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Der Musentempel: Ein Krimi aus dem alten Alexandria - SPQR Taschenbuch – April 2004

4.4 von 5 Sternen 15 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

John Maddox Roberts, 1947 in Ohio geboren, machte sich zunächst als Autor zahlreicher Science-Fiction-Romane einen Namen. Sein erster historischer Kriminalroman "SPQR" wurde 1991 für den Edgar Allan Poe Award nominiert und war der Beginn einer Serie ausgesprochen erfolgreicher Romane mit dem Helden Decius Caecilius Metellus.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ich habe nie zu den Menschen gehört, die glauben, es ist besser, tot zu sein, als Rom zu verlassen. Ich bin vielmehr des öfteren aus Rom geflohen, um mein Leben zu retten. Doch Leben außerhalb der Stadt war für mich gewöhnlich so, wie ich mir den Zustand, lebendig begraben zu sein, vorstelle, ein transstyxischer, jenseitiger Stillstand allen Lebens, verbunden mit dem Gefühl, daß alles Wichtige weit weg geschieht. Aber es gibt auch Ausnahmen, und eine davon ist Alexandria.
Ich kann mich noch an meinen ersten Blick auf die Stadt erinnern, als ob es gestern gewesen wäre, nur daß ich von gestern gar nichts mehr weiß. Wenn man sich vom Meer her näherte, sah man natürlich nicht als erstes die Stadt. Man sah Pharos.
Er tauchte als Fleck am Horizont auf, als wir noch mehr als zwanzig Meilen entfernt auf dem offenen Meer waren, über das wir törichterweise gekommen waren, anstatt wie vernünftige Menschen an der Küste entlangzusteuern. Um das Maß unserer Torheit vollzumachen, waren wir nicht mit einem starkmastigen Handelsschiff unterwegs, dem ein Sturm auf offener See nichts anhaben konnte, sondern auf einer prächtigen Kriegsgaleere, die mit so viel Farbe und Gold verziert war, daß ein weniger protziges Schiff allein bei seinem Anblick versunken wäre. Am Bug, direkt über der Ramme, war ein Paar goldener Krokodile angebracht, aus deren Rachen Gischt wie Rauch strömte, während die aus dem Wasser aufblitzenden Ruder uns über die Wellen trieben.

"Dort ist Alexandria!" sagte unser Navigator, ein wettergegerbter Zypriote in römischer Uniform.
"Gute Zeit", grunzte mein hochgestellter Verwandter Metellus Creticus. Wie die meisten Römer haßten wir das Meer und alles, was mit dem Reisen zu Wasser in Verbindung stand. Deswegen hatten wir uns auch für die gefährlichste Route nach Ägypten entschieden. Sie war die kürzeste. Und es gibt nichts, was auf dem Wasser schneller wäre als eine römische Triere unter allen Rudern, und wir hatten die Ruderer seit unserer Abfahrt in Massilia kräftig schwitzen lassen. Wir waren auf einer mühseligen Mission zu einem Haufen unzufriedener Gallier unterwegs gewesen, die wir davon abhalten wollten, sich den Helvetiern anzuschließen. Ich kann Gallier nicht ausstehen und war hocherfreut, als Creticus einen Sonderauftrag vom Senat erhielt, der ihn auf eine neue Mission nach Ägypten sandte.
Vor dem Mast der Galeere war eine hinreißende Miniaturburg errichtet, und ich erklomm die Kampfplattform, um eine bessere Sicht zu haben. Binnen Minuten wurde der Fleck eine erkennbare Rauchsäule, und wenig später war der ganze Turm sichtbar. Vom offenen Meer her kommend, gab es nichts, was uns eine Vorstellung von der wahren Größe des Bauwerks hätte geben können, und es war schwer zu glauben, daß dieses Ding eines der sieben Weltwunder sein sollte.
"Das soll der berühmte Leuchtturm sein?" fragte jetzt auch mein Sklave Hermes. Unsicher hatte er die Plattform nach mir erklommen. Er war noch schlimmer seekrank als ich, was mir eine gewisse Befriedigung verschaffte.
"Ich habe gehört, von nahem soll er weit beeindruckender sein", versicherte ich ihm. Zuerst sah er aus wie eine schlanke Säule, die im gleißenden Licht der Mittagssonne strahlend weiß leuchtete. Als wir näher kamen, erkannte ich, daß ein schmaler Säulenschaft auf einem breiteren stand, der wiederum auf einer noch breiteren Plattform fußte. Dann sahen wir die Insel selbst, und ich bekam eine Ahnung, wie riesig der Leuchtturm war, denn er dominierte die gesamte Insel Pharos, die selbst groß genug war, die Sicht auf die ganze große Stadt Alexandria zu verdecken.
Der Pharos stand am äußersten östlichen Ende der Insel, und auf diese Landzunge steuerten wir zu, weil wir den Großen Hafen anlaufen wollten. Hinter dem westlichsten Zipfel der Insel lag der Eunostos-Hafen, der Hafen zur glücklichen Heimkehr, von dem aus Schiffe in einen Kanal einlaufen konnten, der die Stadt mit dem Nil verband, oder auf dem Mareotis-See in südlicher Richtung weitersegeln konnten. Deswegen war der Eunostos-Hafen auch der bevorzugte Handelshafen der Stadt. Aber da wir uns auf regierungsamtlicher Mission befanden, sollten wir im Palast empfangen werden, der direkt am Großen Hafen lag.
Als wir den östlichen Zipfel der Insel umfuhren, reckte Hermes seinen Hals, um zur Spitze des Leuchtturms aufzublicken, die aus einer Art Glashaus bestand, aus dem Flammen und Rauchschwaden in eine leichte Briste wehten.
"Er ist doch ziemlich hoch", räumte Hermes ein.
"Angeblich über hundert Meter", bestätigte ich. Die alten Diadochen, die nach Alexander kamen, bauten in einer Größenordnung, die es mit den Pharaonen aufnehmen konnte. Deren gigantische Grabstätten, Tempel und Denkmäler waren zu nichts im besonderen nutze, aber sie waren beeindruckend, was auch ihr Hauptanliegen war. Wir Römer konnten das gut verstehen. Es ist wichtig, Menschen zu beeindrucken. Wir zogen natürlich nützlichere Dinge wie Straßen, Aquädukte und Brücken vor. Zumindest der Pharos war ein wahrhaft nützliches Bauwerk, wenn auch ein wenig zu groß geraten.
Als wir zwischen dem Pharos und Kap Lochias hindurchfuhren, bot sich uns ein erster, in der Tat atemberaubender Anblick der Stadt dar. Alexandria lag auf einer Landenge zwischen Mareotis-See und dem Meer, direkt westlich des Nildeltas. Alexander hatte diesen Platz ausgesucht, damit seine neue Hauptstadt Teil der hellenistischen Welt blieb und nicht im priesterverrückten Ägypten lag; ein weiser Entschluß. Die ganze Stadt war aus weißem Stein erbaut worden, was einen verblüffenden Effekt zeitigte. Es sah nicht aus wie eine reale Stadt, sondern eher wie das Idealmodell einer solchen. Rom ist keine schöne Stadt, obwohl es über ein paar prachtvolle Bauwerke verfügt. Alexandria hingegen war von unvergleichlicher Schönheit. Hier lebten mehr Menschen als in Rom, trotzdem machte die Stadt keinen überbevölkerten oder ausufernden Eindruck. Alexandria war von Anfang an als große Stadt geplant worden. Auf dem flachen Stückchen Land waren alle größeren Gebäude vom Hafen aus klar zu erkennen, vom riesigen Tempel des Serapis in den westlichen Vierteln bis zu jenem seltsamen, künstlichen Hügel und dem Tempel des Paneion im Osten.
Der größte Gebäudekomplex war der Palast, der sich an der sichelartig geschwungenen Küstenlinie des Kap Lochias erstreckte. Es gab sogar eine Palastinsel und einen eigenen Hafen, der dem Palast vorgegliedert war. Die Ptolemäer hatten es gern stilvoll.
Ich stieg zum Deck hinab und schickte Hermes los, um meine beste Toga zu holen. Die Marinesoldaten an Deck polierten ihre Rüstung, aber da es sich bei unserer Mission um eine diplomatische handelte, würden Creticus und ich keine Militäruniformen tragen.
In unserer besten Kleidung gewandet und von unserer Ehrengarde flaniert, steuerten wir das Dock unweit des Mondtores an.
Über dem Tor thronte die Gestalt der schönen, aber extrem in die Länge gezogenen Göttin Nut, der ägyptischen Göttin des Himmels. Ihre Füße standen auf einer Seite des Tores, und ihr langgestreckter Körper wölbte sich in hohem Bogen, so daß sie sich mit ihren Fingerspitzen auf der anderen Seite abstützte. Ihr Körper war tiefblau und mit Sternen übersät, und in dem Bogen hing ein riesiger, nach Art der Sonnenscheibe gestalteter Alarmgong. Diese Spuren ägyptischer Religion sollten mir überall in Alexandria begegnen, das ansonsten eine durch und durch griechische Stadt war.
Wir preschten auf den steinernen Pier zu, als hätten wir vor, ihn zu rammen und zu versenken. Im allerletzten Moment bellte der Navigator ein Kommando, die Ruder tauchten ins Wasser und blieben dort, wodurch sie eine breite Gischtspur aufwirbelten. Das Schiff verlor schlagartig an Fahrt und legte sanft an der Ufermauer an.
"Man hätte eine Rose an die Ramme binden können, und sie hätte kein Blütenblatt verloren", stellte der Navigator etwas übertrieben, wenn auch mit einer gewissen Berechtigung, fest. Die Ruder wurden eingeholt, Leinen...


Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

am 5. Januar 2005
Format: Taschenbuch
0Kommentar| 17 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. Mai 2006
Format: Taschenbuch
0Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 24. Januar 2008
Format: Taschenbuch
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 15. Januar 2004
Format: Taschenbuch
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

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