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am 23. August 2002
Elfriede Jelinek gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen unserer Zeit. In ihren Büchern beweist sie immer wieder eine tief gehende Sensibilität für die Macht- und Herrschaftsverhältnisse, die unsere westliche Gesellschaft strukturieren und - zumeist unbewusst - das Handeln und Denken jedes einzelnen prägen.
"In Michael. Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft" sind es vor allem die Medien, deren Funktion als Instrument universeller Unterdrückung dem Leser vor Augen geführt wird. Die Protagonistinnen, zwei kaufmännische Lehrlinge, leben in einer Scheinwelt, in der Realität und Fernsehprogramm zu einem Gemisch aus Gewalt und Sehnsucht nach dem großen Happy End verschmelzen. Das allabendliche TV-Programm, das gegen den Widerstand omnipotenter Mutterfiguren immer wieder von neuem ausgefochten werden muss, bereitet auf den brutalen Arbeitsalltag vor, aus dem es nur einen Ausweg gibt: Heirat!
Wie ferngesteuert handeln die Figuren Jelineks, deren aus Floskeln und Gemeinplätzen bestehende Sprache jeden Versuch echter Kommunikation bereits im Ansatz scheitern lässt. Der naive, unmittelbare Stil der Erzählung erinnert durchaus an Kinder- oder Jugendbücher und entwickelt eine Wirkung, die den Leser zwischen Abstoßung und Anziehung pendeln lässt. Unter der sprachlichen Oberfläche dieses "Jugendbuches für die Infantilgesellschaft" tun sich Abgründe des Alltäglichen auf, Abgründe, die zu Benennen eine der herausragenden Fähigkeiten von Elfriede Jelinek ist.
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am 3. August 2003
Elfriede Jelinek erzählt in ihrem zweiten Buch "Michael" aus dem Jahr 1972 aus dem Leben von verschiedensten Personen, die nur lose zusammenhängen. Es geht um Michael, Juniorchef beim Schwiegervater, dessen Mutter Ida Rogalski, seine Frau Patrizia, deren Vater und Fabrikdirektior Herr Koester, sowie dessen Lehrlinge Gerda und Ingrid und deren Mütter. Dabei werden verschiedene Episoden und Geschichte kaleidoskopisch aneinander gereiht. Die einzelnen Mosaiksteine sind häufig brillant, aber der Gesamttext hinterlässt einen etwas heterogenen Eindruck.
Der Text versprüht mit seiner ironisch-distanzierten Sprache sehr viel Witz. Der naive und oberflächliche Stil mit einfachen und kurzen Sätzen und kurzen Kapiteln imitiert Trivialliteratur wie Jugendbücher, ohne allerdings selbst trivial zu sein. Der Sprachwitz zeigt sich auch darin, dass die Autorin am Anfang jeden Kapitels die Leserinnen und Leser direkt anspricht. Jedenfalls fehlt der ideologisch verbissene Tonfall, der spätere Jelinek-Bücher prägt. Auch kommen Gewaltexzesse, welche die Oberfläche aufbrechen, nur sehr dosiert vor. Der Untertitel "Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft" des Buches zeigt, dass es sich um eine ideologische Auseinandersetzung mit der ungeliebten bürgerlichen Gesellschaft handelt. Auch die gebrauchte Sprache ist eine Auflehnung gegen bürgerliche Konventionen: Kleinschreibung, keine Kommas, keine Trennungszeichen.
Inhaltlich geht es um die Wahrnehmung von Realitäten: Die Wirklichkeit der Figuren (ihr ödes Leben als Kleinbürger) wird ihren Wunschvorstellungen (gesellschaftlicher Aufstieg, Liebe des Chefs) gegenüber gestellt. Das ganze wird schliesslich noch an der Wirklichkeit aus dem Fernsehen ("Wünsch dir was" mit Dietmar Schönherr), einer vollkommenen Scheinwelt, gespiegelt. Einzelne Episoden werden übrigens auch mit "wirklichkeit" überschrieben. Fernsehwirklichkeit und Wunschvorstellungen haben für die meisten gar nichts mit ihrer Wirklichkeit zu tun. Bürgerliche Mythen (Familie, gesellschaftliche Rolle von Mann und Frau, wahre Liebe, Arbeit macht glücklich, gesellschaftlicher Aufstieg durch Arbeit, Materialismus) entlarven sich als Lügen. Der Wunsch nach einem besseren Leben bleibt Wunsch. Jelinek hält dies lakonisch so fest: " wie arm wäre unser leben ohne die schillernden träume! allerdings ist unser leben auch mit schillernden träumen arm. ein weiser mann hat einmal gesagt: träume sind schäume!"
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am 29. November 2012
"Michael. Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft" ist Elfriede Jelineks Vision einer Welt entseelter Retortenmenschen, deren einziger Bezugspunkt nurmehr noch das Fernsehen mit seinen Kunstfiguren und Zerstreuungsangeboten ist. Ingrid und Gerda sind dilettantische kaufmännische Angestellte in Ausbildung, Opfer der Leistungsgesellschaft, die die Gunst ihrer Vorgesetzten immer wieder durch Geschenke zu gewinnen und ihre Kollegen zu beeindrucken versuchen, hieran jedoch jedes Mal kläglich scheitern. Für Fehler werden sie in comichaft-martialischer Weise gezüchtigt und bestraft. Die Wirklichkeit wird von Ingrid und Gerda nur noch durch den Filter der als Beruhigungs- und Tröstungsinstanz empfundenen Fernsehwelt wahrgenommen. Posen und Inszenierungen aus Filmen und Serien, insbesondere "Flipper", dienen ihnen als Vorlage für ihren eigenen täglichen Kampf um Anerkennung und die narzistische Zurschaustellung ihrer Vorzüge. Michael ist Juniorchef eines Kaffeeunternehmens, der immer wieder als weinerlicher Muttersohn dargestellt wird, den Ansprüchen des "Kapitals" aber durch seine Beziehung zu Patrizia, der Tochter des Firmenchefs, gerecht werden kann. Sowohl Ingrid und Gerda als auch Michael werden in unterschiedlichen, inhaltlich nicht immer zusammenhängenden Szenen gezeigt, aus denen sich nach und nach eine Geschichte herauskristallisiert. Elfriede Jelinek beschreibt in einer sich ausschließlich einfachen Aussagesätzen bedienenden Sprache, in konsequenter Kleinschreibung und oftmals in ostentativ kindlichem Duktus einen gesellschaftlichen Mikrokosmos, in dem nur noch hirn- und geistlose Konsum-Existenzen vorkommen. "Michael" ist eine gut konstruierte, handfeste literarische Provokation, scharfzüngig und völlig mitleidlos geschrieben, aber nicht einfach zu lesen. Eine Zukunftsvision ist "Michael" aber keineswegs. Zu deutlich wird am Ende greifbar, dass es keine Facette der von Jelinek beschriebenen Welt gibt, die nicht bereits Teil unserer eigenen Wirklichkeit geworden wäre.
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am 20. April 2014
Wenn man durch das Gestrüpp des Anfangs hindurch ist, bekommt man sogar einige einigermassen klar erzählte Szenen vorgesetzt, aber die sind schon äusserst sonderbar.
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