogen...Dies schafft die Neue Herrlichkeit bei mir nicht.
Fazit also: Große Literatur, ICH könnte es aber nur lieben, wenn die Neue Herrlichkeit ein wenig mehr vom Geruch und Geschmack des versunkenen Landes trüge...
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am 15. Oktober 2013
Der Versuch einer Einmischung, als den de Bruyn sein gesamtes Schreiben betrachtet, führt im Falle von "Neue Herrlichkeit" zu einem politischen Zeitroman, der die Kritik an den Verhältnissen in der DDR in den Mittelpunkt einer schonungslosen Darstellung rückt.
Siehe meine ausführliche Besprechung des Romans:
Gwosc, Detlef; Das raunende Unperfekt der Gesellschaft zur Sprache bringen: Günter de Bruyns Roman "Neue Herrlichkeit". In: Tate, Dennis (Hrsg.); Günter de Bruyn in Perspective (German Monitor 44). Editions Rodopi, Atlanta-Amsterdam 1999. S. 101-117
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