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Kultur, um der Freiheit willen: Griechische Anfänge - Anfang Europas? Broschiert – 12. März 2012

5.0 von 5 Sternen 7 Kundenrezensionen

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Über den Autor und weitere Mitwirkende

Christian Meier, geboren 1929 in Stolp/Pommern, ist emeritierter Professor für Alte Geschichte und einer der herausragenden Historiker Deutschlands. Von 1980 bis 1988 war er Vorsitzender des Verbands der Historiker Deutschlands, von 1996 bis 2002 Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Für seine wissenschaftliche Arbeit wurde er mit hohen und höchsten Auszeichnungen geehrt; auch erhielt er 2003 den Jakob-Grimm-Preis für deutsche Sprache. Er hat zahlreiche Werke zur Antike veröffentlicht, darunter »Caesar« (1982), und »Athen« (1993).

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Wo fängt Europa an? Wo fängt überhaupt etwas an? Nichts ist ohne Vorbereitungen, Vorläufer, Vorauszusetzendes. Nie gibt es eine Stunde Null. Überall trifft man, je mehr man schürft, unter vermeintlichen Anfängen tiefere Anfangsgründe, die ihrerseits vor dem forschenden Blick leicht immer wieder und weiter ins Bodenlose zurückzuweichen scheinen.
Gewiß, mancherlei hat ein klares Anfangsdatum. Verfassungen, Bündnisse, die Europäische Gemeinschaft und andere Einrichtungen, die irgendwann gegründet worden sind. Auch sie haben ihre Vorgeschichte. Doch teilt der Zeitpunkt, an dem sie ins Leben traten, deutlich ihre Geschichte davon ab.
Anderes aber, was sehr allmählich heranwächst, was, wenn man es wahrzunehmen beginnt, oft schon eine ganze Weile mehr oder weniger dazusein scheint, eine Meinung etwa, ein Brauch, eine Lage, eine ganze Bewegung - wie will man dessen Anfang bestimmen? Und wie gar den von etwas so Hochkomplexem wie Europa, bei dem man schon zögert, es überhaupt als Eines anzusehen, sowohl im Raum wie in der Zeit? Wenn es denn Eines sein sollte, müßte es ja aus unendlich vielem zusammengewachsen sein und in vielem auch wieder auseinanderklaffen. Zudem wäre seine Fortbildung, je länger man seine Existenz veranschlagt, um so mehr dadurch bestimmt, daß ständig oder in Schüben vieles (und oft sehr Unterschiedliches) neu hinzukam, sei es von innen, sei es von außen; zumeist wohl, indem verschiedenste Impulse sich gegenseitig hervorriefen und steigerten; womit anderes, vielleicht nicht weniger Europäisches, vielleicht gar Bedeutsameres immer wieder auch verloren ging. Jedenfalls wäre dieses Europa ungewöhnlich stark in stetem Wandel begriffen gewesen; im einzelnen wie im ganzen.
Oder hat sich da doch irgendeine europäische Besonderheit im Grunde - und gerade auch im Wandel - durchgehalten? Oder ist es gar zumal der verhältnismäßig so überaus rasche, oft radikale Wandel selbst, der Europa charakterisiert?
Unüberschaubar vieles schiebt sich in der Geschichtemannigfaltig sich verflechtend, sich verschlingend und kaum faßbar voran; schleppt Dinge mit sich, von denen keiner mehr weiß, die irgendwann aber zum Vorschein kommen, ja unter Umständen kräftig sich zur Geltung bringen können; bedingt sich mit anderm; treibt dies und jenes hervor, kreuzt sich, fügt sich zusammen und trennt sich, in ganz unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Wobei, was als Weg erscheint, allzu oft nur die Schneisen sind, die man in nachträglicher Betrachtung durch das Dickicht von Wirkungen und Gegenwirkungen gehauen hat.
Und dann will man an solch ein kaum entwirrbares Gewebe und Gewirke den Zollstock anlegen, auf dem die Jahre und Jahrhunderte markiert sind - um bestimmte Dinge, etwa den Anfang Europas daran festzumachen, als ob man in die unendlich verknäulten Fäden Markierungen einritzen könnte? Als ob da, so glaubt man dann doch gern, Schnittstellen schon vorgegeben wären.
Trotzdem ist man dazu versucht. Wie will man Geschichte auch sonst überblicken und begreifen? So wagt man es schließlich, historische Erscheinungen irgendwo anfangen zu lassen, indem man alles, was sie mehr oder weniger, so oder so bedingt haben mag, in ein Davor verweist. Nicht ganz ohne Willkür, aber doch so dicht wie möglich an einer sinnvollen Deutung der Sache. Dann muß man sich freilich, wenn es sich um ein so komplexes Gebilde wie Europa handelt, zunächst darüber klar zu werden suchen, was es denn überhaupt sei (oder sein soll).Soll man Europa und seine Geschichte etwa dort beginnen lassen, wo sich die Völker, zumal im Westen und in der Mitte des Erdteils, einer Gemeinsamkeit bewußt werden, an der sie alle teilhaben, trotz all dessen, was sie trennt; bewußt also (wie es gelegentlich schon im frühen Mittelalter der Fall war) einer Zusammengehörigkeit, durch die sie sich von andern absetzen, von Avaren, Hunnen, Arabern, Türken; vom Morgenland, von Afrika, von der Neuen Welt? Als Zentrum der neu sich darbietenden ganz


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