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am 15. September 2009
Joseph und seine Brüder: Vier Romane in einem Band
Diese vier Joseph und seine Brueder von Thoma Mann, der aus einer kurzen biblischen
Erzaehlung seine Lebensphilosophie und Lebensgemaelde entwickelt hatte sind ganz ein hervorragendes Ereignis in der Geschichte, nicht nur von der deutschen Literatur, sondern auch von der internationalen Literatur, ich glaube. Was mich belangt, vor allem koennte ich herausfinden, dass es darin die Bewusstseinsbildung des Widerstandes gegen Ungerechtigkeit und Gewaltherrschaft besteht. Und dazu noch kann ich ironisch den Eindruck und gemuetlich das Gefuehl durch diesen Roman erhalten. Diese scheint zu beschreiben romanartig, aber gleichzeitig darstellt sich als die Vielseitigkeit und die Vielfaeltigkeit sowohl von der inneren Menschlicnkeit wie auch von der ausseren Menschlichkeit dichterisch, aber doch existentiell.
Deswegen wuerde ich sagen, das ist wirklich der traditionelle, deutsche Geist und auch globale Geist, den man ersehnen soll. So meine ich, das ist erforderlich bei uns ohne Wenn und Aber nicht nur heutezutage, sondern auch zukuenftig.
Joseph und seine Brueder von Thoma Mann, du bist wirklich meine wunderbarkeit und Begeisterung!
Kim Sung Jin von Suedkorea
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am 11. Dezember 2011
Über dieses Werk der Weltliteratur ist schon (zu) viel gesagt.
Bleibt: Es ist wahre Weltliteratur in ihrer Erzählweise, der Sprache, dem Thema/der Themen und dem zeitgeschichtlichen Hintergrund vor dem sie verfasst wurde.
Die Bekanntheit der Geschichte ermöglicht es, sich voll auf die Sprache und den Bilderreichtum einzulassen.
Man lasse sich Zeit, das Riesenopus zu lesen - und lese es mehrmals. Selten wird man etwas höherwertiges in die Hand bekommen.
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am 3. September 2010
Was Thomas Mann hier geschrieben hat, ist ein wunderbares Arrangement deutscher Sprache. Thomas Mann kann, wie kein anderer deutscher Schriftsteller, mit der deutschen Sprache spielen. Wie ein genialer Architekt ein monumentales Gebäude baut, baut Thomas Mann mit der deutschen Sprache ein monumentales Leseabenteuer.

Im Vorwort "Höllenfahrt" brennt er ein sprachliches Feuerwert ab, dass es einem fast den Atem raubt. Nie habe ich solches je an einer anderen Stelle gelesen. Genial, wunderbar, mystisch. Jede Zeile lässt erahnen, mit welcher Hingabe und Freude der Autor dieses Werk geschaffen hat.

Zugegeben: Es ist wirklich nicht ganz einfach, sich auf den Stil von Thomas Mann einzulassen, ist man doch manchmal genervt, weil man einen extrem geschachtelten Satz mal wieder nicht verstanden hat und ihn noch ein 2. oder 3. Mal lesen muss.

Aber hat man sich an das langsame Lesen gewöhnt, erschließt sich einem die volle Genialität dieses Werkes. Hätte Thomas Mann nicht schon für seine Buddenbrooks den Nobelpreis bekommen, so wäre er ihm für dieses Werk sicher gewesen.

Ein Meilenstein der Weltliteratur!!!
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am 16. April 2007
Zuerst möchte ich anmerken, dass es eine Freude ist, die 4 Joseph-Romane Thomas Manns in einem Schuber zu einem relativ günstigen Preis kaufen zu können, da es deutlich teurer ist, wenn man sich jeden Band einzeln kauft. Schon deshalb kann ich für jeden, der die Joseph-Tetralogie lesen möchte, diese Edition wärmstens empfehlen.

Nun zu dem Romanen selbst: Da es sich hier um ein Werk Thomas Manns handelt, ist es ziemlich unsinnig zu sagen, wie gut und lesenswert es ist; denn Thomas Mann ist immer gut und lesenswert. Tatsächlich unterscheidet sich dieses Werk stark von seinen anderen und ist mir in einem gewissen Sinne das Liebste. Mein Gefühl, mein Mitgefühl wird bei dieser Nacherzählung der Josephsgeschichte mehr angesprochen als in irgendeinem anderen Buch Manns. Mann schafft vielseitige Charaktere, sodass man für alle Verständnis aufbringen kann, nicht nur für den jungen Helden Joseph. Am bewegendsten war für mich beim Lesen der Wandel Josephs (was im Roman selbst als Auferstehung dargestellt wird - eines vieler wunderbarer Bilder, die das Lesen zu so einem großen Vergnügen machen!) vom egozentrischen Lieblingskind zum selbstkritischen, verantwortungsbewussten Erwachsenen. Ich denke, dass diese Stelle jeden Leser ganz persönlich anspricht, da wir alle in unserem Leben immer wieder derartige Umbrüche erfahren, am deutlichsten in der Pubertät, wo wir uns wir Joseph von unserer Kindheit verabschieden müssen.

Wie manche Rezensenten vor mir muss ich hinzufügen, dass man sich erst in die Geschichte hineinfinden muss, vor allem auch in diese alte Kultur und dieses teilweise ungewöhnliche Denken der damaligen Zeit, doch es lohnt sich, wenn man nicht verzagt und durchhält, so viel kann ich versprechen. Für jeden Leser wird die Joseph-Tetralogie eine Bereicherung sein.
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am 8. Januar 2014
Mit diesem Buch hat Thomas Mann ein ganz besonderes Werk geschaffen. Seine Sprache ist einfach wunderbar. Die Personen und ihre Handlungen sieht man förmlich vor sich, auch die psychologische Seite ist gut herausgearbeitet- Ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

von Amazon autorisierter Kauf
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am 10. August 2009
Die schöne Josefsgeschichte kennt wohl jeder aus Kindergarten, Grundschule oder spätestens aus dem Konfirmanden- bzw. Kommunionsunterricht. Die Tetralogie, die Thomas Mann daraus geformt hat, ist Gegenstand ungezählter literaturwissenschaftlicher Erörterungen, Lobpreisungen und Ehrungen geworden, denen ich natürlich nichts hinzufügen kann.
Ich habe die 4 Bände mit großer Freude gelesen und werde sie wieder lesen. Die Personen sind mit ihren Stärken, Schwächen und Widersprüchen so liebevoll und wahrhaftig gezeichnet, dass man sie alle in sein Herz schließt. Die erzählte Geschichte ist nicht nur die eigentliche Josefsgeschichte, sondern besteht aus vielen schönen Einzelgeschichten, die aufeinander aufbauen und so miteinander verknüpft sind. Die Sprache erscheint nur ganz am Anfang schwierig und veraltet. Später liest man alles flüssig herunter und erfreut sich an den so poetischen Wendungen, dass es ein einmaliger Lesegenuss ist. Ich habe alle Bände in chronologischer Reihenfolge mit Pausen gelesen und habe den letzten Band als krönenden schönsten Abschluss wahrgenommen. Der erste Band war für mich hingegen eher eine Vorbereitung darauf, dass das eigentlich Große erst noch kommt.
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am 4. Februar 2004
In diesem Werk gelingt es Thomas Mann, die Geschichte Josephs neu aufzurollen. In dem fuer ihn so kennzeichnenden Stil gibt er nicht nur dem Helden Persoenlichkeit, sondern auch den anderen Protagonisten, die Joseph laenger oder kuerzer auf seinem Wege begleiten. Menschen, die uns die Bibel als entweder gut oder boese darstellt, werden hier ploetzlich im eigentlichen Sinne menschlich, sind hin und her gerissen durch ihre Gefuehle, und ihr Handeln ist die Folge der Umstaende, in denen sie sich befinden. Jeder erfuellt so sein Schicksal, manche eben gluecklicher als andere.Nicht verschweigen darf man natuerlich, dass auch in diesem Werk wieder viel mit einem Augenzwinkern gesagt wird, gerade das scheinbar erhaben Unumstoessliche, wie zum Beispiel Gottes Wunderwirken, ironisch hinterfragt wird. Alles in allem darf man von einem Meisterwerk sprechen und Thomas Mannn rechtgeben, wenn er sagt, dass der Joseph zum besten gehoere, was er gemacht hat.
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am 17. November 2011
365 Tage, so viele Male, wie Joseph oder Yusuf, Sohn des Jakobs, Ururenkel des Abrahams - ausgestattet mit dem anmutigen Antlitz seiner Mutter, die so hübsch und schön war wie der Mond, wenn er voll ist, und wie Ischtars Stern, wenn er milde im Reinen schwimmt - den Menschen in verschiedener Ausdrucksform gute Nacht wünschen kann, dauerte meine leidenschaftliche Affäre nicht an, aber immerhin gut und gerne 270 Tage. Doch nicht der schöne Joseph war es, der mir den Kopf verdrehte, so wie er einst die Glut der stolzen Mut-em-enet, Gemahlin eines hohen Beamten des Pharaos, entfachte, sondern der Autor selbst: Thomas Mann mit seiner Nacherzählung des Propheten Joseph aus dem Alten Testament, Kapitel 37-50, und aus dem Koran, Sure 12, in "Joseph und seine Brüder". Hatte er zunächst ob der sich über unzählige Zeilen windenden, niemals enden wollenden Schachtelsätze meinen Unwillen heraufbeschwört, so fiel ich doch ganz allmählich in seinen gewitzten Bann und ließ mich von seinen kunstvoll, überaus raffiniert gesetzten Worten nur allzu bereitwillig von den fruchtbaren Hügeln und Weiden Kanaans in die Tiefen der Unterwelt und ins alte Ägypten entführen, mit leiser Ironie und unglaublich stilsicher vor meinem geistigen Auge zum Leben erweckt. Ließ mich verzaubern und betören, um Nacht für Nacht mit den süßesten Träumen aus den orientalischen Sphären dieser faszinierenden, so sorgfältig recherchierten Geschichte reich und wunderbar beschenkt zu werden.

Ein Meisterwerk der Literatur vom Meister höchstpersönlich. Danke, TM.
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am 29. April 2012
"..... Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?"

Der erste Satz des großen Opus' von Thomas Mann um ein Kapitel biblischer Geschichte, das von Joseph und seinen Brüdern, ist der Schlüsselsatz des gewaltigen Romans, der 1324 Seiten umfaßt und dem der Autor 17 Jahre seines Schaffens gewidmet hat. Die Geduld, Mühe, Disziplin, Leidenschaft, Angst aber auch und Verzweiflung, die in dieses Werk geflossen sind, sollte, muß man die nicht auch unergründlich nennen?

Man brauchte einen der größten Romane der deutschsprachigen Literatur, die je verfaßt worden sind, in diesem Falle von 1926 bis 1943, an dieser Stelle nicht noch einmal, zum buchstäblich x-ten Male, zu rezensieren, was ohnehin nur ein sehr anmaßendes und allenfalls überflüssiges Ergebnis zeitigen würde, denn der Romanzyklus ist bis in seine letzten Zeilen gründlich erforscht worden, und er ist trotzdem immer noch offen in der Literaturgeschichtsforschung für neue Einsichten, neue Erkenntnisse und weiterhin überraschende Offenbarungen. Vielleicht würden sich sogar dem Autor selbst, bei der neuerlichen Wiederbegegnung mit seinem Werk, heute neue Blicke in die Geschichte Josephs eröffnen, wenn ihm diese Möglichkeit noch einmal gegeben würde. Nicht umsonst hat Thomas Mann in Zusammenhang mit der Veröffentlichung der "Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe" seiner Werke Zweifel daran zum Ausdruck gebracht, daß der Autor jeweils selbst "der beste Kenner und Kommentator seines eigenen Werkes" sei.

Zurück zum ersten Satz des ersten Hauptstücks des Romans, "Vorspiel: Höllenfahrt". Hier wird konstatiert: "Tief ist der Brunnen der Vergangenheit." Und wenig später heißt es dann weiter: daß "... je tiefer man schürft, je weiter hinab in die Unterwelt des Vergangenen man dringt und tastet, die Anfangsgründe des Menschlichen, seiner Geschichte, seiner Gesittung, sich als gänzlich unerlotbar erweisen und vor unserem Senkblei ..... immer wieder und weiter ins Bodenlose zurückweichen." Und vor dieser Mammutaufgabe, doch einen festen Boden für die Unergründlichkeit seiner Geschichte zu finden und zu beschreiben, stand der Autor, als er sich an einem bestimmten, inzwischen als historisch zu bezeichnenden, Tag des Jahres 1926, in den Tagebüchern zu definieren, hinsetzte, um den Anfang zu wagen, zum allerersten Mal in die Unergründlichkeit des Brunnens der Vergangenheit hinunterzublicken.

Es ist, unter den heutigen Bedingungen, denen die Gesellschaft (die Gesellschaften weltweit) und damit auch ihre Schriftsteller ausgesetzt sind, kaum noch vorstellbar, daß sich einer noch einmal einer solchen Aufgabe, oder einer ähnlichen, über 17 Jahre, stellen würde. Heute hat die sogenannte Zivilisation mit ihren unzähligen Einflüssen ihre zerstörerischen Kräfte längst, wie die mächtigen Tentakel eines ungeheuerlichen Tiefseeoktopus', um alle Manifestationen des Lebens, auch des alltäglichsten Lebens, so eisern und buchstäblich atemberaubend geschlungen, daß auch den Schriftstellern keine Möglichkeit mehr gegeben scheint, sich aus der Umschlingung herauszuwinden und sich, in abenteuerlicher Weise waghalsig, auf eine solche Expedition in die Unterwelt zu begeben.

Während, um nur ein Beispiel zu nennen, das an einem Tageslauf festgemacht zeigt, wie es damals sein konnte, Thomas Mann mit eiserner Disziplin wußte, daß er jeden Tag genau definierte Stunden Arbeit am Schreibtisch zu absolvieren hatte und sich davon durch nichts in der Welt hätte abbringen lassen, wären seinem zeitgenössischen "Kollegen", zivilisationsbedingt, tausendfache Abweichungen vom "Selbstdisziplinierungs-Programm" vorprogrammiert, die dem Vorantreiben der Arbeit nicht förderlich sein könnten.

Nicht nur müßte er, beispielsweise, am PC erst einmal den täglichen Posteingang kontrollieren, dann natürlich auch im Fernsehen, welches es zu Thomas Manns Zeit auch noch nicht mit der Bedeutung gab, die das Medium heute hat, die Nachrichten des Tages verfolgen. Später hätte er dann, weil seine Frau berufstätig ist, die Waschmaschine zu bedienen, vielleicht auch einen Anteil Hausarbeit zu erledigen, im Internet seine Finanztransaktionen mit der Hausbank abzustimmen und so weiter... und so weiter. Es bliebe, schlicht und ergreifend, heute nicht die Zeit, von der Muße einmal ganz abgesehen, geduldig ein Werk zu erschaffen und zu ertrotzen, das die Geschichte der Kultur einer Nation so geprägt hat, wie dieses Opus über den biblischen Joseph, das Thomas Mann der deutschen Literatur geschenkt hat.

Im angelsächsischen Raum wurde der Gegensatz zwischen der Kultur und ihrer kleinen, manchmal ziemlich nervigen Schwester Zivilisation schon immer so auf den Punkt gebracht: Zivilisation (civilization) schreibt man mit kleinem c, während Kultur (Culture) mit großem C geschrieben wird. So segens- und hilfreich der Gesellschaft, seit der Zeit von Thomas Mann, die eruptionsartig, ja geradezu atemlos fortschreitende Entwicklung der Zivilisation auch gewesen ist, so wenig förderlich ist sie ganz offensichtlich der Bereicherung der "großen" Kultur und ihrem stetigen, ruhigen und ausgeglichenen Fortschreiten gewesen. Es ist sicher nicht anmaßend zu behaupten, daß selbst Thomas Mann heute seine Probleme damit hätte, so tief in den Brunnen der Vergangenheit hinabzutauchen, wie er es damals noch vermochte. Auch ihn hätten heute wohl viele der zivilisatorischen Ablenkungen der Jetztzeit unweigerlich fest im Griff.

Eine Rezension zu schreiben über ein Werk, das so andauernd Leser, Öffentlichkeit und Forschung beschäftigt hat, wie es dieser Roman nunmehr seit mehr als 70 Jahren vermag, wäre mehr als eine Anmaßung und sollte deshalb hier auch gar nicht erst versucht werden. In diesem Kontext aber einmal auf den, mittlerweile unübersehbaren, Nebenaspekt aufmerksam zu machen, daß die zivilisatorische Entwicklung während dieser 70 Jahre, so segensreich man sie auch bewerten mag, als Ergebnis deutlich erkennbare Verluste, sozusagen Kollateralschäden, "kultureller Natur" zur Folge gehabt hat, mag an der einen oder anderen Stelle hilfreich sein. Für den Leser stellt sich, wenn er denn will, heute die Aufgabe, sich auf diesen großen Roman "einzulassen", mit dem Autor gemeinsam, am Ende auch, noch einmal, über die nächsten 17 Jahre, hinabzusteigen in den Brunnen der Vergangenheit, um ganz zum Schluß unter Umständen festzustellen, daß dieser, nicht nur am Beispiel Josephs festgemacht, sondern auch bezogen auf das eigene Leben, in Wahrheit "unerlotbar" ist. Und bleiben muß, denn: so ist das Leben. Nicht die einzige, und nicht die unwichtigste Wahrheit, die uns dieses große Buch von Thomas Mann vermittelt.

PS: Wer sich heute noch buchstäblich das Bild machen will, welches dem Autor bei der Arbeit am dritten Buch des Romans in den Sommermonaten täglich vor Augen gestanden hat, als er sich mit Joseph in Ägypten (und den dortigen klimatischen und geographischen Bedingungen) herumschlug, der sollte bei einem Besuch im litauischen Nidden, wie es heute heißt, damals Nida, auf der Kurischen Nehrung, unweit von Klaipeda (oder Memel, wie es damals hieß), aus dem oberen Stockwerk des Mann'schen Sommerhauses auf dem so genannten Schwiegermutterhügel (das Besuchern als kleines Museum offen steht) den Blick schweifen lassen über das Wasser der nahen Nehrung und hinüber zur großen Düne, einmalig für Nordosteuropa, die in der Tat einen Hauch von nordafrikanischer Sandwüstenlandschaft, von Sahara erahnen läßt, wie sie Joseph erfahren hat.
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am 11. Mai 2014
Gut achtzehn Jahre hat Thomas Mann an diesem Epos gearbeitet - so wurde es in seiner Entwicklung auch ein Abbild der Lebensgeschichte des Schriftstellers selbst, seiner Exilgeschichte, seiner sozialen, politischen und psychologischen Interpretation von Stationen der Geschichte der 1920er-40er Jahre am Beispiel bzw. parallel der biblischen Josephsgeschichte.
Ein tolles, ein gewaltes Werk. Ich möchte hier Einzelheiten aus den vielen positiven Bewertungen nicht wiederholen.

Aber warum nur vier Sterne und nicht fünf? Was die ästhetische Qualität und die Story angeht hat dieses Buch sogar mehr als fünf Sterne verdient. Es ist ein absolutes Highlight der Erzählkunst. Aber die vier Sterne möchte ich als "Empfehlung" und "kleine Mahnung" vergeben: Wer in die »Buddenbrooks« oder in »Tonio Krüger« sofort emotional eintauchen kann und schließlich mitlacht, mitleidet, mitweint, ja der dürfte beim »Joseph« zunächst etwas verwundert und ratos sein. Man benötigt einfach Zeit und Langmut, sich in Handlung, Personen, Orte, Kulte, Mysterien hineinzufinden - und oft bleiben die Personen »Typen«, Genrefiguren. Wer sich über die anfängliche Verwirrung ob der Fülle von Ideen und Figuren dennoch in das Werk hineingeschafft hat, ja, der wird jedenfalls belohnt mit einer blendenden dramatischen, psychologisch-politischen-religiös inspirierten Inszenierung.
Mir stellte sich zunächst auch die Problematik des »Hineinfindens«. ich habe das Buch weggelegt und erst etwa ein Jahr später neu begonnen. Auf jeden Fall ist eine Vertrautheit mit der Antike (altes Ägyten, alter Orient) und eine gewisse Bibelfestigkeit sehr sinnvoll beim Lesen des Buches. Fast schon Voraussetzung. Thomas Mann schrieb - anders als viele englischsprachige Autoren dieser Zeit (die andere Erzähltraditionen haben) für ein »Bildungspublikum«. Auch wenn ich mich damit einiger Kritik aussetzen dürfte: Genau das galt nicht nicht nur für die 30er und 40er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, das gilt (leider) auch heute noch. Und das ist gewiss kein Vorzug dieses Buches.
Meines Wissens git es sogar ein Online-Lexikon zum Studium des »Joseph«, um Orte, Personen, Handlungen usf. besser nachvollziehen zu können.
Ein Aspekt begeistert mich noch immer am »Joseph«: Die Idee der Inspiration der Hebräer durch Echnatons Ein-Gott-Glauben (an Aton). Dies mag kein schriftstellerischer Erst-Einfall von Thomas Mann sein. Er dürfte wahrscheinlich Sigmund Freuds Schrift »Der Mann Moses und die monotheistische Religion« von 1939 und die ausgelöste Diskussion gekannt und für den Josephs-Zweck verwertet haben. Es bleibt dennoch eine großartige - erste - Umsetzung dieser Idee in der fiktionalen Literatur, auch wenn die These, Echnatons »Monotheismus« (oder »Henotheismus«?) habe den Ein-Gott-Jahwe-Glauben angeschoben, sehr reizvoll, aber, historisch und theologisch gesehen, sehr zweifelhaft ist. Und so hat sich auch das Bild Echnatons seit den 30er Jahren sehr gewandelt, vom religiösen Erneurer und spirituell - etwas spinnerhaft - gepolten Exzentriker, den niemand so recht »verstand«, hin zu einem Machtpolitiker dessen religiöser Revolutionswillen seinem egozentrierten Herrscheranspruch ensprang. Wie auch immer die Geschichte gewesen sein mag - Mann jedenfalls baut diese historische Episode Ägyptens geschickt mit der Josephsgeschichte zusammen.

Wer mit Thomas Mann erste gute Erfahrungen gemacht hat - und sich nicht von der überbordenden Fülle der Ereignisse, ideen, Personen und Intentionen der ersten »hundert Seiten« entmutigen lässt, der kommt mit der Josephstetralogie auf seine Kosten. Kleiner Tipp: Vielleicht erst mal den ersten Einzelband gesondert (und gebraucht) für wenige Euro kaufen und »antesten«.
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