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Kundenrezensionen

2,8 von 5 Sternen
2
Marcus Antonius: Geliebter Kleopatras und Freund Caesars
Format: Audio CD|Ändern
Preis:19,50 €+ 3,00 € Versandkosten

am 14. Juli 2011
Als Stellvertreter Caesars, Intimfeind Ciceros und Antagonist des ehrgeizigen Octavians stand Marcus Antonius stets im Schatten jener Männer, die durch die Jahrtausende ihr Bild der Geschichte vermitteln konnten. Doch selbst die Herabwürdigungen durch die Geschichtsschreibung des jüngeren Cäsars (die Antonius schlussendlich zum orientalischen Despoten und Verräter abzustempeln versuchte) und die Schmähreden Ciceros konnten nie ganz verdecken zu welcher Größe es Antonius gebracht hatte. Beliebter als der junge Octavian hätte es Antonius sogar gelingen können selbst zum ersten Kaiser zu werden. Die Zielsetzung Helmut Halfmanns Antonius-Biografie ist einfach, der von der augusteischen Geschichtsschreibung verkannte Triumvir und Stellvertreter Caesars soll aus einem Dickicht von Lügen, Halbwahrheiten und Verzerrungen befreit werden. Von Anfang ist dabei allerdings klar, die Ehrenrettung Antonius beschädigt das Bild des selbststilisierten "Friedenskaisers" Augustus.

Viele Quellen mögen verloren gegangen sein, um Antonius eine gerechte Darstellung teilhaftig werden zu lassen, doch Helmut Halfmann hat sich eines Tricks bedient, um die Größe des Feldherrn und Politiker Antonius greifbar zu machen. Er misst ihn an seinen Zeitgenossen und deren Errungenschaften. Keine leichte Aufgabe, deren Gelingen doch umso mehr beeindruckt.

Obwohl die genauere familiäre Herkunft der Antonier im Dunkeln liegt und nur möglicherweise auf das zweite vorchristliche Jahrhundert datiert werden kann, wo zumindest ein 167 v. Chr. zum Volkstribun gewählter Antonier nachgewiesen werden kann versucht sich Halfmanns Biografie dennoch an einer Rekonstruktion Antonius Stammbaum. Das gelingt dann durchaus, war Antonius Großvater Marcus Antonius Orator immerhin einer der talentiertesten Redner seiner Zeit und Zeitgenosse Crassus. Dieser gleichnamige Großvater des späteren Konsuls sollte jedoch im Krieg Sullas mit Gaius Marius noch auf der Seite des Optimaten eintreten und schließlich auch fallen. Doch bereits Antonius Orator zeichnete sich durch seinen mit einem Triumph gekrönten Feldzug gegen kilikische Seeräuber als Feldherr aus, eine gewisse Familientradition, der sich auch der deutlich weniger erfolgreiche Vater des Triumvirn anschließen sollte und dabei mit einem Unterfeldherrn namens Gaius Julius Caesar zu tun hatte. Aus seiner Ehe mit einer Julierin sollte schließlich auch der künftige Triumvir hervorgehen, der nicht nur zur rechten Hand des einstigen Offiziers seines Vaters sondern durch die Ehe mit Octavia auch zu einem Stammvater des julisch-claudischen Kaiserhauses werden sollte. Anders als sein Großvater sollte es den jungen Antonius nämlich in das Lager der popularen Cäsarianer verschlagen, wo seine politische Karriere schließlich eine intensive Förderung erhielt.

Welches Vertrauen Antonius bei Caesar genoss belegt nach Halfmann dass dieser als Tribun im Rang eines Proprätors den Befehl erhielt Italien in Schach zu halten, während Lepidus die Kontrolle über Rom besetzt halten sollte. Aus dieser Zeit dürfte auch ein Teil von Ciceros Verachtung für den kleinen Volkstribun stammen, der sich nun große Allüre leisten konnte, selbst gegenüber dem sich gerne ruhmreich sehenden Konsular. Als Stellvertreter des Diktators und bei dessen Ermordung sogar Konsul schien es möglich dass Antonius im Fahrwasser Caesars nach dessen Ableben selbst an die Spitze des cäsarianischen Lagers gespült werden könnte. Wäre da nicht der testamentarisch begünstigte Octavius gewesen, der sich mit dem Erbe seines Adoptivvaters und Großonkels regelrecht in das System einkaufte, um Truppen und politische Unterstützung zu gewinnen.

Und so lässt Helmut Halfmann durch die Beleuchtung Antonius Karriere erste Schatten über der des durch großzügige Bestechungen reüssierenden Octavius aufziehen. Dessen ungeachtet hat Helmut Halfmann seine Antonius-Biografie weder Hagiografie noch einer Verdammung des Mannes im Schatten der Cäsaren werden lassen. Trotz des schon eingangs formulierten Ziels dass die fairere Bewertung des Triumvirn und seines Lebens Schatten auf die Karriere Augustus werfen wird ist Halfmann erfrischend objektiv geblieben und baut in seiner Argumentation keinen irgendwie gearteten Pathos auf. Der Stil des Autors ist dabei überaus flüssig und verzichtet auf unnötige Abschweifer, wodurch die Biografie wirklich ein Buch über Antonius geworden ist und nicht diverse Streuthemen rundherum, wie etwa die Geschichte des ptolemäische Ägyptens.

Fazit:
Eine höchst gelungene flüssig zu lesende Biografie, die erstaunlich objektiv geraten ist.

[Diese Rezension basiert auf einem kostenfreien Rezensionsexemplar]
9 Personen fanden diese Informationen hilfreich
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am 22. März 2014
Bereits im 2. Kapitel enthält Helmut Halfmanns Biographie des Marcus Antonius einen peinlichen Fehler: Hier wird zweimal ( und somit kein Druckfehler) Antaios, der fälschlich als Sohn des Herakles bezeichnet wird, als Stammvater der gens Antonia genannt. Wie jedes Schulkind aus der Lektüre von Schwabs Sagen des klassischen Altertums wissen müsste, war der libysche Riese Antaios ein Sohn des Poseidon, der von Herakles besiegt wurde, und zwar in einem oftmals in der bildenden Kunst dargestellten Kampf. Plutarch nennt Antonos als Namen des Ahnherrn. Eigentlich sollten auch Universitätslehrer wenigstens über Grundkenntnisse der antiken Mythologie verfügen.

Halfmann geht in seiner Arbeit von Hans Volkmanns These aus, die überwiegend negative Beurteilung des Marcus Antonius in den Quellen sei das Ergebnis augusteischer Propaganda. Merkwürdig, dass gerade Volkmanns wegweisende Kleopatra-Biographie, in der diese These entwickelt wird, im Literaturverzeichnis fehlt.
Gegen alle Quellenangaben vertritt Halfmann die Ansicht, Kleopatras intime Beziehung zu Antonius sei "eher ein Teil herrscherlicher Selbstdarstellung von beiden Seiten gewesen, als dass sie eine echte Gefühlswelt widerspiegelte." Diese Ansicht ist wohl eher originell als überzeugend.

Im übrigen ist das in recht schwerfälligem Stil verfasste Buch mit zahlreichen Informationen über minder bedeutende Zeitgenossen des Antonius überfrachtet, sodass es sich teilweise wie eine Sammlung von Exzerpten aus einer Prosographie liest. Dagegen werden dem Leser kulturhistorische Angaben, etwa über die Hofhaltung des Antonius und der Kleopatra, die durch die Familientradition des Plutarch gut bezeugt sind, vorenthalten.

In summa: ein recht trockenes, weitschweifiges Buch, das nicht die Qualität verschiedener anderer Werke über dasselbe Thema erreicht.
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