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Ich zähmte die Wölfin Taschenbuch – 1. Oktober 1998
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Ein leidenschaftlicher Mann
Die Lebensgeschichte des römischen Kaisers Hadrian.
In seiner Villa in Tibur schreibt der sechzigjährige Kaiser Hadrian an seinen Adoptivenkel, den späteren Herrscher Marc Aurel. Was er dem siebzehnjährigen Jüngling mitteilt, gleicht einem reflexiven Selbstgespräch, ist ein Versuch des alternden Mannes, die wechselnden Masken und Gesichter des eigenen Ich zu erkunden: Hadrian wurde als Provinzler im westlichsten Teil des Reichs, in Spanien geboren. Der Eroberungswut seines Vorgängers Trajan setzt der musische und sensible Hadrian seine Friedenspolitik entgegen, die die segensreichsten Auswirkungen auf das Reich haben sollte. Zwei große Leidenschaften prägten diesen ungewöhnlichen Herrscher: die einfühlende Bewunderung griechischer Kunst und die Liebe zu dem bithynischen Knaben Antonius.
Ein Besuch der Villa Adriana bei Rom weckte in der zwanzigjährigen Marguerite Yourcenar den Plan, eine Biographie dieses Mannes zu verfassen. Als die fiktiven Erinnerungen in deutscher Sprache erschienen, schrieb Ludwig Curtis: »Man hat nur wenige Seiten ... zu lesen, um von einem doppelten Zauber umfagen zu werden: von dem Zauber der großen Persönlichkeit des Kaisers und von dem Zauber der dichterischen Einfühlung der Verfasserin nicht nur in dessen persönliche, sondern in seine ganze weite antike Welt.«
- Seitenzahl der Print-Ausgabe336 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberDtv
- Erscheinungstermin1. Oktober 1998
- Abmessungen12 x 1.83 x 19.1 cm
- ISBN-103423124768
- ISBN-13978-3423124768
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Produktbeschreibungen
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Mein Marcus,
ich bin heute morgen zu Hermogenes gegangen, meinem Arzt, der von einer längeren Reise in Asien wieder in die Villa zurückgekehrt ist. Da die Untersuchung in nüchternem Zustande vorgenommen werden sollte, hatte ich mich in den frühen Morgenstunden eingefunden: Nachdem ich mich des Mantels und der Tunika entledigt hatte, streckte ich mich auf ein Bett hin. Einzelheiten; die dir ebenso zuwider sein würden, wie sie es mir sind, erspare ich uns. Was hätte es für einen Zweck, dir den alternden Körper eines Mannes zu beschreiben; der sich damit abfinden muß, an der Herzwassersucht zugründe zu gehn! So begnüge ich mich damit, dir zu sagen, daß ich gemäß den Anweisungen, die der Arzt gab, hustete, tief einatmete und den Atem anhielt. Der rasche Fortgang, den das Übel inzwischen genommen hat, machte auf Hermogenes sichtlichen Eindruck. Er schien geneigt, die Schuld daran dem jungen Jollas beizumessen, der mich in seiner Abwesenheit pflegte. Es ist wahrlich nicht leicht, vor einem Arzt die Menschenwürde zu bewahren, geschweige denn Kaiser zu bleiben. Vor seinem wissenden Blick schrumpfte ich zu einem bresthaften Häufchen zusammen; zu einem schadhaften Gefäß für Blut und trübe Säfte. Zum ersten Male enthüllte sich mir heute morgen mein Leib, dieser alte Freund und treue Gefährte, den ich soviel besser kenne als meine Seele, als ein tückisches Ungeheuer, das gegen seinen Gebieter aufbegehren will. Geduld! Ich habe ihn lieb; diesen meinen Leib. Er hat mir treu gedient auf jegliche Weise, und ferne sei es von mir, ihm die notwendige Pflege zu mißgönnen. Aber anders als Hermogenes es immer noch zu tun vorgibt, vertraue ich nicht mehr auf die Heilkräfte der Kräuter und das Mengenverhältnis der Salze, die er aus dem Orient mitgebracht hat. Der sonst
so gescheite Mann glaubt mich mit Redensarten trösten zu sollen, zu nichtssagend, als daß sie den Leichtgläubigsten täuschen könnten. Wohl weiß er, wie sehr ich diese Art von Betrug verabscheue, aber man ist schließlich nicht umsonst mehr als dreißig Jahre hindurch Arzt gewesen. So verzeihe ich denn dem ergebenen Diener seinen Versuch, mir meinen baldigen Tod zu verheimlichen. Hermogenes ist gelehrt, ja sogar weise, und weit redlicher; als Hofärzte gemeinhin zu sein pflegen. Ich werde also besser betreut werden als sonst ein Sterblicher. Aber die gesetzte Grenze überschreitet niemand. Meine geschwollenen Beine lassen mich während der langwierigen römischen Zeremonien im Stich, und ich ringe nach Luft. Ich bin ein Mann von sechzig Jahren.
Glaube mir, noch ist es nicht so weit, daß ich mich den Wahngebilden der Furcht hingebe, die ebenso töricht, dabei aber quälender sind als die, welche die Hoffnung uns vorgaukelt. Wenn ich mich schon irren soll; dann immer noch lieber im zuversichtlichen Sinne: dabei verliere ich auch nicht mehr, leide aber weniger. Der fatale Augenblick droht noch nicht unmittelbar hereinzubrechen, so nah er auch sein mag. Noch darf ich jede Nacht in der Hoffnung einschlafen, das Licht des neuen Tages zu sehen. Innerhalb der unübersehbaren Grenzen, von denen ich sprach, vermag ich das Gelände Zoll für Zoll zu verteidigen, vielleicht sogar hie und da ein wenig Boden zurückzugewinnen. Immerhin bin ich in das Alter eingetreten, in dem das Leben für den Menschen zur eingestandenen Niederlage wird. Es bedeutet nichts, wenn wir uns sagen, daß unsere Tage gezählt sind, denn so war es von je und so ist es noch heute für alles, was atmet. Je mehr aber die Krankheit fortschreitet, je mehr verringert sich die Ungewißheit über Ort, Zeit und Todesart, die uns das Ziel verbirgt, dem wir unablässig entgegengehn. Der erste beste kann im nächsten Augenblick sterben, aber der Kranke weiß genau, daß er in zehn Jahren nicht mehr leben wird. Mein Spielraum umfaßt nicht mehr Jahre, sondern nur noch Monate. Meine Aussichten, durch einen Dolchstoß oder durch einen Sturz vom Pferde zu enden, schwinden immer mehr; der Tod durch die Pest ist unwahrscheinlich geworden, Krebs und Aussatz können kaum noch Macht über mich gewinnen. Keine scotische Streitaxt wird mir an den Grenzen des Reiches den Schädel spalten und kein Partherpfeil die Brust durchbohren. Auch dürfte der Magier recht behalten, der mir einst prophezeit hat, daß ich nicht ertrinken würde: die Stürme haben die ihnen so oft gebotene Gelegenheit verschmäht. So werde ich an einem Erstickungsanfall sterben, hier in Tibur, vielleicht in Rom, höchstens in Neapel. Wird es der zehnte oder der hundertste Anfall sein, der mich dahinrafft?. Nur darum handelt es sich noch. Wie der Reisende, der das Inselmeer durchschifft, die Uferlinie im Abenddunst aufleuchten sieht, sehe ich allmählich den Umriß meines Todes Gestalt annehmen.
Produktinformation
- Herausgeber : Dtv; 31. Edition (1. Oktober 1998)
- Sprache : Deutsch
- Taschenbuch : 336 Seiten
- ISBN-10 : 3423124768
- ISBN-13 : 978-3423124768
- Originaltitel : Mémoires d'Hadrian ng
- Abmessungen : 12 x 1.83 x 19.1 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 122,508 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 278 in Historische Romane - Biografien
- Nr. 1,388 in Biografische Romane (Bücher)
- Nr. 6,978 in Biografien & Erinnerungen (Bücher)
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Hadrian römischer Kaiser, liebt Kultur und Philosophie, besonders die der Griechen.
Integriert dieses Wissen in seine Staatsführung. Reist und erweitert die Grenzen des römischen Reichs unermüdlich. Versteht es, die Kultur der eroberten Gebiete zu respektieren und in die jeweiligen Garnisonen zu integrieren.
Und das obwohl es sich dabei um einen das ganze Buch spannender Brief vom Römischen Kaiser Hadrian an seinen siebzehnjährigen Neffen und Adoptivsohn Marc Aurel (selbst künftiger Kaiser) handelt. Mit keinem einzigen Dialog oder Abenteuerbeschreibung oder Schlachtdarstellung. Es sind eben bloß (!) die Überlegungen eines alternden großen Mannes über sein Leben, Tun und Wirken, sowie über die Welt und die Umstände in den dieses Leben stattfand.
Ich finde sowohl die Geschichte wie die Art der Erzählung fesselnd. So sehr, dass ich das Buch über die Jahre vier Mal gelesen habe und ich es jedes Mal mehr genieße.
Extrem gut dokumentiert, mit sehr viel Tiefgang und einer sehr eleganten und einnehmenden Sprache. (Letzteres bezieht sich auf das Original in französischer Sprache, jedoch gehe ich davon aus, dass die deutsche Übersetzung, die ich nicht gelesen habe, dem französischen Original gerecht wird. Wobei ich immer noch nicht verstehe, wie aus dem schlichten französischem Titel „Mémoires d’Hadrien“ ein deutsches Titel wie „Ich zähmte die Wölfin“ wird.)
Der Autorin gelingt es auch, die tiefe Liebe zwischen Hadrian und Antinoos, sowie ihre wichtige Rolle in Hadrians Leben darzustellen, ohne sich ausführlich damit zu beschäftigen.
Unabhängig davon, wie er in Wirklichkeit war – das kann man nicht einmal von lebenden Menschen mit Sicherheit wissen – zeichnet uns die Autorin einen Hadrian, den man liebgewinnen kann. Wahrscheinlich liegt sie nicht falsch. Letztendlich wird Hadrian zu den „Fünf Guten Kaisern“ gezählt und, obwohl dies sich hauptsächlich auf dessen Qualitäten als Politiker bezieht, kann ich nicht umhin, anzunehmen, dass auch menschliche Qualtäten in diese Bewertung einflossen.
Das Ganze von Marguerite Yourcenar bewußt von weit außen betrachtet. Hadrian schreibt an Marc Aurel, doch von seine Lebensbeichte hört sich wie die eines anderen an. Wer sich über die Zeit Hadrians informieren will, ist in Yourcenars Buch gut aufgehoben, wer eine spannende Lektüre erwartet weniger. Kunstvoll und literarisch. Nicht langweilig, aber es bleibt viel Distanz, die der intellektuellen Annäherung bedarf.
Als Marguerite Yourcenar die Lebensgeschichte Hadrians schrieb, stand sie also “mit einem Bein in der Gelehrsamkeit, mit dem anderen in der Magie, genauer und unverblümter: in jener sympathetischen Magie, die darin besteht, sich gedanklich in das Innere eines anderen hineinversetzen zu können.” Der zeitliche Abstand bereitete Yourcenar so gut wie keine Schwierigkeiten, “das Leben meines Vaters ist mir fremder als das Hadrians.” (Außerdem verändert sich die Substanz und die Struktur des Menschen kaum: “Nichts Beständigeres als die Wölbung eines Fußknöchels, der Platz der Sehne oder die Form einer Zehe. Doch gibt es Zeiten, da der Schuh in geringerem Maße verunstaltet. In dem Jahrhundert, von dem ich spreche, ist man der unverhüllten Wahrheit eines nackten Fußes noch sehr nahe.”) Unmöglich wäre es ihr aber gewesen, “eine Frau zur Hauptfigur zu machen, zum Beispiel Plotina”, die Ehefrau von Trajan, dem Adoptivvater und Vorgänger von Hadrian, “anstelle von Hadrian die Trägerrolle meiner Erzählung zu übertragen. Das Dasein der Frauen ist zu begrenzt und zu verborgen. Erzählte eine Frau ihr Leben, es träfe sie sogleich der Vorwurf, keine Frau mehr zu sein. Es ist schon schwer genug, einem Mann ein Quentchen Wahrheit in den Mund zu legen.”
Ist “Ich zähmte die Wölfin” also ein historischer Roman? “Der historische Roman von 1830 neigt zu Melodram und Mantel- und Degenstücken”. Aber diejenigen, die den historischen Roman als eine Sonderform betrachten, “vergessen, dass der Schriftsteller stets nur, mit Hilfe zeitgemäßer Methoden, eine gewisse Anzahl vergangener Geschehnisse interpretiert, Erinnerungen, bewußte oder nicht, persönliche oder nicht, die aus gleichem Gewebe sind wie die Geschichte. Prousts Werk ist genauso eine Wiederherstellung einer verlorenen Vergangenheit wie “Krieg und Frieden”.” Und weil die literarische Gattung des Romans heutzutage alle anderen Formen verschlingt, ist man “geradezu gezwungen, sich seinem Anspruch zu unterwerfen. Diese Studie über das Leben eines Menschen, der sich Hadrian nannte, wäre im 17. Jahrhundert eine Tragödie und zur Zeit der Renaissance ein Essay geworden.” Warum aber die Erinnerungen des Hadrian und nicht ein Tagebuch Hadrians? Diejenigen die ein Tagebuch den Erinnerungen vorgezogen hätten, “übersehen, dass der Tatenmensch selten Tagebuch führt. Fast immer später erst, aus einer tatenlosen Zeit heraus, erinnert er sich, schreibt auf und staunt zumeist.”
Die Figur, die hier auf ihr Leben zurückblickt, war nicht nur ein Gelehrter, ein Reisender, ein Dichter und Liebhaber, sondern auch ein Kaiser, ein tatkräftiger und praktisch denkender Mann. Das 2. Jahrhundert reizte Youcenar ganz besonders, “weil es für eine sehr lange Zeit jenes der letzten freien Menschen war.” Sie zitiert einen unvergesslichen Satz von Flaubert, “den ich um 1927 häufig las und dick unterstrich: Als es die Götter nicht mehr gab und Christus noch nicht, war zwischen Cicero und Marc Aurel ein einmaliger Augenblick entstanden, in dem der Mensch für sich existierte.” Nur in einem solchen geistigen Klima ist die bitter-süße homoerotische Liebesgeschichte zwischen Hadrian und Antinous, die Yourcenar von ihrem Ende her, dem in ihrem Verständnis freiwilligen Opfertod des Jünglings, aufrollt, möglich und selbstverständlich und stellt kein moralisches oder religiöses Problem dar. “Alles, was man über das Wesen des Antinous zu sagen vermöchte”, dem Hadrian bei seinem Aufenthalt in Kleinasien in den Jahren 123-124 begegnete, “spricht schon aus dem geringsten seiner Bildnisse. Eager and impassionates tenderness, sullen effeminacy: Mit der bewundernswerten Unbefangenheit des Dichters drückt Shelley mit sechs Wörtern das Wesentliche aus, worüber sich die Historiker und Kunstkritiker des 19. Jahrhunderts in prüden Weitschweifigkeiten oder falschen, verschwommenen Beschönigungen verloren.” Die Beziehung zwischen dem Kaiser und dem göttergleichen Jüngling steht unter dem Zeichen der heldenhaften Männerliebe des Achills zu Patroklos. Dass Antinous, “der junge Fant, der mich begleitete, im Gefährten des Achilles sein Vorbild sah, war mir nicht bewusst. So machte ich mich über jene leidenschaftliche Treue lustig, die uns aus den Sagen entgegenleuchtet. Antinous fühlte sich tief getroffen und errötete. Nun war die Offenheit mehr und mehr zur einzigen Tugend geworden, an der ich festhielt; ich glaubte zu bemerken, dass die heldischen Tugenden, mit denen die hellenische Auffassung die Neigung eines gereiften Mannes zu einem jungen Gefährten verbrämte, uns Heutigen nur zu oft wie eine geschickte Ausrede vorkommen. Das römische Vorurteil, das der Lust ihr Recht zuerkennt, die Leidenschaft jedoch als unziemliche Narrheit abtut, hatte mehr Macht über mich, als ich ahnte.”
So lässt Yourcenar Hadrian die Beziehung zwischen ihm und Antinous Revue passieren, sie wird jenseits von Verklärung und Verhüllung zurechtgerückt. Wie verklemmt und verbrämt dagegen ist das Vokabular, das der Historiker und Literaturnobelpreisträger Theodor Mommsen in seiner "Römischen Geschichte" verwendet, um die Liebe und Neigung des gereiften Mannes zu dem Knaben und Jüngling im antiken Griechenland und Rom zu umschreiben. Den Unterschied zwischen den Hellenen und den Römern sieht Mommsen unter anderem auch darin, dass die Griechen die Götter zu Menschen machten und dann die Götter leugneten, dass sie die Glieder “in dem Spiel der nackten Knaben” entfesselten, während das römische Wesen “die keusche Verhüllung des Körpers schon dem Buben zur Pflicht machte”. Das meinte Yourcenar mit prüden Weitschweifigkeiten und falschen, verschwommenen Beschönigungen, wenn sich Historiker dem Phänomen der Päderastie näherten.
Für mich einer der besten “historischen” Romane, der je geschrieben wurde.
Hans Hinterhuber






