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Mirror Ball Import

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Produktinformation

  • Audio CD (23. Juni 1995)
  • Erscheinungsdatum: 23. Juni 1995
  • Anzahl Disks/Tonträger: 1
  • Format: Import
  • Label: Reprise Records (Warner)
  • ASIN: B000002MZ9
  • Weitere Ausgaben: Audio CD  |  Hörkassette  |  Vinyl  |  MP3-Download
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen 16 Kundenrezensionen
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Produktbeschreibungen

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Mirror Ball

Rezension

Die Musiker, die Neil Young auf seinem neuen Album begleiten, werden zwar namentlich alle genannt, verschwiegen wird allerdings, daß sie kollektiv als Pearl Jam firmieren. In ihrer Heimatstadt Seattle traf man sich zu den Aufnahmen dieser Platte, doch damit enden eigentlich alle Pearl-Jam-Bezüge. "Mirror Ball" wird in jeder Hinsicht von Neil Youngs musikalischer Handschrift geprägt. Es ist ein fulminantes Rock'n'Roll-Album, live und direkt binnen weniger Tage im Studio eingespielt. Am ehesten ist diese Musik mit der von "Ragged Glory" vergleichbar. In neun der elf von Young geschriebenen Songs geht es kompromißlos laut und alles andere als high-fidel zur Sache. Zwei, bei manchen Titeln drei elektrische Gitarren belegen mit donnernd durchgedroschenen Akkordfolgen die gesamte Stereofront, Youngs Gesang ist wie nebensächlich räumlich dahinter plaziert. Die kompositorische Struktur der Songs ist äußerst schlicht gehalten, "I'm The Ocean" etwa basiert lediglich auf einer Handvoll ständig wiederholter Akkorde ohne Refrain und zählt dennoch zu den mitreißendsten Stücken der Platte. "Downtown" kommt dagegen auf einem tonnenschweren Riff daher, das den Rolling Stones alle Ehre machen würde. Einen krassen Gegensatz hierzu bilden zwei kurze Songfragmente ("What Happened Yesterday", "Fallen Angel"), die Young solo zur Pump Organ vorträgt, einem Instrument, das er schon effektiv bei "Like A Hurricane" auf dem "Unplugged"-Mitschnitt einsetzte. Im 50. Lebensjahr befindet sich Neil Young noch immer auf einem kreativen Höheflug, der Respekt verdient.

© Stereoplay -- Stereoplay

Kann jemand, der "mit Engeln geschlafen" hat, noch irdische Töne von sich geben? Kann einer, der noch vor einem Jahr nach Kurt Cobains Tod im Grunge-Sound wühlte (Sleeps With Angels; AUDIO live 10/94), zehn Monate danach seinen Seelendrang abschütteln? Er kann es nicht. Den "Godfather des Grunge", als der er von vielen intelligenten jungen Bands verehrt wird, drängte es fast zwanghaft nach erneuter Katharsis: Für Mirror Ball (die 38. Scheibe, an der er maßgeblich beteiligt ist) vertraute er auf die Grunger Pearl Jam als Partner. Deren Boß Eddie Vedder, der sich oft taumelnd in die abgrundtiefen Psycho-Strudel der Welt hineinsaugen läßt, bleibt als Background-Sänger im Hintergrund. Dafür funkt es zwischen Young und der Band gehörig. Dabei gibt sich Young als Retter der matten Engel: "Leute meines Alters machen ganz andere Dinge als ich", meint er in I'm The Ocean. Und in What Happened Yesterday: "Ich kann nicht bergessen, was gestern war; ich fühl' mich wie ein Echo, eine Photographie." Ein "Lennon's Goodbye" blitzt auf, und im Song Fallen Angel schließt Young: "...wo bleibt nur das Gefühl der Körperwärme." Klar, daß dieser Druck mit musikalischer Urgewalt Dämme bringt: Im ruppigen Klang gischten Becken, brodeln harsche Gitarren, und es dampft ein pumpender Baß. Ein Hörerlebnis auf einer Brücke ohne Geländer: Wer runtersieht, ist verloren. ** Klang.: 02-03

© Audio -- Audio

Neil Young hat seine Chamäleonhaftigkeit schon lange zum Stilmittel erklärt und kultiviert, war dabei mit seiner Band Crazy Horse nach überstandener Liaison mit Crosby, Still und Nash u.a. auch der "Erfinder" von Grunge Rock und gilt ebenso als Verkörperung von MTV-"Unplugged". Nebenbei führte er Country und Jazz zusammen, erlaubte sich mit "Harvest Moon" ein unpeinliches Retro-Album und wartet nun mit der nächsten Überraschung auf. "Mirror Ball" ist das -- Verzeihung ! -- geilste Rock'n'Roll-Album seit Jahren. Mit den jungen wilden Helden von Pearl Jam, die er als Seelenverwandte erkannte, als Begleiter hat er spontane, enthusiastische, frische Musik aufgenommen, die mitunter klingt wie Status Quo um Altstar Dave Edmunds erweitert -- das Ganze produziert vom Meister des "Wall Of Sounds", Phil Spector. Fazit: Das amtliche Gitarren-Brett! Die Cooperation Neil Young/Pearl Jam belegt, wie nah sich Sixties und Nineties musikalisch sind.

©HIFI Test - Detlef Kinsler -- HIFI Test

Nun hat er also Ernst gemacht: Obwohl es auf dem Cover aus vertragsrechtlichen Gründen nicht erwähnt werden darf, hat Neil Young sein 25. Solo-Album mit Musikern von Pearl Jam eingespielt. Auf ethisch zartbesaitete Gemüter, die in Eddie Vedders Band einfach so das verlogenste Gesicht des reformierten White Heterosexual Corporate Rock sehen und Neil Young als unkaputtbares Bollwerk gegen die Selbstauflösung des Rock'n' Roll, muß Youngs Personalentscheidung entweder wie eine altersbedingte Geschmacksentgleisung oder eine Maßnahme wirken, mit dem Ziel, die leicht überalterte Anhängerschaft um ein paar Millionen Postgrunger zu erweitern. Wer aber Youngs Werdegang in den letzten Jahren verfolgt hat, wird kaum überrascht sein, denn schon 1992, als er in Europa das Album »Harvest Moon« promotete, teilte er der Presse mit, Pearl Jam seien für ihn, neben Nirvana, eine der größten zeitgenössischen Rockbands. Sicher gibt es zwischen Cobain und Vedder himmelweite Unterschiede, doch aus Youngs Sichtweise mußten sich beide gleichermaßen als Projektionsfläche für seine eigenen Konflikte anbieten: Wie Vedder und Cobain hatte Young mit dem Problem zu kämpfen, als Repräsentant einer Generation festgeschrieben zu werden, und als Gegenmaßnahme wählte er den Weg eines Individualismus, der nur noch für sich selber spricht, ohne aber die Option auf den Wahrheitsanspruch von Kunstprodukten zu verabschieden. Konfrontiert mit dem Paradox, daß Kunst, produziert (und vervielfältigt) unter dem Signum der Authentizität, allemal die effektivste Wichsvorlage für Fans und das beste Verkaufsargument für >die Industrie< darstellt, mußte Neil Young vorübergehend noch den Namen >Neil Young< als Trademark und Garant für eine stabile Identität zerstören, um ihn später in eine Form von um so staunenenswerterer Haltbarkeit zu gießen, die immerzu die eigene Klassizität gegen die mannigfaltigen Anfechtungen von Korruptheit behauptet. Wie wir alle wissen, hat es Kurt Cobain nicht so weit gebracht, und der Schock darüber, daß Cobain die physische der symbolischen Selbstzerstörung vorzog, ist als Nachhall in jedem Ton von »Mirror Ball« zu hören, doch von dem resignativen, bisweilen depressiven Grundton aller Platten, die von ihm in diesem und im letzten Jahrzehnt zu hören waren, ist nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil: Mit Cobains zeitweiligen Weggefährten (denen man gerne Fehlgeleitetheit in ästhetischen Belangen, nicht aber mangelnde Integrität vorwerfen kann), also mit Leuten, die sich fürs Überleben entschieden haben, obwohl sie mindestens genauso krassen Konflikten ausgesetzt sind wie Cobain, hat Young eine donnernde, satt abdampfende Apologie auf den Rock'n'Roll und auf das Weitermachen abgeliefert, die man in derart unbeschädigter Form nicht mehr von ihm erwartet hätte. Neil Young hat es geschafft, den Stil seiner neuen Band so sehr auf seine (mit dem Spätwerk der Velvet Underground diesmal überraschend kompatiblen) Vorstellungen von Garagenrock einzutunen, daß man sich fast fragen muß, warum er die Veranstaltung nicht direkt gemeinsam mit Crazy Horse durchgezogen hat. Erst nach mehreren Durchgängen wird deutlich, daß hier ein anderer Groove regiert: Das erhaben aufschäumende Schlagzeug von Jack Irons schafft eine für federnde Dynamikschwankungen offene Statik, und die erlaubt es der Gruppe, mit zwei Gitarren einen extrem dichten, wuchtigen Breitwandsound zu errichten, vor der Young die psychedelische Seite seines Spiels bis zum Exzess ausleben kann: »Ich bin nicht da, ich bin die Droge, die euch träumen macht«, singt der Alte sinngemäß in »I'm The Ocean«, einer von vielen ozeanischen Entgrenzungsphantasien, die sich musikalisch das Attribut >Hymne( redlich verdient haben. »Ich bin ein Stern, ich bin das erhabene Wissen, in der falschen Richtung. Ich bin die Gegenströmung, ich bin der Ozean, ich bin ein großer Strom im Meer.« Männer auf dem Regressionstrip, souffliert mir das Abstract'n'Roll-Gewissen, aber je häufiger ich mir dieses Meisterwerk anhöre, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, daß ich in einer Welt, wo der berechtigte Ekel gegen Gestalt gewordene Verwertungsgesetze nur noch Kunstwerke generiert, die ihren Fetischcharakter permanent über Sophistication und formalistische Differenzorgien sublimieren, die also einlösen, was hier in dieser Zeitschrift ästhetisch gefordert wird, ( zumindest heute) nicht mehr leben möchte. Und Neil Young wirft hier sein ganzes Genie in die Waagschale, um gegen jede Smartness den Nachweis anzutreten, daß man den Fetisch, den geilen Riff, das geile Solo, ganz unstumpf genießen kann. Als eine Sache, die ebenso Effekt von Verdinglichungslogik ist, wie sie noch etwas Anderes, einen uneingelösten Überschuß an Utopie in sich trägt- darunter die Einladung zum Träumen, Tanzen, Ficken. So dreht er sich flackernd im Kreis und gibt das ständig wechselnde Licht der Geschichte als upliftenden Reflex an die Leute da draußen zurück, wie die Diskokugel aus dem »Fillmore West«, die dem Album seinen Namen gegeben hat, und dann bricht er auf in eine namenlose Zukunft, von der er doch nicht weiß, ob sie der Vorschein auf eine Freiheit ist, die vor ihrer Realisierung, aus sich heraus, längst in ihr Gegenteil umgeschlagen ist. Ein besseres Statement w kann man Cobain nicht ans Grab legen.
© Spex,Christoph Gurk -- SPEX


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am 29. Oktober 2012
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am 8. Oktober 2003
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am 20. September 2013
Format: Audio CD|Verifizierter Kauf
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am 21. April 2002
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