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Messer: Gedichte und Fotos Taschenbuch – 11. Januar 2011

4.6 von 5 Sternen 45 Kundenrezensionen

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"Rote Striemen auf weißer Haut/Ich tue dir weh und du jammerst laut/Jetzt hast du Angst und ich bin soweit/Mein schwarzes Blut versaut dir das Kleid." -- Die Songtexte von Rammstein sind noch nie etwas für zart Besaitete gewesen; die martialischen Lyrics spalten seit Jahren das Land in größte Fans und entsetzte "Sind wir schon wieder so weit?!"-Mahner. Eines jedenfalls wurde schnell deutlich: Die Rammstein-Welt besteht nicht aus den Elementen Wasser, Feuer, Erde und Luft. Ihr finsteres Paralleluniversum ist vielmehr aus Blut, brennendem Fleisch, Friedhofserde und Leichengeruch aufgebaut.

Und nun das Ganze pur, ohne die metallische Vorschlaghammermusik, die immer mehr nach Werkshalle als nach Tonstudio klang: Till Lindemann, Sänger und Texter von Rammstein, hat einen Band mit rund 50 Gedichten herausgebracht, in dem man intensiv in seine Welt aus Blut, Schmerz, Tod, Sex und irgendwie auch Liebe hineintauchen kann. So ganz losgelöst von den Rammstein-Klängen sind die Gedichte freilich nicht Man kann kaum verhindern, dass sich Zeilen wie "Ich steche mir die Augen aus/ohne Fenster ist das Haus/schlag mir schön den Schädel ein/dann schneit es und mein Hirn friert ein" im Kopf des Lesers ganz automatisch anhören, als würde Lindemann selbst sie mit seinem gerollten R und seinem rhythmischen Sprechgesang vortragen.

Manche Gedichte entführen den Leser weit heraus aus der dunklen Rammstein-Welt, und das sind vielleicht die schönsten, die privatesten Texte. Einige Gedichte sind aber auch unfreiwillig komisch geraten: Die Sex-Fantasie "Fütter mich" beginnt mit den schönen Zeilen "Gib mir Namen so von Tieren/ich heb das Bein zum Urinieren". Und auch über das -- die eigenen Hautprobleme beklagende -- Gedicht mit dem Schluss "Ich bin einsam doch nicht allein/Akne und Rosazea werden immer bei mir sein" muss man eher schmunzeln.

Begleitet werden die Texte von einer Serie interessanter Fotos: Lindemann mit glatt rasiertem Schädel, bleichem Gesicht (Akne und Rosazea schön überschminkt) und im Ganzkörper-Kondom posiert zwischen nackten Schaufensterpuppen. Das sind ungewöhnliche Bilder, die sich mit den nicht minder ungewöhnlichen Texten zu einem Gesamtkunstwerk fügen, das nicht jeder lieben wird -- aber das war ja noch nie Lindemanns Absicht. --Christoph Nettersheim -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Der Verlag über das Buch

Gedichte und Fotos, herausgegeben von Gert Hof. Durchgehend vierfarbig illustriert mit Fotos von Jens Rötzsch. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

Format: Taschenbuch
Also ich bin ein lyrisch (auch in Gedichtform) sehr wohl bewanderter Mensch. So bin ich begeisterter Leser von Heinrich Heine, Berthold Brecht, Gottfried Benn, Johann Wolfgang von Goethe, Hermann Hesse und Konstantin Wecker,welchen ich auch für einen genialen Lyriker halte. Und ich finde sehr wohl, dass Lindemanns Buch ein lyrisches Werk ist, lieber Herr Lehmann. Denn Lyrik ist ja nur die individuelle Kunst einer Person mit Sprache umzugehen und das kann man einfach nicht objektiv bewerten. So muss auch abstrakte Kunst und Kunst, die man nicht versteht, trotzdem als Kunst angesehen werden. Oder sollen wir es uns wieder, wie die Nazis, herausnehmen jede Kunst, die wir nicht verstehen, als schlecht zu werten ?
Nun aber zu dem Buch selbst: An seinen Vater widmet Till Lindemann dieses Buch,dass irgendwie eine merkwürdige Faszination auf den Leser ausübt, denn es nimmt einen vom ersten Moment an gefangen. Bestes Beispiel: Ein Freund von mir (welcher Rammstein überhaupt nicht mag), konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Manche Absichten, Gedanken, Themen lassen sich erst bei mehrmaligen Lesen erschließen. (Z.B. Missfall (Vergewaltigung), Andacht (Sexpraktiken mit einem Huhn) und Da saß es ! (Kinderschänder)). Aber egal wie bizar der Mensch sein kann und welche dunkelen Abgründe er hat: Lindemann ergründet sie. Und wie ein Fallbeil zerschneidet Lindemann mit seinem "Messer" die (angebliche) Realität der Biedermanngesellschaft und lässt den Leser im wahrsten Sinne des Wortes durch die Hölle gehen. Wahrlich ein Buch, was zwar nicht von jedem verstanden wird, aber, vielleicht gerade deshalb eines ist: Ein Meisterwerk !
Nur für labile und zu sensibele Menschen ist dieses Buch vielleicht nicht geeignet.
Die besten Gedichte sind:
1. Nebel
2. Fernweh
3. Nele II
4. Da saß es !
5. Freiheit
In diesem Sinne: Bitte fortsetzen, Herr Lindemann !
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Format: Taschenbuch
Seinem Vater widmet Till Lindemann "Messer", das "End"-Produkt einer gereiften Saat. Scharf seziert der Lyriker das Leben in all seinen tabuisierten Facetten: Missbrauch, Gewalt, Sodomie, sexuelle Praktiken werden in Gedichten Lindemanns nicht beschrieben, sie werden darin gelebt. Von All- und Ohnmachtsfantasien geleitet schöpfte der Lyriker Bilder, die sich dem Leser im Kopf einbrennen.

Till Lindemanns lyrische Begabung liegt unbestritten darin, tiefste Abgründe haut-nah mit all seiner (Ohn-) Macht und in all ihrer morbiden Schönheit aufzufangen . Wer seichtes Gewässer und süße Träume sucht, wird in Lindemanns tiefem Meer aus Albträumen gnadenlos ersaufen.

Die Fotografien von Jens Rötzsch und Gerd Hof verleihen in ihrer Sterilität - wo Mensch und Un-Mensch vereint -eine grenzenlose Ahnung von dem was sich hinter Lindemanns Gedichten verbirgt. Ein Meisterwerk!
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Von Ein Kunde am 12. Dezember 2002
Format: Taschenbuch
Wer die Rammsteintexte kennt wird von Till Lindemanns Ausdrucksweise nicht schockiert sein. Seine teilweise sehr direkte Art wird denen die Schamesröte in`s Gesicht treiben, die den "normalen Liebesakt" nur verklemmt im Dunkeln praktizieren und nicht offen sind für andere Dinge, die es im wahren Leben sehr wohl gibt. Es sind Gedichte, die vielleicht nicht besonders gut in die "heile schöne Welt" passen, aber sie sind ehrlich und provozieren.Diese Texte sind meiner Ansicht nach keinem kranken Geist entsprungen, vielmehr versucht eine sehr sensible Seele
Dinge zu verarbeiten wie Ablehnung, Verzweiflung, Liebe, Hass, Enttäuschung, Hilflosigkeit, Ironie, Sarkasmus.
Mich haben diese Gedichte sehr nachdenklich und teilweise traurig gemacht.
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Von Klaus Grunenberg VINE-PRODUKTTESTER am 12. November 2002
Format: Taschenbuch
Mal abgesehen von der etwas zu starken Aufmachung, ich meine, es ist einfach etwas zu wuchtig (Lyrik ist leise, wenn auch auf geheimnisvolle Weise!), was da wie aufgemotzt daherkommt, ist es doch, man muß schon sagen: einfach fast genial.
Ja, selbst ich als Opa (wahrscheinlich auch niemals oder nur zufällig etwas von der Musik von RAMMSTEIN mitbekommen)bin überrascht, was da an potentieller Energie aufs Papier kommt.
Da gibt es schlechteres, ganz sicher.
Doch das sagt nicht viel.
Wir meinen ja auch oft, nichts von moderner Lyrik verstehen zu dürfen.
Dem ist aber nicht so.
Nur muß diese Lyrik dann auch gut vorgetragen werden.
Und das wünsche ich dieser ausdrucksvollen Dichtung, die ja (wie kann es anders sein?)einen Einlass in das Innenleben von Till Lindemann gibt.
Und das ist schon viel und eigentlich genug. Rhythmus stimmt, wie könnte er auch nicht? Melos stimmt (wenn auch manchmal etwas z u melancholisch vielleicht, aber: was solls?). Und die ganze Farbigkeit ist doch sehr vielleuchtend und nicht nur schwarz.

Weiter so, möchte man sagen, schreibe Dich gesund, munterer Recke und all denen, die es auch versuchen wollen mit "moderner Lyrik" kann ich nur raten:"nur s o in etwa läßt es sich aushalten auf dieser unserer Erde."
Ist das nichts?
Allen empfohlen, die das Besondere verehren !
Die Bilder zu diesem Lyrikband von Jens Rötzsch und Gert Hof entbehren nicht einer besonderen Ästhetik, will sagen vermitteln auch ein aha-Erlebnis.
Glück
Das Leben birgt auch gute Stunden
hab Fischaugen am Strand gefunden
werd sie auf meine Augen nähen
kann dich dann unter Wasser sehen...
Ad multos annos kann man da nur sagen.
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