Hier klicken MSS Hier klicken Jetzt informieren Blind-Date mit Audible Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More TDZ HI_PROJECT Hier klicken Mehr dazu Fire Shop Kindle Ghostsitter longss17

Kundenrezensionen

4,6 von 5 Sternen
45
4,6 von 5 Sternen
Format: Sondereinband|Ändern
Preis:9,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 13. Februar 2003
Diese Bücher sind einfach wunderbar. Wer Sinn für gelungene Formulierungen hat, sich an der Verwendung auch nur einzelner Wörter erfreuen kann, der fühlt sich in jedem der "Joseph" Bücher zu Hause. Sicher muss man sich an den Stil gewöhnen, bleibt am Anfang an der ein oder anderen Stelle hängen. Doch das Lesevergnügen stellt sich ein. Am Ende eines Buches angekommen will man gleich zum nächsten greifen und nach dem letzten Band bedauert man, dass nicht die ganze Bibel in dieser Form nacherzählt wurde. In den gesamten Büchern schwingt immer eine zarte Ironie im Hintergrund mit, die Schwächen der Figuren werden fein herausgearbeitet. Die Bücher unterhalten auf einem wunderbaren Niveau.
0Kommentar| 84 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. April 2006
In Magazinen, in Literaturzirkeln, wo auch sonst immer wird zu Zeiten die Frage gestellt nach dem Lieblingsbuch, das man mit "auf die einsame Insel" nehmen würde oder das in einer besonderen Lebenslage Einsichten lieferte, die dem Betroffenen die Kraft zur Bewältigung seiner Probleme bescherte. Bekannte und weniger bekannte Personen aus dem öffentlichen Leben lassen sich dann darüber aus, warum gerade dieses besondere Buch ihr Lieblingsbuch wurde.
Auch ich habe ein Lieblingsbuch. Ich kann nicht behaupten, 1000 oder mehr Bücher in meinem Leben gelesen zu haben, aber einige hundert waren es schon. Wenn ich mir deshalb die Freiheit nehme, mich wundern zu dürfen über sagen wir die Auswahl meiner Zeitgenossen, beginne ich daran zu zweifeln, ob es tatsächlich keine unstrittigen Kriterien gibt, die die Wahl des Lieblingsbuches stark beeinflussen.
Ich schreibe diese Zeilen als Deutscher und ich beschränke mich mit meiner Glosse auf die deutschsprachige Literatur der beiden letzten Jahrhunderte soweit ich sie gelesen habe.
Vor sieben Jahren habe ich hier bei Amazon die nachstehende Beurteilung meines Lieblingsbuches geschrieben. Das eine oder andere würde ich heute umformulieren, im Kern aber habe ich dem dort Geschriebenen nichts Neues hinzuzufügen. Nur soviel: Seit etwa 50 Jahren ist es bereits mein Lieblingsbuch.
Wenn ich Sie neugierig gemacht haben sollte, was denn nun mein Lieblingsbuch sei und warum, so lesen Sie einfach weiter. Lesen Sie aber bitte auch die Rezensionen der übrigen Teilnehmer, dann werden hoffentlich auch Sie Ihr Lieblingsbuch finden.
Ursprünglicher Text:
Welcher Schriftsteller hat eine Einleitung zu einem Roman wie die Höllenfahrt je geschrieben? Ich kenne keinen.
In welchem Werk wird die Anteilnahme des Lesers mit den Haupt- und Nebenfiguren des Romans zu Dutzenden von Malen aufs höchste erregt? Wer leidet nicht mit mit einem Jakob, einer Lea oder Rachel, einem Esau oder Ruben, einem Potiphar, einer Mut, einem Juda oder einer Thamar?
Man kann sich aber auch vor Lachen den Bauch halten, wenn sich die beiden Zwerge in die Haare geraten.
Wo kann man deutsch in seiner erlesensten Ausdrucksform bewundern? Mir ist jedenfalls nichts vergleichbares bisher untergekommen. Die Reden Josephs mit seinem Vater, mit Potiphar und vor dem Pharao seien als Glanzpunkte herausgestellt.
Wo steht das Menschliche der Hauptfigur in seiner positiven Ausprägung im Zentrum eines Gesamtwerks?
Wie ist es möglich, dass beim x-tenmal Lesen die Ergriffenheit beim Herannahen der Höhepunkte nicht abnimmt sondern ganz im Gegenteil sich diese ganz besondere Mischung aus Leid und Freude immer wieder eher noch verstärkt einstellt ähnlich wie beim Hören eines begnadeten Sängers?
Wenn überhaupt kann sich mit diesem Opus nach meiner Meinung nur noch der Zauberberg messen.
0Kommentar| 52 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Thomas Mann erzählt altbekannte Geschichten aus dem Alten Testament, es sind Geschichten von Jakob und Isaak, von Jakob bei Laban, von Joseph und seinen Brüdern und schließlich von Joseph in Ägypten. Er erzählt sie ganz neu und bleibt doch zugleich auch beim Altbekannten. In seinem Roman stellt Thomas Mann uns Leser das Geschehen im Alten Testament als eine faszinierende, eine bewegende, wirklich tiefe und lebensgesättigte Geschichte in vielen Facetten und Einzelheiten vor Augen.
Den Buchstaben der Überlieferung im Alten Testament kann man nach der Lektüre der Joseph-Romane gar nicht mehr lesen ohne die lebhafte Vorstellung der handelnden Personen, wie sie durch Thomas Mann hervorgerufen werden. Potiphars Frau etwa bekommt Gestalt und Gesicht, sie ist nicht das liederliche, männerfressende Weib, sondern verfällt selbst immer mehr den Reizen des jungen Joseph. Sie verliebt sich in ihn unsterblich und unglücklich. Liebe kennt kein entrinnen. Was im Alten Testament etwas abstrakt und knapp dargestellt war, wird durch diesen großen Roman anschaulich und lebhaft.

Die große Leistung dieses Romans besteht nicht darin, dass er uns in die Zeit des Ägyptens der Pharaone versetzt und einfach nur das Geschehen schön und anmutig auskleidet. Viel eher zeigt er uns am Leben des Jakob und Joseph beispielhaft und exemplarisch, fast mustergültig das, was menschliches Leben zu allen Zeiten ausmacht. Dies hat mich am meisten fasziniert: der Roman erzählt über uns selbst. Er verschränkt in sich die großen Lebensthemen, mit denen Menschen zu allen Zeiten zu kämpfen haben.

Immer wieder taucht etwa das Motiv des Todesgedankens auf. In Joseph Denken begegnet sich der Tod und das Leben, das Anpackende und das Gottgegebene. Beides hält sich die Waage. In Joseph ist die Frömmigkeit zum Tode „getönt und durchwärmt“ von Freundlichkeit zum Leben. Nur deshalb hat er das Charisma, den Sog auf andere, ohne sich dem Getriebe der Welt ganz auszuliefern. Joseph ist kein Emporkömmling, kein flacher Karrierist, sondern in ihm arbeitet etwas Größeres, Göttliches. Er verknüpft in sich das Wissen, von höheren Mächten abhängig zu sein, und weiß trotzdem, das man alles tun muss, um das im Leben Gebotene erreichen zu können. Dem, was Gott mit einem vorhat, muss man nachhelfen: dann spannt sich die Seele, und der „Verstand ermannt sich, die Dinge unter sich zu bringen und sich zum Herrn aufzuwerfen über sie.“ Im menschlichen Handeln spricht uns Gott entgegen. Nicht weit hergeholt ist sicher der Gedanke, dass Thomas Mann in Joseph sich selber ein wenig spiegelt.

Man muss nicht gläubig sein, um einzusehen, dass es Menschen gibt, denen alles Gewünschte zufliegt, Menschen, die nicht verzagen und im Alltagsgetriebe aufgehen, sondern die auch nach Schicksalsschlägen eine innere Kraft, Souveränität und Ausstrahlung besitzen, fast möchte man meinen: es sind „Götterlieblinge“.

Der Roman erzählt von Lebensplänen und deren Vernichtung vor unserem Schicksal. Er erzählt von der Fehlerhaftigkeit des Menschen und deren Leidenschaften, die immer der Motor des Lebens sind. Ohne Leidenschaften geschieht nichts. Er erzählt aber auch von unserer Abhängigkeit von Dingen, die aus urgründlichen Zeiten stammen, davon, dass sich Lebensgeschichten in der Wiederholung doch immer wieder neu schreiben. Jeder lebt sein Leben einzigartig und einmalig und doch prägen sich in jedem Leben Dinge aus, die uns selbst übersteigen und sich in jeder Generation wiederholen.

Nicht zuletzt strebt uns in diesem Roman auch ein äußerst humaner Gedanke entgegen. Alles im Leben hat seinen Wert, alles hat seinen Platz im Leben und das Leben ist es Wert erzählt zu werden. Die Freude und Fabulierkunst verknüpft sich so bei Thomas Mann mit einem sehr ehrenwerten Gedanken: die Figuren des Alten Testaments zu einem zweiten Leben, einem Leben in der Erzählung, zu erwecken.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 17. November 2011
365 Tage, so viele Male, wie Joseph oder Yusuf, Sohn des Jakobs, Ururenkel des Abrahams - ausgestattet mit dem anmutigen Antlitz seiner Mutter, die so hübsch und schön war wie der Mond, wenn er voll ist, und wie Ischtars Stern, wenn er milde im Reinen schwimmt - den Menschen in verschiedener Ausdrucksform gute Nacht wünschen kann, dauerte meine leidenschaftliche Affäre nicht an, aber immerhin gut und gerne 270 Tage. Doch nicht der schöne Joseph war es, der mir den Kopf verdrehte, so wie er einst die Glut der stolzen Mut-em-enet, Gemahlin eines hohen Beamten des Pharaos, entfachte, sondern der Autor selbst: Thomas Mann mit seiner Nacherzählung des Propheten Joseph aus dem Alten Testament, Kapitel 37-50, und aus dem Koran, Sure 12, in "Joseph und seine Brüder". Hatte er zunächst ob der sich über unzählige Zeilen windenden, niemals enden wollenden Schachtelsätze meinen Unwillen heraufbeschwört, so fiel ich doch ganz allmählich in seinen gewitzten Bann und ließ mich von seinen kunstvoll, überaus raffiniert gesetzten Worten nur allzu bereitwillig von den fruchtbaren Hügeln und Weiden Kanaans in die Tiefen der Unterwelt und ins alte Ägypten entführen, mit leiser Ironie und unglaublich stilsicher vor meinem geistigen Auge zum Leben erweckt. Ließ mich verzaubern und betören, um Nacht für Nacht mit den süßesten Träumen aus den orientalischen Sphären dieser faszinierenden, so sorgfältig recherchierten Geschichte reich und wunderbar beschenkt zu werden.

Ein Meisterwerk der Literatur vom Meister höchstpersönlich. Danke, TM.
0Kommentar| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. September 2016
entführt dieses Buch in eine andere Welt. Beim Lesen, -und ich habe es schon mehrmals gelesen-, fühle ich mich derart verzaubert von der Geschichte, von den Weisheiten, von den Gedanken, die viele eigenen Gedanken induzieren und natürlich von dieser einmalig zauberhaften Sprache, dass ich das Gefühl habe high zu sein. Schwerelos. In Ägypten, in Kleinasien, außerhalb von Zeit und Raum. Dieses wäre das Buch, das ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde, um immer neue Schönheiten und Gedanken darin zu entdecken. Dieses Buch ist das non plus ultra der deutschen Sprache und für mich das höchste literarische Werk,von Allem, das ich je gelesen habe.
Die Geschichte ist die biblische Geschichte des Jakob und seiner Söhne. Die Hauptfigur ist Josef der erste Sohn Jakobs geliebten Rachel. Josefs Weg aus dem Brunnen über Sklaverei Verleumdung durch die Frau von Potiphar, Gefängnis bis zum Aufstieg zum persönlichen Freund und Berater des Pharao, Echnaton.
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Mai 2014
Gut achtzehn Jahre hat Thomas Mann an diesem Epos gearbeitet - so wurde es in seiner Entwicklung auch ein Abbild der Lebensgeschichte des Schriftstellers selbst, seiner Exilgeschichte, seiner sozialen, politischen und psychologischen Interpretation von Stationen der Geschichte der 1920er-40er Jahre am Beispiel bzw. parallel der biblischen Josephsgeschichte.
Ein tolles, ein gewaltes Werk. Ich möchte hier Einzelheiten aus den vielen positiven Bewertungen nicht wiederholen.

Aber warum nur vier Sterne und nicht fünf? Was die ästhetische Qualität und die Story angeht hat dieses Buch sogar mehr als fünf Sterne verdient. Es ist ein absolutes Highlight der Erzählkunst. Aber die vier Sterne möchte ich als "Empfehlung" und "kleine Mahnung" vergeben: Wer in die »Buddenbrooks« oder in »Tonio Krüger« sofort emotional eintauchen kann und schließlich mitlacht, mitleidet, mitweint, ja der dürfte beim »Joseph« zunächst etwas verwundert und ratos sein. Man benötigt einfach Zeit und Langmut, sich in Handlung, Personen, Orte, Kulte, Mysterien hineinzufinden - und oft bleiben die Personen »Typen«, Genrefiguren. Wer sich über die anfängliche Verwirrung ob der Fülle von Ideen und Figuren dennoch in das Werk hineingeschafft hat, ja, der wird jedenfalls belohnt mit einer blendenden dramatischen, psychologisch-politischen-religiös inspirierten Inszenierung.
Mir stellte sich zunächst auch die Problematik des »Hineinfindens«. ich habe das Buch weggelegt und erst etwa ein Jahr später neu begonnen. Auf jeden Fall ist eine Vertrautheit mit der Antike (altes Ägyten, alter Orient) und eine gewisse Bibelfestigkeit sehr sinnvoll beim Lesen des Buches. Fast schon Voraussetzung. Thomas Mann schrieb - anders als viele englischsprachige Autoren dieser Zeit (die andere Erzähltraditionen haben) für ein »Bildungspublikum«. Auch wenn ich mich damit einiger Kritik aussetzen dürfte: Genau das galt nicht nicht nur für die 30er und 40er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, das gilt (leider) auch heute noch. Und das ist gewiss kein Vorzug dieses Buches.
Meines Wissens git es sogar ein Online-Lexikon zum Studium des »Joseph«, um Orte, Personen, Handlungen usf. besser nachvollziehen zu können.
Ein Aspekt begeistert mich noch immer am »Joseph«: Die Idee der Inspiration der Hebräer durch Echnatons Ein-Gott-Glauben (an Aton). Dies mag kein schriftstellerischer Erst-Einfall von Thomas Mann sein. Er dürfte wahrscheinlich Sigmund Freuds Schrift »Der Mann Moses und die monotheistische Religion« von 1939 und die ausgelöste Diskussion gekannt und für den Josephs-Zweck verwertet haben. Es bleibt dennoch eine großartige - erste - Umsetzung dieser Idee in der fiktionalen Literatur, auch wenn die These, Echnatons »Monotheismus« (oder »Henotheismus«?) habe den Ein-Gott-Jahwe-Glauben angeschoben, sehr reizvoll, aber, historisch und theologisch gesehen, sehr zweifelhaft ist. Und so hat sich auch das Bild Echnatons seit den 30er Jahren sehr gewandelt, vom religiösen Erneurer und spirituell - etwas spinnerhaft - gepolten Exzentriker, den niemand so recht »verstand«, hin zu einem Machtpolitiker dessen religiöser Revolutionswillen seinem egozentrierten Herrscheranspruch ensprang. Wie auch immer die Geschichte gewesen sein mag - Mann jedenfalls baut diese historische Episode Ägyptens geschickt mit der Josephsgeschichte zusammen.

Wer mit Thomas Mann erste gute Erfahrungen gemacht hat - und sich nicht von der überbordenden Fülle der Ereignisse, ideen, Personen und Intentionen der ersten »hundert Seiten« entmutigen lässt, der kommt mit der Josephstetralogie auf seine Kosten. Kleiner Tipp: Vielleicht erst mal den ersten Einzelband gesondert (und gebraucht) für wenige Euro kaufen und »antesten«.
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. August 2009
Die schöne Josefsgeschichte kennt wohl jeder aus Kindergarten, Grundschule oder spätestens aus dem Konfirmanden- bzw. Kommunionsunterricht. Die Tetralogie, die Thomas Mann daraus geformt hat, ist Gegenstand ungezählter literaturwissenschaftlicher Erörterungen, Lobpreisungen und Ehrungen geworden, denen ich natürlich nichts hinzufügen kann.
Ich habe die 4 Bände mit großer Freude gelesen und werde sie wieder lesen. Die Personen sind mit ihren Stärken, Schwächen und Widersprüchen so liebevoll und wahrhaftig gezeichnet, dass man sie alle in sein Herz schließt. Die erzählte Geschichte ist nicht nur die eigentliche Josefsgeschichte, sondern besteht aus vielen schönen Einzelgeschichten, die aufeinander aufbauen und so miteinander verknüpft sind. Die Sprache erscheint nur ganz am Anfang schwierig und veraltet. Später liest man alles flüssig herunter und erfreut sich an den so poetischen Wendungen, dass es ein einmaliger Lesegenuss ist. Ich habe alle Bände in chronologischer Reihenfolge mit Pausen gelesen und habe den letzten Band als krönenden schönsten Abschluss wahrgenommen. Der erste Band war für mich hingegen eher eine Vorbereitung darauf, dass das eigentlich Große erst noch kommt.
0Kommentar| 13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. April 2007
Zuerst möchte ich anmerken, dass es eine Freude ist, die 4 Joseph-Romane Thomas Manns in einem Schuber zu einem relativ günstigen Preis kaufen zu können, da es deutlich teurer ist, wenn man sich jeden Band einzeln kauft. Schon deshalb kann ich für jeden, der die Joseph-Tetralogie lesen möchte, diese Edition wärmstens empfehlen.

Nun zu dem Romanen selbst: Da es sich hier um ein Werk Thomas Manns handelt, ist es ziemlich unsinnig zu sagen, wie gut und lesenswert es ist; denn Thomas Mann ist immer gut und lesenswert. Tatsächlich unterscheidet sich dieses Werk stark von seinen anderen und ist mir in einem gewissen Sinne das Liebste. Mein Gefühl, mein Mitgefühl wird bei dieser Nacherzählung der Josephsgeschichte mehr angesprochen als in irgendeinem anderen Buch Manns. Mann schafft vielseitige Charaktere, sodass man für alle Verständnis aufbringen kann, nicht nur für den jungen Helden Joseph. Am bewegendsten war für mich beim Lesen der Wandel Josephs (was im Roman selbst als Auferstehung dargestellt wird - eines vieler wunderbarer Bilder, die das Lesen zu so einem großen Vergnügen machen!) vom egozentrischen Lieblingskind zum selbstkritischen, verantwortungsbewussten Erwachsenen. Ich denke, dass diese Stelle jeden Leser ganz persönlich anspricht, da wir alle in unserem Leben immer wieder derartige Umbrüche erfahren, am deutlichsten in der Pubertät, wo wir uns wir Joseph von unserer Kindheit verabschieden müssen.

Wie manche Rezensenten vor mir muss ich hinzufügen, dass man sich erst in die Geschichte hineinfinden muss, vor allem auch in diese alte Kultur und dieses teilweise ungewöhnliche Denken der damaligen Zeit, doch es lohnt sich, wenn man nicht verzagt und durchhält, so viel kann ich versprechen. Für jeden Leser wird die Joseph-Tetralogie eine Bereicherung sein.
0Kommentar| 28 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. September 2010
Was Thomas Mann hier geschrieben hat, ist ein wunderbares Arrangement deutscher Sprache. Thomas Mann kann, wie kein anderer deutscher Schriftsteller, mit der deutschen Sprache spielen. Wie ein genialer Architekt ein monumentales Gebäude baut, baut Thomas Mann mit der deutschen Sprache ein monumentales Leseabenteuer.

Im Vorwort "Höllenfahrt" brennt er ein sprachliches Feuerwert ab, dass es einem fast den Atem raubt. Nie habe ich solches je an einer anderen Stelle gelesen. Genial, wunderbar, mystisch. Jede Zeile lässt erahnen, mit welcher Hingabe und Freude der Autor dieses Werk geschaffen hat.

Zugegeben: Es ist wirklich nicht ganz einfach, sich auf den Stil von Thomas Mann einzulassen, ist man doch manchmal genervt, weil man einen extrem geschachtelten Satz mal wieder nicht verstanden hat und ihn noch ein 2. oder 3. Mal lesen muss.

Aber hat man sich an das langsame Lesen gewöhnt, erschließt sich einem die volle Genialität dieses Werkes. Hätte Thomas Mann nicht schon für seine Buddenbrooks den Nobelpreis bekommen, so wäre er ihm für dieses Werk sicher gewesen.

Ein Meilenstein der Weltliteratur!!!
11 Kommentar| 18 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Thomas Mann erzählt altbekannte Geschichten aus dem Alten Testament, es sind Geschichten von Jakob und Isaak, von Jakob bei Laban, von Joseph und seinen Brüdern und schließlich von Joseph in Ägypten. Er erzählt sie ganz neu und bleibt doch zugleich auch beim Altbekannten. In seinem Roman stellt Thomas Mann uns Leser das Geschehen im Alten Testament als eine faszinierende, eine bewegende, wirklich tiefe und lebensgesättigte Geschichte in vielen Facetten und Einzelheiten vor Augen.
Den Buchstaben der Überlieferung im Alten Testament kann man nach der Lektüre der Joseph-Romane gar nicht mehr lesen ohne die lebhafte Vorstellung der handelnden Personen, wie sie durch Thomas Mann hervorgerufen werden. Potiphars Frau etwa bekommt Gestalt und Gesicht, sie ist nicht das liederliche, männerfressende Weib, sondern verfällt selbst immer mehr den Reizen des jungen Joseph. Sie verliebt sich in ihn unsterblich und unglücklich. Liebe kennt kein entrinnen. Was im Alten Testament etwas abstrakt und knapp dargestellt war, wird durch diesen großen Roman anschaulich und lebhaft.

Die große Leistung dieses Romans besteht nicht darin, dass er uns in die Zeit des Ägyptens der Pharaone versetzt und einfach nur das Geschehen schön und anmutig auskleidet. Viel eher zeigt er uns am Leben des Jakob und Joseph beispielhaft und exemplarisch, fast mustergültig das, was menschliches Leben zu allen Zeiten ausmacht. Dies hat mich am meisten fasziniert: der Roman erzählt über uns selbst. Er verschränkt in sich die großen Lebensthemen, mit denen Menschen zu allen Zeiten zu kämpfen haben.

Immer wieder taucht etwa das Motiv des Todesgedankens auf. In Joseph Denken begegnet sich der Tod und das Leben, das Anpackende und das Gottgegebene. Beides hält sich die Waage. In Joseph ist die Frömmigkeit zum Tode „getönt und durchwärmt“ von Freundlichkeit zum Leben. Nur deshalb hat er das Charisma, den Sog auf andere, ohne sich dem Getriebe der Welt ganz auszuliefern. Joseph ist kein Emporkömmling, kein flacher Karrierist, sondern in ihm arbeitet etwas Größeres, Göttliches. Er verknüpft in sich das Wissen, von höheren Mächten abhängig zu sein, und weiß trotzdem, das man alles tun muss, um das im Leben Gebotene erreichen zu können. Dem, was Gott mit einem vorhat, muss man nachhelfen: dann spannt sich die Seele, und der „Verstand ermannt sich, die Dinge unter sich zu bringen und sich zum Herrn aufzuwerfen über sie.“ Im menschlichen Handeln spricht uns Gott entgegen. Nicht weit hergeholt ist sicher der Gedanke, dass Thomas Mann in Joseph sich selber ein wenig spiegelt.

Man muss nicht gläubig sein, um einzusehen, dass es Menschen gibt, denen alles Gewünschte zufliegt, Menschen, die nicht verzagen und im Alltagsgetriebe aufgehen, sondern die auch nach Schicksalsschlägen eine innere Kraft, Souveränität und Ausstrahlung besitzen, fast möchte man meinen: es sind „Götterlieblinge“.

Der Roman erzählt von Lebensplänen und deren Vernichtung vor unserem Schicksal. Er erzählt von der Fehlerhaftigkeit des Menschen und deren Leidenschaften, die immer der Motor des Lebens sind. Ohne Leidenschaften geschieht nichts. Er erzählt aber auch von unserer Abhängigkeit von Dingen, die aus urgründlichen Zeiten stammen, davon, dass sich Lebensgeschichten in der Wiederholung doch immer wieder neu schreiben. Jeder lebt sein Leben einzigartig und einmalig und doch prägen sich in jedem Leben Dinge aus, die uns selbst übersteigen und sich in jeder Generation wiederholen.

Nicht zuletzt strebt uns in diesem Roman auch ein äußerst humaner Gedanke entgegen. Alles im Leben hat seinen Wert, alles hat seinen Platz im Leben und das Leben ist es Wert erzählt zu werden. Die Freude und Fabulierkunst verknüpft sich so bei Thomas Mann mit einem sehr ehrenwerten Gedanken: die Figuren des Alten Testaments zu einem zweiten Leben, einem Leben in der Erzählung, zu erwecken.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden


Brauchen Sie weitere HilfeHier klicken