Die Niederländer OFFICIUM TRISTE zählen nicht unbedingt zu den bekanntesten Bands des Doom/Death-Genres...dafür aber zweifellos zu den hartnäckigsten und beständigsten. Auf ihrem mittlerweile fünften Longplayer "Mors viri" setzen die sechs Rotterdamer einfach exakt an der Stelle an, an der sie bereits seit Ewigkeiten musizieren. Als wäre man in der eigenen Entwicklung vor knapp 20 Jahren stehengeblieben, liefern die acht Songs erneut die melancholische Vollbedienung, die in den Midneunzigern wegweisende Highlights wie "Shades of god" (PARADISE LOST) , "Brave murder day" (KATATONIA) , "Danse the marble naked" (ENCHANTMENT) oder "One with darkness" (TRISTITIA) hervorgebracht hat. Im direkten Vergleich zu anderen Doom/Death-Acts stinkt "Mors viri" nicht nach moderigem, dreckigen Bunker-Sound, sondern lässt den Hörer während der 41 Minuten durch eine altertümliche Kathedrale wandeln, um dabei jeden Winkel und jedes Detail wunderschön auszuleuchten. Anstatt lärmender Sludge-Verliebtheit bewegen sich OFFICIUM TRISTE immer stets an der Grenze zum Gothic-Metal, was vor allem an den opulent arrangierten - andere würden sagen "schwülstigen" - Keyboards liegt. Und in der Tat gibt es hier (fast!) keine Sekunde, in der die Gitarrenwand nicht Seite an Seite mit den dichten Synthesizern steht. Als Kritiker kann man dies natürlich doof finden...man kann "Mors viri" sogar als langweiligen Weichmacher-Metal bezeichnen. Gleichzeitig wird diese vorschnelle Meinung aber alle hastigen Einmalhörer disqualifizieren, die sich für diese Scheibe nicht genug Zeit nehmen. Denn eines steht fest: Man muss sich schon über einen längeren Zeitraum in das Album "hineinhören", jede Facette aufnehmen und auf sich wirken lassen...buchstäblich jeden Stein umdrehen. Erst dann - und nur dann! - wird man die wahre Schönheit von OFFICIUM TRISTE's Fünftwerk wirklich für sich entdecken.
Ehrlicherweise sind die acht Songs nicht alle herausragend: Während mir speziell die Anfangsmelodie von "Your heaven my underworld" (der Rest ist dafür echt knorke!) ganz und gar nicht gefällt, driftet die Band mit dem arg oberkitschigen "One with the sea" doch in Gefilde ab, die ihr nicht gerecht werden. Und allein diese beiden Negativausreißer sind der einzige Grund, warum ich am Ende der Rezension einen Stern abziehen muss. Ärgerlich zwar, aber letztlich nur konsequent. Bedeutend besser gefallen mir hingegen die Songs, bei denen OFFICIUM TRISTE ihrer Gitarrenfraktion in Punkto Heaviness absolut "freies Geleit" erteilen. So stehen die beiden Mollorgien "To the gallows" (mit tollem Klargesang-Refrain!) und "Burning all boats and bridges" für die alles umfassende Schwere, die diese Band wie aus de Effeff beherrscht. Obwohl das Sextett unwidersprochen zum Doom/Death-Genre gezählt wird, spiegelt sich der klassische Todesblei nur in wenigen Spurenelementen (u.a. den mächtigen Growls!) wieder. Lobenswerte Ausnahme: Das tiefschwarz riffende "The wounded and the dying" (was für eine geile Bridge!) ist eine emotional-eingängiger Kriecher aus dem Neunziger-Bilderbuch, der einem eine ungefähre Vorstellung liefert, wie es wohl klingen könnte wenn BOLT THROWER den Song "True belief" von PARADISE LOST covern würden. Sensationell! Eingerahmt wird der 41-Minüter durch den tollen Opener "Your fall from grace", der quasi als typischster Signature-Song von OFFICIUM TRISTE durchgeht, und dem alles unterwerfenden Rausschmeißer "Like atlas". Letztgenannter Song ist eine 10-minütige, sich mit jedem Moment steigernde Zeitlupenhymne, die zwischen bitterer Trostlosigkeit und wahrer Schönheit alle Facetten ineinanderfließen lässt, um dem Hörer mit einem sehnsüchtigen "grande finale" um den Finger zu wickeln. Ein fantastischer Schluss!
Kurze Rede, langer Sinn: Das neue Album der sechs Holländer ist ein betörendes Erlebnis, das alle Fans von MY DYING BRIDE , ALCEST , SHAPE OF DESPAIR , alten KATATONIA und ANATHEMA sowie den norddeutschen MANDRAKE dringend anchecken sollten. Großartige Neuerungen liefern OFFICIUM TRISTE zwar nicht..."Mors viri" erfüllt aber locker alle Erwartungen, die man heutzutage an eine Doom/Death-Scheibe haben kann. Monotonie und ganz große Gefühle im Überfluss! Eine Scheibe, die man kennen sollte!
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