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Der Mensch erscheint im Holozän: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) Taschenbuch – 14. März 2011

4.7 von 5 Sternen 21 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Max Frisch wurde am 15. Mai 1911 in Zürich geboren und starb am 4. April 1991 an den Folgen eines Krebsleidens in seiner Wohnung in Zürich. 1930 begann er sein Germanistik-Studium an der Universität Zürich, das er jedoch 1933 nach dem Tod seines Vaters (1932) aus finanziellen Gründen abbrechen musste. Er arbeitete als Korrespondent für die Neue Zürcher Zeitung.
Seine erste Buchveröffentlichung Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt erschien 1934 in der Deutschen Verlags-Anstalt Stuttgart. 1950 erscheint Das Tagebuch 1946-1949 als erstes Werk Frischs im neugegründeten Suhrkamp Verlag. Zahlreiche weitere Publikationen folgten.


Kundenrezensionen

4.7 von 5 Sternen
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Top-Kundenrezensionen

Format: Taschenbuch
Über den Hinweis eines Professors stieß ich auf Frischs "Der Mensch erscheint im Holozän", ein auf den ersten Blick sehr eigenwilliger Titel und im Vergleich zu "Stiller" oder "Homo Faber" der Masse eher unbekannt.
Das Thema dieser 1979 erschienenen Erzählung ist das langsame Vergehen eines Menschen, der krampfhaft mit Ausschnitten aus Lexika und dergleichen versucht, das für ihn Wichtige in der Welt festzuhalten. Doch die Realität entgleitet ihm zusehends, denn er kann die Vergangenheit nicht greifbar halten.

Herr Geiser ist Witwer und lebt allein in seinem Haus. Die Natur hat ihn von der Außenwelt abgeschnitten und so erleben wir Herrn Geisers Schicksal, das ein universelles menschliches Schicksal ist: das einsame Dahingehen. Das Subjekt ist auf sich selbst zurückgeworfen und verliert sich peu à peu. Identität ist Gedächtnis, aber gerade dieses essentielle Erinnern lässt Herrn Geiser immer häufiger im Stich. Allein das weit zurückliegende Ereignis seiner gefährlichen Matterhorn-Wanderung vermag Geiser zusammenhängend wiederzugeben, die Namen seiner Enkel kann er sich indessen nicht merken.

Das zutiefst Beeindruckende an "Der Mensch erscheint im Holozän" ist die Erzählsperspektive, an der Frisch über Jahre hinweg feilte. Dem Leser offenbart sich dabei die größtmögliche Unmittelbarkeit: Erlebte Rede, die auktoriale und personale Elemente vereint, verbindet sich mit typografisch eingebundenen Lexikonartikeln. Der Leser sieht also, was Herr Geiser sieht, ohne dass dies kommentiert wird.
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Geiser ist der tragische Protagonist in Frischs später Erzählung "Der Mensch erscheint im Holozän". In dem Buch wird dessen Isolation in einem Bergtal erzählt, einhergehend mit einem präsenten Gewitter und Geisers parallel stärker werdenden Demenz bis zum Schlaganfall (wobei hier natürlich auch der parabolische Bezug herauskristallisiert).

Die Genialität dieses Werks steckt in Frischs perfektem Einklang der literarisch-ästhetischen Trias: Inhalt, Form und Stil. Die Erzählung wird aus der personalen Perspektive Geisers beschrieben. Die Syntax ist stark reduziert. Sie kulminiert in bloßen Wiederholungen der Feststellungen - der Vergewisserung des Daseins als geschichtlicher Mensch, der erinnert, um zu wissen. Die kriechende Demenz ist Ursache dieser sprachlichen Reduktion. Geiser versucht sich festzuhalten. Das Festhalten scheint ihm nur noch durch das Niederschreiben und Entäußern des Wissens von lexikalischen Einträgen auf Materiales, ins räumliche Draußen zu gelingen. Die Erinnerung von der Bergtour mit seinem Bruder Klaus auf den Matterhorn umschreibt parabolisch die einstige Stärke im (noch) Sich-Festhalten-KÖNNEN an/in der Welt, im Erklimmen der Höhe, der Flucht aus jenem Tal der Krankheit, die in der Vergangenheit selbstverständlich war (Frisch wechselt hierbei auch in den entsprechenden, sonst im Präsenz gehaltenen Tempus). Im auch gelingenden Versuch der erneuten Wanderung, des abermaligen Ausbruchs, bleibt nur die Frage: wozu eigentlich? Der Sinn verloren, vergessen. Eine bittere Erfahrung ohne jede Erkenntnis.

Frisch spielt mit der Symbolik. Geiser sieht den Salamander in seinem Bad. Ist er nur noch ein kleiner Lurch.
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Format: Taschenbuch
„Wissen beruhigt“ ist die Meinung von Herr Geiser, der alleine in nahezu völliger Abgeschiedenheit auf einem Berg im Tessin wohnt. Ein Unwetter schneidet den alten Mann von seiner Umwelt ab und lässt ihn in völliger Ohnmächtigkeit in Büchern und Lexika lesen, um für sich und seine Nachwelt das herauszuschreiben, dass nicht vergessen werden soll. Da er aber nicht die ganze Zeit mit Lesen verbringen kann, geht er ein paar Mal vor die Tür um seine Beine zu vertreten. Auf diesen kleinen Ausflügen merkt er, dass er sehr schnell schwach und müde wird.
In seinen schützenden vier Wänden klebt er seine Aufzeichnungen aus den verschiedenen Büchern, wie Lexikon, Geschichtsbuch oder Bibel an die Wand. Manchmal reist er die Originalseiten aus den Büchern und heftet diese zu den anderen. Dabei wird er sich bewusst, dass die Rückseiten ebenso wichtig sein können, als die auf der Wand befestigten, doch die Blätter sind schon zerstört und eine Seite unleserlich gemacht worden.
Auf den Wanderungen stößt Herr Geiser an seine Grenzen; in seinem Haus ebenso. „Man verblödet“, obwohl er immer mehr Wissen auf den Wänden tapeziert. Doch genau das ist einer der Punkte, die seine Tochter, als sie ihn besuchen kommt, nicht verstehen kann. Was sollen nur diese vielen Zettel. Sie fallen herunter und verbreiten ein loses Chaos am Boden. Das ist nicht der Sinn der Sache. Geisers Tocher kann ihn nicht verstehen.
„Schlimm wäre der Verlust des Gedächtnisses“, heißt es in der Erzählung. Frisch schreibt diesen Satz im Laufe der Seiten weiter, denn es heißt auch: „Ohne Gedächtnis gibt es kein Wissen“.
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