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Ich habe Ihre Hasenherzromane um das Schlitzohr Harry Angstrom verschlungen und so verinnerlicht, dass es mir manchmal scheint, als wären er und Janice alte Freunde von mir. Ich mochte den Wälzer "Gott und die Wilmots" mit seinen gut 700 Seiten sehr. Auch das Weltuntergangszenario in "Gegen Ende der Zeit", dem sich der alternde, an Prostatakrebs erkrankte Turnbull mit seinen wehmütigen Altmännersexgeschichten ausgesetzt sieht, zeigt, was Sie können. Das meint auch Herr Reich-Ranicki, der Sie zu den bedeutensten Erzählern unserer Tage zählt und dem ich mich in aller Bescheidenheit und in dem Wissen um meine Unbedeutsamkeit anschließe.

Nun also Landleben. Hm. Im Westen nichts Neues. Ein alter impotenter Mann erinnert sich an die Frauen seines Lebens. Oder eher an die Körper dieses Frauen, sonst teilt er uns sehr wenig über sie mit. Nichts, aber auch gar nichts bleibt der Phantasie des Lesers überlassen. Bis in alle Einzelheiten des weiblichen Körpers (gähn) gehen die Beschreibungen und sind doch bloß wieder - Altmännersexphantasien. Zu allem Überfluss ist die Hauptfigur Owen Mackenzie auch noch ein erfolgreicher Computerspezialist gewesen. Deshalb muten Sie uns seitenlange Ausführungen über den Fortschritt der Computertechnik zu. Lieber Mr. Updike, damit werden Ihre weiblichen Fans doch schon von ihren eigenen Männern und Söhnen gelangweilt.

Versöhnlich stimmen Ihre "schönen" Stellen in "Landleben". Da kommt Ihr Erzähltalent richtig zur Geltung. Das gehobene ostküstenamerikanische Leben mit seinen beschaulichen, engen und manchmal langweiligen Anklängen beschreiben Sie wunderbar. Wobei wir eins natürlich nicht vergessen dürfen: Die wahre Leere, Enge und Langeweile steckt in den Köpfen der Menschen und ist nicht zwangsläufig abhängig vom Wohnort.....

Was ist also los mit Ihnen und Ihren vielen anderen großen Schriftstellerkollegen über dem Großen Teich? Sie sind nämlich nicht der einzige, der sich in seinem jüngsten Werk so akribisch und dennoch akademisch mit dem Sex beschäftigt. Fast könnte man sagen, je älter die großen Erzähler werden, desto mehr bevorzugen sie dieses Thema und tragen mit ihrem Überdruss, gepaart mit einer merkwürdig matten Unersättlichkeit, die aus ihren Büchern spricht, zu unserem bei.

Ich bitte Sie, Mr. Updike, Sie gehören doch schon so lange (zu lange?) zu meinen Lieblingsautoren; wenden Sie sich doch auch wieder anderen Themen zu.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre - noch - treue Leserin

Helga Kurz

PS. Diese Rezension bezog sich ursprünglich auf die gebundene Ausgabe. Mittlerweile ist "Terrorist" erschienen - ein ganz anderes Thema. Na also, es geht doch.
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John Updike, der Großmeister des amerikanischen Familienromans, erzählt in „Landleben“ eine interessante Ehegeschichte aus der Provinz. Owen Mackenzie war einst, wie Bill Gates heute, in den 50 er Jahren ein erfolgreicher Computer Entwickler. Seine kleine Firma hat er schließlich an Apple verkauft, in Geldangelegenheiten war er jetzt sorgenfrei.
Er ist mit Julia, seiner zweiten Ehefrau, glücklich verheiratet. Häufig muss er aber auch an seine erste Frau denken, mit der in Harmonie verheiratet war. Wir erfahren alles über sein erfolgreiches Berufsleben in Sachen Computer und über sein zweites großes Lebensthema, verheiratete Frauen zu erobern. Heute, 70 jährig, hat er Zeit und Muße, auf sein langes Leben zurückzublicken und er lässt uns teilnehmen an seiner erotischen Biographie, an den zahllosen Seitensprüngen, seinem überschwänglichen Sexleben mit wiederholten Ehebrüchen, Liebe, Leid und Trennung.
Ehebruch ist nicht mehr drin, die Frauen sind nicht mehr so leicht zu erobern, denn nach so vielen erotischen Abenteuern ist Owen schließlich impotent geworden. Aber er liebt seine Julia und auch sie ist glücklich mit ihm.
Wieder ein phantastisches Buch von Updike, glänzend geschrieben, voller Ironie, Witz und Raffinesse. Sex ist sein Thema und dieser Sex ist flüchtig, vor allem wenn er wie in den 60 er Jahren verborgen und unerlaubt ist. Updike schreibt darüber grandios, farbenreich und einfühlsam, in gewohnter Gründlichkeit und in allen nur möglichen und denkbaren Variationen, Generationen übergreifend.
Ein epischer Roman voller Wärme, Hoffnung und Leidenschaft, ein Stück wechselhafte Zeitgeschichte in einer typischen Kleinstadt Mittelamerikas. Amerikanische Erzähltradition in allerbester Form.
Ein faszinierendes Buch, grandios, witzig, schön, gescheit und atmosphärisch dicht geschrieben.
Man sagt ja von gewissen Büchern, dass man sie verschlingt, und bei diesem Buch kann man wirklich ein Verschlinger von Lesestoff werden.
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am 2. November 2013
... Owen Mackenzie ist ein Computerspezialist und mittlerweile ein alter Mann. In John Updike's Buch wird seine Geschichte erzählt, es ist also eher eine Biographie. Die Story beginnt mit der Schulzeit, mit Blicken in den Mädchenumkleideraum, mit der Reaktion der Mutter, als Owen bei einem Sonntagsspaziergang ein Kondom findet. Dann geht es weiter mit Petting als Teenager in Vaters Auto, Studium am MIT, erste Liebe, Heirat mit Kommilitonin Phyllis, Hochzeitsnacht, Kinder, Seitensprünge, Geliebte, Scheidung, neue Ehe mit Julia, der Geschiedenen eines Geistlichen...

Na ja, ich hatte mir von John Updike etwas mehr erwartet (nach all den positiven Literaturkritiken). Es ist ein Rückblick auf ein ganzes Leben eines Mannes "im ländlichen Raum der USA". Erotisch kann man(n) es nicht gerade bezeichnen... Hin und wieder war der Roman sogar recht langweilig und langatmig. Erst gegen Ende waren die Seiten wieder lesenswert...
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In seinem neuen Roman Landleben" schreibt John Updike einmal mehr über das Thema, über das er seit über 40 Jahren schreibt: das Scheitern der Ehen mittelständischer Paare.
Will man es positiv bewerten, so kann man durchaus sagen: Der mittlerweile fast 74 Jahre alte amerikanische Autor legt erneut einen Beweis dafür ab, wie gut er durch seine genaue psychologische Beobachtungsgabe die Scheinwelten gut situierter, aber sich ansonsten langweilender Mittelschichts-Paare zu entlarven vermag. Sex bietet die einzige Abwechslung: Jede schläft mit jedem, eine irgendwie geartete Moral in Treuefragen existiert nicht.
Umgekehrt lässt sich mit demselben Recht sagen: Landleben" bietet Updike-Kennern nichts Neues. Schon im ersten Titel der bekannten Rabbit-Reihe - Hasenherz", im Original von 1960 - ging es um exakt diesen Themenkreis. Aber besser umgesetzt: In puncto Vielschichigkeit, Lebendigkeit und innerer Abgeschlossenheit kommt Landleben" nicht an die Rabbit-Reihe heran.
Es geht darum, dass sich ein alternder, an der Grenze zur Senilität stehender ehemaliger Computerfachmann an seine verflossenen Ehepartner und Seitensprünge erinnert. Da die Anzahl vor allem in der zweiten Kategorie nicht unbedingt niedrig ist, dehnt sich das Ganze auf über 410 Seiten aus.
Die Rabbit-Bücher damals bezogen einen Großteil ihres Charmes daraus, dass ihr Held, Harry Rabbit" Angstrom, ein sympathischer Verlierer war, die Hauptfigur in Landleben", Owen Mackenzie, dagegen wirkt vergleichsweise leblos. Als Leser vermag man sich nicht so gut mit ihm zu identifizieren wie mit dem guten alten Harry. Ähnliches gilt für die Handlung: Was in der Rabbit-Reihe kompakt und in sich geschlossen wirkt, ist in Landleben" gelegentlich zerfahren und unzusammenhängend. Letzteres ist sicherlich Ergebnis der ständigen Rückblenden in ganz verschiedene Zeiten im Leben der Hauptfigur.
John Updike hat seinen bei vielen Lesern so beliebten Held Rabbit" Anfang der 90er Jahre sterben lassen. Viel zu früh, wie viele finden. Und so gibt es seither im Werk des Autors nur noch die Nach-Rabbit-Romane" mit dem etwas schalen Beigeschmack. Fazit: Wer sich neu auf John Updike einlassen will, was durchaus zu empfehlen ist, sollte lieber mit Hasenherz" beginnen.
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TOP 500 REZENSENTam 1. April 2006
Wie in fast allen Romanen Updikes geht es auch in „Landleben", um die großen und kleinen Katastrophen des Alltags, um Lieben und Verlassenwerden, um Arbeiten und Träumen, und wie in fast allen frühen Werken des Autors vollziehen sie sich auf der Bühne der amerikanischen Kleinstadt. Im Mittelpunkt des Buches steht Owen Mackenzie, als Romanperson ein Jahr jünger als Updike selbst und wie dieser äußerlich mit „zu viel Nase und zu wenig Kinn"(15) ausgestattet. Owen Mackenzie wächst in der Kleinstadt Willow/Pennsyslvania auf, einer Stadt mit eng zusammenstehenden Häusern, in denen man die Geräusche des Familienstreites auf den Straßen hören konnte, in denen aber Scheidungen verpönt waren wie ein persönliches Versagen. Nach seinem Studium am MIT zieht er als Familienvater und Unternehmer nach Middle Falls, einem Ort voller wohlhabender und erlebnishungriger Ehefrauen, ehe er nach einem handfesten Skandal zwanzig Jahre später mit einer neuen Partnerin nach Haskells Crossing umsiedelt, um in Ruhe und Gelassenheit auf die verschiedenen Etappen seines Lebens zurückzublicken. Dieser biographische Rückblick liefert die Erzählperspektive des Buches, das an sprachlicher Brillanz, Altersweisheit und Scharfsinn seinesgleichen sucht. Denn Updike hat nicht nur den Roman des ländlichen und wohlhabenden Amerikas geschrieben, einer Lebensform, die noch immer den elastischen und ungemein widerstandsfähigen Kern der amerikanischen Identität bildet, sondern er hat auch einen exemplarischen Entwicklungsroman vorgelegt, in dem sich ein zurückhaltender Workaholic („Nerie") zum sexuell hyperaktiven Womanzier wandelt - verführt von den verheirateten Frauen aus der Nachbarschaft, die nach Abwechslung gieren und dem recht schüchteren Owen immer eindeutigere Angeboten machen. Die herrlich sinnliche Faye, die biegsame Alissa, die maskuline Vanessa, die ihm die letzten Varianten der polymorphen Sexualität enthüllte, die jugendliche Karen, für die der Sex so selbstverständlich war wie eine Currywurst in der Mittagspause, daneben die zahlreichen „Bing-bam, thank you Ma'am" Partnerinnen", die er auf seinen Dienstreisen beschläft, enthüllen dem agilen Elektrotüftler die Vielschichtigkeit der weiblichen Sexualität - „der Trick bestrand nur darin, die Schicht zu finden, in der man willkommen war."(247). So vergeht die Zeit, die Kennedys werden ermordet, der Vietnamkrieg entbrennt, Owen Mackenzie fährt im offenen Cabrio dem Sonnenaufgang entgegen und lässt sich von einer Gelegenheitsbekanntschaft einen blasen (297), der Widerhall der Studentenrevolution hallt bis in die Kleinstädte, Nixon stürzt, und die Leute „gehen auf den Orgasmus los wie Falken, die sich auf junge Wachteln stürzen"(309). Und abseits von allem thront Owens Ehefrau Phyllis Mackenzie im vollen Licht ihrer Tugendhaftigkeit im gemeinsamen Haus, um von ihrem lotterhaften Gemahl vier Kinder zu empfangen und vor seinen Affären, so gut es geht, die Augen zu verschließen.
Allerdings geraten die Dinge in Owens späten Vierzigern ein wenig ins Stocken. Das Verhältnis zur unendlich toleranten und feinsinnigen Ehefrau Phyllis erkaltet, Owens Computerfirma stagniert, und auch die sich bis zur Stumpfsinnigkeit wiederholenden Affären verlieren ihren Reiz. Bedroht von Verwahrlosung und leisem Lebensekel begegnet er schließlich Julia, der Frau des neuen Pfarrers, in der er die Partnerin erkennt, die ihn von seinem promiskuitiven Nottrieb zu heilen vermag. Ohne dass im Buch näher beschrieben wird, worin die Besonderheit ihrer Beziehung besteht und warum sie sich Owen und Julia unsterblich ineinander verlieben, verlassen die beiden, kaum dass sie sich kennen gelernt haben, im Zuge eines öffentlichen Aplomps ihre Ehegatten, um in einer ländlichen Nachbargemeinde ein neues Leben zu beginnen. Erstaunlich dabei, wie wohlgesonnen das Schicksal dem notorischen Ehebrecher bleibt: die betrogenen Ehefrau Phyllis, die ihren Mann die Scheidung verwehrt (376), kommt bei einem Verkehrsunfall um Leben, und die nicht mehr sonderlich florierende Computerfirma kann zu einem Traumpreis an Apple verkauft werden. Das wars dann. Der Rest bleibt im Dunkeln: fünfundzwanzig Jahre lang lebt Owen sexuell domestiziert mit seiner Julia hinfort in der abgeschiedenen Zufriedenheit von Haskells Crossing, zuerst an der Spitze eines Haushaltes mit sechs Kindern ( zwei bringt Julia noch mit in die Ehe ), dann allein und verkinscht, ohne dass sich selbst im Angesicht des herannahenden Todes die gegenseitige Zugeneigtheit verliert. Alles in allem ein Meisterwerk, bei dem der Leser bedauert, dass es zuende gehen muss, obwohl er nicht weiß, ob es sich um ein gutes oder ein böses Märchen gehandelt hat. Updike, auf der Höhe seines Könnens, lässt den Leser darüber bis zum Schluss im Unklaren. „Es ist eine verrückte Sache, am Leben zu sein," heißt es auf der letzten Seite. „Kleinstädte sind dazu da, diese Verrücktheiten zu mäßigen - vor Kinder zu verbergen, sie zum privaten Gebrauch in Flaschen abzufällen, ihre Imperative sanft in Gewohnheiten umzumodeln, und vor dem Dunkel draußen und dem Dunkel drinnen zu schützen"(414).
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am 12. April 2006
Herr Marcel Reich-Ranicki beantwortet in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", Stichwort "Sonntagsfrage", allerlei Fragen interessierter Leser zum Thema Literatur. Der "Literaturpapst" steht Rede und Antwort (mitunter etwas patzig). Am 02.04.2006 wurde Reich-Ranicki gefragt, ob John Updike den Literaturnobelpreis erhalten soll bzw. ob er ein würdiger Preisträger wäre? Was würde ihn dazu qualifizieren? Und warum hat er ihn nicht schon längst bekommen?

Marcel Reich-Ranicki, wen wundert's, holt weit aus und verweist zunächst darauf, dass er selbst in den 1970er Jahren der Königlichen Akademie in Stockholm fünfmal den Literatur-Nobelpreisträger vorgeschlagen hat. Seine Kandidaten waren: Böll (er erhielt den Preis), Frisch, Dürrenmatt, Greene und Updike. Im Weiteren hält er sich an die Fakten: Fo oder Jelinek hielt man in Stockholm beispielsweise für bedeutender als Updike. "Damit müssen wir uns abfinden", so Reich-Ranicki.

Von Updikes umfangreichem Werk liebt Marcel Reich-Ranicki vor allem die Geschichten. Sie würden sich gut lesen und sich schwer beschreiben lassen. In seiner Prosa würde der geneigte Leser "Abschnitte von betonter Schlichtheit und fast schon kokettes Understatement" finden. John Updike wäre ein würdiger Literatur-Nobelpreisträger. "Wer, wenn nicht er, wann, wenn nicht jetzt?", so Reich-Ranicki.

Vor ein paar Jahren, spätestens nach der Veröffentlichung von Updikes "Gott und die Wilmonts" (1996) hätte ich dem noch uneingeschränkt zustimmen können. Aber heute? So war Updike's 2005 erschienener Roman "Sucht mein Angesicht" schon ein sehr schwaches Buch. Seinerzeit meine Befürchtung: bei John Updike sind die Lichter ausgegangen. Ich gestehe, auch sein neuer Roman "Landleben" ist meine Sache nicht. Ganz im Gegenteil: der vorstehende Verdacht erhärtet sich.

Natürlich kann man es sehen wie Marcel Reich-Ranicki, der in zitierter "Sonntagsfrage" feststellt: "Was sich in diesen (John Updike's) Geschichten abspielt, wird keineswegs sonderlich aufregend und meist vollkommen banal. So alltäglich die Schauplätze der Geschichten (Hörsäle, Studentenbuden, bürgerliche Wohnzimmer, Restaurants) und die skizzierten Situationen und so belanglos die meisten Vorfälle, so ernst nimmt sie Updike. Er behandelt die Geschehnisse nicht als bloße Vorwände für die epische Darstellung: Er erzählt sie um ihrer selbst willen und nicht als Symptome". Für Updike's neuen Roman "Landleben" kann das, darf das keinesfalls gelten. Denn dieses Buch ist tatsächlich nur noch langweilig.

Schauplatz biederer kleinbürgerlicher Lebensnöte- und lügen ist diesmal Middle Falls, Connectictut: Leben auf dem Lande. Und Sex wo immer möglich. Owen Mackenzie, ein wohlhabender ehemaliger Computerguru aus Boston, denkt nur daran. Sogar als alter Mann schwelgt er frühmorgens kurz vor dem Aufstehen in Erinnerungen an die zahllosen Bettgeschichten längst vergangener Tage. Nein, um Liebe geht es dabei nicht. Auch seine x-te Ehefrau Julia bringt mehr Verständnis denn Herzenswärme für den alten Mann auf.

Owen stört das nicht. Er denkt ohnehin viel lieber an früher. An die besseren Zeiten. Als er noch jede Frau besteigen konnte, die ihm begegnete. Und als er die Damen noch austauschen konnte, wann immer es ihm beliebte. Der zwar liebestolle, aber doch recht fade Owen, der ständig in angestrengter Reflexion des einst so tolldreisten sexuellen Freibeuter-Daseins vertieft ist, hängt tiefsinnigen Gedanken nach. Das liest sich dann zum Beispiel so: "Zwei Arten von Frauen existierten auf der Welt, ging Owen auf. Diejenigen, mit denen man geschlafen hatte, und, in grausamen Missverhältnis dazu, doch in ihrer Anzahl reduzierbar, diejenigen, mit denen man nicht geschlafen hatte".

Bei John Updike dreht sich also alles wieder um die Frage: wer steigt mit wem ins Bett? Dieses Thema beschäftigt John Updike 413 Seiten lang. Wer's mag: in seinem Roman "Landleben" fließen und spritzen die Säfte. Das mag zwar unterhalten. Aber spannend ist es nicht. Was meint Stockholm dazu?

Auch Truman Capote (1924-1984), der ja nie gegeizt hat mit bissiger Kritik an seinen Schriftstellerkollegen (seine Hasstiraden gegen Ernest Hemingway, Norman Mailer und Gore Vidal sind legendär), hat sich mit dieser Frage beschäftigt. Und so antwortete er im Rahmen der so genannten "intimen Gespräche" mit Lawrene Grobel (veröffentlicht im Diogenes Verlag, "Ich bin schwul. Ich bin süchtig. Ich bin ein Genie", 1988) auf die Frage "Was halten Sie von John Updike - auch ein möglicher Nobelpreisträger?" wie folgt: "Ist er, da bin ich mir sicher. Ich hasse ihn. Alles an ihn widert mich an".

Truman Capote geht ins Detail, wird konkret: "Das ist einfach so, dass alles bei ihm einen gewissen Drall hat. Man hört förmlich, wie hart das Vokabular bei ihm knirscht, man ist sich dessen so bewusst, man merkt es so sehr an der Art, wie er eine Geschichte schreibt, dass man schließlich völlig den Faden verliert, und zwar weil man merkt, wie er seinen Sätzen diesen Drall gibt, weil Reim und Rhythmus so unnatürlich sind im Verhältnis zu seiner marinierten Art, die - für mich - seine Schriftstellerei völlig tot macht". Ob Truman Capote, hätte er denn John Updike's "Landleben" noch lesen können, seine Einstellung geändert? Wohl kaum.

Elke Heidenreich hingegen hat den Roman in der Ausgabe "Lesen!" (ZDF) am 07.02.2006 euphorisch besprochen. Einschränkend hat sie ironisch darauf hingewiesen, dass Updike zwar schon seit Jahrzehnten über Sex schreiben würde, aber vom "Vögeln" (O-Ton) nicht die geringste Ahnung habe. Leider. Denn wüsste er darüber Bescheid, würde er vielleicht endlich das Thema wechseln. Oder ist das alles eine Selbsttherapie? Keine Bange! Die Frage ist nicht ernst gemeint. Aber wie besagt doch ein alter Kalauer: Wer viel über Sex redet, hat selber keinen. Oder nur selten guten.

Für John Updike könnte auch das gelten, was Charles Bukowski einst über Henry Miller verlauten ließ (aus: "Schreie vom Balkon", Gingko Press, 2006, Brief an Jon und Louise Webb, 07.12.63). Bei der Lektüre eines Wendekreis-Romans fielen Hank allmählich die Augen zu, und schlimmer noch, schlimmer als alles war dies: "Mir kam der Gedanke, dass Henry Miller der Allwissende keine Ahnung von Sex hatte und nur darüber reden konnte, was ja das typische Verhalten von Nichtfickern ist".
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am 29. März 2014
...leider. Ich habe viel Gutes über John Updike gehört und gelesen, aber nach 50 Seiten musste ich aufgeben. Habe es an meine Schwiegermutter weitergegeben, die gerne Updike liest, sie musste sich dann aber auch durchquälen. Durch den erfreulich niedrigen Preis ist es sicherlich kein großer Verlust, aber ich war trotzdem enttäuscht.
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am 19. Juni 2006
John Updike: Landleben 2006

Die Geschichte ist einfach und nicht neu. Aber mit den Worten von John Updike wird es wieder einmal ein Genuß sie zu lesen.

Owen McKenzie lebt mit seiner Frau in einem kleinen Ort im mittleren Westen der USA. Anfangs wird der Protagonist mit seinen Beziehungsmodellen und seinen Schrullen im Alter beschrieben. Nach und nach erinnert er sich an sein vergangenes Leben. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei seinen sexuellen Beziehungen. Über die Erinnerungen des alten Mannes läßt uns Updike teilhaben am gesamten Lebensablauf seines Helden, vom Elternhaus, den ersten Erfahrungen als Jugendlicher, über das Kennenlernen seiner ersten Ehefrau während des Studiums und etlichen Seitensprüngen bis zur Ehe mit seiner jetzigen Frau. Owen McKenzie ist mittelständischer Unternehmer und erlangt einen gewissen Reichtum durch ein Unternehmen in der aufsteigenden Computerbranche.

Kunstvoll in die Handlung verwoben hat Updike parallel zum Leben seines Helden die geschichtliche Entwicklung der letzten fünfzig Jahre in Amerika und, fast dokumentarisch, den Aufstieg der Computertechnik. Updike erschafft diese Welt so eindrucksvoll wie immer. Mit seiner feinen Beobachtungsgabe gelingt es ihm, seine Figuren mit ihren liebevollen Details und emotionalen Nuancen, in uns lebendig werden zu lassen. Eben die kleinen Dinge, die das Leben ausmachen. Auch in diesem Buch bleibt Updike dem Hauptthema, das sein ganzes Werk durchzieht, treu: Er zeigt ein Abbild des amerikanischen Mittelstandes mit all seiner Normalität und vordergründigen Moralität. Die Normen und Werte spiegeln sich in all diesen kleinen alltäglichen Beobachtungen. Ohne zu werten oder zu verurteilen begleitet er seinen Akteur auf den Irrungen und Wirrungen seines Lebens und besonders auch bei der Realisierung seiner sexuellen Wünsche unter der moralischen Oberfläche der amerikanischen Mittelstandsgesellschaft.

Immer wieder können wir uns dabei selbst erkennen, mit all unseren eigenen Gedanken, Unsicherheiten, Vorlieben und Gelüsten. Updike läßt seinen Helden versöhnlich auf sein gelebtes Leben zurückschauen und auch das Alter so zu nehmen, wie es kommt mit einer herrlich angenehmen Ruhe.

Die Dichte und Realitätsnähe der Figuren wird mir immer besonders deutlich, wenn ich anfange meinen Freunden gegenüber von diesen Wesen wie wirklichen Menschen zu sprechen und mich erst im Laufe des Gespräches erinnere, daß es sich um fiktive Personen handelt. Solche Charaktere erschaffen, das kann nur einer, der Meister höchstpersönlich: JOHN UPDIKE

Dieses Buch ist ein großer Genuß und sehr empfehlenswert!
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am 23. Januar 2006
Ich fand "Seek my face" etwas langweilig, wenn man sich nicht im Rothko-Universum auskennt und auch Gertrude und Claudius etwas langatmig. Mit "Landleben" hat man aber wieder einen echten Updike vor Augen, wie bei "Gott und die Wilmots". Protestantische Ostküstenkultur mit allen Höhen und Tiefen menschlicher Existenz.Besonders ie vielfältigen Dimensionen einer Ehe werden durch Updikes unnachahmlicher Art präziser Beobachtung im Guten wie im Schwierigen seziert und analysiert.
Die 414 Seiten lassen sich flüssig lesen, wenn man den Updike-Stil mit seinen zuweilen langen Schachtelsätzen mag. Undich mag's...
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am 31. Oktober 2014
Das sich beängstigend schnell schließende Zeitfenster zwischen Eintritt in den Ruhestand und Tod ist Thema des Romans «Landleben» von John Updike. Sein Held Owen lebt im Kleinstadtmilieu an der amerikanischen Ostküste, in einer der »Villages», wie der Originaltitel lautet, in denen das Leben zwar entschleunigt abläuft und überschaubar bleibt, die aber trotzdem keine Gesellschaft hervorbringen, die unverdorben ist im Sinne von Rousseau. Den Menschen ist nämlich, in Zeiten der Libertinage zwischen Antibabypille und Aids, der ungehemmte Sex eminent wichtig, oft realisiert in unbekümmerten Seitensprüngen, glaubt man dem Autor. Genau das ist denn auch das eigentliche Hauptthema dieses Romans, den der Autor als Siebzigjähriger geschrieben hat, seinem Protagonisten an Jahren gleich und ebenfalls in ländlicher Umgebung wohnend, man darf also zumindest teilweise auch sein Alter Ego vermuten in Owen. «Ekelhafte Altmännerliteratur» hatte Elke Heidenreich bei «Der Butt» von Grass konstatiert, Updikes Roman kam bei ihr in dieser Hinsicht deutlich glimpflicher davon, mit Recht?

In Rückblicken wird das Leben des Pensionärs Owen erzählt, angefangen von Kindheit und Schule über das Studium am MIT in Boston und die frühe Selbständigkeit als Teilhaber eines Software-Unternehmens bis hin zu seinem Rückzug aus dem Beruf. Während des Studiums lernt er Phyllis kennen, eine glänzende Mathematikerin, die eine sichere Karriere aufgibt, um ihn zu heiraten. Sie ziehen aufs Land, Owens neue Firma erweist sich als erfolgreich, die Beiden führen ein saturiertes Leben und bekommen vier Kinder. Eines schönen Tages aber passiert das, wovon Männer auf der ganzen Welt immer nur träumen, die Frau eines befreundeten Ehepaares bietet sich ihm unverhohlen zum Sex an, ohne jedwede Präliminarien. Trotz Skandal und Ehekrach nach der Entdeckung seiner Untreue entwickelt Owen nun eine neue Passion, er ist unermüdlich auf der Suche nach ähnlichen Abenteuern. Oft aber muss er sich gar nicht darum bemühen, die Ehefrauen seiner Nachbarn und Freunde fallen ihm zu wie reife Früchte, und auf seinen Geschäftsreisen kommen noch diverse One-Night-Stands hinzu. Bis er dann schließlich an Julia gerät, die Frau des Pfarrers, die aber resolut auf Scheidung drängt. Er heiratet sie denn auch und zieht mit ihr, wohlversorgt durch den Erlös aus dem Verkauf der Firma, in eine entfernte Gegend, um im Ruhestand einen Neubeginn zu machen, den peinlichen Skandalen zu entfliehen, die seine verhängnisvolle Promiskuität verursacht hat.

Ergänzt wird die einfühlsam dargestellte Thematik vom Altwerden sowie der genüsslich ausgebreitete Ehebruch- und Sexstrang der Handlung durch immer wieder eingestreute, detaillierte Beschreibungen der Computer-Historie, beginnend an deren Anfängen bis hin zu den Vorläufern des PCs als erschwingliches Massenprodukt. Dieser inhomogene Mix erweist sich beim Lesen als ziemlich störend, eine Verflechtung der Themen zu einem erzählerischen Fluss ist nicht mal als Versuch erkennbar. Sprachlich folgt Updike dem amerikanischen Mainstream, einem wenig inspirierten Erzählstil, kurz und knapp in einfacher Syntax ein großes Lesepublikum ansprechend, immer bestsellertauglich also. Gedankliche Tiefe ist allenfalls beim Thema Altwerden zu finden, und interessante Figuren wie die verlassene Ehefrau Phyllis bleiben in einer Art Statistenrolle, über ihr Innenleben erfährt man so gut wie nichts. Die Sexpassagen aber sind als dümmliche Männerphantasien nur peinlich, insoweit also deutlich unter dem Niveau dessen, was Grass, zu Unrecht übrigens, angekreidet wurde. Große Literatur ist dieser Roman jedenfalls nicht, und man vergisst ihn, kaum hat man das Buch zugeklappt.
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