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Max Weber ist mehr als nur ein Soziologe, er gilt als der Begründer der modernen Soziologie; Max Weber, die "Ein-Mann-Wissenschaftsmaschine" (544), der sein Leben lang in einem krankheitsanfälligen Körper gefangen war; Max Weber, später Verfechter eines streng wissenschaftlichen und, von der Kanzel, unpolitischen Professorenideals, der jedoch in seiner Freiburger Antrittsvorlesung 1895 übel in die sozialdarwinistische und deutsch-imperiale Rhetorikkiste gegriffen hat (vgl. 410ff.). Max Weber, Muttersohn, langjähriger Ehemann von Marianne, Liebhaber von Mina Tobler und Else Jaffé. Ein genialisch veranlagter Mann voller Widersprüche, dem Dirk Kaesler in seiner hier vorliegenden, hervorragend recherchierten und glänzend geschriebenen Biografie ein Denkmal setzt, ohne ihn dabei zu verherrlichen, womit dem Autor eine bisher nicht vorhandene Rekonstruktion des Menschen Max Weber in seiner Zeit gelungen ist.

Kaesler erzählt nicht nur, sondern er bringt, wie man so schön sagt, die Quellen zum Sprechen. Aus Max Webers Tagebucheinträgen und Briefen, aus den Briefen seiner Geliebten sowie aus den Briefen und Aufzeichnungen seiner Mutter und seiner Ehefrau entsteht das vielschichtige Bild eines frühen intellektuellen Erwachens eines Menschen, der stets dem Männlichkeitsideal seiner Zeit gerecht werden wollte, was seine angeschlagene Gesundheit allerdings nie zuließ, aber auch als einen in Liebesdingen "egozentrischen, jammerigen, feigen" (696) Waschlappen, der nicht in Lage war, Entscheidungen zu treffen.

Ein Großteil der Biografie ist natürlich dem wissenschaftlichen Werk Max Webers gewidmet. Mit seiner juristischen Promotion entschied er sich für eine Karriere im wissenschaftlichen Betrieb, welche er mit der "Römischen Agrargeschichte" begann und die schließlich 1919 mit der Schrift "Politik als Beruf" endete. Nah an den Originaltexten versucht Kaesler, das Wesen, den Kern der jeweiligen Texte offenzulegen, ohne dabei den Entstehungskontext zu vernachlässigen. Mit am bekanntesten und am häufigsten zitiert ist wohl bis heute sein 1904 erschienener Aufsatz über die "Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus", in dem Weber den fast schon sprichwörtlich gewordenen Zusammenhang zwischen protestantischem Glauben und kapitalistischer Wirtschaftsform herstellt. Für Weber sei der "Geist des modernen Kapitalismus" (529) entstanden aus dem in vielen Spielarten des Protestantismus existierenden Auserwähltheitsglauben, aus dem sich aber "um jene Selbstgewißheit zu erlangen als hervorragendstes Mittel rastlose Berufsarbeit" (536) ergebe. Diese nämlich "verscheuche den religiösen Zweifel und gebe die Sicherheit des Gnadenstandes" (ebd.). Die daraus resultierende "rationale[.] Lebensführung [...], die aus dem Geist der innerweltlichen Askese entstanden war", so die Worte Kaeslers, "wurde konstitutiver Bestandteil des modernen kapitalistischen Geistes" (540).

So erweckt Kaesler viele von Webers Schriften für den heutigen Leser zum Leben. Von seinen Gedanken zur "Werturteilsfreiheit", über "Wissenschaft als Beruf", sein monumentales Werk "Wirtschaft und Gesellschaft", in dessen Abschnitt über die "Soziologischen Grundbegriffe" sich u.a. die Definition der drei Herrschaftstypen rational, traditional und charismatisch befindet, bis schließlich zu "Politik als Beruf", wo Weber zwischen gesinnungs- und verantwortungsethischem Handeln unterscheidet (vgl. 875) und Politik unvergesslich als das "starke[.] langsame[.] Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß" (876) definiert.

Fazit: So und nicht anders sollen Biografien geschrieben sein! Nah an den Quellen, das richtige Maß zwischen privater und öffentlicher Person haltend und stilistisch brillant setzt dieses Buch Maßstäbe, welche es für lange Zeit zur ersten Referenz für alle gestaltet, die an Denken und Leben Max Webers interessiert sind.
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am 22. April 2014
Person und Werk fließen in dieser sehr umfassenden Biographie Max Webers im Lauf der Lektüre mehr und mehr zusammen.

Auch wenn Dirk Kaesler seine Darstellung stringent biographisch aufbaut, Schritt für Schritt die einzelnen Lebensstationen Max Webers abgeht, es kann ja gar nicht ausbleiben, dass die großen und bis heute nachhallenden, Grundlegendes beitragenden Gedanken Webers zur protestantischen Ethik, zur sozialen Frage, zu den sozialen Tatsachen und Theorien, immer und immer wieder dazu die Formulierungen seiner Grundforderung nach der „Wertfreiheit der Wissenschaft („Die Wert(Urteils)-Freiheit“) sich mit den biographischen Stationen, den Lehrstühlen, den intensiv beobachtenden Reisen vermengen.

„Max Weber schrieb als denkender Mensch über das, was er erlebte. Und er erlebte, worüber er dachte und schrieb“.

Person und Werk sind in späteren Zeiten bei Max Weber kaum zu trennen, die eigenen, ausgewerteten Erfahrungen und Eindrücke fließen ein in die Formulierungen der Lehre und die Erkenntnisse des Forschens beeinflussen den Blick der Person auf die Welt.

Alles je nutzbar gemacht und „hineingedacht“ in die beiden „großen Themen“ Webers, die Religion und die (industriell zunehmende) „Rationalisierung“.
Und auch hier ist gut zu sehen und nachzulesen, wie sehr Werk und Person sich verzahnen. Denn Ausgangspunkt der intensiven Überlegung zur protestantischen Ethik war die Selbstbeobachtung Webers zu seinem persönlichen Ehrgeiz, seiner Rastlosigkeit, immer noch mehr und weiter in der „Arbeit“ aufzugehen.

Eine Verzahnung und Entwicklung, die Kaesler systematisch nachvollzieht und aufzeigt, die er differenziert darstellt und dabei keinen wichtigen Schritt auslässt. Auf dem Lebensweg einer der entschiedensten Gestalten und Denker der Soziologie bis heute.

Wie kann und soll eine menschenwürdige Gesellschaft, eine „Sozial-Gemeinschaft“ aussehen? Was bedarf es für die Entwicklung einer solchen? Was hindert und stört?
Grundfragen, die Weber formulierte und denen er klar formuliert nachging, seine Antworten nicht nun in den Raum der Geisteswissenschaften, sondern des politischen Denkens und Diskurses bis in die Gegenwart hinein verankert hat.

Mit einem erkennbar mitschwingenden Grundgedanken Kaeslers, vor allem das Theorieverständnis Webers nach vorne zu stellen. Diesen Anspruch an die Wissenschaft, sich von vorhergehenden Werturteilungen zu lösen, die Dinge der Betrachtung möglichst objektiv und wertfrei zu durchdenken, darzustellen und späterhin erst Schlüsse und Folgerungen für das (vielleicht) praktische Handeln daraus abzuleiten.

Vor allem aber beleuchtet Kaesler den Werdegang und die Person Webers gründlich und von allen Seiten. Ein Leben, das sich auf „vielfältigen Bühnen““ abspielte und, von Kaelser gut gelöst, auf den „vielfältigen Bühnen“ dann auch erzählt wird. So dass letztendlich ein großes, aus vielen Einzelteilen gestaltetes „Mosaik eines Lebens“ entsteht, in dem der Leser dem Übergang vom 19. Zum 20. Jahrhundert, der entstehenden Soziologie, einem „inneren Fundament“ an „preußischer Haltung „und „protestantischer Ethik“ und einem klaren Denken begegnet, in dem Kaesler auch „viele andere Stimmen“ zu Wort kommen lässt. Allen voran jene Marianne Webers, der Ehefrau Max Webers. Und die seiner Eltern, seiner Geliebten, seiner Freunde, seiner Kollegen, nicht zuletzt die seiner Gegner (nicht wenig an der Zahl).

Stimmen, die das Bild dieser vielfältigen, in sich nicht geeinten Persönlichkeit erhellen und in großer Breite darstellen.

Alles in allem eine sehr umfassende, an die Person Webers aus verschiedenen Perspektiven herangehende Biographie, die Leben, Werk, innere Entwicklungen und den Charakter Webers als vielfältig spiegelndes Bild darzustellen vermag.
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Vor 150 Jahren, genauer gesagt am 21. April 1864, wurde in Erfurt Maximilian Carl Emil Weber geboren. Es war also voraussehbar, dass im Jubiläumsjahr verschiedene Biografien aufliegen werden. Erstaunt hat mich nur, dass man nicht an die Leser dachte, die weder Lust noch Zeit auf 1000-seitige Werke haben. Denn leider wurden die vergriffenen Bücher von Karl Jaspers und Hans N. Fügen nicht neu ediert. Zur Auswahl stehen also lediglich Biografien ab 500 Seiten.

Was den Umfang betrifft, steht dieses Buch in direkter Konkurrenz zu dem von Joachim Radkau, das seit diesem Jahr auch in einer Taschenbuchausgabe erhältlich ist. Bei Dirk Kaesler stieß es bei seinem Erscheinen in der Hardcover-Version auf heftige Kritik. Die kann ich allerdings nach der Lektüre von Kaeslers Werk nur bedingt nachvollziehen, ist doch der emeritierte Professor für Allgemeine Soziologie an der Philipps-Universität Marburg ebenfalls der Versuchung erlegen, dem Sexualleben Max Webers allzu große Beachtung zu schenken und sich aufs Glatteis tiefenpsychologischer Deutungen zu begeben.

Im Rückblick gesehen bin ich froh, dass es noch keine so umfangreichen Max Weber-Biografien gab, als ich eine Seminararbeit über Webers bekanntestes Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus schrieb. Aber mehr über das politische und gesellschaftliche Umfeld zu wissen, in dem Max Weber heranwuchs, wäre sicher sinnvoll sowie anregend gewesen. Und wie Dirk Kaesler solche Informationen vermittelt, ist auch der Grund, weshalb ich seine Biografie mit fünf Sternen bewerte. Denn von Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasoff“ inspiriert, beschreibt Kaesler die Bühne, auf der Max Weber agiert und ihn letztlich einer Person macht, die in all ihren schillernden Facetten unfassbar bleibt.

Wie Kaesler seine Bühne aufbaut und wohin er die Scheinwerferkegel richtet, wird all denen nicht gefallen, die Quellenangaben nach wissenschaftlichen Standards wünschen, elterliche Einflüsse weniger gewichten, einen enge Vorstellung von Trivialitäten haben und sich am Begriff „Muttersohn“ stören. Aber mich hat Kaeslers Herangehensweise schon beim Kapitel „Vor dem Vorhang“ überzeugt. Und da ich mich schon länger von der schulmeisterlichen Erwartung lösen konnte, man müsse jeder Buchseite die volle Aufmerksamkeit schenken, konzentrierte ich mich ohne schlechtes Gewissen auf meine Interessengebiete.

Was hat Max Weber geprägt? Wogegen ließ ihn sein Charakter aufbegehren? Welche Thesen können auch als Rationalisierungen persönlichen Erlebnisse aufgefasst werden? Wo verlaufen die Grenzen zwischen Soziologie, Geschichtswissenschaft und Nationalökonomie? Wie können wir Überzeitliches von Biografischem trennen? Und wie sollen wir die einzelnen Lebensabschnitte einer verstorbenen Person gewichten, um die biografischen Einflüsse auf ihr Werk angemessen beurteilen zu können?

Da mir Dirk Kaesler ebenso interessante und brauchbare Antworten auf solche Fragen gibt, hat mir seine Max Weber-Biografie gefallen. Zumal ich selbstverständlich nicht den Anspruch habe, von einem Biografen die Wahrheit zu erfahren. Ich bin zufrieden, wenn es einem Autor gelingt, mich in so fremde Welten wie das 19. Jahrhundert, das vom Protestantismus geprägte Bürgertum und das Denken des frühen Kapitalismus’ zu entführen. Und wenn ich danach zur Ansicht gelange, auf der Bühne sei ein faszinierendes Stück aufgeführt worden, stören mich vermeidbare Längen nicht mehr.

Mein Fazit: Es sind Jahrzehnte her, seit ich mich intensiver mit dem Leben und Werk von Max Weber befasste. Doch obwohl mich der Umfang dieser neuen Biografie zuerst abschreckte, ist es Dirk Kaesler gelungen, mich bei der Lektüre bei Laune zu halten. Dazu beigetragen haben außer den vielen spannenden Geschichten aus einer vergangenen Zeit auch das Bildmaterial und Kaeslers Bühnengestaltung. Für Leser, die eher langweilige Passagen nicht überlesen können, wäre eine Kurfassung natürlich wünschenswert. Aber eine solche liegt nun Mal nicht vor.
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