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am 3. Juni 2017
Es ist nicht nur wahr, sondern wahrhaftig!

Auf Facebook habe ich eine Serie mit dem Titel "Auf ein Wort!"

Es ist dieses Mal ein ungewohntes „Auf ein Wort“… weil es eine Buchrezension ist. Womöglich auch eine „Rezension“ des Verfassers. Und sie kommt wahrscheinlich zu spät, weil dieses Buch bereits 2014 erschienen ist. Aber ich kann und will dieses Werk nicht unkommentiert lassen, nachdem ich es heute mit der Post bekommen, in einem Rutsch gelesen, mich in weiten Teilen wiedergefunden habe, es mich unglaublich erschüttert hat, weil alles so ist wie beschrieben und ich sogar Tränen in den Augen hatte.

Ein ungewöhnliches Buch, weil es den Bundeswehrsoldaten als das darstellt, was er ist: Ein Mensch, hochsensibel, neugierig, tapfer, ängstlich, liebend, von den Idealen einer besseren Welt in Freiheit getrieben, zweifelnd, hoffend, vertrauend. Und immer wieder mit sich selbst hadernd, ob es „richtig“ ist, Soldat zu sein, als Soldat zu leben, als Bundeswehrsoldat zu handeln bzw. zum Handeln gezwungen zu sein.

Ich schreibe über das Buch „Krieg ist vorne Scheiße, hinten geht's!“ von Hauptfeldwebel d. R. Gregor Weber. Ich hatte die Ehre, gemeinsam mit ihm bei der Division Schnelle Kräfte in Stadtallendorf anderthalb Monate in der Pressestelle zu dienen.

Vielleicht hat mich sein Buch deshalb so aufgewühlt. Vielleicht ist es aber auch die erlebte Tatsache, dass er aus seinem Prominentenstatus kein Aufhebens macht. Ich jedenfalls wusste nicht, dass er erfolgreicher Schauspieler war/ist. Ich bin kein Tatortseher. Ich wusste auch nicht, dass er erfolgreicher Buchautor ist. Ich kam als Hauptmann in die Dienststelle, er war als Hauptfeldwebel dort – als Portepeeträger die Stütze für den Offizier. Ich wurde während dieser Wehrübung Major… und gebe offen zu, dass ich nach meiner Einschätzung in vielen Dingen Hauptfeldwebel Weber nicht das Wasser reichen kann.

Wir sind beide Jahrgang 1968, aber selten habe ich jemanden erlebt, der es so sehr verdient hat, Truppenoffizier zu werden. Der im Bereich Innere Führung, Kameradschaft, Dienstauffassung, intrinsischer Motivation, Eloquenz, Hilfsbereitschaft und Können einen absoluten Gewinn für die Bundeswehr darstellt.

Sein Buch „Krieg ist vorne Scheiße, hinten geht's!“ ist ein Beweis hierfür.

Hauptfeldwebel Weber war in Afghanistan und schildert seinen Weg dorthin, wie es für viele Soldaten der Bundeswehr abgelaufen ist. All die Vorausbildungen, das persönliche Erleben, die Irritationen der Ehefrau und Familie… in diesem Buch ist ALLES enthalten. Jedes Gefühl kann von gedienten Bundeswehrsoldaten nachempfunden werden, obwohl sein Werdegang sicher als „illuster“ bewertet werden kann. Vom Wehrdienstverweigerer zum Marinefunker, von Studenten diverser Studiengänge zum Schauspieler und Koch. Vom Gebirgsjäger zum Fallschirmjäger und Afghanistanveteranen. Vom Tatortkommissar zum Pressefeldwebel.

Es ist bezeichnend, wie er seine Frau und Familie im Buch erwähnt – diesen ist höchste Anerkennung zu zollen. Und Hauptfeldwebel Weber kann sich glücklich schätzen: So sieht Liebe aus – ohne „Wenn und Aber“.

Weber kam zurück zur Bundeswehr aus Neugier und weil er recherchieren wollte. Für seine Rolle als Tatortkommissar, weil er nicht wollte, dass Klischees eine Tatortfolge kaputt machen, weil er auf der Suche nach Wahrheit in der Wahrhaftigkeit heute hängen geblieben ist.

Alles, was er in seinem Buch schreibt ist wahr, ist wahrhaftig. Das gesamte Buch gibt Auskunft darüber, wie jemand, der den Wehrdienst verweigern wollte, über viele Wege seine Bestimmung gefunden hat. Auf der Suche nach der Realität, nach dem Bewusstsein des Bundeswehrsoldaten, bei der Recherche für eine Rolle, ein Buch, ist Hauptfeldwebel Weber selbst von seinem Idealismus für die Freiheit und Wahrheit besiegt worden – von sich selbst.

Dieses Buch ist mit nichts vergleichbar – es ist weder Propaganda für die Bundeswehr, noch für Auslandseinsätze oder jedweden Krieg, der auf unserem unsäglich geplagten Planeten stattfindet. Dieses Buch schildert einen individuellen Werdegang, mit allen Höhen und Tiefen. Mit allen Zweifeln und aller Hingabe.

Dieses Buch schildert, wie selbst Kleinigkeiten eine ungemein hohe Bedeutung erlangen – vom Staub in jedem Winkel des Körpers und der Ausrüstung, über eine Tasse Wein oder ein Bier unter Sternenhimmel mit Kameraden, bis hin zum Tod von Kameraden. Jedes noch so winzige persönliche Erlebnis wird eingereiht in den Erkenntnisgewinn – bei Zweifeln, Angst und der permanenten Frage der Richtigkeit des Handelns und der Angst, falsch zu handeln.

Sollte jemand die Haltung, das Dienen oder den „Geist“ der Kameradschaft innerhalb der Bundeswehr in Frage stellen: hier hat er die einzig wahrhaftige Antwort bekommen.

Für Ungediente und mögliche Gegner der Bundeswehr vermag dieses Buch Wegweiser zu sein, wie Bundeswehrsoldaten denken, fühlen, leiden. Richtig leiden im Zwiespalt zwischen soldatischer Haltung, Liebe zur Frau und Familie und der Behandlung durch Politik und Gesellschaft. Dieses Buch spricht an, was man ungern hört: Unglaublicher Reichtum und Luxus in der Bundesrepublik gegenüber Armut, Not und täglicher Überlebensangst in den Einsatzgebieten.

Webers „Krieg ist nur vorne Scheiße, hinten geht's!“ sollte Pflichtlektüre sein für alle, die Gegner dieser Bundeswehr sind. Pflichtlektüre für alle, die in den Einsatz gehen oder gehen wollen. Und Pflichtlektüre, so wie für mich, die in der Bundeswehr (wieder) dienen wollen, aus gleichen oder ähnlichen Bewegründen. Vor allen Dingen sollte es Pflichtlektüre für unsere Vertreter im Bundestag sein, die unsere Soldaten in den Einsatz senden, damit sie die Seele der Soldaten der Bundesrepublik Deutschland verstehen lernen.

Wenn es einfach wäre, könnte es jeder. Sollte ich wieder eingestellt werden, möchte ich Hauptfeldwebel d. R. Gregor Weber an meiner Seite wissen. Sein Buch, mein persönliches Erleben in meiner eigenen Dienstzeit, was in vielen Bereichen deckungsgleich ist, und die gemeinsam verbrachte Zeit in Stadtallendorf bei der DSK haben Dinge aus meiner Vergangenheit hochgespült, die ich willens anderer unterdrückt hatte in meiner Zeit der „freien Wirtschaft“.

Webers Buch macht deutlich, dass es wichtigere Dinge gibt – er selbst ist über seine Recherche, TV-Rolle wieder hineingewachsen. Will nichts anderes mehr haben. Er hat dabei womöglich „Freunde“ verloren, aber neue gewonnen. Trotz aller Erlebnisse. Er hat die Liebe seiner Familie und die seiner Kameraden.

Das ist die wichtigste Botschaft an alle, die dieses Buch lesen: Es handelt nicht vom Töten oder Morden. Es handelt von dem Bewusstsein, wie wichtig es ist, der Freiheit zu dienen und in Demut dankbar zu sein, welchen Luxus wir in Deutschland genießen dürfen. Es handelt von der Dankbarkeit, Kameraden zu haben, auf die man sich verlassen kann. Es handelt von der Liebe einer Ehefrau, die die Entscheidung ihres Ehemannes zuerst mit höchsten Zweifeln und schließlich mit Respekt und Anerkennung sowie (bereits gesagt) Liebe trägt.

Ich wiederhole es nochmals, vom Major d. R. zum Hauptfeldwebel d. R, der hoffentlich bald Offizier ist:

Dieses Buch und das gemeinsame Dienen in der DSK bestätigen mich in der Erkenntnis, dass Gregor Weber eine der integersten Persönlichkeiten ist, die mir je in meinem Leben begegnet sind und einen unglaubliches Potential für die Streitkräfte der Bundeswehr, unsere Gesellschaft und den gemeinsamen Idealismus zum Dienst an der Bundesrepublik Deutschland darstellt.

Niemand hat je besser dargestellt und es gelebt, dass Bundeswehrsoldaten Respekt und Anerkennung für ihren Dienst verdienen.

Meinen hat er.
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am 12. Dezember 2016
Ich war schon lange nicht mehr so in ein Buch vertieft, habe es regelrecht verschlungen. Die Schreibart und Wortwahl erlauben dem Leser sich schnell in die Lage des Erzählten zu versetzen (soweit das für jemanden möglich ist, der noch nie im Auslandseinsatz war).
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Einfach nur gut. Herr Weber hat sich hier selbst übertroffen. Von der ersten Minute an hat mich dieses Buch Überzeugt. Wenn es ginge würde ich hier 6 Sterne vergeben. Dieses Buch will man nicht mehr aus der Hand legen. Meinen Respekt Herr Weber. Weiter so.
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am 2. November 2015
Das Buch ist sehr lebendig geschrieben und vermittelt einen guten Eindruck vom Leben in Afghanistan und den Beweggründen des Autors.
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am 29. September 2014
Ich war fast zur selben Zeit unten nur etwas zeitüberlappend. Aber ich fühlte mich wieder wie wenn ich da bin mit all den Bildern vor Augen. Ich habe es in 2 Tagen durchgelesen.
Ich finde ein sehr gut geschriebens Buch und auch mit den Erklärungen für jeden Normalbürger verständlich.
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am 31. März 2015
Sehr ergreifend, realistisch und bodenständig aber auch menschlich. Wird mir in Erinnerung bleiben. Sehr empfehlenswert. Bin auf weitere Bücher gespannt.
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am 7. Juli 2014
Ich habe den Saarländischen Tatort nie sonderlich gemocht, bin aber vom Schaffen Gregor Webers als Berichterstatter aus Afghanistan beeindruckt. Ich war selbst Soldat und schäme mich dafür, wie unsere Jungs von einem nicht unerheblichen Teil unserer von Luxusproblemen geplanten Bevölkerung bewertet und behandelt werden. Vielen Dank für dieses Buch, Herr Weber.
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am 18. April 2014
Ich war genau zur gleichen Zeit in Kunduz und war einer von denen die nicht draußen waren. Ich kann aber sehr gut mitfühlen wie alles abgelaufen ist von der Ausbildung bis zum Einsatz (ich bin ebenfalls Reservist). Gregor hat das sehr genau und gut beschrieben und ich wäre sehr gerne auch mal nach draußen gekommen aber auf meinem Dienstposten leider unmöglich und mein Chef wollte sowieso nicht, dass wir uns draußen aufhalten, es ist und bleibt halt sehr gefährlich außerhalb des Lagers und ich kann nur hoffen, dass die Bundeswehr bis zum Ende des Einsatzes keine Toten mehr hat, das Land Afghanistan hätte es verdient.
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am 29. Mai 2015
Über meinen Wehrdienst bin ich seinerzeit nicht hinausgekommen, aber aus persönlichem Interesse hat mich die Bundeswehr eigentlich nie losgelassen. Meine "Einladung" in den Kosovo habe ich seinerzeit abgelehnt. Trotzdem war ich interessiert daran, was unsere Bundeswehr in Afghanistan so tut.

Der US-Amerikaner und der Brite tun sich erwartungsgemäß nicht so schwer mit den Themen Krieg, Veteranen und der offenen Berichterstattung darüber. In Deutschland muss man erst wieder lernen, dass dies ein Thema ist welches mittlerweile auch zu unserem Alltag gehört. Obwohl die Bundeswehr schon seit Jahrzehnten im Einsatz ist, von Kambodscha über Somalia und den Kosovo bis hin nach Afghanistan und seit kurzem auch aktiv im Mittelmeer so ist Deutschland doch erst seit dem Afghanistan-Einsatz wieder im Krieg. Wenn auch nicht gegen andere Nationen, sondern als Teil einer Art Bürgerkrieg.

Das ganze übrigens in unser aller demokratisch legitimiertem Auftrag. Das nur am Rande.

Aber zurück zum Thema. Ich suchte also nach Erfahrungsberichten deutscher Veteranen, die weder glorifizierende Romane sind, noch das andere Extrem und aus persönlichen Erlebnissen eine Beschimpfungstirade auf die ganze Welt loslassen. Nach einigen Fehlgriffen landete ich bei Johannes Clairs "Vier Tage im November", welches ich erfrischend offen und authentisch empfand. Danach stieß ich auf Gregor Webers Buch. Wer nie bei der Bundeswehr war, der wird mit dem Titel nicht viel anfangen können. Aber wer das Buch aufmerksam liest, der wird sich den Titel schnell selbst erklären können. Insbesondere wenn man Johannes Clairs Schilderungen des Kriegs "vorne" gelesen hat, und die mit Gregor Webers Schilderungen seiner Erfahrungen im Krieg "hinten" vergleicht. "Hinten" im Feldlager, wo es halbwegs sicher ist, halbwegs geregelten Dienst gibt, halbwegs Normalität. Erst recht in den größeren Lagern und am Kabul Airport, wo die US-Amerikaner auch gerne mal ein Starbucks oder Pizza Hut betreiben.

Gregor Weber geht einen mutigen Schritt, indem er sich als Reservist fortgeschrittenen Alters aktiv zu Wehrübungen einziehen lässt. Teils aus Recherchegründen für ein (anderes) Buchprojekt und einen Tatort, aber auch teils aus persönlicher Überzeugung. Um den Tenor des Buches mal vorweg zu nehmen: Wir hier in Deutschland leben wie die Maden im Speck und wer ohne Eigenleistung in dieses Land hineingeboren wird, der hat verdammtes Glück gehabt. Dabei verdrängen wir gerne, dass dem Großteil der Welt dieses Glück nicht vergönnt ist. Ich für meinen Teil lebe gerne in diesem Land und möchte um nichts in der Welt mit jemandem tauschen, der in Afghanistan aufwachsen muss, keine Arbeit hat, keine Perspektive und der quasi täglich darum fürchten muss, dass die willkürliche Gewalt der Clanlords oder Taliban über ihn hereinbricht.

Gerne verschließe ich meine Augen vor dem, was andere Menschen weit von hier ihren Alltag nennen müssen. Gregor Weber hat irgendwann für sich entschieden, dass er seine Augen dafür öffnen möchte und hat den mutigen Schritt unternommen, für eine "Tour" nach Afghanistan zu gehen. Dafür zolle ich meinen Respekt.

Sein Buch empfand ich dann auch als sehr informativ, aber auch sehr unterschiedlich zu dem, was ich bei Johannes Clair gelesen habe und was ich hier erwartet hatte. Natürlich. Johannes Clair ist aktiver Soldat in einer Kampfeinheit, und schildert seinen Erfahrungen vom Einsatz "draußen im Feld" direkt an der Front. Gregor Weber hingegen ist, was man herabwerten als Freizeitsoldat bezeichnen könnte, in dem Sinne, dass er nur wenige Lehrgänge und Schulungen durchlaufen hat, bis er dann nach Afghanistan entsendet wird. Und die Bundeswehr tut gut daran, derartiges Personal sinnvoll einzusetzen, und nicht als kämpfende Einheiten direkt an der Front.

Gregor Weber arbeitet also letzten Endes in Afghanistan in der Pressestelle, betreut Journalisten und andere "Besucher" der Bundeswehr in Afghanistan, aber nimmt natürlich nicht an Kampfhandlungen teil. So weit so verständlich.

Was ich von dem Buch aber nicht erwartet hatte war, dass es eigentlich erst nach der Hälfte des Buches nach Afghanistan geht. Mehr als die Hälfte schildert Gregor Weber seinen Weg, den er in Deutschland gehen musste, bis in ihm die Entscheidung gereift war, nicht nur aktiver Reservist zu werden, sondern tatsächlich nach Afghanistan zu gehen. Das war nämlich nicht von vornherein sein Ziel. Das ist zwar auch ganz lesenswert, aber ich hätte mir ausführlichere Berichte aus dem Alltag in Afghanistan gewünscht. Daher muss ich einen Stern abziehen, weil der Klappentext andere Erwartungen weckt.

Gut und ebenfalls authentisch finde ich aber Gregor Weber Schilderung seiner Motivation. Er steht der Truppe recht nahe und zeigt auch offen auf, dass die Bundeswehr ein Problem damit hat, gute Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Hier in diesem Land schweigt man ja gerne tod, dass wir eine Armee haben die aktuell in einen Krieg involviert ist. Dass wir Kriegsveteranen und Traumatisierte haben. Dass unsere Armee aber aus Soldaten besteht, die ebenfalls Bürger dieses Landes sind und die Aufgaben übernehmen, die wir hier zu Hause im Speck sitzend lieber gar nicht erst in unser Bewußtsein einziehen lassen wollen.

Man mag von den verschiedenen Motivationen der Kriegsinitiierenden Parteien, z.B. den US-Amerikanern, halten was man will. Fakt ist aber, dass es den Menschen in diesem Land schlecht geht, wie in so vielen anderen Ländern, und dass humanitäre Hilfe oder Aufbauarbeit in diesen Gebieten nur unter dem massiven Schutz von Streitkräften möglich ist. Natürlich kann man auch der Meinung sein, die Not dieser Menschen geht uns nichts an, oder die US-Amerikaner führen diesen Krieg ja nur aus Rache, Angst oder Geldgier. Aber dürfen wir uns deshalb den Luxus erlauben, hier weiter im Speck zu leben und einfach zu ignorieren, dass es den Menschen dort täglich ganz anders ergeht.

Natürlich war das kein humanitärer Einsatz der Bundeswehr. Leider hat die Bundesregierung das aber viel zu spät zugeben wollen, und nicht zuletzt deswegen sind Soldaten dieses Landes gestorben, weil man ihnen die notwendige Ausrüstung zum Schutz und zur Selbstverteidigung nicht zugestehen wollte. Trotzdem erscheint es eine wichtige Aufgabe zu sein, dass die westlichen Alliierten den Krieg gegen die "Aufständischen" führen, damit die Menschen dort wieder Mut und Hoffnung schöpfen, und damit beginnen können, ihr Land aufzubauen. Denn das können die Menschen dort nur selbst tun ... wenn sie den Freiraum dazu bekommen.

Schade finde ich immer wieder, dass unsere Soldaten in diesem Land sich in der Öffentlichkeit schämen müssen, sich in Uniform zu zeigen weil die öffentliche Meinung in unserem Land die Soldaten lieber ganz aus ihren Gedanken verbannt oder sich mit der Diskussion beschäftigt, ob Soldaten Mörder seien oder nicht und wie man sich einen Beruf wählen könne, der sich mit dem Töten beschäftigt. Getreu dem Motto "Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin."

Jeder intelligente Mensch sollte wissen, dass der Krieg trotzdem da ist, auch wenn wir nicht hingehen. Die Warlords und die Taliban oder der IS bleiben doch nicht zu Hause und bestellen selber Felder, weil wir zu hause bleiben!

Von daher danke ich Gregor Weber für seine mutige Entscheidung. Und dafür, dass er dieses Buch geschrieben hat, um uns einen Einblick in den Krieg unserer Bundeswehr zu geben. Gregor Weber beleuchtet das Thema (übrigens völlig ohne Anklage der Kritiker an dem Einsatz) von einer anderen Seite als Johannes Clair dies tut, nämlich aus der Sicht eines professionellen Journalisten der das eigene Selbstbewußtsein der Bundeswehr und ihrer Öffentlichkeitsarbeit beurteilen und bewerten kann. Und auch das ist lesenswert.

Besonders bewegt hat mich ein Absatz am Ende des Buches, als Gregor Weber gerade auf dem Heimweg von Afghanistan nach Hause war. Während US-Amerikaner und Briten große Welcome Home Zeremonien in ihren Kasernen mit Familien und Offiziellen der Lokalpolitik veranstalten, und die Bevölkerung die Soldaten zu Hause willkommen heißt, so entlädt die Bundeswehr ihre heimkehrenden Veteranen lieber heimlich, still und leise am Flughafen, damit diese dann von dort aus wieder selber versuchen, sich in die Gesellschaft einzugliedern. Am besten so, dass keiner etwas davon merkt.

Und da sich in diesem Land hier ja alles um Fußball zu drehen scheint, zieht Gregor Weber hier einen Vergleich, der einem zu denken geben sollte. So sinniert er in der Ankunftshalle am Flughafen nach der Landung:
"Ich stehe nicht sonderlich auf Blaskapellen, aber an diesem Tag, in diesem Moment, nach diesem Erlebnis hätte ich mir ein Heeresmusikkorps gewünscht. Ich meine, wenn irgendwelche Fußballspieler von einem Turnier und ihren klimatisierten 5-Sterne-Hotels zurückkommen, ist die Ankunftshalle im Flughafen zu klein für das ganze Trara. Ich schaute an mir herunter, und mein Blick blieb an der deutschen Flagge auf meinem Ärmel hängen.
Waren wir nicht auch die Nationalmannschaft?
Hatten wir kein Auswärtsspiel gehabt? Und ein ziemlich hartes noch dazu?"

Dem kann man nichts hinzufügen, finde ich.
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am 31. März 2014
Trotz des Untertitels "Ein Selbstversuch" hat dieses Buch nichts mit den unsäglichen Geschichten von Günter Wallraff und Konsorten zu tun!

Es ist mir ein dringendes Anliegen dies Vorweg zu stellen.

Gregor Weber will wissen, was wir (und damit meint er die Bundeswehr, stellvertretend für uns als Bevölkerung) in Afghanistan tatsächlich leisten. Als Schauspieler, Journalist und Autor hätte er den "einfachen" Weg wählen können und für ein oder zwei Tage auf Truppenbesuch gehen können, um einen Artikel zu schreiben.

Im Buch legt Gregor Weber dar, warum er diesen Weg nicht wählt. Er will mehr wissen und irgendwann auch erfahren, was die Bundeswehr vor Ort wirklich leisten muss.

Ich habe das Buch in etwa fünf Stunden an einem Stück durchgelesen. Zu Beginn hatte ich Angst, dass dieses Buch mit erhobenem Zeigefinger, einseitig die Kriegsgegner oder die Kriegsbefürworter präsentiert; und auch damit gerechnet, dieses Buch nach fünf Minuten wieder aus der Hand zu legen. Dieses Vorurteil von mir hat sich als Irrtum herausgestellt.

Das Buch ist außerordentlich gut geschrieben und aufgebaut. Von der ersten Minute an fesseln einen sowohl die Worte, als auch die Handlung an das Buch und die Geschichte von Gregor Weber. Der Leser sieht dem Autor die ganze Zeit über die Schulter und dieser legt dar, vollkommen ruhig und sachlich, warum und wieso sich dieser Mann auf den Weg macht, an einem Krieg teilzunehmen, obwohl er die Wahl hat, daheim bei Frau und Kindern zu bleiben.

Alle Argumente dafür und dagegen werden aufgeführt und gewürdigt. Die Reaktionen der Bundeswehr selbst (als Behörde), wie auch der Angehörigen der Bundeswehr (als individuelle Menschen) werden geschildert. Bohrende Fragen und berechtigter Zweifel kommen zu Wort, ebenso wie der lange Weg vom Reservisten zum Einsatzsoldaten.

Das Buch ist unglaublich spannend und von einer geradzu kathartischen Klarheit. Wie ein 1000 Watt-Halogenscheinwerfer leuchtet der Autor in jeden Winkel eines Krieges und wie wir als Bevölkerung und Land damit umgehen. Er beschreibt die Eigenwahrnehmung der Bundeswehr, die Schwierigkeiten mit der Öffentlichkeitsarbeit, die schwierige Arbeit in Afgahnistan selbst, die Fehler die begangen werden und vor allem - und da hebt sich das Buch deutlich aus dem Lager solcher Bücher hervor -, er beschreibt die Gefühle die damit einhergehen.

Er beschreibt die eigenen Gefühle, zuerst als Außenstehender und dann als Teilnehmender, er beschreibt die Gefühle anderer Menschen, die sich ihm öffnen und von ihren Erfahrungen berichten und das immer wieder so neutral und vorurteilsfrei wie nur möglich.

Es ist schmerzhaft dieses Buch zu lesen und es bereitet Freude und das zu gleichen Teilen. Eben weil es immer wieder den Nerv unserer Zeit (unabhängig der Generation) trifft.

Mir hat das Buch für vieles die Augen geöffnet und ich sehe sowohl unsere Politik, unser Selbstverständnis als Bürger und auch die Arbeit und Afghanistan mit deutlich anderen Augen als vorher und ich danke dem Autor für diesen klaren Blick auf die wesentlichen Details und die richtigen Fragen.

Das Buch ist weder pro noch kontra Krieg bzw. Bundeswehr, sondern erzählt so neutral es geht, eine Reise in eine Kriegszone und den guten, wie den schlechten Dingen die damit einhergehen.

Eine ausdrückliche Leseempfehlung für jeden, der die letzten fünfzehn Jahre Politik und Nachrichten miterlebt hat.

Mehr unter: [...]
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