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Kundenrezensionen

4,0 von 5 Sternen
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4,0 von 5 Sternen

am 1. Oktober 2008
Leonardo Sciascia war es gewöhnt, im Kreuzfeuer zu stehen. Seine Romane, unter anderen "Jedem das Seine", analysierten die Machenschaften der Mafia und die Gesellschaftsstrukturen, in denen das organisierte Verbrechen Fuß fassen und weitgehend ungehindert arbeiten konnte. Mit politischen Entscheidungsträgern verscherzte er es sich, als er die Ineffektivität des Polizeiapparates im Kampf gegen die Mafia anprangerte. Gehasst von jenen Verbrechern, deren Methoden er literarisch zur Schau stellte, und geschmäht von den Politikern, die in seinen Augen zu ihrem eigenen Vorteil arbeiteten, ging Sciascia immer seinen eigenen, einsamen Weg. Weiß man um diese Einzelkämpfernatur, so ist auch besser verständlich, warum seine Romane so anders sind als die gewöhnliche Krimikost von der Stange. "Jedem das Seine" verdeutlicht Sciascias Blickwinkel, geschärft durch die eigene sizilianische Herkunft, in besonders exemplarischer Weise. Hier ist keiner ohne Schuld, und Helden wird man in dem unbenannten Dorf, in dem die Handlung spielt, vergeblich suchen. Denn wo die "omertà", das "Gesetz des Schweigens" regiert, steht jeder, der zu viel weiß oder gar sagt, automatisch auf der Abschussliste. In dieser Atmosphäre, in der Neugier, blanke Angst und ein nicht ganz verlorener Sinn für Gerechtigkeit ein verhängnisvolles Dreieck bilden, inszeniert Sciascia einen typisch sizilianischen Mordfall, der ganz und gar nicht in das Schema der klassischen Kriminalliteratur passt. Zwar wird auch in "Jedem das Seine" nach einem Mörder gesucht, zwar gibt es auch hier Ermittler und Täter, aber dem geneigten Leser, dem in dieser Rezension nicht zu viel verraten werden soll, wird spätestens am Ende klar werden, dass er einen ungewöhnlichen, bitter realistischen Roman vor sich hat. Dass dem Autor zugleich ein Abbild der italienischen Gesellschaft in den politischen Wirren der 1960er Jahre gelingt, macht dieses Werk zu einem lesenswerten, anspruchsvollen Meisterstück, das trotz seiner Komplexität nie schwerfällig oder verkopft wirkt.

Zwei Kritikpunkte müssen abschließend noch genannt werden, wobei sich diese nur auf die vorliegende Ausgabe von Wagenbach beziehen und nicht auf Sciascias Roman an sich. Zum einen wirkt es wenigstens verwirrend wenn nicht gar störend, dass eine Neuauflage im Jahr 2008 immer noch in der alten Rechtschreibung veröffentlicht wird, auch wenn dies bei Wagenbach offensichtlich absichtlich geschieht und zum Konzept gehört. Eine vernünftige Erklärung, vor allem Schülern gegenüber, die schon lange kein "daß" mehr schreiben dürfen, ist schwer zu finden. Zum anderen ist der Beschreibungstext auf dem Buchrücken schlicht fehlerhaft, weil darin der Arzt Dr. Roscio mit dem Anwalt Rosella verwechselt wird. Das ist zwar eine kleine, aber doch auffallend peinliche Unachtsamkeit, die auf dem Rücken eines so starken Romans nicht vorkommen sollte.

Fazit: Intelligent geschrieben, jederzeit glaubwürdig und treffsicher strukturiert - Freunden unkonventioneller Krimikunst ist dieser kurze, knackige Roman wärmstens zu empfehlen.
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VINE-PRODUKTTESTERam 24. November 2008
Der Apotheker eines sizilianischen Provinzortes erhält eine anonyme Morddrohung und wird wenige Tage später auf der Jagd, gemeinsam mit seinem Kumpanen, dem Dorfarzt, erschossen. Was steckt hinter dem Doppelmord, der Lehrer will die Tat aufdecken.
Ein literarischer Kriminalroman, bei dem neben der Krimihandlung vor allem auch die Personen, deren zwischenmenschliche Verwicklungen und die sizilianische dörfliche Gesellschaftsstrucktur Betrachtung finden. So verliert sich der Leser schnell in der gekonnten Erzählung, ohne jedoch all zu viel Beziehung zu den eher kalten und abgekapselt wirkenden Charakteren aufzubauen.
Fazit: Eine interessante Betrachtung der sizilianischen Verhältnisse, gepaart mit einer mittelmäßigen Kriminalhandlung.
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