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Lotte in Weimar: Roman Taschenbuch – 1. September 1990

4.1 von 5 Sternen 16 Kundenrezensionen

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"Lustspielhaft setzt Lotte in Weimar eine: Mit der Ankunft einer distinguierten alten Dame, die den Gasthof der kleinen Residenzstadt, in dem sie absteigt, in begreiflichen Aufruhr versetzt... Lustspielhaft beginnt es, als ein Spiel um Goethe, der erst spät selbst in Erscheinung tritt, der würdig gewordene Künstler..." (Thomas Mann, "On Myself" März/April 1940) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Thomas Mann, 1875 – 1955, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Mit ihm erreichte der moderne deutsche Roman den Anschluss an die Weltliteratur. Manns vielschichtiges Werk hat eine weltweit kaum zu übertreffende positive Resonanz gefunden. Ab 1933 lebte er im Exil, zuerst in der Schweiz, dann in den USA. Erst 1952 kehrte Mann nach Europa zurück, wo er 1955 in Zürich verstarb.

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Top-Kundenrezensionen

Von Ein Kunde am 3. Dezember 1999
Format: Gebundene Ausgabe
Manche Bücher ziehen uns Leser sofort in ihren Bann. Andere legen die Fesseln allmählich an. "Lotte in Weimar" gehört zur letzten Kategorie.
Es beginnt mit der Ankunft von Lotte im traditionsreichen Hotel "Zum Elephanten" in Weimar. Lotte - hieß so nicht Goethes Geliebte, verewigt in den "Leiden des jungen Werther"? Die ist es, Charlotte Kestner, geborene Buff, vierundvierzig Jahre nach dem sie Goethe zuletzt sah. Im "Elephant" steigt sie ab, wohlgemerkt, nicht in Goethes Haus am Frauenplan.
Nicht viel passiert in diesem Buch. Lotte sucht im Hotel Ruhe, doch ihre Berühmtheit lockt Gäste herbei. Friedrich Wilhelm Riemer, Goethes Sekretär, Adele Schopenhauer und schließlich August, Goethes Sohns, bitten um Einlaß. Drei sehr lange Dialoge entfalten sich, und langsam kommt man dem Geheimnis des Buches auf die Spur. Man spricht über Goethe, wie er vor vierundvierzig Jahren war und vor allem, wie er heute ist. Ein Bild von Goethe entsteht, und schon glaubt man, ihn zu kennen, ohne daß er bisher selbst auftrat. Erst im siebenten von neun Kapiteln kommt Goethe selbst zu Wort - keine noch so recherchierte Biographie vermag Goethe so lebendig und wirklich gestalten.
Am Ende wird Lotte von Goethe zu einer kleinen Feierlichkeit eingeladen, das Verhältnis ist recht kühl. Später sehen sie sich in einer Kutsche wieder. Erst hier taut Goethe auf, der alten Liebe wird erinnert.
Die Sprachschönheit von Thomas Mann ist unnachahmlich, und im Gegensatz zu einigen anderen seiner Werke wird man von allzu vielen selbstverliebten, seitenlangen Monologen verschont. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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Von margarita TOP 1000 REZENSENTVINE-PRODUKTTESTER am 28. Dezember 2001
Format: Gebundene Ausgabe
Lotte ist einfach wunderbar dargestellt. Die alternde Muse, die voller Hoffnung auf das Wiedersehen mit ihrem weltberühmten Liebhaber in Weimar Hof hält. Sie ist jedoch eine Kunstfigur, kein echter Mensch. Jeder, der den "Werther" gelesen hat, ehrt sie, möchte sie besuchen, kennenlernen, mit ihr reden. Nur der eine, der ihr das Denkmal geschaffen hat, der einzige, der sie als Mensch kennt - er kommt und kommt nicht. Ein herrliches Buch über die menschliche Eitelkeit.
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Format: Audio CD
Es zeugt von einer geistigen Größe, wenn man Menschen oder Ideen, die man liebt oder verehrt, mit Ironie betrachten kann. Thomas Mann hat zeit seines Lebens eine tiefe, innere Verbundenheit gegenüber Goethe empfunden, in einem früheren Essay sprach er von ihm als vom "ganz und gar gesunden, in eingeborener Sympathie mit dem Organischen (lebenden) Naturkind" (Goethe und Tolstoi). Ebenso wie Goethe wusste Thomas Mann um seine eigene Bedeutung als Künstler, beide sahen sich (im positiven Sinne) gewissermaßen als Repräsentanten der deutschen Kultur.

"Lotte in Weimar" ist das fiktive Nachspiel der "Leiden des jungen Werther": Charlotte Buff, geb. Kestner, besucht 50 Jahre nach dem Erscheinen des großen Briefromanes ihren alten Jugendfreund, der die ganze Sache allerdings eher etwas peinlich findet...Goethe selbst taucht dann erst relativ spät auf, im letzten Drittel des Buches, vorher steht er die meiste Zeit, gleichermaßen geliebt und gefürchtet, verborgen im Hintergrund: in den Darstellungen von Dr.Riemer, Adele Schopenhauer und "dem Sohn", August Goethe, die alle drei nacheinander, der inzwischen leicht genervten und erschöpften Charlotte ihre Aufwartung machen.

Die Sprache Thomas Manns in diesem Roman ist großartig und unnachahmlich, ich hatte während des lesens, bzw. hörens das Gefühl, "so könnte es gewesen sein", man kann die gründlichen Recherchen, die "Lotte in Weimar" zugrundelagen und die zu einer unglaublichen Sachkenntnis und Detailverliebtheit in dem Roman geführt haben, nur erahnen. (Das Buch ist daher, ganz nebenbei, ebenso eine überzeugende Einführung in die klassische Weimarer Geistesgeschichte.
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Format: Taschenbuch
Weimar im Jahre 1816: „Mit der ordinären Post von Gotha trafen an diesem Tage. morgens kurz nach acht Uhr, drei Frauenzimmer vor dem renommierten Hause am Markte ein, denen auf den ersten Blick – und auch auf den zweiten noch – nichts Sonderliches anzumerken gewesen war“. Bei den Damen, die sich im Gasthof ‚Zum Elephanten’ einquartierten, handelte es sich um die Hofrätin Witwe Charlotte Kestner, geb. Buff nebst Tochter und Kammerzofe.

Charlotte ist unter dem Vorwand, ihre Schwester zu besuchen, angereist. In Wahrheit sehnt sich die 63jährige Dame danach, ihren Jugendfreund – oder darf man sagen Jugendliebe – wiederzusehen. Ihre Gedanken schweifen zurück in jene Zeit, als der junge Johann Wolfgang Goethe, Praktikant beim Reichskammergericht in Wetzlar, ihr „Mädchenherz“ verwirrte. Doch sie spürte die Gefahr, die von dem „Unmensch ohne Zweck und Ruh’“ ausgeht, war zurückgeschreckt „vor etwas Unwirklichem und Unzuverlässigem in seiner Natur“. Er, der "der ziellos ins Blaue liebte“, hatte ihr einen „Kuss geraubt“, zog sich aber nach der Verlobung von Charlotte mit Johann Christian Kestner zurück. Sie hatte den Einfachen dem „Glänzenden“ vorgezogen.

All dies wäre kaum erwähnenswert, hätte der große Dichter seine Gefühle und Gedanken nicht zu Papier gebracht und im ‚Werther’ ein Werk von Weltruhm geschaffen. Aus Charlotte Buff wurde Werthers Lotte. Thomas Mann berührt damit die Frage, inwieweit ein Poet über fremdes Leben bestimmen und Individuen unfreiwillig zu öffentlichen Personen machen darf.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von Charlottes Aufenthalt. Ein dichtes Menschenspalier drängte sich vor dem ‚Elephanten’, in der Hoffnung, einen Blick zu erhaschen.
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