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Kundenrezensionen

4,8 von 5 Sternen
5
4,8 von 5 Sternen
Mondwanderungen: Wegweiser durch Thomas Manns Joseph - Roman
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:12,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime

am 28. August 2009
Dieses schmale Buch von 200 Seiten, wobei die Anmerkungen und viele Bildseiten mitgezählt sind, vereinigt für den Leser, der sich Thomas Manns Joseph-Roman zum ersten (oder auch zweiten) Mal vornimmt, aufs glücklichste Auskunft, Kommentar und Einsicht: Auskunft über die Hauptpersonen und ihre Beziehungen untereinander; interpretierende Kommentare zu den aus jüdischen, christlichen, ägyptischen, babylonischen und hellenistischen Traditionen zusammengeschmolzenen Mythen; und Einsicht unter anderem in den Zusammenhang des Joseph-Themas mit anderen Werken Thomas Manns. So ist es zum Beispiel eine (naheliegende) Einsicht, den Joseph-Roman wie "Die Buddenbrooks" als Familiensaga zu lesen, in der (wie von Johann bis Thomas und Hanno) von Abraham bis Joseph und seinen Kindern Ephraim und Menasse eine "Verfallslinie" durchlebt wird. Viel interessanter noch ist, beim Lesen nachzuvollziehen und zu erkennen, wie bei Joseph die buddenbrooksche Dekadenzlinie zu einer "Fortschrittslinie umgebogen" wird, die Gesittungsfortschritt, Zivilisation also, und Humanität zum Ziel hat. Hier offenbart sich denn auch der grosse Bogen, den das kleine Buch schlägt: Mythen vergegenwärtigen zwar zuerst ein Urgeschehen aus der Vergangenheit, bieten dann aber mit ihren Bildern, Legenden und Weisheiten eine Sprache an, mit der auch die Gegenwart verstanden und die Zukunft erkannt werden kann. Denn Mythen sind Muster und Vorbild für die immer wiederkehrenden, gleichen Basis-Situationen des Menschen: Geburt und Tod, Liebe und Krieg, Gut und Böse, Wort und Leidenschaft. Doch das sich wiederholende Immer-Gleiche geschieht im Joseph-Roman im Laufe der vielen Kapitel und der mitlaufenden Zeit auf immer höheren, zivilisierteren Ebenen, spiralenartig aufsteigend und nicht zyklisch (wie beim Kultur-Pessimisten Spengler), weshalb der Weg vom messertragenden Abraham zu Joseph dem Ernährer eben ein Fortschritt ist: "Aus der Tat wird das Zitat, aus dem Ereignis das Zeichen, aus der Gewalthandlung die blosse Anspielung, aus der wirklichen Aggression die symbolische."

Das Buch beginnt mit einem Abriss über den Mond als Mittler zwischen dem Oben und Unten, der Sonne und der Erde, dem Tag und der Nacht, Geist und Leben, aber auch über den Mond als den Wanderer wie Hermes, der verwandt ist mit Thot, Gott der Schreibkunst und Wissenschaft. Von hier ist es nur ein kleiner mythologischer Schritt, die Werke eines Künstlers, der ja zwischen Geist und Leben vermittelt, als Mondwanderungen zu sehen.

Danach kommt ein kleiner Diskurs über Mythos und Fortschritt, dann eine übersichtliche Zusammenfassung aller vier Teile des Romans, und von hier ab ist der Leser gefesselt und wird dem Wegweiser mühelos bis zum Ende folgen.

Wer an diesem Buch auf den Geschmack gekommen ist, mag sich als nächstes den entsprechenden Abschnitt im "Thomas Mann Handbuch" ansehen, dessen dritte Auflage weiterführende Bücher bis 1999 anführt. Von diesen sind Manfred Dierks "Studien zu Mythos und Psychologie bei Thomas Mann" besonders aufschlussreich (dieser zweite Band der Thomas-Mann-Studien war ursprünglich eine Dissertation und hat noch viel jugendlichen Schwung und keine Angst vor originellen Thesen und Kommentaren). Das Monumentalwerk zum Joseph-Roman ist Bernd-Jürgen Fischers "Handbuch zu Thomas Manns Josephsromanen", noch erhältlich, aber sehr teuer. Ein Neuansatz zur Mytheninterpretation (an Hand des Joseph-Romans) ist das Buch "Thomas Mann und Ägypten: Mythos und Monotheismus in den Josephsromanen" von dem Ägyptologen Jan Assmann. Die Grosse Kommentierte Frankfurter Ausgabe des Joseph-Romans ist nach Auskunft des S. Fischer Verlages "in Planung".
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am 8. Mai 2006
Diese Sekundärliteratur zum Josephs-Roman von Thomas Mann ist von Prof. Kurzke für Laien verständlich und ansprechend geschrieben. Er gibt eine Zusammenfassung jedes einzelnen Bandes, stellt die Hauptpersonen vor und ihre wichtigsten Auftritte im Roman, erklärt auch die Göttergeschichten und wie Thomas Mann die Göttergeschichten aus verschiedenen Kulturen miteinander verwebt. Anspielungen auf das neue Testament werden erklärt, die ich selbst nie herausgefunden hätte, aber sehr interessant fand.

Ein Kapitel widmet sich auch der Entstehungsgeschichte des Romans und Manns Reisen nach Ägypten, wo er recherchierte und vor allem viele Figuren (meist Reliefs) fand, die ihm als Vorbilder zur Beschreibung der einzelnen Roman-Personen gedient haben. Viele davon sind auch in dem Buch abgebildet.

Wer Spaß am Joseph hat, sollte sich diese zusätzlcihen Hinweise und Erklärungen nicht entgehen lassen!
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TOP 500 REZENSENTam 9. Juni 2016
Nach der langen Lektüre der Joseph-Romane von Thomas Mann tut dieses kleine Buch richtig gut. Hermann Kurzke, Thomas Mann Experte, gibt hier fundiert, aber kurz und knapp einen Überblick über die Handlungen und Hauptpersonen des Romans. Er erläutert den Begriff des Mythos und die Götter des alten Ägyptens, er zeigt die Stellung des Romans, an dem Thomas Mann mit Unterbrechungen von 1926 bis 1943 arbeitete, zum Gesamtwerk (z.B. die Parallelen zu den „Buddenbrooks“) und er geht schließlich auch auf die Rezeptionsgeschichte ein.

Wer den Roman gerade gelesen hat, findet einiges Neues und Unbekanntes und kann sich das noch frische Leseerlebnis noch einmal in Erinnerung rufen. Für spätere Zeiten ist das Buch sicher hilfreich, um schnell wieder einen Faden zu finden.
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am 8. November 2016
Der Autor bietet eine anschauliche, gut strukturierte Darlegung von Aufbau und Personen der Joseph Romane sowie deren Wirkungsgeschichte, quasi eine Rezeptionsebene in der jeweiligen Zeit im politisch gesellschaftlichen Kontext.
Er klassifziert das Gesamtwerk in seiner Grundsubstanz als antithetisches Werk, den grobstrukturellen Gegensatz von Vaterrecht(Weltethos, Vernunft, Ratio) und Mutterrecht(Trieb, Fortpflanzung, Sinnlichkeit).
Das Werk geboren aus der Verknüpfung vieler Mythenkreise.
Mann entwickelt eine Art Psychologie des Mythos.
Analogien zum Ring des Nibelungen von Richard Wagner, der Mann als Vorbild diente.
Zentral die Wiederkehr des archetypisch immer Ähnlichen unter jeweils veränderten gesellschaftlichen Bedingungen. Die zentralen Gegensätze der Spezies Mensch zwischen Ratio und Trieb, Vernunft und Emotion.
Der Autor sieht Mann's Schrifttum als ein Ausagieren seines inneren Sexus-Konflikts. Eine Art von Selbstrechtfertigung vor der imaginierten Schöpfer Figur.
Von der Anlage und Ausführung ein sehr empfehlenswerter Wegweiser und in den Ebenen der Rezeption mit zahlreichen Bezugsgrößen sehr bereichernd, vor allem in der politisch gesellschaftlichen Verknüpfung.
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am 29. Dezember 2015
Hab mich kürzlich an die Lektüre von Thomas Manns “ Joseph und seine Brüder“ gewagt. Dank der “Mondwanderungen“ von Hermann Kurzke jetzt ein Genuss.
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