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Kundenrezensionen

5,0 von 5 Sternen
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MAJDAN!: Ukraine, Europa.
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HALL OF FAMETOP 500 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 30. März 2014
Im Jahr 2004 hielt die Welt den Atem an, als ganz Kiew im November bei klirrenden Temperaturen Orange trug, um für eine demokratischere, freiere und gerechtere Gesellschaft zu demonstrieren. Doch die euphorischen Zeiten sind schon lange vorbei. Fast auf den Tag genau, nur neun Jahre später, ein ähnliches Bild, nur ohne leuchtende Farben. Seit Ende des letzten Jahres macht ein Land, seine Hauptstadt und das Zentrum von Kiew Schlagzeilen, füllt die Seiten der Print- und Onlinemedien genauso wie die Berichterstattungen im TV. Wieder stehen Hunderttausende auf dem Unabhängigkeitsplatz. "In der Ukraine gibt es einen Euromajdan. Wie? Warum? Woher das denn?", fragt sich nicht nur der Schriftsteller und Übersetzer Olexandr Irwanez. Nur dieses Mal wird geschossen, gefoltert und erniedrigt. Dieses Mal gibt es Tote.

"'Ukraine' der Name ist beredt: Er bedeutet wörtlich 'an der Grenze'. Tatsächlich ist die Ukraine nach wie vor ein Puffer, ein Raum, der von beiden Seiten als potentielles Einflussgebiet verstanden wird.", so der Journalist und Publizist Kai Ehlers. Zugegeben, um mein Geschichtsverständnis und eventuell tiefergehendes Hintergrundwissen in Bezug auf diesen größten Flächenstaat Europas war es bis dato nicht übermäßig gut bestellt. Informationen drängten eher zu massiv, zu grell und zu laut zu mir vor. Das Resultat: Sie rauschen dann mit einem vielleicht leichten emotionalen Flattern allzu schnell und ohne Tiefenwirkung vorbei. Das vorliegende Buch hat dem allerdings gehörig abgeholfen und den ständig murmelnden Wortfluss gebündelt. Den beiden Herausgebern, Übersetzerin Claudia Dathe und Andreas Rostek, Geschäftsführer der editon.fotoTAPETA, ist es mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln gelungen, ein konzentriertes, aber dennoch weit gefächertes Spektrum unterschiedlichster Meinungen, Sichten und Insiderinformationen zu vereinen.

31 kurze Beiträge, in denen vor allem Schriftsteller, Lyriker, Historiker, Augenzeugen, und Intellektuelle aus der Ukraine, aber auch aus Großbritannien, Deutschland, Österreich oder Polen zu Wort kommen und die zumeist im Januar und Februar 2014 entstanden, also im Brennpunkt des Geschehens, beschreiben Momentaufnahmen des Aufstandes: "Geschichtsschreibung des Augenblick", wie es die beiden Herausgeber so treffend bezeichnen. Die Texte sind zuweilen sehr persönlich und erzählen von ganz eigenen Erlebnissen im Herzstück der Auseinandersetzungen: auf dem Majdan, in Charkiw, in Lwiw. Sie zeigen das Leben in der heutigen Ukraine, die Unterschiede zwischen Ost und West im Land und decken die erschreckenden Strukturen von Korruption und Gewalt auf. Sie weisen aber auch auf viele historische Zusammenhänge hin und haben einen steten Bezug zu Europa. Letztendlich stellt sich fast jeder Autor den Fragen nach den Perspektiven für Veränderungen. Allen Beiträgen wohnt zudem ein gut verständlicher Lesestil inne. Sie sind anschaulich und eingängig verfasst, frei von Populismus und Opportunismus, weder angepasst noch engstirnig. Klare Gedanken, intelligent und durchdacht formuliert, reflektieren das Geschehen. Sogar Gedichte sind darin enthalten.

"Einen allgemeingültigen Plan gibt es nicht. Der Widerstand gegen das System hat hunderte verschiedener Facetten.", schreibt der Schriftsteller und Journalist Taras Prochasko. Aber gerade diese Vielfältigkeit, die auch in diesem Buch zu finden ist, erlaubt dem Leser einen differenzierten Blick und eine eigene Meinung, losgelöst von manch medialem Getöse. Ein Buch, das zum Verständnis beiträgt, hochaktuell und hochbrisant ist. Denn in "den 20 Jahren der Unabhängigkeit stand die Ukraine noch nie vor einer so gefährlichen Situation wie heute. Aber noch nie waren auch die Chancen für tiefgreifende positive Veränderungen so gut.", stellt Yaroslav Hrytsak, Historiker, Publizist, Professor für Geschichte an der Katholischen Universität Lwiw, folgerichtig fest. "Am Euromajdan wird nicht allein das Schicksal der Ukraine entschieden. Dort geht es um Europa. Um die Seele Europas, das nicht an der Schengengrenze endet." (Martin Pollack, Schriftsteller und Übersetzer aus Wien).
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am 3. April 2014
Inhaltlich kann ich meinem Vorredner nur zustimmen. Es ist ein Buch mit vielen Stimmen, der die Situation zwischen Dezember 2013 und Anfang Februar 2014 auf dem Majdan in Kiew und in ganz Ukraine aus verschiedenen Sichtweisen darstellt.

Von vielen Journalisten, Kritikeren, Wissenschaftlern verfasst, sind die Artikel frei von jeglicher Propaganda-Stimmung, teils kritisch, teils ernüchternd. Die herausragende Leistung der Menschen, die für eine bessere Zukunft kämpfen, wird deutlich dargestellt.
Leider war das Projekt Anfang Februar abgeschlossen, so dass die tragischsten Momente des Euromajdans zwischen dem 18. und 20. Februar 2014 dort nicht beleuchtet werden konnten.

Alles in allem, ein sehr gutes Buch für jeden, der sich die Informationen über die aktuelle Situation nicht nur aus der Presse beschaffen will.
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