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Kaltenburg: Roman (suhrkamp taschenbuch) Taschenbuch – 20. Juli 2009

3.7 von 5 Sternen 10 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Kaltenburg ist die meisterliche Vergegenwärtigung von Zeitgeschichte mit den Mitteln des Romans, ein Buch, mit dem Beyer seinen vielgerühmten Roman Flughunde aus dem Jahr 1995 noch übertrifft. ... Wie Marcel Beyer die verborgene Poesie der Fachsprachen in der eigenen Prosa zum Klingen bringt, ist einzigartig.« (Hubert Spiegel Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Als Antidot gegen dieses in seiner grellen Mixtur aus Beobachtungskälte und deliranter Brünstigkeit so aufdringliche Buch (Die Wohlgesinnten) lese man Marcel Beyers neuen Roman, tausend Seiten kürzer und doch umfassender als noch weitere tausend Seiten Littell sein könnten. ... Allein wie er mit seinen Bezügen auf Literatur umgeht, das unterscheidet sich in seiner Dezenz - Stendhal - wie Virtuosität - Proust - ums Ganze von den prätentiösen Draperien Littells. Dabei bewegt der Roman sich in einem ähnlichen Problemhorizont von Täter-, Mittäterschaft und den Folgen rationaler Sachlichkeit und Beobachterkälte. ... Nicht Anthropologie als wohlfeile Fatalitätsannahme und Extremisierungslizenz steht da im Zentrum, sondern das ebenso komplexe wie subtile Zusammen- und Gegenspiel von Natur- und Zeitgeschichte - kein Aufgeilen am möglichst Inhumanen, sondern Ausloten des möglichen Humanen.« (Erhard Schütz Freitag )

»Gegen den Trost des Geschichtenerzählens ist dieser Roman geschrieben. Seine Konstruktion ist überlegt und haltbar wie kaum eine andere in der jüngeren deutschen Literatur. Eben dadurch zieht Kaltenburgdem Leser den Boden unter den Füßen weg.« (Jens Bisky Süddeutsche Zeitung )

»Wohl versteht sich Marcel Beyer wie nur wenige andere auf das Gespräch der Toten. Von dem frühen Roman Menschenfleisch über Flughunde und Spione bis zu diesem jüngsten Buch ist hier ein Schriftsteller am Werk, der gegen das Verstummen anredet, der den Stummen eine Stimme leiht und mit den Mitteln der Poesie der Toten gedenkt. Denn dies ist dieser Roman: Ein Buch der Geschichten, das mit dem Zauber der Sprache einen Bann über der Geschichte zu lösen verspricht – den Bann des Schweigens. Deutsche Geschichte – vom Nationalsozialismus über die DDR bis zur Wendezeit – wird darin auch verhandelt, aber nicht im Stile historischer Belehrung zum Zweck sittlicher Ertüchtigung.« (Roman Bucheli Neue Zürcher Zeitung )

»Kaltenburgist ein berührender, spannender und suggestiver Roman, der fern jeglichen Geraunes durch die Zeiten mäandert und dabei den Menschen zutage fördert, in all seiner Armseligkeit, seiner Leidenschaft, seiner Wut, seiner Trauer.« (Christoph Schröder Die Tageszeitung ) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Marcel Beyer, geboren am 23. November 1965 in Tailfingen/Württemberg, wuchs in Kiel und Neuss auf. Er studierte von 1987 bis 1991 Germanistik, Anglistik und Literaturwissenschaft an der Universität Siegen; 1992 Magister artium mit einer Arbeit über Friederike Mayröcker. Ab 1989 gab er an der Universität Siegen gemeinsam mit Karl Riha die Reihe Vergessene Autoren der Moderne heraus. Von 1990 bis 1993 arbeitete er als Lektor an der Literaturzeitschrift Konzepte mit; von 1992 bis 1998 veröffentlichte er in der Musikzeitschrift Spex. 1996 und 1998 war er Writer in residence am University College London und an der University of Warwick in Coventry. Bis 1996 lebte Marcel Beyer in Köln, seitdem ist er in Dresden ansässig.


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Kundenrezensionen

Top-Kundenrezensionen

Format: Taschenbuch
Nah ist und schwer zu fassen - dieser Roman. Er hat mich derart fasziniert, dass ich ihn nach der ersten Lektüre gleich noch einmal gelesen habe (das ist mir so in meinen Leben zuvor nur einmal passiert, bei einem großen Roman eines amerikanischen Erzählers aus den 1930ern). Tausend Dinge gäbe es zu diesem Buch zu sagen, die anderen Rezensenten vor mir haben schon so viele kluge und zutreffende Kommentare abgegeben, auch Einwände formuliert, was kann ich da noch ergänzen? Vielleicht dies: welche Momente sind es, in denen die Weichen im Leben gestellt werden (Momente, von denen man erst Jahrzehnte später merkt, dass ihnen diese Bedeutung zukam? In welche Historie wird man hineingeboren und welche Kompromisse kann man, in einem sozialistischen bzw. nationalsozialistischen Staat, eingehen, ohne sein Gesicht zu verlieren? Warum wird in einer 4er-"Clique" der eine weltberühmter Ornithologe, der andere Dokumentarfilmer, der andere ein berühmter Künstler, der andere ein wissenschaftlich bedeutungsloser, passiver Wissenschaftler des wissenschaftlichen Mittelbaus mit aber präzisester Beobachtungs- und Sprachgabe (der Erzähler)? Wie ist das Verhältnis des Menschen zum Tier, wie individuell kann ein Tier sein? Wie ist das Lehrer-Schüler-Verhältnis in der Wissenschaft, wie weit ist Aufrichtigkeit möglich, wie geht man mit Konkurrenten um ? Auf all diese Fragen versucht das Buch eine Antwort zu geben, dieses Buch ist, falls man das so formulieren darf, irgendwie den Geheimnissen des Lebens auf der Spur. Dass diese nicht chronologisch erzählte Geschichte ein reales Vorbild hat (Konrad Lorenz, Heinz Sielmann, Joseph Beuys), trotz dieses Hintergrunds (als Schablone) aber eine Fiktion ist, halte ich für ein gelungenes erzählerisches Experiment. Ein ganz tolles Buch.
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Diese an Konrad Lorenz erinnernde Lebensgeschichte ist charmant erzählt, sprüht vor Witz und berührt.
Die Szenen aus dem brennenden Dresden sind sehr eindrücklich.
Ob Freund ob Feind, ob Mensch, ob Tier - das spielt hier keine Rolle mehr.
So stelle ich mir beste Unterhaltung auf gutem Niveau vor. Gibt es leider nicht so oft und selten von einem deutschen Autor.
Von Marcel Beyer muss ich noch mehr lesen, der kann wirklich fesselnd schreiben. Sogar über Tierbeobachtungen :)
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Format: Gebundene Ausgabe
Ich weiß nicht, worüber ich mich mehr ärgern soll: darüber, daß ich die ausschließlich hymnische FAZ-Rezension, die mir den Mund allzu wässerig gemacht hat, nicht im geringsten nachvollziehen kann, oder doch darüber, daß mich ein nicht einmal 400 Seiten starker Roman (im Urlaub ist so etwas maximal ein »3-Tage-Buch«) wochenlang blockiert, ja, richtiggehend genervt hat - im letzten Drittel war es nämlich nur noch die Aussicht, ordentlich Dampf ablassen zu können, die mich durchhalten ließ. (Ich gestehe so etwas nur ungern.)

Trotzdem zuerst das Gute, wie sich's gehört. Ich muß zugeben: der Anfang ist genial; jenes »Ich«, mit dem der Prolog (das Kapitel I mit seinen vier Unterteilungen) schließt, ist wie ein mächtiger Einzelton, der ein langes Crescendo im vierfachen Forte beendet. Chapeau. Und nicht nur deshalb, weil es in »Kaltenburg« auch nicht annäherungsweise noch einmal so intensiv zugeht.

Der Autor hat einen angenehm unaufgeregten Erzählstil, und gar nicht so selten gelingen ihm dabei auch recht schöne sprachliche Standbilder. »Wie Marcel Beyer die verborgene Poesie der Fachsprachen in der eigenen Prosa zum Klingen bringt, ist einzigartig« - da muß ich dem FAZ-Rezensenten auch wirklich zitierend beipflichten. Aber genau hier ist des Übels Wurzel zu finden: sie gerät völlig außer Kontrolle, diese Fachsprachen-Poesie, bringt den Handlungsablauf wie im Freudschen Albtraum oft gänzlich zum Stillstand.
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Von MyandMar HALL OF FAME REZENSENTTOP 100 REZENSENTVINE-PRODUKTTESTER am 18. März 2008
Format: Gebundene Ausgabe
Beyer der "Erfinder der Wirklichkeit", der "Magier authentischer Illusion", dessen Personen eine derartige Authentizität vermitteln und trotz Nachgoogeln nicht zu finden sind, hat einen neuen Roman vorgelegt.
In äußerst sparsamen Dialogen, aber einer dafür umso präziseren Beobachtungsgabe seiner Umwelt und einer nachdenklichen, sehr genauen Sprache, gelingt Beyer ein großartiges Panorama des vergangenen letzten Jahrhunderts.

Angelegt ist der Roman "Kaltenburg" als Lebensrückblende des Ornithologen Hermann Funk, der als Ich-Erzähler fungiert. Seit seiner Kindheit steht er in einem mehr oder weniger engen Abhängigkeitsverhältnis zu Ludwig Kaltenburg, einem renommierten Biologen.
Die ersten zaghaften Erinnerungen des Ich-Erzählers setzen in Posen in den dreißiger Jahren ein und kulminieren mit der Flucht der Familie Funk nach Dresden. Doch der vermeintliche Zufluchtsort sollte sich als Farce herausstellen. Funk gerät in das Hölleninferno des Angriffs vom 13. Februar 1945, bei dem das Elbflorenz, durch das er noch am Tag zuvor mit seiner Mutter flanierte, dem Erdboden gleichgemacht wurde. Der Junge verliert seine Eltern und kommt bei einer Pflegefamilie um.

Gerade diese Erinnerungen des Flammeninfernos, das Hermann Funk als kleiner Junge im "Großen Garten", einer weitläufigen Grünanlage im Herzen der Stadt, überlebt, ist äußerst intensiv und emotional erschütternd gezeichnet. Doch nicht den Menschen erlebt Funk in seinen kindlichen Beobachtungen, sondern das sinnlose und erschütternde Sterben von Vögeln. Eine unglaublich intensive und affektive Textpassage gelingt Marcel Beyer an dieser Stelle.
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