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Ich dachte an die goldenen Zeiten: Roman (suhrkamp taschenbuch) Taschenbuch – 20. November 2000

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Bohumil Hrabal erzählt die Geschichte seiner Ehe. Das an sich ist schon ungewöhnlich genug. Nur, er schreibt aus der Sicht seiner Frau, Ich-Erzählerin ist Frau Hrabal. Das ist, literarisch gesehen, interessant. Kommt da nun Biografisches, Autobiografisches zustande? Will sich da einer listig aus der Verantwortung stehlen, ist ihm womöglich die Sicht auf sich selbst verstellt, oder schafft der Perspektivwechsel ein höheres Maß an Objektivität?

Wie dem auch sei, die gute Eliška hat es nicht leicht mit diesem Kerl. Schon gleich zu Anfang hastet sie zum Verlag ihres Mannes, den längst überfälligen Vorabdruck seines neuen Buches abzuholen. Bohumil wartet derweil entnervt zu Hause, ein hilfloses Bündel, suizidal unentschlossen zwischen Prager Fenstersturz oder Wacholderschnapsvergiftung. Oder die Episode, in der ihr Gatte stark alkoholisiert auf dem Bahnsteig auftaucht, den Verlagsvorschuß in einem Einkaufsnetz voller Geldscheine schwenkend. Wie bemerkt die Dame im Abteil gegenüber so treffend: "Der Herr Gemahl ist ein lustiger Kerl, sie erleben wohl so allerlei mit ihm!"

Kann man so sagen. Hrabal, 1914 in Brünn geborenes literarisches Urgestein, ehemaliger Stahlgießer und Kulissenschieber. Ab 1963 freier Schriftsteller, sein riesiges Werk erschienen bei Suhrkamp. Die Schilderung des Prager Frühlings ´68 und dessen Niederschlagung, die er zusammen mit Heinrich Böll erlebte, gerät ihm fast zur Burleske. Und immer wieder fließt der Wacholderschnaps, literweise. Dann der unvermeidliche Zusammenbruch. Lebervergiftung. Wie Hrabal dem Tod noch einmal von der Schippe springt, das gehört zu den eindringlichsten Kapiteln dieses Buches. Daß Eliška darüber nicht zerbrach, ist ein Wunder. Wehmut wird spürbar in ihrem/seinem Schlußwort:

"Dieser Mann hielt mich all die Jahre auf Trab, daß ich darüber vergaß, ein Kind zu haben. Ich zuckte mit den Schultern. Was soll´s." Was für eine Liebe. Bohumil Hrabal verstarb im Jahre 1997. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Bohumil Hrabal wurde am 28. März 1914 im tschechischen Brünn (Brno) geboren und starb am 3. Februar 1997 in Prag. 1935 begann Hrabal sein Jurastudium in Prag. Nebenbei besuchte er Vorlesungen über Literatur, Kunst und Philosophie und schrieb seine ersten Gedichte. 1939 musste er sein Studium unterbrechen, da die deutsche Besatzungsmacht die tschechischen Hochschulen schließen ließ. Von 1941 bis 1945 arbeitete er für die staatliche Eisenbahn. 1946 promovierte er zum Dr. jur. Von 1947 bis 1949 war er Handelsreisender. In dieser Zeit bereitete er seinen ersten Gedichtband Verlorenes Gäßchen vor. Bis 1958 arbeitete Hrabal in einem Stahlwerk in Kladno und in einer Altpapierpackerei in Prag. 1956 heiratete er Eliska Plevová. 1963 erschien seine erste Erzählung Perlchen auf dem Grund erscheint; rasch folgten von 1964-68 Die Bafler, Tanzstunden für Erwachsene und Fortgeschrittene, Inserat. verkaufe Haus, in dem ich nicht mehr wohnen will, Moritaten und Legenden und andere Texte, die zum Teil auch verfilmt wurden. Bis 1975 wurde ein Publikationsverbot verhängt. Eine Auswahl seiner Texte konnte jedoch im Ausland, darunter in der DDR und in der Bundesrepublik erscheinen. Von 1982 bis 1985 entstand die autobiographische Trilogie Hochzeiten im Haus. 1987 starb seine Ehefrau. Noch vor der politischen Wende erschien 1988 der autobiographische Mädchenroman in Canada in einem Exilverlag.


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Format: Gebundene Ausgabe
Bohumil Hrabal, 1997 verstorbener tschechischer Poet, schlüpft in diesem Roman aus dem Jahre 1986 in die Rolle seiner Frau (die bereits 1987 verstarb).
Eliska erzählt über das Erscheinen des ersten Buches ihres Mannes Ende der 50er Jahre bis zum Publikationsverbot nach der Niederschlagung des Prager Frühlings.
Mehr aber noch erzählt sie über den Schriftsteller Hrabal: Bohumil ist ein schwieriger, immer an sich selbst zweifelnder, sehr dem Alkohol und dem fetten Essen zugetaner Mensch, der eigentlich immer ein Kind geblieben ist. Er liebt seine Frau, seine Freunde und seine Katzen, er hasst Lesungen und Diskussionen; am liebsten ist er (allein) irgendwo in der Natur.
Eliska erträgt dies alles; ja, zeitweise ist sie die Einzige, die ein Einkommen hat. Trotzdem liebt sie ihren Mann, auch wenn er es ihr nicht immer leichtmacht...
Bohumil Hrabal hat ein wunderbares Buch geschrieben, über dessen Wiederentdeckung man sich freut (vielleicht wieder einmal mehr von Hrabal lesen?) Und natürlich kann Hrabal den tschechischen Nationalhelden Schwejk nicht verleugenen: nicht nur einmal wird man beim Lesen an Jaroslav Hasek erinnert (besonders bei Hrabals Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht und dem Publikationsverbot)!
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Von Ein Kunde am 13. Januar 2000
Format: Gebundene Ausgabe
Das Buch schildert das Leben des Dichters in den sechziger Jahren aus der Sicht seiner Frau. Dadurch ist der Blick eingeschränkt. Obwohl sich langsam der literarische Erfolg einstellt, spielt der Prozeß des Schreibens nur eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt ihrer Sicht steht das Alltagsleben, die Fluchten des Dichters, die ungezügelten Gelage, seine Ängste und Eitelkeiten, das Bestreben, immer die Nummer 1 zu sein. Dies macht ihr ständig zu schaffen, mehr als "eine Klasse geistesgestörter Kinder". Aber sie toleriert seine Schwächen, wohl aus der Angst vor der Einsamkeit: Solch ein Mann ist besser als keiner. Trotz ihrer Zweifel an der Ehe steht sie ihm bei zahlreichen Gelegenheiten bei. Mit weiblicher List sorgt sie z.B. für den benötigten Ausweis. Hrabal weiß, was er an ihr hat. So entfaltet sich ein Mosaik, wo die menschliche Sehnsucht nach dem Bedeutsamen und das Banale eng zusammenliegen. Besonders schön in dieser Hinsicht ist die Schilderung des Schlachtefestes und des Abendessens mit Böll. Gewürzt ist das Ganze mit einer Prise Schwejkschem Humor, was die Lektüre zu einem großen Vergnügen macht.
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Format: Taschenbuch
Mit den Augen seiner Frau beschreibt Bohumil Hrabal sein eigenes Leben und nimmt dabei auf sich keine Rücksicht. Er erscheint dem Leser als bäurischer, martialischer Mann, der mehr durch Zufall Schriftsteller geworden ist. Und doch bekennt Hrabal darin seine Art zu schreiben, seine Art zu erzählen. Man versteht seine Verliebtheit in die Natur und den Augenblick. Was in den Augen seiner Frau manchmal wie Wahnsinn erscheint, offenbart sich als Möglichkeit Gefühle und Stimmungen zu verschriftlichen.
Und nebenbei lernt der Leser auch die Ängste der Bevölkerung während des Prager Frühlings kennen, die Sinnlosigkeit und pure Machtdemonstration, die er gebracht hat. Hrabal gelingt dies aber auf eine subtile und sympathische Weise, er prangert nicht an, er stellt nicht einmal in Frage sondern baut es in sein eigenes Leben als schlichte Tatsache ein, die in ihrer Aberwitzigkeit auch zu seiner eigenen literarischen Gestalt passt.
Wer Hrabal nur von seinen Romanen her kennt, sollte sich diese andere Art von Autobiographie nicht entgehen lassen.
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Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf
alles super
im Übrigen schreibe ich mir keinen Wolf. Und damit basta für alle anderen Meldungen von Amazon für immer
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