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Lonesome George: oder Das Verschwinden der Arten Gebundene Ausgabe – 20. Juli 2012
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Lothar Frenz erzählt ebenso überraschende wie skurrile Geschichten vom Werden und Vergehen: vom legendären Dodo (dessentwegen die Engländer nicht «mausetot» sagen, sondern «as dead as a dodo») und vom sagenumwobenen Elfenbeinspecht, von Zebras, die nur zur Hälfte gestreift waren, und von Artenfressern, die andere Spezies gleich dutzendweise vertilgen. Alle diese Geschichten sind noch nicht zu Ende, nur weil diese Tiere verschwunden sind. Sie verraten uns etwas über die Mechanismen des Lebens und Sterbens: Warum und wann kommt es zum Aussterben? Was passiert, wenn Spezies verschwinden? Ein faszinierendes Buch, das uns mit anderen Augen betrachten lässt, was derzeit geschieht.
- Seitenzahl der Print-Ausgabe352 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberRowohlt Berlin
- Erscheinungstermin20. Juli 2012
- Abmessungen14.8 x 3.09 x 21.9 cm
- ISBN-109783871347382
- ISBN-13978-3871347382
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Produktinformation
- ASIN : 3871347388
- Herausgeber : Rowohlt Berlin; 3. Edition (20. Juli 2012)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 352 Seiten
- ISBN-10 : 9783871347382
- ISBN-13 : 978-3871347382
- Abmessungen : 14.8 x 3.09 x 21.9 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1,055,069 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 1,868 in Umweltschutz (Bücher)
- Nr. 2,153 in Zoologie (Bücher)
- Nr. 2,787 in Tiere & Pflanzen (Bücher)
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Als ich erstmals mit diesem Namen konfrontiert wurde, war es schon zu spät - Lonesome George war tags zuvor überraschend im Alter von 100 Jahren gestorben. Nun musste ich beim Lesen dieser relativ kleinen Artikelüberschrift unwillkürlich an einen amerikanischen Baseball-Star, einen Boxer oder gar Politiker denken.
Kurz darauf wurde mir klar, dass Lonesome George" die vielfach geläufige Bezeichnung für eben jenen Schildkrötenmann ist, der als letzter seiner Art in Gefangenschaft lebte.
Nach weiterer kurzer Recherche wurde ich sodann auf Lothar Frenz` Buch aufmerksam. Obwohl ich eher ein Fan schwerer Belletristik bin, habe ich mich von der durch den Verlag gebotenen Leseprobe davon überzeugen lassen, dieses Buch zu bestellen.
Was du in anderen entzünden willst, muss in dir selbst brennen." An dieses Zitat des Theologen Aurelius Augustinus denkt man unweigerlich, wenn man die ersten Seiten dieses Buches gelesen hat. Man wird von der Neugier des Autors angesteckt, man folgt Ihm in die Römerzeit, in ein vom Eis bedecktes Norddeutschland und wird sich dessen bewusst, dass sich die eigene Vorstellung der zeitlichen Dimensionen, die das Thema Aussterben landläufig beansprucht, nicht nur auf die Dinosaurier beschränken darf.
So wird Martha die Wandertaube vorgestellt, die letzte Vertreterin ihrer Art, die ihr kümmerliches Dasein im Zoo von Cincinnati fristen musste und dort auch 1914 starb. Dem Leser wird schon anhand dieses Beispiels ganz eindringlich ins Bewusstsein gerufen, dass auch die umfangreichsten Anstrengungen, die für das Überleben einer Art betrieben wurden und werden, nutzlos sind, wenn es längst zu spät ist - ganz zu schweigen von dem ägyptisch anmutenden Totenkult, der nach deren Ableben um diese Taube zelebriert wurde, die immerhin nach einer früheren First Lady der USA benannt war.
Anekdotenhaft und unaufdringlich bettet Frenz die Schicksale von Riesenalken, Auerochsen, chinesischen Prinzessinnen" in den historischen und vielfach auch politischen Kontext und zeigt dem Leser immer wieder auf, dass oftmals allein der Mensch für das Aussterben dieser oder jener Art verantwortlich ist.
Er versteht es, diese oft komplexen Zusammenhänge durch einfache Darstellung zu vermitteln, zeigt, wie eins aufs andere folgt, ohne dabei oberflächlich zu wirken oder sich gar in nie enden wollenden Satzkonstruktionen zu versteifen, die mir sonst das Lesen solcher Abhandlungen fast unmöglich gemacht haben.
Einerseits nimmt er die Rolle des Erzählers ein, schildert zwar teilweise ganz plastisch und eindringlich, wie sehr der Mensch das Aussterben der Arten forciert hat, andererseits maßt er sich aber nie an, dem Leser seine Würdigung der Tatsachen aufzudrängen, sondern zeigt nur auf, lässt dem Leser Raum für eigene Schlussfolgerungen.
Es ist dieser unaufdringliche Stil, der die Beschreibung von menschlicher Gier getriebener und brutalster Attacken auf das Tierreich noch eindrucksvoller und beklemmender erscheinen lässt, ohne dass sich der Leser selbst direkt einem Vorwurf ausgeliefert sieht.
Niemals driftet Frenz in dabei sentimentale Untiefen ab, sondern macht dem Leser durch einen liebevollen Blick auf seine Protagonisten die Brisanz und unumschränkte Aktualität dieses Themenkomplexes immer wieder in leisen, teilweise durchaus humorvollen Tönen deutlich.
Dabei versinkt er nicht in gewohnt nervtötender Schwarzmalerei, vermittelt dem Leser aber auch nicht das Gefühl, dass ganz in der Machart eines Feelgood-Movies am Ende eben doch alles gut wird.
Man ist nicht erst am Ende des Buches davon überzeugt, dass es damals wie heute um Entscheidungen geht, man wird durch dieses Buch wach gerüttelt und motiviert, seine Sichtweise auf den Umgang mit der Tierwelt mindestens zu überdenken - und zwar sofort.
Und so macht es bei allem auch noch richtig Spaß, dieses Buch zu lesen.
Es enthält sehr interessante und meiner Ansicht nach fundierte Fakten zum Aussterben einer Unmege von Arten, verpackt als unterhaltsame Geschichten. Das Buch las sich sehr gut und fesselnd. Es regt zum Nachdenken an und bestätigt eindeutig, daß der Mensch auf diesem Planeten die invasivste und aggressivste Art von allen ist.
Als Imker habe ich noch eine aktuelle Geschichte nachzulegen, die der Autor aufgreifen könnte:
Alle europäischen Honigbienen sind inzwischen mit der Varroa-Milbe (eingeschleppt mit asiatischen Honigbienen) infiziert, so daß jeder Imker jedes Jahr seine Völker mit entsprechenden Medikamenten behandeln muß, damit diese nicht eingehen. In freier Natur ohne imkerliche Eingriffe ist die europäische Honigbiene demzufolge nicht mehr überlebensfähig. Wieviele Arten würden wohl zugrunde gehen, wenn die Bienen fehlen (Einstein: "Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.") ?
Der Umstand, dass Arten die in den letzten ca. 300 Jahren ausgestorben sind macht die ganze Thematik noch interessanter, da es nicht soweit zurück liegt.
Habe das Buch förmlich verschlungen. Jedem der sich für Tiere und den Einfluss des Menschen auf die Natur interessiert kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.
Es ist unterhaltsam und regt zugleich zum nach denken an.
Es lohnt sich echt zu kaufen, großes Lob an Lothar Frenz.

