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am 27. August 2016
Die Pepys Road und ihre Bewohner.Alle gleich oder doch ganz verschieden?
Die Alte Dame und der Banker...ist der,der mehr Geld hat glücklicher? Oder ist man glücklicher, wenn man nicht viel hat,
den so kann man auch nicht viel verlieren. ???
Macht Geld Glücklich? Und was ist Glück überhaupt?
Was wenn das Leben nur noch vom Geld haben oder nicht haben bestimmt wird?

Was für Geheimnisse und Verwirrungen bringen die Zahlen und das Geld ?..ich sage ..es geht um Moral...
und wie ist es mit all den anderen Bewohnern dieses beschaulichen Stadtteils?

Hier wird die Moderne Konsumgesellschaft ,mit allen ihren Fazetten aufgezeigt
Viele verschiedene Schicksale und einiges bleibt auch am Ende offen...

Ein Buch zum Nachdenken
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am 7. August 2013
Vielleicht schafft er es ja. Vielleicht gelingt ihm tatsächlich, was er sich fast beschwörend einredet in den allerletzten Zeilen dieses Romans, als er ein letztes Mal zurückblickt auf den Eingang des eindrucksvollen Anwesens in der Londoner Pepys Road, in dem er so lange gelebt hat: dass er sich ändern kann. Roger Yount, 40 Jahre alt, Ex-Investmentbanker und Noch-Millionär, ist gefeuert worden in den unruhigen Tagen nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008. Das Haus, über Jahre hinweg sichtbarste Manifestation seines Erfolgs und Wohlstands, hat er verkaufen müssen, und nun zieht er mit seiner Familie aufs Land, irgendeinem diffusen Neuanfang entgegen, auf den er sich freuen will: "Es war Zeit, etwas anzupacken, etwas zu machen. Soweit war sich Roger vollkommen sicher, wenngleich ihm nicht ganz klar war, was genau er damit meinte - was genau er anpacken oder machen würde. Nun ja, irgendetwas."

Die Aufbruchsstimmung ist also da, aber sie ist fühlt sich merkwürdig hohl an. Jahrelang hat Roger das typische Leben eines hochrangigen Bankers in der Londoner City geführt: hat Handelsgewinne für seine Bank erwirtschaftet, in dem er seine Mitarbeiter mathematische Prozesse steuern lies, die er selbst nicht verstand, hat renditehungrige Kunden umworben, seinem jährlichen Bonus entgegengefiebert und sich ansonsten der Verwaltung seiner privaten Bilanzposten gewidmet: dem Millionenanwesen in der Pepys Road samt feinstem Equipment, dem Wochenend-Landsitz in Gloucestershire, den 10.000 Pfund-pro-Woche Sommerurlauben, der Privatschule, den drei Autos. Die Betreuung der beiden kleinen Söhne haben die Younts` weitgehend an Kindermädchen ausgelagert, die natürlich auch ihren Preis haben. Aber für Arabella, Rogers genuss- und konsumfreudige Ehefrau, ist die Sache klar: "Für die Betreuung kleiner Kinder musste man geschaffen sein, und sie, Arabella, war nun einmal nicht dafür geschaffen, ganz einfach." Obwohl sie, natürlich, ihre Kinder ganz "lovely" findet, nur möchte sie halt ungern zu sehr von ihnen in Anspruch genommen werden. Und dieser Roger Yount, dieser Prototyp eines City-Bankers, der jahrelang nichts anderes getan hat als auf der Welle des Turbo-Kapitalismus zu surfen, dessen Leben jede einzelne Sekunde auf die Mehrung und Verwaltung von Vermögenswerten ausgerichtet war: Er soll nun plötzlich einen Neuanfang schaffen, mit dieser Frau, ohne Millionenbonus, ohne Kinderbetreuung, ohne all die Insignien des Materialismus, mit denen er jahrelang gelebt hat?

Es ist ungemein spannend zu lesen, wie Lanchester den rapiden Abstieg eines Super-Kapitalisten schildert, und man darf zugeben, dass ein nicht unerheblicher Teil des Lesegenusses einer grimmigen Schadenfreude entspringt. Wenn Roger sich vor Entsetzen buchstäblich übergeben muss, als er erfährt, dass sein Jahresbonus praktisch ausfällt, dann gibt die Geschichte dem Leser ein wenig von der Genugtuung, die in der realen Aufarbeitung der Finanzkrise leider allzu oft ausgeblieben ist. Und wenn er gleich darauf seine Frau (die er längst hasst für ihren materialistischen Lebensstil) bestraft, indem er ihr fast genüsslich mitteilt, dass nun alle Ausgaben drastisch gekürzt werden müssten und sie nun auch eine "Mama" sein müsse - da entfährt dieser nur ein leises "Oh", und man möchte gleich einstimmen in den bösen kleinen Freudentanz, den Roger innerlich vollführt. Nein, an diesen Stellen bringt der Roman nicht die nobelsten Gefühle im Leser hervor, aber es ist ein höllisches Vergnügen, das zu lesen!

Und das lässt sich nun ohne jede Einschränkung für den gesamten Roman sagen. "Kapital" ist ein geradezu perfektes Buch: Unfassbar smart geschrieben, spannend wie ein Thriller, intellektuell, hochaktuell, bewegend, witzig und tiefgründig. Erzählt werden über den Zeitraum eines Jahres die Geschichten von mehr als ein Dutzend Personen, die locker miteinander verwoben sind. Den globalen Hintergrund bildet das Dräuen der Finanzkrise, die gegen Ende des Romans ausbricht; London mit seiner Mischung aus Turbo-Kapitalismus und ethnischer Vielfalt ist der Schauplatz. Die Geschichte von Roger Yount bildet das erzählerische Rückgrat des Romans, aber die anderen Erzählungen sind kaum weniger packend, und es ist unmöglich, ihnen allen hier gerecht zu werden. Mehr noch als die großen, aus dem öffentlichen Diskurs bekannten Themen wie Finanzkrise, Terrorhysterie oder Einwanderungsproblematik (obwohl hier allesamt in restlos überzeugende Geschichten eingebunden) berühren dabei die subtilen Alltagsdramen, die Lanchaster schildert. Zbigniew, ein polnischer Handwerker, lässt sich leichtfertig auf eine Affäre mit Davina ein, obwohl er nicht viel mit ihr anfangen kann - nur, der Sex ist halt so verdammt gut. Als Zbigniew Davina satt hat und sich von ihr trennen will, taucht Davina wieder bei ihm auf, ein Bild des Jammers, sagt, dass sie nicht ohne ihn leben kann. Jetzt erst merkt Zbigniew, in was für eine Falle er sich begeben hat, dass er, ohne es zu wollen, Verantwortung übernommen hat für ein fremdes Leben, die ihn zu erdrücken droht. Und die er nicht einfach wieder abgeben kann wie einen gebrauchten Pulli. Als Zbigniew diese Einsicht kommt, sitzen die beiden schweigend Hand in Hand auf einer Parkbank, inmitten des sprudelnden Londoner Lebens, während die Wände über ihn hereinbrechen. Oder Matya, das sexy ungarische Kindermädchen, von Roger in einem Notfall rekrutiert, nachdem sich Arabella Hals-über-Kopf in einen Kurzurlaub mit Freundin verabschiedet hat: Roger verguckt sich in die Frau, und als man sich innerlich schon auf eine schwüle Vater-mit-dem-Kindermädchen-Episode einrichtet, geht die Geschichte einen völlig anderen Gang. Matya erwidert Rogers Begehren keineswegs, sondern verliebt sich auf mütterliche Weise in Josh, Rogers dreijährigen Sohn, und dieser in sie. Diese Liebe zwischen einer jungen Frau und einem Kleinkind ist auf ganz einfache Weise richtig und schön - und für den Leser ist es sehr erfreulich, wenn die eigenen abgeschmackten Erwartungen so enttäuscht werden. So auch bei Smitty - ein egozentrischer, eitler Aktionskünstler mit ausgewachsener Hybris und "leckt-mich"-Attitüde, der dann aber heimlich ins Sterbezimmer seiner Großmutter schleicht, um in den letzten Stunden bei ihr zu sein. Immer wieder zeigen die Figuren in diesem Roman solche warmherzigen, zutiefst menschlichen Züge, und das gibt dem Buch über alle technische Virtuosität hinaus auch ein besänftigendes, optimistisches Strahlen. Das macht das Lesen nicht nur zu einer ästhetischen Erfahrung, sondern auch zu einer seelischen Wohltat.

Formal ist der Roman ohnehin über alle Zweifel erhaben. Lanchaster ist ein Meister der Sentenz. Immer wieder bündelt er Gedanken und Wahrnehmungen in pointenhaften Wendungen, die so gelungen und treffend sind, dass man verblüfft auflachen möchte. Man liest und fühlt sich glücklich wie ein Kind vor einem sprudelnden Becken, aus dem immer wieder die schönsten Seifenblasen aufsteigen. Die Leichtigkeit, mit der sich das liest, der Flow, der sich beim Lesen einstellt, sollte nicht zum Schluss verleiten, man habe es hier mit "einfacher" oder gar "trivialer" Literatur zu tun. Man kann es nicht oft genug sagen: Ein Text, der so verständlich und überzeugend ist, dass er beim ersten Lesen mit unmittelbarer Wucht im Bewusstsein einschlägt, der einen so in den Bann schlägt, dass man beim Lesen kaum zum Atmen kommt (oder spät abends noch einmal das Büro vom Wachmann öffnen lässt, weil man das Buch dort vergessen hat), erfordert viel mehr Begabung, Können und Anstrengung als die vermeintlich anspruchsvolle Assoziationsorgie mit Originalitätsneurose. Ambitioniert ist Lanchesters Schreibstil nur insoweit, als er auf höchstem Niveau unterhalten will. Und schwieriger geht es nicht. Hier gelingt's. Einer der besten Romane der letzten Jahre.
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John Lanchester zeichnet ein neutrales Panorama der Bewohner Londons und schafft es, die Fakten und Geschehnisse für sich sprechen zu lassen. Er prangert nicht an, dass Quentina, die Akademikerin, die wegen ihres politischen Engagements aus Simbabwe verjagt wurde und nun mit einer falschen Identität in London Knöllchen verteilt. Aber er erzählt ihrer Geschichte so realistisch und eindringlich, dass der Leser selbst zu einer moralischen Bewertung kommt.

Der Journalist John Lanchester bedient sich einer massentauglichen Sprache. Einfache, leicht verständliche Sätze prägen das 682 Seiten starke Werk und machen das an sich monumentale Werk zu einer angenehmen Lektüre. Die zahlreichen Handlungsstränge werden geschickt miteinander verwoben und am Ende verbunden, so dass trotz der zahlreichen Personen der Überblick gewahrt wird.

Darin unterscheidet sich Lanchester aber auch von Balzac, mit dem er auf dem Buchrücken der deutschen Ausgabe verglichen wird. Seine Figuren sind weniger detailliert gezeichnet und ihr persönlicher Hintergrund wird weniger beschrieben als dies bei Balzac und beispielsweise Tolstoi der Fall ist. Das macht seine Bücher zwar populärer, aber auch weniger epochal als beispielsweise die Werke von Jonathan Franzen.

Das Faszinierende an Lanchesters Charakteren ist ihre Durchschnittlichkeit. Sie fallen weder durch besondere Intelligenz, Schönheit oder Charakterschwächen auf, sondern sind so allgemein und gewöhnlich, dass es außer Frage steht, dass sich derartige Personen in London und anderen Metropolen finden lassen. Kapital wirkt daher wie ein Panoptikum unserer Gesellschaft, das aufzeigt, wie normale Menschen werden, wenn die Umstände so sind, wie in der westlichen Welt zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts.
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am 22. Mai 2013
Sehr lesenswert und kurzweilig. Ich habe das Buch trotz der knapp 600 Seiten in weniger als einer Woche durchgelesen und es hat Spass gemacht. Capital ist sehr locker und lesbar geschrieben (böswillig könnte man sagen: ohne eigene Handschrift) und es passiert eine ganze Menge obwohl es keine eigentliche Handlung gibt. Vielmehr gibt es 5 oder 6 verschiedene Handlungsstränge die ausser der Tatsache, dass alle in einer Strasse leben oder arbeiten, nur wenig Berührungspunkte haben und nebeneinander herlaufen.

Irgendwann merkt man beim Lesen, dass die Stränge in der Tat nicht zusammenführen werden und einfach im Sande verlaufen werden, was sie dann auch tun. Das Ende ist daher etwas frustrierend; auch weil man sich fragt, was der "Krimiaspekt" der mysteriösen Postkarten sollte. Was das Buch lesenswert macht sind die vielen kleinen Geschichten aus dem Leben verschiedener Londoner und London an sich. City-Banker (alt+neu), der Künstler im Viertel zwischen Gentrifizierung und Slum, das alte England in form von Petunia, die pakistanische Familie und das ganz neue England in Form von Bogdan the Builder und des ungarischen Kindermädchens. Vieles gut beobachtet und amüsant erzählt. (Nicht umsonst heisst das Buch Capital, es geht nicht nur um das Kapital der verschiedenen Personen, sondern das Buch ist in erster Linie eine Liebeserklärung an die Stadt und ihren way of life.) Da verzeiht man dann auch manch zu starke Übertreibung, kleine Sprünge in der Logik oder Wiederholungen. Man verzeiht auch die typisch englische, hinter Humor und Selbstironie gut versteckte, aber dennoch feste Überzeugung, dass London eigentlich noch immer den Mittelpunkt der kultivierten Welt darstellt.

Zwischen 4 und 5 Punkten habe ich mich dann wegen den oben erwähnten Kleinigkeiten für 4 entschieden, aber es ist eine klare Leseempfehlung.
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TOP 500 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 24. Oktober 2012
Dieser opulente, facettenreiche Roman handelt vom Leben in London in den Jahren 2007 und 2008 am Vorabend und während der Wirtschaftskrise. London konzentriert sich hier auf die Pepys Road, eine Straße, in der sich ein buntes, die untere bis obere Mittelschicht repräsentierendes Sammelsurium an Bewohnern und einem Kreis von weiteren Akteuren, die in unterschiedlichster Form einen Bezug zu diesem Umfeld haben, tummelt.

Ein wenig gemahnt dieser Roman in seinem Ansatz an den Film "Short Cuts" von Robert Altman, der allerdings in L.A. spielt. Wie dort werden fragmentarische Sequenzen aus dem Leben einiger Menschen aufgeführt und wie im Film steht hier die Stadt im Hintergrund und bildet die Kulisse zur Handlung, vielmehr zu den vielschichtigen Parallelhandlungen des Romans.

Die Rentnerin Petunia, der pakistanische Lebensmittelhändler Ahmed, der Finanzhändler Roger, das hoffnungsvolle senegalesische Fußballtalent Freddy - sie alle leben im Kreise ihrer Familien in der Pepys Road, haben Träume und hegen Hoffnungen und Wünsche... und werden von unheimlichen, regelmäßig eintreffenden Karten mit der Botschaft "Wir wollen das, was Ihr habt" belästigt, denen bald weitere, ähnlich störende Aktionen folgen, um die sich das lokale Polizeipräsidium mehr oder weniger motiviert kümmert.

Doch das Leben in der Pepys Road zieht weitere Kreise: nicht nur um diese Sendungen rankt sich die Handlung: Nein, weitere Figuren, die in Zusammenhang mit dieser Straße stehen, beispielsweise der polnische Handwerker Zbigniew, das ungarische Kindermädchen Matya, Freddys Vertrauter Mickey, um nur einige zu nennen... sie alle haben ihren Auftritt, ihren Anteil an der Geschichte.

Ein mitreißendes, pralles und monumentales Buch, das trotz der vielen darin vorkommenden Figuren nie verwirrend ist und nicht eine Länge aufzuweisen hat. Obwohl viel Alltägliches beschrieben wird, ist die hier erzählte Story voll von überraschenden Entwicklungen - es fällt wirklich schwer, die Lektüre zwischendurch zu unterbrechen, zumal neben der Darstellung der Erfahrungen, der Sorgen und Nöte auch der Humor an keiner Stelle zu kurz kommt.

Der Leser spürt, dass jede einzelne Seite wichtig und bereichernd ist - denn, um es mit Zbigniew, dem polnischen Handwerker zu sagen: "Eines mußte man London lassen: Es gab ziemlich viel davon" (S.541) - und zwar jede Menge pralles Leben, mit dem der Rezipient des Romans konfrontiert, durch das er mit allen Sinnen angeregt und mit Hilfe dessen er amüsiert wird. In diesem Sinne lege ich "Kapital" jedem ans Herz, der einen sowohl anspruchsvollen als auch unterhaltsamen Roman, der gut geschrieben und ebenso gut übersetzt ist, zu genießen vermag.
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am 13. Februar 2013
Das ist fast schon Faction", eine Kombination aus Unterhaltungs- und Sachliteratur. Aufgearbeitet hat der Autor Geschehnisse und Folgen der Finanzkrise: Wie wird wer wofür verantwortlich gemacht und wer kann sich aus der Affäre und damit aus dem Geschäftsleben zurück ziehen? Subjektiv leiden gerade die Großverdiener am meisten unter Verlusten, während es dem kleinen Mann" nun noch übler geht ... In der Pepys Road im Londoner Süden leben vor allem zu Geld Gekommene - doch am Rande auch normale" Menschen, in der Melting-Pot-Mischung. Wer Migrations-Hintergrund mitbringt, kann dann schon mal in die Terrorismus-Mühle geraten und kommt nur mit viel Mühe wieder heraus. In die Konsum-Mühle ist Roger Yount mit seiner Familie geraten: Die Frau ist geradezu manische Käuferin, die Zeichen der Zeit aber gleich überhaupt nicht wahrnimmt. Und wenn dann aus erwarteten 1 Million Pfund Bonus ein solcher von gerade mal 30.000 wird, sind manche Pläne perdu. Doch auf der Suche nach Glück sind auch die anderen Bewohner der Pepys-Road, ob lange ansässig (der eher aussterbende Einwohner-Teil, im Sinne des Wortes ...) oder kurz dabei, wie etwa die senegalesische Fußballhoffnung Freddy Kamo mit Vater. Mitten in einer seiner Baustellen haust der polnische Handwerker Zbingniew, dessen Hang zu Frauen auch zu interessanten Verwicklungen führt - und Pläne auch bei ihm über den Haufen wirft. Und was steckt schließlich hinter den Nachrichten, die bald regelmäßig in den Briefkästen landet, in Form von Ansichtskarten, nämlich Ansichten des jeweiligen Hauses Wir wollen, was ihr habt."? Steckt vielleicht doch ein Künstler dahinter, der noch zu erwähnen wäre? Letztlich ist vieles anders, als man denkt - und kommt auch so daher. - Schön der Titel, der natürlich bewusst an Karl Marx erinnern soll, dessen Leben und Schreiben sich ebenfalls an Ort und Stelle des Romans ereignet hat: London. Finanz-Dreh- und Angelpunkt, ob nun ohne Shard oder neuerdings mit ihm ... Fast 700 Seiten voller Ironie und britischem Witz (ja, tatsächlich andeutungsweise schwarzem Humor). Ein Metropolen-Panorama hat ttt den Roman genannt, mit spöttischem, aber auch teilnahmsvollem Blick." (U4) Erzählt von einem, der einst in Hamburg geboren wurde, im Fernen Osten aufgewachsen ist, um schließlich in England zu landen, u.a. als Restaurant-Kritiker für den Observer: Sein scharfer Blick wird in diesem Opus Magnum gut erkennbar ... Mit viel Einblick in die Zentralen der Finanz-Transaktionen, ihr Manipulieren und Augenverschließen vor crucial moments, so lange alles gut geht. Doch, wehe sie sind los gelassen
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am 5. November 2013
In KAPITAL geht es um das Leben mehrerer Anwohner der fiktiven Pepys Road in London, die alle eines Tages die ominöse Nachricht "Wir wollen, was ihr habt" in ihrem Briefkasten finden.
Die Häuser in dieser Straße wurden einst als Arbeitersiedlung gebaut, doch im Zuge der Gentrifizierung haben sich die Häuser, die Preise der Häuser und auch die Zusammensetzung ihrer Bewohner stark verändert.
Wir lernen die älteste Bewohnerin der Straße kennen, die 82jährige Witwe Petunia Howe, die ihr ganzes Leben hier verbracht hat, später dann auch ihre Tochter und den Enkel, einen Künstler, der unter dem Namen Smitty bekannt ist. Nebenan lebt der erfolgreiche Banker Roger Yount, der offensichtlich über seine Verhältnisse lebt - nicht ganz schuldlos daran seine anspruchsvolle und konsumbesessene Gattin Arabella. Der siebzehnjährige Freddy Kamo, ein angehendenr Fußballstar, ist aus dem Senegal nach London gekommen, um hier Karriere zu machen.. Auch er wohnt mit seinem Vater in einem Haus in der Pepys Road, das der Fußballverein für ihn gemietet hat. Dann ist da noch die pakistanische Familie von Ahmed Kamal, der im Haus, in dem er wohnt, einen Convenience Store betreibt. Und es geht auch um die Leute, die in der Pepys Road arbeiten: Matya, das ungarische Kindermädchen der Younts, den polnischen Handwerker Zbigniew und die afrikanische Politesse Quentina, die als Asylantin ihren Job nur auf illegale Weise bekommen konnte.
Wir folgen den Schicksalen dieser Leute für ein Jahr, einige werden ausführlicher behandelt als andere, aber bei allen gibt es einschneidende Veränderungen - am Ende dieses Jahres ist nichts mehr so, wie es vorher war. Und diese Veränderungen sind unter anderem bedingt durch Finanzkrise, Globalisierung, Migration und Terrorismusangst.
Der anfänglich sehr wesentlich erscheinende Handlungsstrang um die "Wir wollen, was ihr habt"-Postkarten erweist sich als weniger zentraler, wenn auch durchaus spannnender, Nebenschauplatz.
John Lanchester bietet einen faszinierenden Querschnitt durch alle Gesellschaftsschichten, ein bewegendes, packendes und humorvolles Kaleidoskop menschlicher Lebensentwürfe und Schicksale. Der fast 700 Seiten umfassende Schmöker unterhält größtenteils hervorragend, ein paar kleine Hänger zwischendurch fallen nicht ins Gewicht.
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TOP 500 REZENSENTam 17. August 2013
'[...] alle Erfahrungen, die man im Leben so sammeln kann, Geburt, Tod, Liebe, Hass, Glück, Trauer, verwickelte Gefühle und einfache Gefühle, und alle Schattierungen dazwischen.'

Inhalt:
Pepys Road im Süden Londons: hier leben ganz unterschiedliche Menschen, die alle nach dem großen Glück suchen, z.B. Roger Yount, ein erfolgreicher Banker, dessen größter Wunsch die siebenstellige Bonuszahlung am Jahresende ist, die pakistanische Familie Kamal, die einen Laden unterhält, Petunia Howe, die seit ein paar Jahren Witwe und nun selbst todkrank ist, und Michael Lipton-Miller, der eigentlich Rechtsanwalt ist, nun aber für einen Fußballclub arbeitet.

Eines Tages erhalten alle Bewohner der Straße eine anonyme Postkarte mit den Worten 'Wir wollen was Ihr habt', mehr Karten und DVDs folgen, bis es schließlich zu Vandalismus kommt.

Mein Eindruck:
Mir hat 'Kapital' sehr gut gefallen. Ich kenne und mag London, habe nach der Lektüre große Lust auf eine erneute Reise in die Stadt. Durch die vielzähligen und vielfältigen Geschichten gelingt John Lanchester nicht nur ein spannender Roman, sondern er bietet auch Einblicke in die Stadt London. Pepys Road fungiert dabei als Mikrokosmos einer multikulturellen Stadt mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Sprache, mit Armen und Reichen, mit großen und kleinen Träumen.

Die Protagonisten werden sehr detailliert vorgestellt und genau charakterisiert, so dass man sich jede einzelne Person sehr gut vorstellen kann und ihr Leben gerne verfolgt. Bisweilen empfand ich die Schilderungen jedoch als zu stereotyp, zum Beispiel Roger Younts Frau Arabella, die meiner Meinung nach ein wenig zu klischeehaft gezeichnet wurde.

Die Wendungen waren oft vorhersehbar und wenig überraschend, bisweilen hat der Autor mit seinen Beschreibungen zu weit ausgeholt, die Recherchetätigkeit in Sachen Medizin war recht defizitär.

Mein Resümee:
Trotz kleinerer Abstriche ist 'Kapital' ein unterhaltsamer und lohnenswerter Roman.
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am 8. November 2012
Inhaltsangabe:

Auf den ersten Blick ist die Pepys Road im Londoner Süden eine Straße wie jede andere: Dort Leben alte Menschen, junge Familien, Hausfrauen, Bänker, dort gibt es einen kleinen Kiosk, dort gehen Handwerker und Lieferanten ein und aus und dort verrichten Politessen ihre Arbeit.

Auf dem zweiten Blick ist diese Straße doch nicht ganz so gewöhnlich: Die Häuser sind ein Vermögen wert, viele Bewohner gehören der gehobenen Mittelschicht an und jemand scheint sich genau daran zu stören, denn den Bewohnern werden Postkarten mit Fotos ihrer Häuser zugeschickt, auf denen immer derselbe Satz vermerkt ist: "Wir wollen, was ihr habt."

Bewertung:

John Lanchester beschreibt das Leben genau jener Bewohner, deren Schicksal unweigerlich mit der Pepys Road verbunden ist. Ein Jahr lang begleitet der Leser diese Menschen, lernt sie und ihr Leben kennen, lernt Menschen lieben und hassen, fühlt Kummer, Trauer und Mitleid, schmunzelt und lacht über die Bewohner, oder schüttelt den Kopf über so viel vorgefundener Ignoranz und Egoismus.

Diese Gefühlsregungen und viele mehr sind alle in der Pepys Road und damit in diesem wunderbaren Roman zu finden. Selten habe ich einen Roman gelesen, der so voller Gefühl, Charme und leiser Ironie ist. Dabei ist das Konzept Lanchesters ganz einfach: die Darstellung gewöhnlicher Menschen mit gewöhnlichen Problemen, die so überall auf der Welt zu finden sind. Und doch ist es ganz so einfach nicht. Dieses Feingefühl, mit dem Lanchester die Schicksale der Figuren beschreibt, ist der Schlüssel zu all der Emotionalität, die sich zwischen den Zeilen verbirgt.Dieser Roman ist zugleich eine Hommage und eine Kritik an das Leben und an unsere Gesellschaft. In Zeiten der Finanzkrise zeigen sich menschliche Abgründe, aber auch vergessene Traditionen.

Doch Kapital beinhaltet mehr. Die Bewohner der Pepys Road mögen zwar ihr eigenes Leben haben und sich über die anderen Bewohnern nur durch Tratsch und Klatsch oder durch zufällige Begegnungen ein Bild machen können, dennoch verbindet sie ein Element, welches zugleich den Rahmen für dieses Roman bietet: die zunächst harmlos erscheinenden und wenig beachtete Postkarten mit der Aufschrift "Wir wollen, was ihr habt" werden aufdringlicher, sodass sich die Polizei einschalten muss. Denn dem Übeltäter reichen diese fotographischen Postkarten bald nicht mehr aus. Und auch dieses Element binden Lanchester geschickt in seinen Roman ein, sodass es nicht nur einen Rahmenhandlung ist, sondern ein Bezugspunkt und ein roter Faden, an dem sich die Einzelschicksale entlangziehen.

Zu guter Letzt muss der angenehm geistvolle Sprachstil Lanchesters angesprochen werden. Die feine Ironie, die manchmal nur eine sanfte Stichelei ist, andererort aber durchaus sarkastische Züge annehmen kann, belebt den Roman. Durch sie wird der Facettenreichtum des Romans erst lebendig, sie trägt dazu bei, dass einzelne Figuren noch lange in Erinnerungen bleiben, sie ist es, die den Leser so manche (vielleicht sogar eigene) Verhaltensweise überdenken lässt, ohne dabei zu moralisieren oder ein unangeehmes Gefühl zu hinterlassen. Genau dieses macht Lanchesters Leistung aus: leise Kritik ohne gehobenen Zeigefinger.

Fazit:

Ein emotionaler und lebendiger Roman über das Leben, die Gesellschaft und nicht zuletzt über London. Ein Roman, der von Menschen erzählt, die in Erinnerung bleiben, ein Roman, mit bemerkenswertem Feingefühl für Ironie, kurz: ein äußerst lesenswerter Roman!
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TOP 500 REZENSENT VINE-PRODUKTTESTERam 6. August 2014
Hier gibt es ja schon viele Bewertungen, die meisten positiv und diesen guten Bewertungen möchte ich mich anschliessen. Gelesen habe ich "Kapital" im englischen Original. Hier ist zu sagen, dass das Englisch sehr gut verständlich ist, und ich jedem mit ordentlichen Englischkenntnissen nur empfehlen kann, das Buch im Original zu lesen.
Der Inhalt an sich ist unspektakulär: verschiedene Bewohner eines Strassenzugs in London, und deren Familien werden portraitiert, ihr Leben und die Veränderungen im Jahr der Finanzkrise 2008.
Von der Arbeiterfamilie mit Migrantenhintergrund, über einen sehr reichen Banker, dessen Frau nur so das Geld zum Fenster rauswirft, über eine alte Frau, deren Enkelsohn ein bekannter, anonymer Künstler ist ( hier wird wohl Banksy gemeint sein, diese Anspielung liest sich für Fans besonders interessant), und andere Figuren.
Man bekommt einen Eindruck, wie das Leben 2008 in London gespielt hat.
Alles ist sehr gut geschrieben, sehr interessant ausgeschmückt, die Figuren sind sehr interessant gestaltet.
4 Sterne gibt es, weil Lanchester gegen Ende des Romans seine Figuren irgendwie aus den Augen verliert. Er verlagert seinen Schwerpunkt zu sehr auf eine Familie, und mir persönlich fehlten noch ein paar Fäden zu all den anderen Figuren.

Insgesamt aber klar lesenswert, und deshalb vier Sterne und eine Kaufempfehlung.
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