flip flip Hier klicken Jetzt informieren Xmas Shop 2017 Cloud Drive Photos UHD TVs Mehr dazu TDZ Mehr dazu Mehr dazu Shop Kindle AmazonMusic Fußball wint17

Kundenrezensionen

3,7 von 5 Sternen
55
3,7 von 5 Sternen
Herr Jensen steigt aus: Roman
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:8,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime


am 15. Dezember 2013
Ein kurzes, aber sehr intelligentes Buch. Es sind vor allem die leisen Zwischentöne, die dieses Buch ausmachen, zum Teil fand ich es aber auch sehr beklemmend zu lesen, wie Herr Jensen sich immer mehr aus der Gesellschaft zurückzieht. Ein gutes Buch, das auch schnell zu lesen ist, aber irgendwie habe ich auch mehr erwartet.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 9. Dezember 2006
Ist es nicht absurd, dass man AUSsteigt, indem man sich EINigelt? Das ist eine der Spitzfindigkeiten in einem Roman, der vor Absurditäten nur so strotzt, ja, der das Wort "absurd" als Leitmotiv zu tragen scheint.

Der unscheinbare Herr Jensen arbeitet bei der Post. Eines Tages muss die Post rationalisieren. Und um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, wird Herrn Jensen ' gekündigt. Absurd, wie gesagt. Und was macht Herr Jensen? Herr Jensen steigt aus. Zieht sich Stück für Stück aus der Welt zurück, igelt sich ein, löst sich auf.

Der 134 Seiten-Roman ist das Psychogramm eines Außenseiters, eines einsamen Menschen, der in den eigenen Grenzen gefangen ist und sich nur mehr und mehr isoliert. Jensen hat sich zeitlebens von anderen schieben lassen, aus Mangel an eigenem Antrieb. Selbst auf die Idee mit dem Job bei der Post kam erst ein Schulfreund. Und weil es sich ergab, blieb Herr Jensen eben dort, bis es sich ergibt, dass er gehen muss. Wenn es nach Herrn Jensen geht, könnte immer alles so bleiben, wie es ist. Denn das bedeutet Sicherheit. Denken nicht viele so?

Doch gerade an dem Punkt, wo für viele die Unsicherheit beginnt, in der Arbeitslosigkeit, findet Herr Jensen seine Stärke. Er verweigert sich still. Er demonstriert stumm und innerlich gegen die Welt. Er philosophiert über das Leben und dessen Essenz, beschäftigt sich hauptberuflich mit der Analyse des Fernsehprogramms und dringt schließlich zur großen Stille vor, und er verteidigt seinen Status schließlich vehement gegen jeden, der an seinem Leben rütteln möchte. Und das Verblüffende geschieht: die Umwelt hat ein Einsehen. Und Herr Jensen, der zunächst nur ungern nach draußen geht, sich dann auch von seinem Fernseher und später von seinem Briefkasten trennt, löst sich als Person Stück für Stück auf und ist zufrieden damit. All das, was in unserer Gesellschaft einem Menschen einen Rahmen gibt und ihn mit seiner Umwelt verbindet, wirft Herr Jensen in den Müll. Am Ende sogar sein Klingelschild.

Der Sprachfluss des Romans ist so ebenmäßig wie der Pulsschlag seines Helden, die Sprache ist knapp, fast naiv, als wundere sich der Autor selbst über die Absurditäten, die er erfindet. Auch wenn Jakob Hein seinen Helden unerbittlich festhält und seine Auflösung akribisch dokumentiert, bleibt Herr Jensen doch immer ein wenig fern, als würde man ihn durch ein Guckloch beobachten, was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass Herr Jensen scheinbar keinen Vornamen besitzt. Es ist das Verdienst des Autos, dass die Tragik der Geschichte trotzdem immer wieder humorvoll durchbrochen wird, etwa wenn der bundesdeutsche Alltag auf dem Arbeitsamt oder bei einer nutzlosen Weiterbildungsmaßnahme nüchtern seziert wird. "Herr Jensen steigt aus" ist ein unaufgeregtes und doch kurzweiliges Buch über einen Menschen am Rande der Gesellschaft, der sich weigert, den ganzen Zirkus weiter mitzumachen und deshalb über den gesellschaftlich vereinbarten Rand hinaustritt.
0Kommentar| 24 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. August 2007
Dieser kurze Roman hat bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen.
Mit fast harmloser Leichtigkeit behandelt das Buch brandaktuelle Themen.
Hartz IV, verdrängte Hochschulrealitäten, Vereinsamung, sozio-kulturelle Verödung, Brachliegen intellektuellen Potentials, televisionäres mediales Valium, Verschwörungstheorien.
All dies auf ganz wenigen Seiten, unaufgeregt und so, dass das Grauen nie richtig weh tut, angenehm erträglich bleibt. Mit Respekt vor seiner Hauptfigur, die ein Mensch ist mit Zügen, die vielen von uns gar nicht mal so fremd sein dürften.
Mit etwas mehr inhaltlichem Volumen und Ausdauer hätte dies ein richtig großer Roman werden können. So allerdings ist man ein bisschen enttäuscht und hat fast das Gefühl, nur ein Expose in den Händen zu halten. Mehr wäre hier noch mehr gewesen aber rotzdem ohne Frage ein richtig gutes Buch!
0Kommentar| 5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 18. August 2006
Ich kann mich daran erinnern, eine Kritik in einer Zeitung über dieses Buch gelesen zu haben. Der Rezensent meinte, er hätte sich beim Lesen des Buches gelangweilt. Es ist seine Meinung. Ich habe dieses Buch verschlungen, und mir ist es gleich, welche Kniffe und Tricks man dem Sohn von Christoph Hein vorwirft. Mich soll Literatur in erster Linie unterhalten, da sind irgendwelche literaturwissenschaftliche Aspekte zweitrangig. Ich merke selbst beim Lesen, ob der Stoff meine eigenen Kriterien erfüllt.

Ein jeder kennt einen Herrn Jensen. Und mit ihm verhält es sich (meiner Meinung nach) ähnlich wie mit Gollum. Man denkt bei Herrn Jensen an einen totalen Versager, der nichts alleine auf die Reihe bekommt. Und es ist offensichtlich auch so. Doch andererseits hegt man an einigen Stellen Sympathie für ihn. Die arme Frau Ortner vom Arbeitsamt hat ganz schön zu leiden, aber wie Herr Jensen mit ihr diskutiert, ist auch nicht ohne. Im Geheimen sagt man sich, Mensch, der Junge hat ja Recht. Auch sein ehemaliger Schulkamerad kommt auch nicht ungeschoren davon. Selbst den bringt er zur Verzweiflung, mit Argumenten, die man beidseitig betrachten und auslegen kann.

Dieses Buch ist einfühlsam und intelligent geschrieben. Es langweilt zu keiner Sekunde und ist ein gutes Spiegelbild unserer Gesellschaft. Es mag auch ein unbequemes Buch sein, aber davon sollte es noch mehr geben.

Ich kann jedenfalls nur eine unbedingte Leseempfehlung abgeben.
0Kommentar| 8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 23. Oktober 2008
Wenn man sich auf den Protagonisten und seine Denkweise bzw sich langsam verändernde Sichtweise der Welt ohne Vorbehalte einlässt, wird man in einen kleinen aber feinen sich in der Geschwindigkeit subtil steigernden Strudel hineingezogen, der einen, zumindest mich, bis zum Schluss nicht loslässt.
Ich würde mir nie anmassen zu sagen "lesenswert" oder "kaufen bzw nicht kaufen".
Ich fand diesen schmalen Band in sich geschlossen, stimmig, ein Fragment eines sich langsam zerrüttenden Geistes, nicht mehr und nicht weniger.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 30. Dezember 2013
Wunderbar verhalten lustig und lebensklug. Toll, wie Jakob Hein so nebenbei Labsal schafft. xx xx xx xx xx xx xx
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. Oktober 2006
Herr Jensen steigt aus: zuerst aus der Arbeit, die er wegen eines Formfehlers verliert, dann aus dem Informationsfluß, als er seinen Fernseher aus dem Fenster wirft und zum Schluß ganz allgemein aus unserer Gesellschaft, die er als Scheinwelt definiert, welche nichts mit seinem Leben zu tun hat. Dabei handelt er nach seiner eigenen, etwas ungewöhnlichen Logik, die auf den ersten Blick verrückt wirkt, beim zweiten Hinsehen offenbart sich aber eine ungewohnte Perspektive auf unser tägliches Leben. Wie provozierend seine Gedanken sind zeigt sich jedes Mal, wenn Herr Jensen die Frage nach seiner Tätigkeit schlicht mit "Nichts" beantwortet. Darf das überhaupt Einer, in unserer Gesellschaft "Nichts" tun, sich einer sinnvollen Tätigkeit und dem damit verbundenen Konsum verweigern? (Und dabei geht es nicht um Sozialschmarotzen, sondern um eine Lebenseinstellung!) So lange mit dieser Antwort ganze Weltbilder erschüttert werden können, weil sich der Gesprächspartner zum ersten Mal in seinem Leben fragt, ob sich sein eigenes Dasein nur über die Arbeit definiert, sollten Autoren wie Jakob Hein unbequemen Bücher schreiben.
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. Januar 2008
"Herr Jensen steigt aus" ist eines der wenigen Bücher, die ich gelesen habe, die es schaffen, gleichzeitig witzig und unerträglich zu sein. Ich musste das Buch zwischendurch immer mal weglegen und einen Realitäts-Check durchführen, um dem Abwärtssog der 'Selbstauflösung' von Herrn Jensen gedanklich zu entgehen.
0Kommentar| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. Juli 2006
Nachdem Jakob Heins letzte Werke alle autobiographische Züge trugen, legt er mit seinem neuen Roman "Herr Jensen steigt aus" eine skurril- realistische Schilderung aus der Welt der arbeitslos gewordenen Menschen in unserem Land vor. Man könnte das Buch komisch nennen, das ist es auch über weite Strecken, doch das Lachen bleibt dem Leser immer wieder im Halse stecken, weil es wirklich die Realität vieler Hartz- IV - Empfänger beschriebt, zwar literarisch sehr überzeichnet, aber dennoch nicht weniger real.

Herrn Jensen ist während seines Studiums einfach bei der Post hängen geblieben. Immer wieder hatte er seit seiner Oberstufenzeit in den Ferien, dann in den Semesterferien bei der Post als Briefträger gejobbt. Als er mit dem Studium plötzlich aufhörte, blieb er bei der Post, es wurde aber von beiden Seiten versäumt, seinen Aushilfsvertrag in einen richtigen Arbeitsvertrag umzuwandeln.

Und so arbeitet er sehr zuverlässig über zehn Jahre in seinem Zustellbezirk und ist ansonsten recht einsam. Daran ist er aber auch selbst schuld. Auch mit dem anderen Geschlecht will es nicht klappen:

"Sicher hätte Herr Jensen gute Freundinnen haben können. Denn obwohl er nicht der richtigen Frau begegnete , war er doch mit einigen Frauen bekannt. Sie boten ihm gelegentlich an, gute Freundinnen von ihm zu sein. Nun hatte Herr Jensen im Grunde genommen nichts gegen eine gute Freundin. Du bist ganz anders. Mit dir kann man sich wie mit einer richtigen Freundin unterhalten. Du kannst so gut zuhören ..."

Und so geht es ihm wie so manchem "zarten" Mann: die Frauen mögen ihn, aber schlafen tun sie mit den härteren, über die sie sich im Gespräch mit den Zarten auslassen.

Herr Jensen wird arbeitslos. Er wird gekündigt, damit niemand mit einem normalen Vertrag gekündigt wird, obwohl er einer der Dienstältesten ist.

Er versucht sich, mit diesem Schicksal einzurichten, überlebt auch eine sogenannte Qualifizierungsmaßnahme ( man denkt beim Lesen: läuft das wirklich so chaotisch und korrupt ab in der Arbeitsverwaltung ?) und stürzt sich dann in ein Videoprojekt, indem er herausfinden will, was hinter all den nachmittäglichen Talkshows im Fernsehen steckt.

Doch das wächst ihm irgendwann verständlicherweise über den Kopf, und er beschließt, sich im einfachen Nichtstun zu üben. Er geht kaum mehr aus dem Haus, und als die wohlwollende Arbeitsverwaltung ihn nach Monaten in seiner Wohnung aufsucht, beschließt Herr Jensen komplett und radikal auszusteigen ...

Der Roman ist leicht geschrieben, wie gesagt urkomisch, bewegt sich zwischen dem normalen Alltag und dem Wahnsinn dahinter. Er ist auf jeden Fall zu empfehlen.
0Kommentar| 18 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. Februar 2011
Ich kann vielen Rezensionen nur zustimmen. Dieses Buch ist sprachlich brilliant, die Geschichte aber nicht unnötig lang erzählt (da muss ich anderen Lesern widersprechen). Die Handlung verläuft aberwitzig, letzten Endes sehr konsequent zuendegedacht und stimmt einen schon sehr nachdenklich und macht betroffen, denn man fragt sich, für wieviele Menschen dieses traurige Einzelschicksal wohl in unserer Gesellschaft stehen mag. Ich lese hier gerade die anderen Kommentare und bekomme glatt Lust, es NOCHEINMAL zu lesen (ist schon ein Weilchen bei mir her), zumal es ja kein langer Roman ist. Der Erzählstil ist irgendwie lakonisch, "heiter", knapp gehalten, aber eben alles drin, was für die Vermittlung der Geschichte wichtig ist, ein wenig wie bei Kafka. - Vor einigen Jahren habe ich einen japanischen Roman gelesen (Kobo, Abe: Der Schachtelmann), der m. E. ein ähnliches Schicksal thematisiert, fast noch grotesker als hier, aber ohne die Leichtigkeit im Erzählstil wie von Hein; wen es vor dem kulturellen Hintergrundvergleich interessieren sollte...

Noch ein interessanter Nebenaspekt für mich: Dieses Buch eignet sich zumindest vom sprachlichen Aufbau her auch sehr gut für Ausländer, die ihre Deutschkenntnisse erweitern/verbessern möchten, da es eben nicht so weitschweifig im Erzählstil und (platt gesagt:) nicht so dick ist. Natürlich vermittelt der Inhalt nicht unbedingt das beste Bild von der dt. Gesellschaft und Befindlichkeit, aber da die Handlung ohnehin völlig überspitzt ist (wie auch beim "Schachtelmann"), kann man es durchaus mit einer ironischen Distanz lesen. Auch für den deutschen Schulunterricht halte ich es für sehr geeignet, denn es lädt neben seines Sprachstils doch auch zu erheblichen (evtl. philosophischen) Grundsatzdiskussionen ein. Nur mal so als Anregung...
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden