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Julia Karnick



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Der Fliesenleger quält jetzt andere


Die Journalistin Julia Karnick wollte sich den Traum vom Eigenheim erfüllen – und hat jede Menge Katastrophen erlebt.

Obwohl sie ein Miettyp ist, ließ sich die "Brigitte"-Kolumnistin Julia Karnick verleiten zu bauen. Es ging schief, was schiefgehen konnte. Zweimal musste die Familie wegen Nachbesserungen wieder ausziehen. In einem Buch hat Karnick ihren Frust abgelassen – und erzählt nun im Gespräch von Abriss und Neubau, Beinah-Nervenzusammenbrüche und Wasserschäden. Inzwischen wohnt sie übrigens in dem neuen Haus.

Frau Karnick, wann hat es denn zum letzten Mal aus Ihrer Küchenlampe geregnet?
Einen Tag vor Einzug im letzten Juni. Der Klempner hatte zwei undichte Rohre fabriziert. Es dauerte eine Weile, bis der Schaden behoben war, aber inzwischen ist alles wieder gut. Allerdings ist das Aquarium meines Sohnes neulich ausgelaufen.

Dafür kann der Klempner aber nichts.
Nein, aber ich merkte dabei, dass ich traumatisiert bin. Mein Sohn stand morgens um sieben am Bett und sagte: „Ihr müsst kommen. Da tropft’s.“ Nur zehn Sekunden später rutschte mein Mann in Boxershorts auf einem Handtuchberg auf dem Boden herum und rief: „Es reicht!“ Ich dachte sofort an den Bodenleger: Der hat doch auch keine Lust mehr! Er hat ja sein eigenes Werk schon mal nach einem Vierteljahr rausreißen und neu verlegen müssen.

Aber Ihr Kinderbad ist fertig?
Da fehlen Verlängerungen für die Armaturen. Dann noch irgendeine Gummiverbindung für die Duschrinne. Nein, das hat der Klempner bis heute nicht hinbekommen.

Kann man das Badezimmer denn jetzt zumindest benutzen?
Man kann aufs Klo gehen und Hände waschen, Duschen geht nicht. Das Elternbad ist dafür fast fertig. Da fehlt nur noch die Fliese für die Badewannenarmatur, die der Klempner zerbrochen hat, als er versucht hat, die nicht funktionierende neue Handbrause zu reparieren. Es lebt sich aber auch wunderbar mit nur einem Bad. Ich habe meinem Mann vorgeschlagen, einen Schrank vor die Kinderbadtür zu stellen und zu vergessen, dass es diesen Raum gibt. Er will aber noch nicht aufgeben.

Würden Sie noch einmal bauen?
Das wollte ich auch dann nicht, wenn alles glatt gelaufen wäre. Man braucht ja nicht so viele Häuser.

Hat Sie denn niemand vorgewarnt?
Uns haben alle vorgewarnt. Ich glaube, das ist ein bisschen wie Kinderkriegen. Es gibt immer Leute, die in diesem gewissen Tonfall sagen: Na, dann mal viel Spaß! Man denkt wie so oft: Wird schon werden, die übertreiben bestimmt alle. Ein bisschen naiver Optimismus gehört schon dazu. Dass wir die Könige der Katastrophe werden, damit haben wir nicht gerechnet. So schlimm muss es ja aber nicht bei jedem kommen. Außerdem: die Ereignisse haben mich zwar an den Rand meiner Kräfte und darüber hinaus gebracht, aber mir war immer klar, ein versicherter Wasserschaden ist eine begrenzte Katastrophe. Er bedeutet nicht den finanziellen Ruin.

Haben Sie an sich in der Zeit des Abreißens und Bauens Seiten kennengelernt, die Sie noch nicht kannten?
Ehrlich gesagt nicht. Ich wusste, dass ich einiges ertrage, aber ich kann leider nicht von mir sagen, meine Kräfte seien ins Unend­liche gewachsen. Meine Schwiegermutter, die Mitte achtzig ist, hat mir, wenn ich mal wieder schluchzend auf dem Sofa saß, auf die Schulter geklopft und gesagt: Glaub mir, ich habe ein paar Jahre mehr Leben auf dem Buckel. Eines Tages wirst du darüber lachen können. Sie hatte recht.

Und wie lebt es sich ohne Keller? Der ist ja – obwohl geplant – der Kostenexplosion zum Opfer gefallen?
Prima. Ich vermisse ihn nicht. Wir haben einen riesigen Schuppen im Garten. Man lernt, dass man nicht alles haben muss, um es wunderschön zu haben. Inzwischen finde ich das Haus perfekt, trotzdem glaube ich immer noch nicht, dass man überhaupt ein Haus braucht, um glücklich zu sein.

Was macht der Garten?
Da muss die Buchenhecke endlich ausschlagen. Wobei ich gelernt habe, dass auch auf Pflanzen, die regulär vom Gärtner gepflanzt worden sind, Gewährleistung drauf ist. Wenn die Hecke tot ist, bekommen wir eine neue.

Sie haben viel gelernt in diesen anderthalb Jahren. Oder wussten Sie, dass es einen Sielkatasterplan gibt?
Nein. Aber das kam mir noch relativ schlüssig vor. Am absurdesten fand ich die Baustellenzufahrt. Das Entfernen der Gehwegplatten und das Auftragen der Asphaltschicht haben 1500 Euro gekostet. Und der Rückbau noch einmal 3000 Euro, dabei wohnen wir nicht in Sanssouci: Es ist eine normale Pkw-Auffahrt. Für diesen Betrag hätte ich goldenen Asphalt erwartet. Man kann das hier in Hamburg nicht privat ausschreiben. Die Stadt lässt das machen, und man muss zahlen.

War das noch zu toppen?
Ich war in meinem bisherigen Leben gewohnt, dass Dienstleistungen pünktlich erledigt werden. Der Mantel ist fertig in der Reinigung, das Buch liegt zum verabre­deten Termin in der Buchhandlung. Mir leuchtet ja inzwischen ein, dass Bauen komplizierter ist und Dinge nicht immer nach Plan laufen können. Aber man kann doch Bescheid sagen, wenn man nicht wie versprochen kommt. Viele Handwerker tun das, aber ein erstaunlich hoher Prozentsatz tut das eben nicht. Manchmal habe ich mich gefragt, ob die schon in der Ausbildung lernen, alles an sich abperlen zu lassen. Wir haben auch ganz tolle Handwerker gehabt. Aber was nützt einem der tollste Bodenleger oder Schreiner, wenn Einbauschränke und Boden wieder rausmüssen, weil der Klempner gepfuscht hat? Eine tropfende Küchenlampe am Tag des Einzugs ist schon ziemlich absurd.

Aber inzwischen sind Sie in dem schönen neuen Haus angekommen?
Ja. Ein Wasserschaden ist ja kein Schicksalsschlag. Mein Mann hat mich nicht wegen einer Jüngeren verlassen, die Kinder sind gesund, niemand ist gestorben. Es war ein überschaubares Elend.

Und der Fliesenleger?
Der hat sich weiter tot gestellt und nie mehr zurückgerufen. Wir haben jetzt einen anderen. Ich hab sein Auto allerdings neulich am Straßenrand gesehen. Ich habe ihm natürlich nicht die Reifen durchstochen, so etwas würde ich niemals tun. Der quält jetzt andere.

© Hilke Lorenz/ Stuttgarter Zeitung