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"Mein verwundetes Herz": Das Leben der Lilli Jahn. 1900 - 1944 (dtv Sachbuch) Taschenbuch – 1. November 2004

4,6 4,6 von 5 Sternen 158 Sternebewertungen

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Lilly Jahn stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie, wurde Ärztin, heiratete einen nicht-jüdischen Studienkollegen und gründete mit ihm eine erfolgreiche Arztpraxis in Immenhausen bei Kassel. Das Paar bekommt fünf Kinder, doch dem zunehmenden Druck der Nazis auf die »Mischehe« hält Lillys Mann nicht stand. 1942 lässt er sich scheiden und heiratet eine Kollegin.

Lilly Jahn wird in einem »Arbeitserziehungslager« inhaftiert, und es beginnt ein umfangreicher Briefwechsel, der den verzweifelten Kampf der Mutter und ihrer Kinder um den Zusammenhalt der Familie, um die Aufrechterhaltung von »Normalität« und gegen die Hoffnungslosigkeit veranschaulicht. Doch 1944 ist das Schicksal der Familie besiegelt: Lilly Jahn wird nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. 

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Produktbeschreibungen

Werbetext

Das Leben der Lilli Jahn. 1900 - 1944

Der Verlag über das Buch

»Mit den Briefen der Lilly Jahn und ihrer Kinder ist ein Zeugnis aufgetaucht, das uns ergreift wie kaum ein anderes. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass es in der Literatur über den Holocaust künftig einen bedeutenden Platz einnehmen wird.« Die Zeit

»Es ist die Spontaneität, mit der die scheinbare ›Normalität‹ des Lebens der Kinder einer deutsch-jüdischen Familie während der letzten Kriegsjahre dargestellt wird, die den Leser zum verzweifelten Weinen bringt. Ein einzigartiges und zutiefst erschütterndes Buch.« Die Welt

Kein historischer Roman, keine Erinnerungen können es mit Originalquellen dieser Qualität, dieser Lebendigkeit und Ursprünglichkeit aufnehmen.« Der Spiegel

»Der Roman verdient es neben Klemperers Tagebücher und das Tagebuch der Anne Frank gestellt zu werden.« Lausitzer Rundschau

Produktinformation

  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 2. Edition (1. November 2004)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 384 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423341467
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423341462
  • Abmessungen ‏ : ‎ 11.9 x 19.1 x 2.1 cm
  • Kundenrezensionen:
    4,6 4,6 von 5 Sternen 158 Sternebewertungen

Informationen zum Autor

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Martin Doerry
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Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
4,6 von 5
158 weltweite Bewertungen

Spitzenbewertungen aus Deutschland

Rezension aus Deutschland vom 7. Juni 2012
Das Buch ist beeindruckend in jeder Hinsicht: Die persönlichen Briefe selbst, auch in ihrer feinen Sprachlichkeit. Die alles behutsam verbindenden Zwischentexte, die die Briefe erst zur Geschichte machen und den historischen Kontext prägnant erschließen. Die Bilder, besonders die Kinderbilder, die in ihrer familiären Unbefangenheit nichts verraten über den bedrohlichen Hintergrund der Zeit. Aber gerade deshalb bewegen sie. Oder auch die gut ausgewählten Abschnitte aus Lotte Paepckes lesenswertem, autobiographischem Buch  Unter einem fremden Stern: Geschichte einer deutschen Jüdin (HERDER spektrum) , einer Großcousine Lilli Jahns.

Das Buch geht nahe, sehr nahe.

Doch immer bleibt der Respekt vor Privatem gewahrt, obgleich ja vieles teils sehr privat ist. Und immer bleibt Raum für die eigene Interpretation des manchmal nur schwer verständlichen Verhaltens der beteiligten Personen. Selten ein erhobener Zeigefinger, der die Leser belehrt, sondern den Texten wird die Freiheit gelassen, aus eigener Kraft zu wirken, auch und gerade da, wo sie von Feigheit und Kleinmut, Gleichgüligkeit und Egoismus erzählen.

Immer mehr schnürt sich der alles zerstörende Totalitarismus um die junge Familie, bis zum letzten, bösen Akt in Auschwitz. Die Unmittelbarkeit der Briefe und Berichte lässt keine Distanzierung zu, schnürt den Leser gleichsam mit ein. Es ist schon wahr, wenn in der Einleitung Sebastian Haffner zitiert wird, dass, wer "etwas über den epochalen Einschnitt des Jahres 1933 wissen wolle ..., der müsse 'Biographien lesen, und zwar nicht die Biographien von Staatsmännern, sondern die raren Biographien der unbekannten Privatleute'."

Damit und mit der Tatsache, dass es die noch seltenere Biographie einer nicht Überlebenden ist, wird das Buch gern in eine Reihe mit dem so wichtigen Tagebuch der Anne Frank gestellt. Vollkommen zurecht. Der Blick in eine Arztfamilie und in eine Kleinstadt nördlich von Kassel, mit ihren "unbekannten Privatleuten" in ihrer ganz normalen, alltäglichen Umgebung, erzählt noch einmal anders über die Zeit, als die besten Geschichtsbücher über die große Politik oder großen sozialen Entwicklungen. Alltagsgeschichte und die Geschichten, wie sie Menschen der Zeit selbst erlebt haben und für sich reflektiert haben, unmittelbar und intim, ergänzen nicht nur das Bild der Zeit, sie sind elementare Voraussetzung dafür, diese Zeit zu verstehen. Oder auch nicht zu verstehen, sondern nur besser wahrzunehmen in ihrer Fremdheit.

Hier wäre auch ein Ansatz zur Kritik, denn manchmal unterlaufen dem Autor Martin Doerry dann doch Urteile aufgrund historischer Stereotypien, besonders aus den 1970-er/1980-er Jahren. Er bleibt damit nicht konsequent beim Ansatz, Lilli Jahn selbst zu verstehen und sie selbst zum Reden zu bringen.

Es sind so kleine historische Urteile wie das über Theodor Haecker, über den es heißt, dass seine "Werke trotz ihres sehr konservativen Weltbildes von 1938 an im Dritten Reich nicht mehr gedruckt werden durften". Das Stereotyp, das unterstellt, dass in diesem Fall konservativer Katholizismus eine Affinität zum Nationalsozialismus hätte haben müssen, ist natürlich unsinnig, denn es gab eben auch konservativen Widerstand. Theodor Haecker war entschiedener Gegner des Nationalsozialismus und ein geistiger Vater der Weißen Rose, bis in die Formulierungen der Flugblätter hinein (dazu neuerdings "Theodor Haecker (1879-1945): Verteidigung des Bildes vom Menschen", Hg. G. Fürst u.a., Stuttgart 2001). Haecker hat nicht ohne Grund nach dem Krieg Heinrich Böll beeinflusst. Seine Werke wurden keineswegs "trotz ihres sehr konservativen Weltbildes" verboten, sondern weil sie ein Angriff auf den Nationalsozialismus darstellten und die Partei das erkannt hatte, zumal diese sich ja dezidiert als progressiv und nicht als konservativ verstand.

Ähnlich ergeht es Kardinal von Faulhaber, zu dem Lilli Jahn schreibt: "Und die Adventspredigten von Kardinal F. waren ein sehr trostreicher Genuß für uns." Statt zu fragen, inwiefern dieser ambivalente Faulhaber tatsächlich nicht nur für Lilli Jahn ein Hoffnungszeichen war, ein "trostreicher Genuß", bis zu Dankadressen der jüdischen Gemeinden auch nach dem Krieg, und über die spannende Tatsache zu reflektieren, wie die Münchner (!) Predigten in einer Kleinstadt nördlich von Kassel ankommen konnten und was sie dort auslösten, wird Faulhaber scheinbar politisch korrekt im Sinne der Stereotypien der 1970-er Jahre als "Sympathisant von Hitler" und "er hat ja NUR gesagt ..." abgewatscht. Das ist schon ziemlich undifferenziert und gerade mentalitätsgeschichtlicher Fragestellung kontraproduktiv.

Aber das sind letztlich beckmesserische Nebensächlichkeiten zu einem insgesamt beeindruckenden Buch. Ihm ist wirklich zu wünschen, dass es viel gelesen wird. Ein Dank dem Autor und denen, die die Briefe so gewissenhaft aufbewahrt haben.
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Rezension aus Deutschland vom 17. September 2004
Nach dem „Erfolg" des Tagebuchs der Anne Frank kommt dieses Buch zu einer Zeit, da man die persönlichen Tragödien der Judenverfolgung im Dritten Reich mehr und mehr zur „Literaturgeschichte" werden ließ. Was hier (bereits in 5. Auflage!) als ein neuer Anstoß zur Vergegenwärtigung dieser Schicksale vorliegt, dürfte eines der ergreifendsten Dokumente aus dieser Zeit sein: die Lebens- und Leidensgeschichte einer Mutter, die man von ihren Kindern wegriß, in ein Arbeitslager steckte und schließlich nach Auschwitz brachte, wo sie 1944 umkam.
Das Buch besteht zum größten Teil aus Briefen, die von den 5 Kindern an ihre Mutter geschrieben wurden, und aus deren Antworten aus dem Lager: erschütternde Korrespondenz, die oft hinein- und herausgeschmuggelt wurde. Der Leser wird mit hineingenommen in die Spannung zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit und wird lange nachfühlen, was diese Mutter aushalten mußte.
Es drängen sich Gedanken auf, die gerade zur jetzigen Zeit relevant sind: die Grausamkeit der Nationalsozialisten, die Familien auseinander rissen, ohne Rücksicht auf das Schicksal der Kinder, auf die Würde von Frauen und menschliche Gefühle findet leider immer noch - und wieder --Fortsetzung, auch in unserer heutigen Gesellschaft.
Cordelia Edvardson schrieb in der WELT, daß sie „zum verzweifelten Weinen [gebracht wurde] durch dieses einzigartige und zutiefst erschütternde Buch". Man müßte es unseren Politikern zur Pflichtlektüre machen, daß sie erkennen, welch grausame Folgen die Menschenfeindlichkeit mancher ihrer Entscheidungen mit sich bringt. Es gibt die Arbeits- und Vernichtungslager Gott sei Dank bei uns nicht mehr, aber wieder viele verwundete Herzen!
Der Autor, ein Enkel der Lilly Jahn, stellte aus über hundert Briefen, die zum Glück erhalten blieben, dieses Zeitdokument zusammen. Es ist ein Monument, das mehr bewegt, als die hundert Betonklötze, die in Berlin an die Tragödie der Judenverfolgung erinnern sollen.
Prof.Dr. Hans Schieser September 2004
DePaul University Chicago
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