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Kundenrezensionen

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am 5. September 2011
Obwohl ich offenbar etwa 5,6 Jahre jünger bin als die Hauptfiguren in diesem Roman, ist mir beim Lesen dieses Buches nicht nur einmal der Mund offen stehen geblieben. Mit den Schilderungen der Reaktionen von Eltern, Lehrern und älteren Nachbarn auf eine Jugend, die im Begriff war, sich gegen zementierte Regeln aufzulehnen, hat Appaz die Zeit um 1970 und danach wieder in meinem Kopf zum Leben erweckt. Verhaltensweisen von Lehrern, Sprüche von Eltern und Beschimpfungen durch ewig Gestrige kamen mir ach so bekannt vor. Lehrer konnten damals jungen Menschen die Persönlichkeit brechen, ohne Konsequenzen seitens der Eltern der seelisch Mißhandelten befürchten zu müssen, da sie ja im Sinne der Eltern handelten. "Wenn Du Nackenschläge bekommen hast, wirst Du es schon verdient haben!" "Solange Du Deine Füße unter meinen Tisch stellst....." "Mach' die Negermusik aus, wir wollen dieses Gejaule nicht hören..." Wer um die heute 50 kennt diese Sprüche nicht, die einer Elterngeneration entstammen, die in der heilen Spießerwelt des Wirtschaftswunders aufgewachsen war. Und wenn plötzlich diese selbstgestrickte, heile Welt in einer Seifenblase stattfindet, der sich von außen eine Jugend mit einer Stecknadel nähert, muß diese halt entweder mental niedergeknüppelt oder ignoriert werden, frei nach dem Motto: Was ich nicht sehen will, existiert nicht!

Mit zielsicherer Präzision zeichnet Appaz hier ein Bild, das an Authentizität nicht zu übertreffen ist. Ich habe mich selbst darin wiedergefunden. Ich bin sicherlich nicht der Einzige, der auch heute noch hin und wieder mit den Spätfolgen seiner eigenen Erziehung zu kämpfen hat.

Ein Klassentreffen als zentralen Aufhänger für diese Story zu nehmen, ist ebenfalls eine kluge Idee, da hier auf erschreckende Weise deutlich wird, wie Menschen sich verändern oder halt eben auch nicht. Die einen waren Revoluzzer und sind es im Tiefsten ihres Herzens immer noch, die anderen haben ihre einstigen Ideale der Karriere oder dem Burgfrieden geopfert und sind zu spießigen Schleimern geworden, die meinen, sich selbst 30 Jahre nach dem Abitur noch bei den inzwischen greisen und pensionierten Lehrern anbiedern zu müssen.

Einige Passagen in diesem Buch habe ich 2,3 Mal gelesen, weil ich es nicht fassen konnte, wie treffsicher Appaz hier meine eigenen Erinnerungen lebendig werden ließ. Gäbe es 10 Sterne zu vergeben, ich würde sie geben.
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am 21. Februar 2013
Ein deutlicher Abstieg zum Vorgänger "1975: Im Jahr der Weiber".
Kurt Appaz und seine Rasselbande vom Kollektiv-Abitur-Versauungs-Club
treffen sich 33 Jahre später auf einem Klassentreffen wieder, auf das sie aufgrund
unbestandenem Abitur, nicht mal eingeladen wurden.
Grund genug für die Helden, die immer noch in den Sphären von 1975 herum schweben,
die Party zu rocken.
Leider fehlt dem Inhalt der Flair der 70er Jahre, der im ersten Band noch deutlich zu spüren war.
Sequenzen aus der Schulzeit vor dem Abitur werden erzählt, kann das aber nicht so richtig in den
Geschichtsverlauf einsortieren, wann genau was gewesen sein soll.
Die Szenen aus der Schulzeit wieder mit gewohnter Ironie, jedoch das Klassentreffen selbst
wirkt total unecht, es kommen seltsame Begebenheiten zur Sprache, die nicht hineinpassen
und alles in allem ist von allem etwas zuviel dabei!!
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am 12. Juni 2009
Endlich ist der neue Roman von Kurt Appaz erschienen! Es ist die Vorgeschichte von "1975", als der kleine Appaz und sein bester Freund Kerschkamp zusammen aufs große Gymnasium kommen - selbstverständlich noch lange vor koedukativen Zeiten. Nicht zu Unrecht heißt der Roman im Untertitel "Bekenntnisse eines ehemaligen Oberschülers": In schnellen und witzigen Bildern wird erzählt, wie Appaz versucht, sich in einer Welt zu orientieren, die gerade im Umbruch ist. Auf der einen Seite sind die noch deutlich faschistoiden alten Lehrer und die Eltern und Nachbarn, die entsetzt von "Beatmusik" und "Stromgitarren" sind und alles, was neu und anders ist, negieren und unterdrücken. Und auf der anderen Seite sind es gerade die Musik und die ersten Hippies, die Appaz und seine Freunde zunehmend Gefallen am großen Traum von der Revolution finden lassen. Schön erzählt ist dabei insbesondere, wie wenig die 1967 und 1968 gerade erst Elf- und Zwölfjährigen eigentlich vom Zeitgeschehen mitgekriegt haben - es gab noch kaum Fernsehen, die Informationen waren spärlich, zu Hause und in der Schule wurde nicht "diskutiert": Rudi Dutschke und die Ideen der APO bleiben damit eher nebulös.
Höhepunkte sind neben den eingeschobenen Reflexionen über die hilflose Überforderung der Eltern und Erzieher vor allem solche Momente wie die Diskusson der "Oberschüler" über den Inhalt von Beatles-Texten - und das in der für Appaz typischen lakonisch-witzigen Schreibe toppt jedes Kabarett. Aber Appaz wäre natürlich nicht Appaz, wenn er nicht seine Erinnerungen auf einen dramatischen Höhepunkt zusteuern lassen würde, indem er am Beispiel eines Mitschülers aufzeigt, wie dieser an den damals vorherrschenden Strukturen in Schule und Elternhaus kaputtgeht. Erschreckend ist dabei, wie klar sich diese Strukturen auch heute noch wiederfinden, so dass eine solche Geschichte sich unter veränderten Vorzeichen durchaus wiederholen könnte.
Ein pralles Stück Zeitgeschichte, bei dem sich beim Leser, der diese Zeit miterlebt hat, sofort der "Appaz-Effekt" einstellen wird: Ja, genauso war es! Aber Appaz geht weiter, die Erinnerungen sind eingebettet in eine Rahmenhandlung - 33 Jahre nach dem Abitur fahren Appaz und Kerschkamp auf ein Klassentreffen, und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gerät unerwartet außer Kontrolle. Hier wird der Autor im besten Sinne "böse", wenn er sich über Klatschspalten-Stars wie den Ex-Kanzler und die Scorpions lustig macht und plötzlich das bestehende (Schul-) System anprangert und mit der Selbstgefälligkeit der ehemaligen Mitschüler abrechnet, indem er dem Zitat von Erich Kästner folgt: "Wer vergisst, was schlimm war, wird dumm!"
Ich weiß nicht, wie ich den Roman einordnen soll, es ist ganz sicher ein Generationenroman, fast ein bisschen ein Krimi, gleichzeitig aber auch eine klare Stellungnahme zu vielem, was heute schief läuft - vor allem aber ist das Buch verdammt spannend zu lesen! Appaz folgt eindeutig der Idee, dass ein Schriftsteller als Intellektueller die Verantwortung hat, Stellung zu beziehen und "Handlungen nach ihren Ursachen, Motiven und versteckten Absichten zu durchleuchten", um so die Wahrheit zu finden (Chomsky), und entweder man ist fasziniert und begeistert von Appaz' neuem Roman (so wie ich) oder man lässt sich eben weiter vom ansonsten üblichen Einheitsbrei auf dem Massenbuchmarkt verblöden!

PS: Es gibt Appaz übrigens auch auf YouTube zu sehen und zu hören!
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TOP 1000 REZENSENTam 1. Juni 2014
"Aber sind sie wirklich noch die Rebellen von einst?"
Allein diese Fragestellung auf dem Cover hätte mich schon eines Besseren belehren sollen, dieses Buch nicht zu kaufen!

Ich hatte von Tom Liehr das Buch "Sommerhit" gelesen und bin dann durch Stöbern auf "Klassentreffen" aufmerksam geworden.
Ich bringe mein Fazit deshalb ausnahmsweise gleich zu Beginn: "Sommerhit" hält, was "Klassentreffen" verspricht!

Dieses Buch gibt immer nur vor, die Geschichte der -ach so schrecklichen- 70er realitäts- und hautnah wiederzugeben.
Leider ist's bei dem Versuch geblieben...
Großteils inhaltsleere Kapitel greifen, mehr oder weniger nahtlos, ineinander.

Ebenfalls sehr lästig: Der äußerst eintönige Sprung zwischen den Zeiten! 10 Seiten 70er, 10 Seiten Gegenwart, 10 Seiten 70er,
10 Seiten Gegenwart..., und das über 360 Seiten - nervt einfach!

Wenn das Buch mit einem überzeugenden Finale gepunktet hätte, dann hätte ich es wenigstens in guter Erinnerung behalten
können, aber nicht einmal das Ende war lesenswert.
Und am Ende hab ich mich wirklich gefragt: "Das war's?"

Die zwei Punkte gibt's nur deshalb, weil dem Autor hin und wieder ja doch einige sozial- und gesellschaftskritische Passagen
gelungen sind.

Wie gesagt: "Sommerhit" kann ich vorbehaltlos empfehlen, "Klassentreffen" ist Zeitverschwendung.
Auch wenn ich zugeben muss, dass Tom Liehr von Wolfram Hänels Buch wohl mehr als "inspiriert" wurde; um nicht zu sagen,
dass er "Klassentreffen" als Vorlage für "Sommerhit" genommen hatte.
Aber Liehr konnte es einfach besser!
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am 11. November 2010
Halb Fiktion und halb autobiografisch. Anhand der echten Straßennamen bekommt der interessierte (Hannoveraner) Leser natürlich schnell mit um welche realen Schulen oder Kneipen es sich in dem Roman handelt.
Vor allen Dingen wenn man zur gleichen Zeit in den späten sechziger- und beginnenden 70er Jahren in Hannover aufgewachsen ist. Ja so war es damals wirklich: Schlagende Lehrer mit Nazivergangenheit gab es nicht nur auf der Schule des Herrn Appaz, sondern scheinbar fast überall. Inclusive meiner damaligen Schule. Und ich dachte damals noch die Gymnasien hätten erlesene seriöse Lehrer und nur wir an der Realschule hätten diese merkwürdigen autoritären skurrilen Zeitgenossen...
Mit viel Liebe zum Detail schildert Appaz in diesem Roman den damaligen Zeitgeist und den rebellischen Aufbruch der damaligen Generation. Ich fragte mich oft ob er ein fotografisches Gedächtnis hat, wenn er sogar die karierten Taschen der obligatorischen Blockflöten oder Einzelheiten des Mobiliars beschreibt. Eine Zeitreise in die siebziger Jahre mit vielen "Ja genau so wars" - Effekten.
Nicht nur für Nostalgiker zu empfehlen. - Aber Vorsicht. Es ist KEIN Kinderbuch!
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am 18. August 2009
Na, das ist ja mal ein Klassentreffen! Volltreffer! Erinnerungsauslöser. Wiedervorsinnereaugeholer. Zeitlich traf das Lesen bei mir in etwa mit der 25jährigen "Jubiläum" des Abiturs zusammen. Gut, wir sind also jünger, so etwa zehn Jahre oder auch noch ein paar mehr. Was damals auf jeden Fall aber noch so viiiiel mehr war als heute. Und vieles andere war "bei uns" auch schon anders, nicht zuletzt einige Lehrer. Da hatte sich in der eigentlich so kurzen Zeitspanne doch vieles gewandelt. Die 70er, das war in der zweiten Hälfte schon eine andere Welt. Mehr Beton vor den Fenstern als in den Köpfen, immerhin. Aber die Stimmung, die das "Gottfried Wilhelm"-Gymnasium offenbar ebenso bedrückend wie prägend beherrschte, die gab es bei uns an der naturwissenschaftlich orientierten, neusprachlichen und auch sonst ach so weltoffenen Lehranstalt, nennen wir sie mal in schöner Analogie "Willem Alexander"-Gymnasium, auch noch. Den Lehrer, der allwöchentlich aus seiner Militärzeit gewisse Erfahrungen einfließen ließ. Die fliegenden Schlüssel. Den gemeinsamen, mundorgenfröhlichen Fünfklässler-Gesang, ruhestandsbedingt gefolgt vom erbitterten "Zweigestrichenes A! ' falsch fünf setzen" des kaum jüngeren, pädagogisch völlig deplatzierten Nachfolgers. Die Verleihung neuer Namen, nur schon netter als bei Kurt. Den Tag, als vor dem Musikunterricht uns unten an der Treppe im Foyer die Nachricht von Elvis' Tod erreichte, was aber sonst irgendwie niemanden interessierte. Den scharf bewachten "Lehrereingang". Das kopfamputierte Namensgeberdenkmal. Nee, stopp, "Klassentreffen" lesen und eigene Filme im Kopf sehen ist viel besser. Will heißen: "Klassentreffen" ist nicht nur etwas für die ganz unmittelbaren Zeitgenossen, die schon jenseits der Midlifecrisis angekommen sind. "Klassentreffen" ist auch etwas für leicht jüngere Leser. Übriggebliebene Altlehrer und einst streng gescheitelte Mitschüler hingegen seien gewarnt, sie könnten in einen Spiegel schauen. - Zeitschnitt auch hier. Klassentreffen nach 25 Jahren? Nein danke. Wenn einstige Lebenszeitamrandebegleiter sich als ausgesprochen reaktionäre A... entpuppen, ihre SPD-Mitgliedschaft (wahlweise auch GRÜNEN-) so offensichtlich nur kalt-kalkulierenden Charakter hat (weil man ja wichtig ist und noch so viel wichtiger werden will, Leben ist Macht!), der Spruch "Mein Auto, mein Haus, meine Kinder" tatsächlich fällt und die einst vermutlich geliebte Frau zur "Gattin, die mir den Rücken freihält" wird, dann ist irgendwas nicht in Ordnung. Sozialautisten rundum. Mit Sektempfang. Kurt und die Seinen haben einen - allerdings ungleich brisanteren - Faden auf gewitzte Weise aufgenommen, den sie vielleicht nicht .. oder doch ... und vielleicht schon früher ... oder gar ... man weiß es nicht. Vielleicht hätte es auch nicht so eskalieren müssen, vielleicht musste es genau so eskalieren. Beklemmenderweise ist es wie in der eigenen Vita: Mist, man kann wohl doch nicht erstmal zur Probe leben. 1975 - Klassentreffen - ... : Kurt! Applaus! Weitermachen! Es ist noch so viel zu sagen. Jenseits von falsch fünf setzen.
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am 21. Januar 2011
Appaz verarbeitet eigene Jugend- und Schulzeit in seinem Roman "Klassentreffen", ohne uns dabei mit wirklich spannenden und interessanten Einblicken oder Handlungen zu ueberraschen. Vieles von dem, was Appaz thematisiert, ist dem Leser gleichen Alters so oder so aehnlich widerfahren. Nur darin liegt der Reiz des Romanes, konfrontiert zu werden mit seiner eigenen Jugendzeit und den (unverarbeiteten?) Geschehnissen der damaligen Zeit und sich dieser zu erinnern: erste Liebe, die Musikstuecke der damaligen Zeit, die bis heute nichts von Ihrer Faszintion verloren haben, Konflikte mit Elternhaus und Schule, politische Umwaelzungen der damaligen Zeit, erste Rebellion. Doch damit genug. Die Handlung verzettelt sich, wird durch zu viele parallele Handlungen verwaessert und kann zu keinem Zeitpunkt an Tiefe gewinnen. Vieles bleibt an der Oberflaeche, Charaktere werden nicht so ausgearbeitet, wie bei einem solchen Thema moeglich. Was bleibt nach der Lektuere, ist die Frage: Was ist da eigentlich passiert. Die Antwort darauf konnte ich mir nicht geben. Schade.
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am 26. August 2009
Nachdem ich den Roman gelesen habe, ist mir plötzlich klar geworden, warum es über die 70er Jahre bislang weder eine literarische geschweige denn eine gesellschaftliche Aufarbeitung gibt, sondern diese Zeit im Gegenteil eher konsequent totgeschwiegen wird. Die 70er Jahre bieten ein verstörendes Potential und stellen bis heute eine Bedrohung dar, ich glaube, darum geht es. Wir haben mittlerweile zumindest ansatzweise begriffen, dass wir die Karre ordentlich in den Dreck gesetzt haben, und dabei ahnen wir zwei wesentliche Punkte: Erstens, wir haben selber hinterm Lenkrad gesessen, und zweitens, in den Siebzigern waren genau die Lösungen schon angedacht, die die jetzige Krise eventuell hätten vermeiden können. Aber das wollten wir natürlich nicht wahrhaben, also halten wir schön den Deckel drauf und tun so, als wäre Willi Brandts Satz " Mehr Demokratie wagen " nie gesagt worden. Aber mir ist plötzlich alles wieder eingefallen:
Die ersten großen Anti-AKW-Demonstrationen, das Hüttendorf gegen die Startbahn West in Frankfurt, bei dem die Anwohner aus der Umgebung jeden Tag das Essen brachten, der Beginn der Alternativ-Bewegung, Landkommunen und Produktionsgenossenschaften, subversive Bücher, die als billige Raubdrucke die Runde machten, Polizisten mit Rock-Musiker-Schnauzbärten, denen die Haare bis über die Augen fielen, so dass sie sich aus Versehen gegenseitig niederknüppelten, die Punk-Musik, die große Zeit der Frauenbewegung, die RAF! Und noch viel "bedrohlicher" vielleicht der allgemeine Konsens, dass längst nicht alles in Ordnung war, was dann darin gipfelte, dass sogar ein Schmierenschreiber wie Konsalik plötzlich behauptete, der einzige Grund, warum jemand an der Nadel hängen würde, wäre in den gesellschaftlichen Bedingungen zu suchen!
Mehr kann ein Roman nicht leisten, als solche Erkenntnisse freizusetzen!
Großes Lob!
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am 14. August 2009
Nach "1975", das leider den blöden Untertitel "Das Jahr der Weiber" trägt, hat Kurt Appaz nun den Vorläufer dazu geschrieben: "Klassentreffen" beschreibt in unter die Haut gehender Intensität ein Schulklima, das in den Sechzigern und frühen Siebzigern besonders an reinen Jungsschulen typisch war. Und dennoch ist dies keineswegs ein Männerroman, denn auch an den Mädchenschulen gab es sie, die kriegstraumatisierten Lehrer und unverheirateten Lehrerinnen, deren Liebste "im Krieg gefallen" waren. Sarkasmus und Unfähigkeit zu trauern einte sie, und der Elterngeneration ging es oft genauso, weshalb sie Konflikte mit der Lehrerschaft scheute. Aber glücklicherweise gab es ja die Musik und etwas, was heutigen Schulkindern fehlt - Zeit. Zeit zum Träumen und "Herumspinnen", zum Knutschen und sich Langweilen. Beim Lesen des Buches war ich mir als Jugendliche in den Siebzigern ganz nah - Erinnerungen stellten sich ein an mein "Mädchengymnasium", an Gerüche und Geräusche, langweilige Sonntage und den Bau des neuen Schwimmbads, in dem es nicht saukalt war und das Wasser - sensationell - nicht 30 cm unter dem Beckenrand endete, sondern bis zum Fußboden reichte, wo es Umkleidekabinen gab und man nicht angeraunzt wurde, wenn die Zeit nach dem Ausruf "Für rote Ringe ist die Badezeit beendet" und dem Abholen der Klamotten länger als 30 Sekunden dauerte.
Ich empfehle das Buch Männern wie Frauen um die 50 und ganz besonders natürlich denen, die in der Zeit in Hannover zur Schule gegangen sind.
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am 1. Juli 2009
"Sauber nachgelegt, Kurt!"
Auch der neue Appaz ist wieder ein Muß-Buch für alle geworden, die dabei waren (....DAMALS!!!). Appaz ist mindestens genauso treffsicher wie im ersten Roman, genauso lakonisch-witzig und nochmal dichter und spannender. Authentisch sowieso, vor allem im Detail, da folgt man dem Autor doch nur zu gerne zurück in die späten Sechziger und frühen Siebziger Jahre und erinnert sich, wie wir alle damals auf der Suche waren....nach uns selbst, nach unseren Träumen. Und wie sie (die Eltern, die Nachbarn, vor allem die Alt-Nazi-Lehrer) es uns schwer gemacht haben und uns am liebsten "nach drüben" geschickt hätten. Eine bitterböse Abrechnung mit der Schulzeit und eine klare Kampfansage an die, die bis heute nichts begriffen haben. Die Rebellen von einst sind wir wohl nicht mehr, aber die Träume existieren noch und ein Buch wie "Klassentreffen" macht Mut, nicht einfach alles aufzugeben, woran wir mal glaubten. "There are still mountains to climb", und warum sollten wir das nicht in Angriff nehmen? Die Zeit ist (wieder mal) reif, Haltung zu zeigen und Stellung zu beziehen.
Appaz' 2.Roman ist ein Genuss, den sich keiner entgehen lassen sollte. Egal was er dann danach mit seinen Gedanken anfängt. Unbedingt empfehlenswert! Besser kann man "unsere" Geschichte nicht in Worte fassen!
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