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Letzte Lockerung Gebundene Ausgabe – 17. September 2007
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| Gebundenes Buch, 17. September 2007 | 13,52 € | — | 13,52 € |
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Dieser Knigge für Zyniker gehört in jeden Smoking. Geistreich, frech und im Tonfall mondäner Kennerschaft verrät Serners Handbrevier, worüber man als Weltbürger tunlichst im Bilde sein sollte: Instinkte und Manieren, Reisen und Hotels, Frauen und Männer, Gott und die Halbwelt.
Das Sernersche Benimmbuch für Filous spielt lustvoll mit den herrschenden Klischees von Moral und Wohlanständigkeit. Unverschämt, nicht selten ätzend werden die Widersprüche zwischen gesellschaftlichem Schein und Sein auf die Spitze getrieben: «Die Welt will betrogen sein, gewiss», heißt es etwa kurz und bündig: «Sie wird sogar ernstlich böse, wenn du es nicht tust.»
Der erste Teil des Buches, 1918 in Lugano entstanden, war als «prinzipielles Handbrevier» angelegt – als subversive Sinn-Camouflage in bester Dada-Manier. Der zweite Teil, 1927 in Genf hinzugekommen, versteht sich dagegen als «praktische» Denk- und Handlungsanleitung für den modernen Amoralisten. Herrenzynismen wechseln mit Sentenzen der Weltgewandtheit, Travestien des Zeitgeists mit lebensphilosophischen Betrachtungen. Dank seiner süffisanten Nonchalance, seines «jesuitischen Snobismus» (Jörg Drews), übertraf das Werk vieles zeitgleich Entstandene an geistiger Sprengkraft. Während sich eine durch und durch bigotte Gesellschaft in den Saturnalien der Selbstidealisierung berauschte, schrieb ihr Walter Serners (1889–ca. 1942) die denkbar luzideste Ernüchterungsprosa auf den Leib. Bis heute gilt die «Letzte Lockerung» als elementarer Leitfaden für alle, die sich von der Schamlosigkeit der großen Welt nicht länger zum Narren halten lassen wollen.
- Seitenzahl der Print-Ausgabe296 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberManesse
- Erscheinungstermin17. September 2007
- ISBN-103717521489
- ISBN-13978-3717521488
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Von der Marke
Produktbeschreibungen
Pressestimmen
«Serners Handbrevier kommt wie gerufen.» (FAZ)
»Tipps für die meisten abenteuerlichen Situationen, in die urbane Seelen geraten können. ... Selten ist ein Buch auf solch schlagfertigem, leidenschaftlich unterkühltem Deutsch geschrieben worden.« (WELT kompakt, Aris Fioretos)
«Ein Antidot gegen das Gift der modernen Beliebigkeit, die mit Toleranz verwechselt wird.» (Literaturen)
«Geistreiche Tipps von einem Mann von Welt.» (Playboy)
«Was für ein Kerl, dieser Walter Serner!» (SWR Forum Buch)
Klappentext
Süddeutsche Zeitung
"Man liest "Das Handbrevier für Hochstapler und solche, die es werden wollen" mit großem Vergnügen, da Schein und Sein hier beständig die Rollen tauschen. Hinter der Maske des Bonvivants lächelt bitter ein antibürgerlicher Moralist, der es versteht, Weisheiten über den Zustand einer irrsinnig beschleunigten Gesellschaft in Bonbonpapier zu verpacken. Aktuell ist es allemal."
NDR Kultur
"Was für ein Kerl, dieser Walter Serner!"
SWR Forum Buch
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Georg M. Oswald, geboren 1963 in München, ist Jurist. Er debütierte 1995 mit "Das Loch. Neun Romane aus der Nachbarschaft" und wurde mit dem Förderpreis des Freistaates Bayern ausgezeichnet. 1997 erschien sein erster Roman "Lichtenbergs Fall", der beim Publikum und bei der Literaturkritik starke Beachtung fand. Oswald wurde 2000 mit dem International Prize und dem Arno-Schmidt-Stipendium ausgezeichnet.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Man nehme vor der Lektüre ein kurzes lauwarmes Bad, ruhe eine halbe Stunde, gehe hierauf im Abendanzug in ein renommiertes Restaurant und lasse folgendes Diner sich servieren:
Portugiesische Austern (Pfälzer 1921)
Hors d’oeuvres variés
Forellen in Butter
Spargel, sauce vin.
Poulet (Chambertin)
Blumenkohl au gratin
Pommes frites
Salat
Omelette soufflée
Camembert
Pfirsiche, Weintrauben
Nürnberger Pumpernickel (Lanson brut 1911)
Café nature
Chartreuse jaune1
Kaffee und Likör nehme man jedoch nur dann im Restaurant, falls man ungestört sitzt.
Andernfalls suche man sich eine stille Ecke in einem Café oder einer Bar und bestelle außerdem gleichzeitig einen Grand Marnier, Ruban rouge, und Cerises jubilé, die man so lange unberührt stehenlasse, bis das Zeichen zum Konsum gegeben wird. Hierauf entzünde man sich sein Lieblingsrauchwerk und beginne mit der Lektüre. Nach jedem Fragment pausiere man drei Minuten, trinke ein wenig und rauche. Nach jedem der sechs Abschnitte lege man das Buch fünf Minuten aus der Hand und blicke auf den Plafond.
Die Lektüre des ersten Teils dürfte nicht mehr als eine Stunde beanspruchen und einen Zustand außerordentlicher Unternehmungslust verursachen. Man folge dieser nur insoweit, als man das Lokal wechsle, und warte mit der Verwendung ihres wichtigeren Restes (Dame), bis das Zeichen dazu gegeben wird.
Jeder, der durch Eltern, Fibel, Bibel und Bonzen mühselig ist und mit Minusgefühlen beladen, deshalb nicht nur in hitzigen Nachtstunden davon träumt, jenes tyrannische Pack zu stäupen, sondern auch voll grimmiger Phantasien darin schwelgt, Glücksritter seines Leibes zu werden und des Lebens, spare monatelang, wenn es anderswie nicht zu erreichen sein sollte, um vor der Lektüre jenes Diner sich servieren lassen und, falls er über keine Dame gebietet, sich eine kaufen zu können. Wer dieser vorgeschriebenen Vorbereitung zuwiderhandelt, wird die Wirkung dieses Buches sich so schmälern, daß dessen Zweck, ihn für immer aufzulockern und zu dem zu machen, was er im Grunde ist, verfehlt werden dürfte.
Wird er aber erreicht, so wird dieses Brevier das erste Abenteuer gewesen sein und fortan von einem zum andern führen, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land.
Jene, die längst solchen Weges dahinziehen, mögen gleichwohl diese Lektüre nicht verachten noch die vorgeschriebene Vorbereitung: ein kraftvolles Zusammenströmen alles dessen, was des Körpers und des Hirnes ist, wird die Lust zu neuen Taten stärken.
– (Hier sei erwähnt, daß, um kräftige Trinker nicht zu irritieren, das Maß der Getränke nicht vorgeschrieben wurde; daß es aber ratsam ist, von jedem Wein nur eine halbe Flasche zu bestellen und von jeder Flasche dem Kellner ein Glas zu überlassen.)
1. Motto: Jeder sein eigener Papst!
2. Motto: Non, je ne marche pas. Non, je ne marche plus. Mais j’irai peutêtre à Canada. Chi lo sà?
3. Motto: «Ihr Name tut nichts zur Sache. Aber wie heißt du, Heißgeliebte?»
4. Motto: (Die Kunst-Kuhe ging so lange zum Brunnen, bis ich ihr hinter die Ohren brach.)
5. Motto: Que les chiens sont heureux! Ils se ....... .. ....., ils s’ ........ entre eux: que les chiens sont heureux! (Ami, ami!)
6. Motto: Zwei Sparren zwischen den Beinen, eine Pfauenfeder am Mast, so geht er, es ist zum Weinen, und mit gelinder Hast. Wer? Das Pack.
7. Motto: Grips muß man haben, stark muß man sein!
I.
1. Um einen Feuerball rast eine Kotkugel, auf der Damenseidenstrümpfe verkauft und Gauguins besprochen werden. Ein fürwahr überaus betrüblicher Aspekt, der aber immerhin ein wenig unterschiedlich ist: Seidenstrümpfe können genossen werden, Gauguins nicht. (Bernheim als taschenspielernder Biologe zu imaginieren.) Die tausend Kleingehirn-Rastas ödester Observanz, welche erigierten Bourgeois-Zeigefingern Ästhetisches servieren (o pastoses Gepinkel!), um Expressionen zu fixen, haben dieserhalb Verwahrlosungen angerichtet, die noch heute manche Dame zu kurz kommen lassen. (Man reflektiere drei Minuten über die Psychose schlecht behandelter Optik; klinisches Symptom, primär: Unterschätzung der Damenseidenstrümpfe; sekundär: Verdauungsbeschwerden.)
2. Was dürfte das erste Gehirn, das auf den Globus geriet, getan haben? Vermutlich erstaunte es über seine Anwesenheit und wußte mit sich und dem schmutzigen Vehikel unter seinen Füßen nichts anzufangen. Inzwischen hat man sich an das Gehirn gewöhnt, indem man es so unwichtig nimmt, daß man es nicht einmal ignoriert, aus sich einen Rasta gemacht (zuunterst: Schaubudenbesitzer; zuoberst: etwa Senatspräsident) und aus der mit Unrecht so beliebten Natur eine Kulisse für ein wahrhaftig sehr starkes Stück. Dieser zweifellos nicht sonderlich heroische Ausweg aus einem immer noch nicht weidlich genug gewürdigten Dilemma ist zwar vollends reizlos geworden, seit er so absehbar ist (wie blöde ist eine Personenwaage!), aber eben deshalb sehr geeignet, gewisse Prozeduren vorzunehmen.
3. Auch einem Lokomotivführer fällt es jährlich wenigstens einmal ein, daß seine Beziehungen zur Lokomotive durchaus nicht zwingend sind und er von seinem Ehgespons nicht viel mehr weiß als nach jener warmen Nacht im Bois. (Hätte ich La Villette genannt oder die Theresienwiese, so wären beide Beziehungen gänzlich illusorisch; Fingerzeig für Habilitanten: «Über topographische Anatomie, psychischen Luftwechsel und Verwandtes.») Im Hotel Ronceray oder in Piccadilly kommt es hingegen bereits vor, daß es verteufelt unklar wird, warum man jetzt gerade auf seine Hand glotzt und trillert, sich kratzen hört und seinen Speichel liebt. Diesem scheinbar so friedlichen Exempel ist die Möglichkeit, daß das penetrante Gefühl der Langeweile zu einem Gedanken über ihre Ursache sich emporturnt, am dicksten. Solch ein lieblicher Moment arrangiert den Desperado (o, was für ein Süßer!), der als Prophet, Künstler, Anarchist, Staatsmann etc., kurz als Rasta Unfug treibt.
4. Napoleon, ein doch wirklich tüchtiger Junge, behauptete unverantwortlicher Weise, der wahre Beruf des Menschen sei, den Acker zu bestellen. Wieso? Fiel ein Pflug vom Himmel? Aber etwas hat der homo doch mitbekommen, supponiere ich mir eine liebesunterernährte Damenstimme. Nun, jedenfalls nicht das Ackern; und Kräuter und Früchte sind schließlich auch schon damals dagewesen. (Bitte hier bei den deutschen Biogeneten nachzulesen, warum ich Unrecht habe. Es wird jedoch sehr langweilen. Deshalb habe ich recht.) Sohin also: auch Napoleon, der ansonsten sehr erfreulich frische Hemmungslosigkeiten äußerte, war streckenweise Stimmungsathlet. Schade. Sehr schade.
5. Alles ist nämlich rastaquouèresk, meine lieben Leute. Jeder ist (mehr oder weniger) ein überaus luftiges Gebilde, dieu merci. (Nur nebenbei: 10 Pfennig dem Kühnen, der mir nachweist, daß etwas letzthin nicht willkürlich als Norm herumspritzt!) Andernfalls würde übrigens ein epidemisches Krepieren anheben. Diagnose: rabiate Langeweile; oder: panische Resignation; oder: transzendentales Ressentiment etc. (Kann, beliebig fortgesetzt, zum Register sämtlicher unbegabter Zustände erhoben werden.) Der jeweilige landläufige Etat der bewohnten Erdoberfläche ist deshalb lediglich das folgerichtige Resultat einer unerträglich gewordenen Langeweile. Langeweile: nur als harmlosestes Wort. Jeder suche sich die ihm schmackhafteste Vokabel für seine Minderwertigkeit! (Herziges Sujet für ein scharfes Pfänderspiel!)
6. Es ist allgemein bekannt, daß ein Hund keine Hängematte ist; weniger, daß ohne diese zarte Hypothese Malern die Schmierfaust herunterfiele; und überhaupt nicht, daß Interjektionen am treffendsten sind: Weltanschauungen sind Vokabelmischungen… Sapristi, hier muß die Prozedur ein wenig erweitert werden. (Kleines Bild: leichte Kraneotomie!) Nun: alle Stilisten sind nicht einmal Esel. Denn Stil ist nur eine Verlegenheitsgeste wildester...
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Produktinformation
- Herausgeber : Manesse (17. September 2007)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 296 Seiten
- ISBN-10 : 3717521489
- ISBN-13 : 978-3717521488
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1,255,295 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 19,155 in Humoristisch
- Nr. 35,859 in Klassiker (Bücher)
- Nr. 121,507 in Literatur (Bücher)
- Kundenrezensionen:
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sehr gut erhalten
gute Aufmachung,
Das Buch als solches ist sehr gut lesbar und kann eine Menge Anregungen geben. Die darin enthaltenen Ratschläge funktionieren auch tatsächlich, aber sie führen zu gesellschaftlichem Ausschluss. :)
Kurz gesagt: sehr interessantes Buch nicht nur für diejenigen die sich mit Dadaismus beschäftigen (für die ist es ohnehin Pflicht) sondern auch als spannende Lektüre für alle anderen. Kaufen.
Der Preis für die Kindle Version ist viel zu hoch angesetzt. Ich würde ein gebrauchtes Exemplar daher vorziehen, evtl. eine der alten Auflagen.
Walter Serner schrieb später einige gut lesbare Romane aus dem Milieu der Trickbetrüger, Filous und Kleinkriminellen, auch die sind eine Empfehlung wert, erreichen aber nicht die Brisanz und Intensität der letzten Lockerung.
