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am 12. Dezember 2009
Gustave Flaubert sagte von seiner Romanfigur einst: Madame Bovary, c'est moi.
Ich habe ein wenig gebraucht um diesen Satz so stehen lassen zu können. Denn Madame Bovary ist eigentlich kein sympathischer Charakter. Sie heiratet aus einer romantischen Vorstellung heraus einen Mann, Charles Bovary, der, wie sie bald bemerken muss, geistig flach ist , genügsam mit den einfachen Dingen des Lebens und mit dem auch sie zu einem einfachen Leben an der Seite eines Landarztes verdammt ist. Der sie aber so sehr liebt, dass er sie auf Händen trägt, ihr jeden Wunsch erfüllt und dessen ganzes Glück es ist, Emma zu besitzen. Aber Emma Bovary geht nicht milde mit diesen Dingen, nicht nachsichtig um, sieht nicht, dass ihr Ehemann ihr die Welt zu Füßen legen will und flüchtet sich alsbald in Verachtung und Resignation. Als sie und Charles aber eines Tages auf einen Ball zu einem Marquis eingeladen werden, eröffnet sich für Emma auf einmal eine Welt der Möglichkeiten, utopisch und unerreichbar zwar, aber sie wird davon infiziert und erschafft sich eine Traumwelt. Sie wird zusehends unruhiger, entwickelt ein nervöses Nervenleiden, für sie rückt die Möglichkeit ihres persönlichen Glückes in immer weitere Ferne, je länger der Abend des Balles zeitlich in die Vergangenheit rückt. Als ihr Mann schließlich mit Emma in eine andere Stadt zieht, um ihr eine Luftveränderung zu beschaffen, lernt sie den jungen Kanzlisten Leon kennen, der in Emma Gefühle und Sehnsüchte weckt, die sie nicht mehr unterdrücken kann und vor allem auch nicht will.
Warum hat Flaubert nun gesagt, er selbst sei Emma Bovary? Was lehrt uns eine so selbstsüchtige, triebgesteuerte und morallose Person wie sie? Sie ist der Prototyp der menschlichen Verblendung. Emma ist so fixiert, so mit aller Macht an ihre falschen Vorstellungen von der Welt, den Menschen und der Liebe gebunden, dass sie an ihr zugrunde geht, ja eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Denn außerhalb der Perfektion findet Emma keine Zufriedenheit. Sie will mehr und mehr und nichts, nichts ist ihr je genug. Emma ist klug, das steht außer Frage, aber weise wird sie dadurch nicht, denn sie weiß ihren Intellekt nicht zur Reflektion zu gebrauchen. Sie legt all ihre Kraft allein in das Umsichschlagen, in den Kampf gegen alles, was ihr trivial und einengend erscheint. Und hier kann man sie auch wieder verstehen. Denn wir sind von Zwängen und Leiden beherrscht, müssen uns tagtäglich mit Dingen arrangieren, die uns nicht nur Genuss und Freude bringen. Ist das nicht eigentlich schrecklich? Willkommen in Emmas Welt.
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Madame Bovary - verheiratet mit dem Arzt Charles Bovary, bewohnt sie bis an ihr Lebensende die Einöde in Frankreichs Provinz. Sie träumt von dem magischen Ort Paris, ihren ritterlichen Romanhelden und sucht Befriedigung in der Liebe, die ihr ihr Mann nicht geben kann. Sie wird von den Männern viel umworben, sie ist ein Anziehungspunkt und eine Augenweide. Bald beginnt sie Affären mit Léon und Rodolphe. Dabei fühlt sie sich wie beflügelt, frei und dennoch trägt sie Verantwortung für ihren Ruf, ihren Mann und ihr gemeinsames Kind. Letztendlich wird sie von Unmengen an Schulden heimgesucht und gibt sich dem Gift hin, um ihrem Leben ein Ende zu setzen...

Flauberts Roman erregte viel Aufsehen, da er - so der Untertitel des Buchs - "ein Sittenbild der Provinz" aufweist, einen Maßstab an Moral und Werten, der für die damalige Gesellschaft maßgebend war und eingehalten werden musste, wenn man nicht verstoßen werden wollte. Doch Emma Bovary durchbricht diese Regeln, sie schafft ihr eigenes Leben, um vollauf befriedigt zu werden, um der Gesellschaft zu trotzen, um sich den eigenen Freuden hinzugeben. "Madame Bovary" ist eine Revolution, ein klassisches Werk, das dennoch in der heutigen Zeit stets aktuell ist und die unermüdlichen Bedürfnisse der Menschheit wiederspiegelt, die, unter gegebenen Umständen zu Problemen führen und letztendlich ins Verderben.

Empfehlenswertes, epochales Meisterwerk, vier Sterne für die Einzigartigkeit, die Niederschrift des Unsagbaren, selbst wenn es etwas langatmig geschrieben ist auf 400 Seiten.

~Bücher-Liebhaberin~
33 Kommentare| 12 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. Oktober 2012
Madame Bovary ist einer der Evergreens Europas und wurde Dutzende Male verfilmt. Was in aller Welt fasziniert an dieser nicht besonders schlauen, von Romanlektüre verwirrten, Schulden am Fließband machenden Person, die zum Schluss nicht einmal imstande ist um Hilfe zu bitten, nachdem sie schon alles in ihrem Leben verbockt hat? Zum "timeless classic" werden meist die Bücher, die mehrere Lesarten zulassen. Das ist auch bei Madame Bovary der Fall.

Lesart 1: Emma Bovary gerät aus lauter Unverstandensein, wegen starker romantischer Sehnsüchte und ihrer Abhängigkeit in einer als trist empfundenen Ehe in ihre katastrophale Notlage hinein. Da sie dabei hinter dem Rücken ihres Mannes und der kompletten Kleinstadtgesellschaft agiert, kann niemand ihr helfen. Sie stirbt, da ihre Träume nicht realisiert werden können und sie sich aus ihrer Abhängigkeit nicht befreien kann.

So wird's von den meisten Lesern verstanden. Doch es gibt eine Lesart 2. Viele mögen sich wundern, dass die Geschichte ausgerechnet mit Charles Bovary, dem uncool gekleideten, etwas langweiligen Teeny mit der affigen Mütze, der alles sehr schnell auswendig kann, beginnt. Doch das ist Absicht. Flaubert sagt uns schon auf den ersten Seiten: So jetzt wisst ihr, wer Charles Bovary ist. Ein uncooler Typ mit einer doofen Mütze. Die habe ich euch so genau beschrieben, dass ihr sie nachbasteln könntet. Jetzt glaubt ihr, ihn zu kennen, jetzt wisst ihr alles." Wirklich? Nun, wir erleben im Verlauf spannender 400 Seiten, dass wir Charles Bovary kein bisschen gekannt haben. Er ist der zweite Held dieser Geschichte. So unscheinbar, vorgeblich langweilig, "uncool", maulfaul und provinziell, wie ihn seine Frau einschätzt, schätzen auch wir ihn erst mal ein. Aber nach und nach entpuppt er sich als der größte Liebende dieses Buches, vielleicht einer der größten in der Literaturgeschichte überhaupt.

Charles fordert nichts. Er will Emma nur glücklich sehen. Er tut alles, was er tut, nur für sie, und das ohne das kleinste positive Feedback, ja sogar ohne dass sie es bemerkt. Er macht nicht viele Worte. Er verzeiht alles. Das ist "Liebe" im eigentlichen Verständnis des Wortes.

Emma dagegen - Drama, Baby, Drama!! - steht auf große Worte, grandiose Gesten, den schönen Schein, den Ruhm, den Adel, das Strahlen. Da kann Charles natürlich nicht punkten. Die beiden können zueinander nicht kommen, und darin liegt die eigentliche Tragödie des Romans.

Die "hidden agenda" des Buches ist die Untersuchung der großen Frage: Was sind Bücher für uns? Emma sowie der PR-gewiefte und opportunistische Apotheker Homais halten sie für "Lebensrezepte zum Nachkochen". Emma glaubt, was in Romanen steht, ist eine Anleitung fürs Leben. Homais regelt alle seine Angelegenheiten sehr zielführend mit Zeitungsartikeln, Statistiken, Apothekenrezepten. So gelingt es ihm auch, den eigentlich skeptischen Charles zwecks Mehrung des Ruhms der Stadt Yonville zu einer Klumpfußoperation nach dem gerade angesagten Lehrbuch von Dr. Duval (gibt es tatsächlich - erschienen 1843) zu überreden.

Charles studiert das Buch einmal, zweimal, dreimal sehr gründlich. Kocht's nach. Durchaus nach den Regeln der Kunst. Die er allerdings nur theoretisch beherrscht. Operation gelungen. Bein ab. Sehr tragisch. Auch 1843 hätte es die Möglichkeit gegeben, diesem berühmten Dr. Duval erst einmal eine Zeitlang zu assistieren, um Erfahrung mit den lebenden Patienten, der Operation und der Handhabung der Korrektionsmaschine zu gewinnen. - Die Handhabung ist, by the way, in Duvals Buch nicht näher beschrieben, sie sei nur mit Hilfe von viel Erfahrung zu leisten! Nur "aus dem Buch", das muss schief gehen. Im Grunde weiß Charles das ganz genau. Doch er will Homais und seiner Frau, den beiden Nach-Rezept-Kochern, einen Gefallen tun. Genau wie die Operationsnachsorge misslingen muss, da die Erfahrung fehlt, kann eine Lebens- und Liebesweise, die man nur aus Büchern kennt, nicht en detail im eigenen, ganz anders gestrickten Leben nachgespielt werden.
So ist also Charles zumindest ein Mal so sehr hereingefallen wie Emma. Doch er hat daraus gelernt.

Und wir? Wir fallen seit 150 Jahren auf den gleichen Trick herein. Emma ist unsere Heldin, mit ihr leiden wir mit, bis ins letzte Detail ihres gruseligen Gifttodes hinein. Charles bleibt in der Schublade, wohin auch Emma ihn gesteckt hat: Viel zu minder, um uns mit ihm zu beschäftigen. Selbst im Buchtitel erscheint er nur verborgen (eine "Madame" Bovary gibt es naturgemäß nicht ohne einen "Monsieur Bovary"). Aber, wie wir nach aufmerksamer Lektüre wissen: Er ist Emmas "Einziger und Wahrer". Man hätte ihr eine längere Lebenszeit gewünscht, um das herauszufinden.
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am 27. Dezember 2013
Flaubert's wohl bekanntestes Werk, ist ein klassisches, französisches Drama, das im 19-ten Jahrhundert im provinzialen Frankreich angesiedelt ist:

1) Die für Flaubert typische Konzentration auf eine Person ist auch hier der Fall, im Mittelpunkt steht diesmal eine Frau und der Konflikt, den sie in ihrem Inneren austrägt. Ebenfalls typisch, die Dramatik der Erzählung kommt nicht durch überraschende, radikale Wendungen zustande (diese gibt es naemlich nicht), sondern nimmt stets zu, und erreicht am Ende ihren Höhepunkt. So erlebt diese einen stetigen Anstieg, proportional zu dem "Verfall" der gesamten Familie Bovary. Für Optimisten - in Erwartung eines Ereignisses, das alles wieder zum Positiven wendet - möglicherweise enttäuschend, aber genau das ist was den Roman so abhebt und auszeichnet.

2) Der Roman erzählt von einer "jüngen" Frau, der Frau eines Landarztes, die bald feststellt, dass sie keine Liebe für ihren Mann empfindet, und sich nach und nach ihm gegenüber zu nichts mehr verpflichtet fühlt. Das Bedürfnis nach einer emotionalen Befreiung und Kompensation führt zu mehreren Liebschaften, wovon zwei sehr leidenschaftliche, körperliche, und anfangs zum Teil auch naive Formen annehmen, die jedoch jäh scheitern. Durch bewusste Überordnung von ihren Gefühlen, haben diese Affären aber verheerende Konsequenzen, die die gesamte Familie am Ende schliesslich ohne Ausweg lassen.

3) Das Genie Flauberts, aus dem Empfinden einer einzigen Person eine berührende Erzählung zu erschaffen, machen auch "Madame Bovary" zu einem emotionalen Meisterwerk. Es ist eine echte Tragödie, die moralische Fragen aufwirft, sich nicht damit abgibt nach Antworten zu suchen, sondern das "Warum" einfach dem Leser überlaesst. Das Schicksal von Madame Bovary erscheint nicht einzigartig (oftmals hat man das Gefühl, das gelesene selbst erlebt zu haben, oder eine gewisse Handlung oder Situation nur zu gut zu verstehen oder zu kennen), dies wiederum macht den Roman selbst umso einzigartiger.

Sehr empfehlenswert!
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am 3. Februar 2014
Neben "Anna Karenina" und "Effi Briest" gilt "Madame Bovary" als einer der drei "Ehebruch-Klassiker" der Weltliteratur. Dabei ist zu betonen, dass "Madame Bovary" dieses Genre quasi "eröffnete" und für die zwei genannten Klassikern sicherlich als unentbehrliche Inspiration diente.

Nach der Lektüre aller drei Romane finde ich, dass "Madame Bovary" der in sich geschlossenste, konsequenteste, spannendste und auch sprachlich ausgefeilteste ist. Warum?

1) Handlung und Schlüssigkeit der Handlung: Während z.B. Tolstojs "Anna Karenina" sich oft in Nebenhandlungen zu verlieren droht, konzentriert sich Flaubert konsequent auf Emmas Schicksal, das sich aber erst im Zusammenspiel mit den anderen (unsympathischen) Hauptakteuren besiegelt. Aus heutiger Sicht ist das Thema "Ehebruch" natürlich nur mehr sehr bedingt ein Skandal. Allerdings ist der Roman auch heute zutiefst relevant, da sich die Wünsche, Begierden und die Hinterhältigkeit der Menschen in keinster Weise verändert hat. Manchmal glaubt man in Flauberts Schreibstil auch Abscheu über die eigenen Charaktere zu erkennen. Allerdings widersteht er standhaft der Versuchung ein Urteil zu fällen. Er scheint primär das zu enthüllen, was schon immer da war...

Auch beschreibt er die Entwicklung von Madame Bovary sehr bedächtig und somit umso glaubhafter. So ist ihre Neigung sich in Tagträumen und Wunschbildern zu verlieren schon als Mädchen sehr ausgeprägt. Doch verhindert ihre(falsch verstandende und scheinbar blumig-religiös motivierte) Tugendhaftigkeit ein Ausleben dieser Träume. Auch ist ihr höchster Wunsch zunächst lediglich einen ehrenwerten Mann (eben Charles Bovary) zu ehelichen und somit ein gesellschaftlich besseres Leben führen zu können. Doch erkennt sie sehr bald, dass sie dieser langweilt und sie beginnt sich erneut in Träumen und Schwärmereien zu verlieren. Mit dem Notariatsgehilfen Leon verbindet sie schon bald eine heimliche platonische Liebe. Doch sind beide zu schüchtern bzw. zu tugendhaft um den Ehebruch tatsächlich zu vollziehen. Leon verlässt schließlich die Stadt und Emma verliert sich - quasi als Kompensation - in einer sich stets steigernden Luxussucht. Als auch diese sie nicht befriedigt und sie schließlich den Grundbesitzer Rudolphe kennenlernt, wird aus den ursprünglichen Träumen schließlich Realität. Emma betrügt Charles und steigert sich immer mehr in ihre Liebe zu Rudophe hinein, der sie aber nur als Affäre betrachtet. Eine angedachte Flucht scheitert schließlich am Unwillen Rudolphes und Emma ist wieder alleine. Unglücklich in ihrer Ehe und unfähig Charles zu lieben versucht sie erneut sich zuhause zu "arrangieren", was ihr aber nicht gelingt. Schließlich trifft sie Leon - den ehemaligen Notariatsgehilfen in der Stadt wieder - und diesmal bleibt es nicht bei einem platonischen Verhältnis. Ihre gegenseitige Zuneigung steigert sich immer mehr in eine Amour fou. Doch ist auch dieser kein Glück beschert, da sie neben ihrer Liebesbeziehung zu Leon immer verschwendungssüchtiger wird und ihren Mann damit in den Ruin treibt. Schließlich steht Emma vor den Trümmern ihrer Existenz - hochverschuldet und unfähig ihrem Mann die Wahrheit zu sagen - wählt sie schließlich den Freitod als letzte "Alternative". Emmas Leidensweg - beginnend mit zunächst unschuldigen Schwärmereien und endend mit dem finanziellen und moralischen Ruin - endet schließlich in der Katastrophe.

2) Schreibstil: Flauberts bedient sich eines Schreibstils, der von Zeitgenossen Flauberts 1857 als kalt, gefühllos und nüchtern bezeichnet wurde und dem Genre "literarischer Realismus" zugeordnet werden kann. In Wahrheit macht es aber gerade diese objektive Kühle möglich den Romanfiguren unvoreingenommen zu folgen, ohne frühzeitig Partei zu ergreifen.

3) Personencharakterisierung: Dies ist umso erstaunlicher, da in Wahrheit keine der der von Flauberts gezeichneten Figuren sympathisch ist. Eigennutz, Egoismus, Materialismus, Hedonismus und vor allem der Wunsch die Realität zugunsten irrealer Wunschbilder hinter sich zu lassen, kennzeichnen die Protagonisten und sind letztlich auch für den grausamen Tod von Emma (Madame Bovary) verantwortlich. Faszinierend ist auch, dass selbst tiefe Gefühlsbekundungen der Akteure praktisch nie vorbehaltlos ehrlich, sondern meistens berechnend und ambivalent sind. Lediglich Emmas Mann Charles bildet hier eine Ausnahme. Als linkischer, gutgläubiger Trottel ermutigt er Emma geradezu zum Ehebruch. Gleichzeitig ist er aber in seiner Gutgläubigkeit der wohl einzige Protagonist, der zu wahrer Liebe fähig ist und diese stets über seine Eigeninteressen stellt.

Zuletzt vielleicht eine kleine Warnung Nach der Lektüre von "Madame Bovary" stellt sich doch ein gewisses Gefühl der Ernüchterung ein. Man fragt sich, ob Liebe nicht zumeist ein "einseitiger Wunschtraum" ist, der vom anderen ganz anders wahrgenommen wird. Man hinterfragt die oft "verzerrten Romantikvorstellungen" vieler Verliebten, lehnt aber gleichzeitig die berechnende Art so mancher Verführer/Verführerinnen ab und überlegt inwieweit man selbst zu selbstloser, echter Liebe fähig ist und ob man sich auf dieses Wagnis überhaupt einlassen sollte.

Nein, es halt sich nicht viel geändert. Bestimmt würde eine Madame Bovary im Jahre 2014 Mittel und Wege finden ihre Lüste einfacher und ungefährlicher auszuleben. Ihre Sehnsüchte, ihre Selbstsucht und der ewige Traum der banalen Realität zu entfliehen, dem Schicksal die Schuld zuschieben zu wollen werden aber wohl ewig gleich bleiben.
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am 14. November 2015
Es ist immer wieder das gleiche mit Büchern, die man gelesen haben sollte. Ein Klassiker der Weltliteratur! Warum nur? Ob's an der Übersetzung liegt? Ich glaube es nicht. Ich quäle mich durch und langweile mich!
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am 1. Mai 2016
Einfach ein Ehebruch aus heutiger Sicht, nicht weiter erwähnenswert.
Zur Zeit von Madam Bovary ein zu verschmähendes Benehmen und doch konnte ich mich beim lesen dem Gedanken nicht erwehren, "treib's doch toller Frau Bovary. So ein Langweiler mit dem du da verheiratet bist und dazu noch mitten in der Provinz, nix los nur Moos.
Die Geschichte birgt genügend Stoff und hätte besser erzählt erden können, sie bleibt aber unterhaltend. Zu wenig Salz in der Suppe aber man wird satt.
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Emma Bovary ist zeitlos. Eine zeitlos depressive Frau, deren Problem es ist, nicht in der Gegenwart zu leben, sondern sich von romantischen Träumen geleiten zu lasse. Das handfeste, griffige Jetzt wird als erdrückendes Mittelmaß empfunden und nicht als Realität akzeptiert, auf der immerwaehrenden Suche nach etwas Besonderem kann nur grosses Unglück warten.

Die drei Bovarys haben mir eigentlich die ganze Zeit leid getan. Charles, ein einfacher aber nicht dummer Mann, der in seiner Emma nur das Gute sieht und sie vergöttert, Berthe, die völlig vernachlässigte Tochter einer depressiven Mutter und Emma selbst, die in sich selbst gefangen ist und immer wieder nach der vermeintlichen Lösung in Form fremder Liebhaber greift. Dass das keine Lösung ist weiss sie im Grunde genommen selbst, denn schmerzhaft genau wird beschrieben, wie in beiden grossen Affären Emma diese nach einiger Zeit genauso banal und belanglos empfindet wie die Ehe - dennoch flieht sie sich dort in Wunschvorstellungen, hängt Erinnerungen an Momente ihres Lebens nach und bricht nicht fort von ihren belanglosen Liebhabern.

Dass dieses Leben ein weiteres Ventil sucht ist völlig klar und so stürzt Emma sich in hohe Schulden beim örtlichen Händler, welche letztendlich ihr Grab sein sollen.

Alle handelnden Personen sind hervorragend gezeichnet. Flaubert hat sehr genau gearbeitet, sehr genau beobachtet und uns das Innenleben der kleinen Gemeinschaft genauestens nahegebracht. Ich glaube allerdings nicht, dass er selbst Emma als depressiv erkannt hat, denn diese Krankheit war Mitte des 19 Jahrhunderts in ihrer Gänze noch nicht beschrieben. Um so spannender, sie in allen Details auf Papier vorgelegt zu bekommen. Neben den Bovarys ist insbesondere der Apotheker Homais ein wichtiger Character: ein eitler, aufgeblasener Mann, voll von sich selbst, drückt er dem Leser und seinen Mitmenschen seine mittelmäßigen Ideen und Visionen auf. Seine Familie ist geblendet von ihm, Charles Bovary lässt sich im Sog mitziehen und begeht angestachelt durch Homais einen schlimmen Fehler. Als es den Bovarys zum Ende hin sehr schlecht geht lässt Homais sie eiskalt fallen - er bringt uns als Leser ab und an zum Schmunzeln, er ist uns auch nicht unsympathisch und man weiss die ganze Zeit - dieser Mann ist nichts Besonderes, aber ein Gewinner aus allen Situationen. Welch Gegensatz zu unseren Bovarys. Die beiden Liebhaber von Emma sind verhaftet in zwei unterschiedlichen Klischees, weit davon entfernt, irgendetwas besonderes zu sein. Nette Nebenfigur ist der blinde Seher, der mit seinem Erscheinen die Ausmasse einer griechischen Tragödie suggeriert.

Trotz alle der positiven Kritik durch mich nur vier Sterne, denn das Buch ist wirklich sehr langatmig, gerade in den beiden Liebschaften wiederholt sich einiges. Ich habe mich in der Mitte ein wenig gequält, als Emma in allen zwischenmenschlichen Beziehungen immer wieder die selben Hebel zieht und selbst wenn es mir klar ist, dass genau diese Eintönigkeit Emmas Weltbild beherrscht, wurde ich als Leserin irgendwann doch sehr geduldig, ehe die Geschichte dann zum Ende hin nochmals an Dramatik und Fahrt aufnahm.
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am 30. Januar 2010
In ,,Madame Bovary'' erfährt der Leser vom tragischen Schicksal der jungen, schönen Emma, die den Landarzt Charles Bovary heiratet; aus Liebe wie sie glaubt. Doch dann stellt sie fest, dass es sich doch nicht so verhält und ist plötzlich hin und her gerissen zwischen Mitleid, Sympathie und Abscheu für ihren gutmütigen, schlichtgesinnten Gatten. Bald schon langweilt Emma sich auf dem Land und auch die gemeinsame Tochter Berthe kann daran nichts ändern. Immer öfter flieht die junge Frau in romantische Tagträume von heldenhaften Männern, dann in Affären und merkt zu spät, dass sie nicht nur sich, sondern auch ihre Familie ins Unglück gestürzt hat. Verzweifelt und enttäuscht vom Leben wählt sie einen tragischen Ausweg.
,,Madame Bovary'' ist einer der bekanntesten französischen Romane und teilt sich den ersten Rang mit anderen großen Frauenromanen dieser Zeit, wie beispielsweise ,,Effi Briest'' und ,,Anna Karenina''.
Gustav Flaubert gelingt es, dem Leser einen ungewöhnlich tiefen Einblick in das Seelenleben der Madame Bovary zu geben, das so unglaublich zerrissen und eigenartig ist. Auch sprachlich überzeugt der Roman auf ganzer Strecke, da er ,meiner Meinung nach, stilistisch wesentlich leichter und eleganter ist, als andere Romane dieser Zeit. Die Figurenpalette bleibt überschaubar und jeder einzelne der Charaktere ist gut ausgearbeitet.
Letztendlich sollte der Leser selbst entscheiden, ob er sich mit der Protagonistin identifizieren kann oder ob ihm ein anderer Charakter nicht sympathischer ist. Vielleicht lag es daran, dass ich ein Mann bin, aber mir war die Figur des Charles Bovary wesentlich verständlicher. Wie gesagt: Das soll jeder für sich selbst entscheiden.
Auf jeden Fall sollte jeder diesen Roman gelesen haben, sei es um die Frauen besser zu verstehen oder um sich über die Rolle der Frau im 19. Jahrhundert zu informieren.
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am 2. August 2011
In Flauberts bekanntesten Werk Madame Bovary - Sitten der Provinz geht es um die hübsche Emma, die in jungen Jahren mit dem Landarzt Charles Bovary verheiratet wird. Dieser war zuvor bereits auf Wunsch seiner Eltern unglücklich mit einer Witwe verheiratet, die jedoch gestorben ist. In Emma sieht er die Frau, die er sich immer gewünscht hat. Er liebt sie abgöttisch. Emma ist im Gegensatz zu ihrem Ehemann Charles kulturell interessiert und sie liest sehr gerne. Vor allem Liebesromane.

"Was Charles redete, war platt wie das Straßenpflaster, und die Allerweltsideen wandelten in ihrem Alltagskostüm darauf umher, ohne zu Rührung, Lachen oder Träumerei anzuregen."

Sie sehnt sich danach dieses unbeschreiliche Gefühl der Liebe selbst einmal zu empfinden, doch obwohl Charles ihr jeden Wunsch von den Augen abliest, kann sie ihn nicht lieben. Auch die Geburt ihrer gemeinsamen Tochter ändert nichts daran. Seit sie zu einem Fest auf dem Schloss des Marquis d'Andervilliers eingeladen war, sehnt sie sich außerdem nach Reichtum und gesellschaftlicher Anerkennung. Doch ihr Ehemann hat nicht die Ambitionen dazu. Ihm reicht das bescheidene Landleben. Emma hingegen gibt das Geld mit vollen Händen aus und träumt von Paris.

"Sollte ein Mann aber nicht alles kennen, sich auf vielen Gebieten auszeichnen, einen mit den Kräften der Leidenschaft, mit den Genüssen des Lebens, mit allen Mysterien vertraut machen? Aber der da lehrte sie nichts, wußte nichts, wünschte sich nichts. Er glaubte, dass sie glücklich sei, und sie grollte ihm wegen dieser gesättigten Ruhe, dieser heiteren Trägheit und sogar wegen des Glücks, das sie ihm schenkte."

Madame Bovary ist nicht glücklich in dem kleinen Ort Tostes in dem sie leben. Daher entschließt sich Charles seine Praxis dort aufzugeben und nach Yonville zu ziehen. Dort lernt Emma den Notargehilfen Léon kennen, der ihre Leidenschaft für Kulturelles und romantische Bücher teilt. Es knistert heftig zwischen den beiden, doch Emma bleibt standhaft und bemüht sich ihrem Mann die gleiche Liebe entgegenzubringen wie er ihr. Doch eines Tages lernt sie den benachbarten Gutsherrn und Frauenhelden Rodolphe kennen und die beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Endlich lernt Emma das Gefühl der Liebe kennen, nach dem sie sich so sehr gesehnt hat. Von ihrem Ehemann entfernt sie sich dabei immer mehr.

"Alles an ihm reizte sie jetzt: sein Gesicht, seine Kleidung, die Worte, die er nicht sprach, seine ganze Erscheinung, seine Existenz überhaupt. Sie bereute ihre bisherige Tugend wie ein Verbrechen, und was davon noch übrig war, fiel unter den wilden Stößen ihres Stolzes in sich zusammen. Sie genoss mit aller Schadenfreude den begangenen Ehebruch."

Um ihr Gück in vollen Zügen zu genießen und sich nicht mehr heimlich treffen zu müssen will sie mit Rodolphe durchbrennen, aber dieser will sein Gut nicht verlassen und teilt ihr in einem Brief mit, dass sie sich nicht mehr sehen werden. Emma ist am Boden zerstört und erleidet einen Nervenzusammenbruch. Charles, der sich nicht erklären kann was seiner Frau fehlt, will sie mit einem Opernbesuch in Rouen aufmuntern. Dort trifft sie Léon wieder und die alten Gefühle kommen erneut hervor. Jetzt kann Emma nicht mehr standhaft bleiben und beginnt auch mit Léon eine Affäre. Monsieur Bovary bekommt von all dem nichts mit. Er ist noch immer so verliebt in seine Frau, dass er ihr sogar eine Vollmacht ausstellt und damit unwissenderweise ihre Reisen zu ihrem Liebhaber finanziert. Emma lebt jedoch so sehr über ihre Verhältnisse, dass sie in ernste Schwierigkeiten gerät...

Ich habe mich total darauf gefreut diesen Weltklassiker zu lesen. Zum einen, weil ich in letzter Zeit gerne französische Romane lese und zum anderen, weil ich Verführungsromane wie Effi Briest und Anna Karenina toll finde. Aber ich bin überhaupt nicht mit dem Buch warm geworden. Ich habe mich richtig zwingen müssen es weiterzulesen, weil es mich streckenweise einfach nur gelangweilt hat. Ich finde die Geschichte an sich und die Figurt der Emma Bovary sehr gelungen, doch meines Erachtens kommt Gustave Flaubert nicht auf den Punkt. Er schreibt über so viel Unwichtiges, dass meine Gedanken beim Lesen oft woanders waren und ich mich immer wieder zwingen musste mich auf die Geschichte zu konzentrieren. Sicher sind einige Szenen wichtig, damit man die Entwicklung der Potagonisten nachvollziehen kann. Doch meiner Meinung nach hätte man sie nicht zu sehr ausschmücken müssen und einige sogar gänzlich streichen können. Dennoch finde ich Emmas innere Zerrissenheit zwischen der Tugend und der Sehnsucht nach Liebe gut dargestellt. Auch an Aktualität hat der bereits über 150 Jahre alte Roman nichts verloren.

Was ich bei derAusgabe vom Diogones Verlag schön fand ist der Anhang. Dort findet man drei zeitgenössische Rezensionen aus dem Jahr 1857 wobei eine davon von Charles Baudelaire (Die Blumen des Bösen) ist. Und außerdem gibt es ein Nachwort von Heinrich Mann. Das fließt jedoch nicht mit in meine Bewertung ein.

Fazit:
Für mich eine Enttäuschung, weil ich sehr große Erwartungen an den Roman hatte. Vielleicht bin ich aber auch noch zu jung dafür und sollte ihn in ein paar Jahren erneut lesen, denn bei einigen Klassikern interpretiert man in den verschiedenen Lebensphasen immer wieder Neues wie zum Beispiel bei Goethes Faust. Daher empfehle ich jedem der Klassiker und dramatische Liebesromane mag das Buch zu lesen und sich selbst eine Meinung darüber zu bilden. Da ich die Geschichte an sich und die Protagonisten sehr gelungen finde, vergebe ich noch 3 Sterne.
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