find Hier klicken Jetzt informieren Bestseller 2016 Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ HI_PROJECT Mehr dazu Hier Klicken Shop Kindle Unlimited AmazonMusicUnlimited Fußball longss17


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

TOP 500 REZENSENTam 9. Juni 2008
Endlich! Endlich gibt es eine deutsche Übersetzung von "The River War: an account of the reconquest of the Sudan". Über einhundert Jahre nach der Erstveröffentlichung hat sich der Eichborn Verlag mit der Reihe "die andere Bibliothek" dieses Buches angenommen. Eine werthaltige Ausgabe, sowohl haptisch als auch optisch. Danke sei gesagt!

Winston Churchill hat in all seinen Artikeln und Büchern immer unbefangen Stellung genommen - ein Freigeist. Jedoch, was in literarischen Kreisen auf Wohlwollen stieß, wurde von militärischer Seite als vorlaute Kritik aufgefasst. Kein Wunder also, daß Horatio Herbert Lord Kitchener - der Sidar - nicht davon begeistert war, den jungen Churchill auf seinem Feldzug mit dabei zu haben. Nur dank der Verbindungen von Churchill's Mutter und durch die Einflussnahme des Premierministers sowie des Kriegsministers wurde Kitchener dazu bewegt, Churchill mitzunehmen.

"The River War" war das erste Werk Churchill's, welches eine Symbiose von geschichtlichem Rückblick, Reportage des eigentlichen Geschehens und Ausblick in die Zukunft darstellt. Mit diesem Werk hatte Churchill seinen Stil gefunden. Die ersten fünf Kapitel beschreiben die Geographie und Geschichte des Sudan; immerhin mehr als 1/3 dieses Werkes. Insbesondere widmet sich Churchill dem Mahdi, dem Schicksal Gordons sowie dem Reich der Derwische. Erst danach beschreibt er vom Beginn des Krieges über die kühne Besetzung von Berber bis hin zu den Schlachten von Atbara und Omdurman den Verlauf des Feldzuges. Nach dem Fall der Stadt folgen noch Kapitel über das Ende des Khalifa (Nachfolger des Mahdi) sowie des Sudans; diese beinhalten auch die Gedanken wie die Zukunft des Sudan aussehen könnte (Regierungsform, Bewässerung durch Nutzung des Nils, Schulsystem, etc.).

Der Mahdi - der Eine oder Andere wird sich an die Werke von Karl May erinnern. Der Mahdi Churchill's hat nichts mit dieser Darstellung zu tun. Churchill beschreibt die Kindheit von Mohammed Ahmed - dem späteren Mahdi - mit den folgenden Worten (S. 65): "Einsame Bäume, wenn sie überhaupt gedeihen, werden stark, und ein Junge, dem die väterliche Zuwendung abgeht, entwickelt, wenn er die Gefahren der Jugend heil übersteht, oftmals eine Unabhängigkeit und Eigenständigkeit im Denken, die auf seinen späteren Lebensweg den frühen Verlust wettmacht. So war es auch bei Mohammed Ahmed." Merkwürdig, mir ist bei diesen Worten auch der Knabe Winston eingefallen, der vergeblich die Aufmerksamkeit seines berühmten Vaters Lord Randolph suchte. Zurück zum Mahdi: er wurde Prediger. Der Erfolg seiner Bewegung basiert aber lt. Churchill auf gesellschaftlichen und rassistischen Gründen. Das Elend der Massen unter der Herrschaft von Fremden. Der Mahdi befreite die Stämme indem er ihnen den "Feuereifer" gab, welcher ihnen fehlte. Im Gegensatz zur damals gängigen Meinung, sieht Churchill den Mahdi nicht als religiösen Hochstapler, sondern als Held seines Volkes (S. 83). Mordlust wie vom Rezensenten der Welt - Jacques Schuster - beschrieben, vermag ich in der Beschreibung Churchill's vom Mahdi nicht zu erkennen.

Das nächste Kapitel ist dem Abgesandten gewidmet: General Charles Gordon. Man traute ihm zu den Mahdismus einzudämmen, verweigerte ihm aber die erforderlichen Ressourcen, so dass er schließlich als Märtyrer in Khartoum dahingeschlachtet wurde. Churchill zitiert hier auch aus den Journals at Khartoum, dem Bericht Gordon's.

Nach dem Fall Khartoums wandelte sich der bislang asketisch lebende Mahdi und gab sich fortan weltlichen Freuden hin. Eine neue Hauptstadt wurde gebaut: Omdurman. Fünf Monate nach seinem Sieg verstarb er aber an Typhus und übergab seinem getreuen Anhänger dem Khalifa Abdullahi sein Reich. Im Folgenden wird von dessen Herrschaft die Rede sein, auch von dem zwar siegreichen, aber für das Land katastrophalen Krieg gegen Abessinien. Interessant sind dabei die Methoden des Machterhaltes des Khalifa: Eliminierung bzw. Neutralisierung von potentiellen Rivalen, militärische Machtkonzentration und Wahrung einer gewissen Balance zwischen den Stämmen.

Es folgen die Jahre der ägyptisch-englischen Kriegsvorbereitung und der Feldzug selber bis hin zur berühmten Schlacht von Omdurman. Diese gilt militärgeschichtlich in taktischer Hinsicht als Wendepunkt: einerseits wegen der später nicht mehr üblichen frontalen Attacken, andererseits wegen des Einsatzes von modernen Waffen, insb. der neuentwickelten Maxim-MPs. Zunächst wurde die englisch-ägyptische Armee von der schieren Anzahl der Derwische überrascht: der Khalifa hatte eine Armee von sechzigtausend Mann, von denen allerdings noch ca. 6000 desertierten. Aufgrund der besseren technischen Ausstattung ergab sich aber nach der Einnahme von Omdurman das folgende Bild: die Verluste der britischen und ägyptischen Verbände betrugen 482 Mann (Tote und Verwundete) wohingegen die Derwische geschätzt 9700 Gefallene sowie 10 - 16 Tausende Verwundete zu beklagen hatten (S. 367). Die Macht der moderenen Waffen!

Die Sorge Kitchener's vor einer Teilnahme Churchill's war im Übrigen nicht unbegründet, denn Churchill hat in seinem Werk die Schändung des Grabmals des Mahdi, welche von Kitchener befohlen wurde, sowie das Abschlachten von wehrlosen gegnerischen Verwundeten angeprangert.

So außerordentlich differenziert und objektiv Churchill in der Regel auch schreibt, so treffen ein paar Formulierungen doch nicht unseren Zeitgeist - man merkt daran, dass dieses Buch vor über einhundert Jahren geschrieben wurde. Zum Beispiel die folgende Beschreibung: "Der Neger war ihm in all diesen Eigenschaften unterlegen. ... Jederzeit erregbar und oft widerspenstig, verlangt er nach der strengsten Disziplin. Liederlich und zugleich seiner Frau treu ergeben, ... , und alles in allem war der Sambo - ... - ein faules, aufbrausendes und verrufenes Kind" (S. 163). Die Aussagen Churchill's in Rassenfragen sind meiner Meinung nach völlig unangemessen. Dennoch will ich es erwähnen, da sie eine andere Seite des späteren Politikers zeigen, die häufig angesichts seiner Verdienste im zweiten Weltkrieg in Vergessenheit gerät.

Darüber hinaus enthält das vorliegende Werk aber auch zahlreiche positiv-bemerkenswerte Äusserungen, die uns auch heute noch unverändert gültig sind, z.B. insbesondere seine Gedanken zur Ausrichtung eines zukünftigen Regierungssystems im Sudan (S. 433) und seinen Erkenntnissen zur Kolonialpolitik.

Eines will ich an dieser Stelle noch anmerken: lt. Churchill hat der Khalifa erst zum Zeitpunkt der Einahme von Berber zu einem neuen Dschihad aufgerufen (S. 276). Der Titel des Buches in seiner deutschen Übersetzung erscheint mir deswegen als nicht passend, zumal Churchill selber feststellte, dass der Missionar im Sudan unerwünscht ist (S. 435). Nicht Religion war ausschlaggebend für diesen Feldzug, sondern Gründe, die im englischen Empire - seiner Wahrung, seinem Erhalt, seiner zukünftigen Machtsphäre - ihren Ursprung haben. Und darüber hinaus die Erinnerung an Gordon, der über 10 Jahre vorher so tragisch zu Tode kam.

Interessant sind im übrigen auch die Beschreibungen der damaligen Imperialpolitik, vor allem die englisch - französischen Reibungen. Amüsant dabei die Erzählung über die französische Patrouille (8 Mann!), welche meinte einen Teil des Südsudans für sich zu beanspruchen. Angesichts der siegreichen englisch-ägyptischen Armee ein aussichtsloses Unterfangen, welches denn auch unter Einhaltung der Würde aufgegeben wurde.

Alles in Allem habe ich mich sehr über diese Ausgabe gefreut. Sehr gut übersetzt und editiert. Erinnern wir uns, auch Churchill pflegte seine Werke permanent zu ergänzen bzw. zu kürzen. Das vorliegende Buch ist ein hervorragendes Werk über die Geschichte und den Feldzug im Sudan, eine Meisterleistung.

Viel Spaß beim Lesen!
0Kommentar| 36 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 18. Oktober 2008
oder der Krieg am Nil - sicher, dies wäre eine von weiteren Alternativen für den deutschen Titel von "Riverwar" gewesen. Aber "Flusskrieg" hin und "Kreuzzug" her - in der Konsequenz wird deutlich, dass es sowohl politische wirtschaftliche Interessen (Fluss) als auch religiöse Motive (Kreuzzug) gab.

Niemand ist gezwungen, das Vorwort zu lesen. Der Rezensent empfiehlt, die editorische Nachbemerkung zu Anfang zu studieren. (Der Verlag darf sich fragen, warum er diesen Abschnitt als Nachbemerkung an den Schluss stellte und das Vorwort nicht zum Nachwort deklarierte) Dann weiss man, wie das Buch im Original hiess, welch opulente Ausstattung es in der Erstauflage besass und was seither in den folgenden Ausgaben nach und nach wegfiel. Ausserdem enthält das Nachwort wertvolle Hinweise auf bestimmte Vorgehensweisen des Herausgebers und Uebersetzers.

Das Buch erklärt nicht die Entstehung eines "Pan-Islamismus". Es ist eine Kriegsberichterstattung ohne aufgeregten Hurra-Patriotismus. Und das ist vielleicht die Tugend, die uns heute wieder anstehen würde in der um sich greifenden Haltung Gräuel mit Barbarei zu vergelten. Churchill orinetiert sich an den Fakten und kann das Geschehen trotzdem plastisch werden lassen. Verherrlichungen gibt es keine - gelegentliche Anmerkungen, die nachdenklich stimmen hingegen schon.

Es findet sich zudem eine Zeichnung in dem Buch, die Mohammed Ahmed - den Mahdi zeigt. Aehnlichkeiten mit noch lebenden oder nicht mehr lebenden Personen dürfen erwogen werden...
0Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. August 2008
Die Übersetzung des "The Riverwar" von Winston Churchill füllt in der Tat eine Lücke in dem auf Deutsch zugängliche Werk von Winston Churchill. Churchill schildert als Augenzeuge die Abläufe innerhalb des britischen Kolonialreiches mit seiner verästelten, langsamen Bürokratie und die zupackende, schnelle Ausführung im Feld. Der von ihm beschriebene Feldzug fand von 1896 bis 1899 gegen den Kalifen Abdullah entlang des Nil statt. Das Ziel des Feldzuges war die Wiederherstellung der ägyptisch/englischen Herrschaft im Sudan. Churchill schreibt sehr sachlich und an vielen Stellen mit Hochachtung von den sudanesischen Kontrahenten. Es war in keinster Weise ein "Kreuzzug". Insofern ist der Titel in doppelter Weise irreführend. Der Mahdi starb in Juni 1886 - also kein Krieg gegen das Reich des Mahdi. Warum konnte man es nicht bei dem sachlichen Titel "Flusskrieg" belassen? Es scheint, das Lektoren und Marketing des Verlages wirtschaftlichen Erfolg weit über Sachlichkeit setzen. Churchill würde sich über diese kaltschnäuzige Verdrehung der Tatsachen wohl bitterlich beschweren. Dem interessierten Leser sei die englische Ausgabe empfohlen, die nach wie vor "The Riverwar" heißt.
0Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Juli 2008
In einer Zeit, in der man als kritischer Zeitgenosse und von dem Glauben an die schnelle Versöhnbarkeit der Religionen und Kulturen geheilter Bürger, immer wieder fassungslos und wütend von den Anschläge islamistischer Terroristen hört und wie in der letzten Woche in einem Artikel der ZEIT lesen muss, dass in Pakistan in entsprechenden Schulen Zehntausende kleine Jungen zu Heiligen Kriegern ausgebildet werden, da stellt sich nicht nur fast täglich die Frage, wohin das alles führen soll, und ob die westliche, insbesondere die europäische Kultur diesem Wahn noch irgendetwas entgegensetzen kann, sondern auch die Frage nach den historischen Quellen und Ursachen drängt sich auf.

In dieser Zeit ist die erstmalige Herausgabe eines Buches des jungen Winston S. Churchill auf deutsch nur zu begrüßen, der in seinem 1899 zuerst erschienenen, damals sofort zum Bestseller avancierenden Buch "River War" den ägyptisch-britischen Feldzug 1896-1898 gegen das islamische Kalifat des Mahdi beschreibt, an dem er selbst als Führer einer Kavallerieschwadron teilgenommen hat.

Im sogenannten Aufstand des Mahdi 1881-1885 zeigte der Islam zum ersten Mal das Gesicht seiner radikalen politischen Kraft, die wir heute zur Genüge kennen: den Fundamentalismus. Mohammed Ahmed, Mahdi genannt und als Stellvertreter Gottes verehrt, erobert den Sudan und errichtet dort ein islamisches Kalifat. Nach einer fast einjährigen Belagerung erobert er von den Briten die Stadt Khartum und errichtet dort die Hauptstadt eines islamischen Gottesstaates. Die britische Armee hatte eine historische Demütigung erlitten, in seiner Wirkung vielleicht vergleichbar mit den Anschlägen auf die Twin Towers fast 120 Jahre später, die aus dem gleichen Geist verübt wurden.

Es dauerte zehn Jahre, bis sich die Briten mit einem zweijährigen Feldzug ( im deutschen Buchtitel vielleicht etwas zu reißerisch "Kreuzzug" genannt) gegen das Reich des Mahdi rächen konnten, ein Krieg, in dem das Empire gegen die arabische Reiterarmee zum ersten Mal modernste Kriegstechnologie einsetzte und mit einem bis dahin nie erlebten Aufwand industrieller Kriegslogistik quasi die Gegenwart einläutete, die im darauf folgenden Jahrhundert ihre Schrecken in zwei Europa an den Rand des Untergangs führenden Kriegen noch zeigen sollte.

Das Buch Churchills beschreibt nicht nur diesen "Kreuzzug" und gibt einen hervorragenden Einblick in die Gedankenwelt des Gegners, sondern er kritisiert unvoreingenommen die Fehler der Engländer mit dem schlussendlich unterworfenen Gegner und er stellt die uns heute noch unter den Nägel brennende Frage, woher eigentlich der religiöse Fanatismus seine politischen Energien bezieht.

Ludker Lütgehaus hat in seiner Besprechung in der ZEIT vor einem Missverständnis des Buches gewarnt: "In der Tat ist die Geschichte des Mahdi-Aufstandes für ein möglicherweise heraufkommendes neues Zeitalter von Religionskriegen von größter Aktualität. Aber die Sichtweise Churchills ist keineswegs kreuzzüglerisch, jedenfalls soweit er sich mit dem Mahdi selber und der von ihm inaugurierten Massenbewegung befasst. Für Churchill ist der Mahdismus 'Erkennungsmerkmal', 'Verstärker', aber nicht die eigentliche Ursache des Aufstandes. Der Mahdi gibt vielmehr einem ausgebeuteten, unterdrückten und erniedrigten, von einer korrupten kolonialen Klasse drangsalierten Land die religionspolitische Stimme, dem Widerstand die Seele."

Inwieweit das für die gegenwärtigen islamistischen Bewegungen an vielen Orten der Welt auch gelten kann, wagt der Rezensent in Zweifel zu ziehen. In vielen Fällen ist es einfach der Hass auf eine Kultur , der man sich unterlegen fühlt und die man mit allen Mitteln zerstören will. Ich glaube, die Mehrheit der Bevölkerung hat noch gar nicht begriffen, welchem tatsächlichen kulturellen Angriff sie sich hier ausgesetzt sieht, mitten im eigenen Land.
0Kommentar| 16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Juni 2014
...zeigt hier deutlich, warum er einen Nobelpreis in Literatur bekommen hat. Eine Lust zu lesen, stilistisch hervorragend. Inhaltlich scharfsinnig beobachtet. Der Autor trennt eigene Beobachtungen und Analysen sehr strikt von der Beschreibung des Feldzuges. Ein ausgezeichnetes Buch um sich in die Ursprünge des islamischen Fundamentalismus einzulesen, ohne diesen zu verurteilen. Dabei ist das Buch bereits vor annähernd einhundert Jahren geschrieben worden. Absolut lesenswert!!!
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Aus heutiger Sicht erscheint dieser Krieg vom Ende des 19. Jahrhunderts an der Peripherie der Welt nicht wirklich wichtig zu sein. Einer von vielen Kolonialkriegen, bei der der Sieger aufgrund seiner technischen Überlegenheit schon vorab festzustehen schien. Und ganz ehrlich: Ich finde die Versuche des Verlages, eine Verbindung zum heutigen Konflikt zwischen dem Westen und dem Islam zu ziehen, an dem Thema des Buches vorbei.

Zum Titel Kreuzzug hat bereits Churchill selbst viel zu sagen. Nämlich dass die Religion bei diesem Konflikt nicht der Grund ist. Vielmehr gibt es soziale Ursachen, die sich dann einen Führer, einfacherweise einen religiösen Führer suchen, was dann zu Gewalt und Krieg führt. Nichts da mit "Kreuzzug", wie der deutsche Titel es weismachen will. Und dem damals sonst üblichen Einsatz von Missionaren in den besiegten Kolonien steht Churchill auch eher kritisch gegenüber.

Warum soll man dieses Buch dann lesen? Hier schreibt ein außerordentlich intelligenter und mitfühlender Mensch. Hier werden Gesellschaft, Politik, das Wechselspiel zwischen Menschen und ihrer Umgebung einfach brillant beschrieben. So das man das Buch fast schon als Fallstudie für Konflikte zu ganz anderen Zeiträumen der Geschichte verstehen kann. Ein Beispiel mag Churchills gelungene Kurzbeschreibung des Kolonialismus sein: "Welches Unterfangen könnte ehrenvoller und einträglicher sein, als fruchtbare Landstriche der Barbarei zu entreißen... der Einsatz ist tugendhaft, die Ausführung wohltuend und das Resultat in manchen Fällen äußerst ertragreich." Diese Form der Klarheit hätte man der amerikanischen, politischen Diskussion vor dem Irakkrieg auch einmal gewünscht. Aber ist Churchill nun für den Kolonialismus und das damit verbundene Geldverdienen? Wieder ein Zitat: "Es ist Lord Cromer hoch anzurechnen, den glitzernden Versprechungen von Syndikaten und Finanziers zum Trotz, standhaft alle Pläne zurückgewiesen zu haben ... es zuzulassen, dass die Einheimischen ... nun vom Londoner Stock Exchange ausgebeutet werden."

Da sah jemand wirklich klar in der Welt. Auch beim Thema Krieg. Schlachten werden hier beschrieben und die technischen Voraussetzungen, einen Krieg in der Wildnis mit Hochtechnologie erfolgreich zu führen. Aber was folgt dann? Eine Beschreibung der auf dem Feld der Schlacht zurückgebliebenen Toten und Verwundeten, die unversorgt blieben und deren Leiden noch Tage danach nicht beendet war. Dieser Mann, der in seinem späteren Leben noch so viel mit Krieg zu tun haben sollte, liefert auf wenigen Seiten eine eindrucksvolle Schilderung der Folgen des Krieges, die sich so hart liest, dass sie hier kaum zitatfähig ist.

Nach dem Lesen dieses Buches kommt man nicht umhin, sich mehr Politiker und Autoren zu wünschen wie diesen Churchill.
0Kommentar| 15 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Juli 2008
Churchills Bericht verdient Respekt. Seine Darstellungen, von denen viele heute der "political correctnes" zum Opfer fallen würden, sind präzise beobachtete Realität. Dabei reflektiert er durchaus den europäischen Imperialismus seiner Epoche; dennoch macht er keinen Hehl aus der wörtlich "Barbarei" und dem "Mohamedanismus", welcher den "Ungläubigen" am Ende des 19. Jh. im Sudan drohte. Schade um den schlecht übersetzten Titel und das unnötige Vorwort, das sich in modischem Gutmenschdenken verliert. Churchills Aufzeichnungen sind vielmehr eine erstrangige Geschichtsquelle für eine lange Geschichte, die - falls das irgendjemand vergessen haben sollte - für den christlichen Westen bereits 636 n. Chr. mit der Schlacht am Jarmuk begann und die immer noch andauert.
11 Kommentar| 11 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden



Brauchen Sie weitere HilfeHier klicken