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Ja [Gebundene Ausgabe]

Thomas Bernhard
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)

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Inhaltsverzeichnis

Nachwort

Urplötzlich

Anmerkungen zu Ja

Zwischen dem 3. und 8. Mai 1977 hielt sich Thomas Bernhard, gemeinsam mit dem Verleger des Suhrkamp Verlags, Siegfried Unseld, und dessen erster Ehefrau Hildegard, einer Einladung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels folgend, im Iran auf. Er las aus eigenen Werken im Goethe-Institut in Shiraz, vor fünf Zuhörern, in Teheran hatte er zuvor Gleiches vor etwas größerem Kreis während einer Ausstellung deutscher Bücher in einem Armenviertel getan. Von seinem Verleger ist ihm aus diesen Tagen in Erinnerung geblieben: »Ein kleiner stinkender Ölofen in einem Hotel in Schiras inspirierte ihn eines Abends mit Vehemenz zu einer durch und durch philosophischen Lebens- und Weltanschauung bis drei Uhr früh. … In Teheran schaute ich an seiner Seite wie er vom dreizehnten Stock des Sheratonhotels in das Schwimmbecken, in welchem kein Wasser, aber der Hotelmüll gelagert war. Nie, weder vorher noch nachher, habe ich einen so traurigen Unseld gesehen.«
Von Teheran flog man gemeinsam nach Kairo, besichtigte die Cheops-Pyramiden bei annähernd 50 Grad Celsius, fuhr zur Oase Fayum, 100 km südwestlich von Kairo, nahm an einem Empfang der österreichischen Botschaft teil. Thomas Bernhard verbrachte anschließend, ohne seinen Verleger, eine Woche in Israel. Unseld berichtet von der Reise: »Das Zusammensein mit Thomas Bernhard war ungemein freundlich. Er nahm auch an Exkursionen teil, aber freilich reichte die Basis seiner Gemeinsamkeitsbereitschaft nicht all zu weit. Er zog sich gerne auf sich zurück, mit dem Hinweis, daß sein Beruf (in seinem Paß steht als Beruf ›Landwirt‹) langen kulturellen Exkursionen nicht standhält. … Wir hatten reichlich Gelegenheit zu einer tour d’horizon über den Verlag und auch zu seinen eigenen Problemen. Ich glaube, er hat seinen neuen Roman fertig.Wir werden ihn Ende Juni erhalten, und auch das nächste Stück scheint schon geschrieben. Jedenfalls beschäftigt er sich bereits mit dem übernächsten.«
Der Schriftsteller-Landwirt besaß damals bereits seit mehr als einem Jahrzehnt ein Bauernhaus, einen Vierkanthof, in Ohlsdorf in der Nähe des oberösterreichischen Gmunden. Erworben hatte er ihn, genauer gesagt: die Ruinen eines Hofs, Anfang 1965 von dem in der Gegend tätigen Realitätenvermittler (sprich: Makler) Karl Ignaz Hennetmair. Die Finanzierung des Kaufs speiste sich aus der Dotierung des Bremer Literaturpreises, der ihm in diesem Jahr für seinen ersten Roman Frost (1963 publiziert) verliehen worden war. Damit erlangte er als Prosaautor die Anerkennung, die ihm als Lyriker mit seinen allerersten Büchern, drei Gedichtbänden 1957 und 1958, versagt geblieben war.
Als sich 1961 die Verlagsabsagen für seine Gedichtmanuskripte massierten und er sich über eine Auswanderung in die USA klarwerden mußte – er wollte in seinem 30. Lebensjahr einen radikalen Neubeginn versuchen –, sandte er im Oktober ein »Prosamanuskript « an den Suhrkamp Verlag und bat um ein Gespräch mit Siegfried Unseld, da er stets ohne Vermittlung »den Alleingang« gehe. Die Unterredung kam nicht zustande, die Publikation des Manuskripts wurde abgelehnt.Weshalb er sich mit einem anderen Manuskript an den Insel-Verlag wandte, der ihm am 29. Mai 1963 mit Frost sein Prosadebüt ermöglichte. Kurz zuvor hatte Siegfried Unseld diesen Verlag erworben, so daß nun der »Alleingang« Thomas Bernhards in Begleitung von Siegfried Unseld stattfand – seit 1968 erscheinen seine Bücher im Suhrkamp Verlag.
Zwei Jahre später erreichte Bernhard eine wichtige Station auf seinem Schreibweg: Die Zuerkennung des Georg-Büchner-Preises und die Premiere seines ersten Theaterstücks Ein Fest für Boris machten ihn einem größeren Publikum bekannt, das ihn sogleich mit zahllosen Attributen belegte, deren gemeinsamer Nenner lautete, Bernhard sei ein negativer Schriftsteller, bei dem in unermüdlichen Wiederholungen ausschließlich die Themen Tod, Krankheit,Niedergang in verschiedensten Varianten umkreist würden. Der derart Etikettierte leistete einem solchen Verständnis seiner Person und seines Werkes bewußt Vorschub durch die ab 1975 vorgelegten autobiographischen Bücher, deren erster Band den Titel Die Ursache. Eine Andeutung trug.
Die Begegnungen zwischen Autor und Verleger waren 1977 bereits vor der Iran-Ägypten-Reise relativ häufig: Ende Januar hatten beide in Duino das Schloß besucht und mit dessen Hausherren über Rilke gesprochen. Wenige Tage später saß Unseld im Zuschauerraum, als Bernhard in Zürich eine Rede bei der Totenfeier für seinen (und seines Großvaters, Johannes Freumbichler) frühen Förderer, Carl Zuckmayer, vortrug.
Aus Israel zurückgekehrt, schrieb Bernhard am 27. Juni aus seinem Vierkanthof an Unseld: »… im Aufwachen habe ich heute gedacht, dem Unseld schreiben, wie gut die Ferienreise gewirkt hat und dass ich die Einladung, einen neuen Erdteil zusammen zu entdecken, gern annehme – in Zukunft. Ich bin seit Wochen in Arbeit und an nichts anderem interessiert. Bald wird es nichts mehr anderes geben als die Schreibarbeit und nur noch kurze Zwischenräume wieder nur auf diese Arbeit bezogen. … Ich denke, dass ich in zwei Wochen die Perserin schicke.« Damit wissen wir: Das Buch, das unter dem Titel Ja erscheinen wird, trug zunächst den Arbeitstitel Die Perserin. Es ist in der ersten Hälfte des Jahres 1977 niedergeschrieben, doch nicht abgeschlossen worden. Denn bei einem weiteren Treffen zwischen Bernhard und Unseld am 30. September 1977 in Salzburg versprach der Autor das fertige Manuskript für Ende Oktober. Ende November schließlich berichtete er Unseld aus dem nahe Dubrovnik gelegenen Mlini, Hotel Asterea (»Ich habe in meinem Meerhotel so gut gearbeitet, wie schon Jahre nicht mehr«): »… endlich ist es mir gelungen, eine Fotokopie von Ja zu machen, die mit gleicher Post nach Frankfurt abgeht. … Ich denke, es ist eine Prosa geworden, die mich ›glücklich‹ macht …« Die Photokopie des Typoskripts mit dem nun definitiven Titel – zuvor hatte der Verfasser noch Spaziergang als Haupt- oder Untertitel in Erwägung gezogen – wurde, da Bernhard wie üblich keinen Rand gelassen und auf mehreren Seiten schwer lesbare Korrekturen eingetragen hatte, im Verlag abgetippt, der Autor korrigierte dann die Abschrift. Am 6. Juni 1978 erschien das Buch als Band 600 der Bibliothek Suhrkamp.

Ja kann als das Prosawerk gelten, in dem Thomas Bernhard die ihm wichtigsten Motive und von ihm eigenen stilistischen Verfahren am deutlichsten an der klassischen Erzählung ausrichtet. Mit dem Unterschied zur typischen Novelle, daß hier gleich zwei »unerhörte Begebenheiten« berichtet werden. Es handelt sich um die Niederschrift der Ereignisse vor und nach einem unvorgesehen, »urplötzlich« sich ergebenden »lebensrettenden Augenblick« (S. 13) für einen in Oberösterreich lebenden Naturwissenschaftler – dies die erste unerhörte Begebenheit. Er selbst faßt das Geschehen zusammen: »Die Tatsache, daß ich auf einmal weder zu Schopenhauer, noch zu Schumann einen Zugang hatte, zu diesen, zu welchen ich immer Zugang gehabt hatte, solange ich denken kann, hatte mich in diesen mörderischen Angstzustand versetzt und ich mußte, wollte ich nicht tatsächlich verrückt oder wahnsinnig werden, aus dem Haus und zum [Realitätenvermittler] Moritz. … Und dann waren plötzlich die Schweizer aufgetaucht und ins moritzsche Haus hereingekommen und das war die Wendung und also die Rettung gewesen.« (S. 119 f.) Die Folge: ein »urplötzlich leichter Kopf« und »urplötzlich leichte Glieder« (S. 80). Der Gerettete verabredet sich augenblicklich, noch am selben Oktobernachmittag, mit der Lebensgefährtin des Schweizers zu einem Spaziergang. Bei einem weiteren Gang in den Lärchenwald erweist er sich durch bloßes Zuhören – sie ist in Shiraz geboren, hat bei ihrem Studium in Paris den Bauingenieur aus Zug kennengelernt und sich mit ihm zusammengetan – seinerseits als ihr Retter. Doch nur vorübergehend, und hier geschieht die zweite unerhörte Begebenheit: Denn auf einem der gemeinsamen Wege hatte er sie gefragt, »ob sie selbst sich eines Tages umbringen werde. Darauf hatte sie nur gelacht und Ja gesagt.« (S. 141) Und diese Ankündigung fünf Monate später wahrgemacht, wie der Naturwissenschaftler einen Tag nach seinem Geburtstag aus der Zeitung erfährt.
Solche nichtgeplanten, von außen betrachtet unscheinbaren Ereignisse, die urplötzlich eintreten und unabsehbare Folgen zeitigen, sind in Bernhards Werk nicht selten. So berichtet er in Der Keller, zwei Jahre vor Ja erschienen, von sich selbst, er habe als Jugendlicher »gegen alle Vernunft in der Frühe« beschlossen, »in die entgegengesetzte Richtung«, zu gehen, also nicht mehr das Gymnasium zu besuchen, sondern eine Lehre als Kaufmannsgehilfe anzutreten. In Die Billigesser, zwei Jahre nach Ja publiziert, eröffnet sich Koller, »auf einmal und urplötzlich«, ein neues wissenschaftliches Feld, weil er im Wiener Wertheimpark von seinem gewohnten Weg abweicht: Statt, wie üblich, zur alten Esche geht er zur alten Eiche.
Auch andere Handlungsmotive in Ja zählen zu den für seine Prosa typischen. Etwa das des Wissenschaftlers, der durch eine Unzahl von größten und kleinsten Anlässen am weiteren Arbeiten, am Durchdenken oder an der Niederschrift einer seiner weltverändernden Untersuchungen, gehindert wird. Es zieht sich durch das gesamte Werk, beginnend in Das Kalkwerk (1970), dessen Besitzer es nicht gelingt, »urplötzlich von einem Augenblick auf den andern« seine Studie »auf das Papier zu kippen«, bis zu Rudolf in Beton (1982). Oder das Motiv des Häuserbauens, das in Korrektur (1975) dominiert.
Schließlich praktiziert Bernhard in Ja das – in Holzfällen (1984) auf die höchste Höhe getriebene – Prinzip, in seiner Literatur Realität und Fiktion zu verschmelzen, wenig zu erfinden, vielmehr das in der Wirklichkeit Gefundene durch oftmals nur ...

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