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am 7. April 2014
Eine kluge Situationsanalyse, die zeithistorisch-kritisch weder Heideggers Jargon auf den Leim geht, noch den Philosophen billig ironisiert. Hachmeister konzentriert sich auf eine präzise Analyse des berühmten "Spiegel"-Gesprächs mit Heidegger und liefert damit eine gute Einführung in den gesamten Heidegger-Komplex überhaupt. "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein und Georg Wolff, sein Adlatus mit SS-Hintergrund, können und wollen offenbar naheliegende Fragen in dem "Spiegel"-Interview gar nicht stellen - signifikant für die Bundesrepublik vor der 1968er-Revolte. Seit der jüngsten Publikation der "Schwarzen Hefte" ist ohnehin klar, dass Heidegger seine Denkarbeit als langfristig wirksame "Geistespolitik" begriff. Damit wird in diesem Buch klar, dass Heidegger sein Denken auch als publizistisches Projekt begriff, das nach seinem Tod weiter wirken sollte - obwohl er die "Journalistik" generell verachtete. Ein Paradox, das in "Heideggers Testament" spannend offengelegt wird.
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am 16. Juni 2014
Hachmeister konzentriert sich auf die kommunikativen und publizistischen Aspekte des „Falls Heidegger“ anhand des berühmten „Spiegel“-Interviews von 1966. Dies hat den Vorteil einer Verständlichkeit auch für Nicht-Heidegger-Spezialisten. Deutlich wird, dass Heidegger einerseits gegen demokratische Öffentlichkeit und NS-Propaganda zugleich das „Schweigen“ und die „Verhaltenheit“ lehrte, aber mit deutschnationalem Grundton doch bis in ferne Jahrhunderte wirken wollte – mithilfe seiner 102-bändigen Gesamtausgabe. Und wie die Diskussion um seine „Schwarzen Hefte“ zeigt, hat er dies ja in gewisser Weise hinbekommen. Hachmeisters Buch liefert zudem die bislang wohl gründlichste Einführung in die Entstehungsgeschichte des „Spiegel“.
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am 4. Juni 2014
Der Verfasser schreibt die "Biographie eines Gesprächs", man denkt anfangs es wäre langweilig, ist es aber nicht. Es entfaltet sich ein kleiner Krimi, mit Rückblenden und weiterführenden Überlegungen, sehr kenntnisreich und erhellend.

Das Buch ist keine Einführung in Heideggers Philosophie, hilft aber, sich einen besseren Überblick zu verschaffen. Dasselbe gilt für das Aufzeigen von Verbindungen der Heidegger Philosophie zu den Grünen und den sog. Neuen Konservativen. Fast unheimlich, wie der tote Heidegger weiterwirkt.
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am 23. März 2014
Der Aufhänger des Buches, das 1966 geführte und erst nach dem Tod des Philosophen 1976 veröffentlichte "Spiegel-Interview" ist nicht wiedergegeben. Dafür gibt es wohl urheberrechtliche Gründe. Die bruchstückhaften Zitate der Tonbandaufnahme bzw. Zusammenfassungen durch Hachmeister geben zwar einen Eindruck von dem Interview, notgedrungen aber einen unvollständigen.

Allerdings ist das "Spiegel-Interview" selbst nicht mehr als ein Aufhänger für das Buch, ebenso wie die sicherlich dem Gesamtwerk Heideggers nicht gerecht werdende Bezeichnung der Veröffentlichungssperre für dieses singuläre Faktum als "Heideggers Testament".

Als Ereignis ist das Interview zweifelsohne in mehrfacher Hinsicht interessant. Dass es überhaupt zu diesem Interview zwischen Augstein und Heidegger gekommen ist, aber auch die Zurückhaltung der Veröffentlichung um nahezu 10 Jahre, beides ist ohne genauere Kenntnisse über die handelnden Personen und das relevante Umfeld kaum verständlich. Dies herauszuarbeiten ist sicher die Stärke des Buches. Insbesondere die durchaus spannende Nachzeichnung der Anfänge des Spiegel und seine Verstrickungen mit aus dem Geheimdienstmilieu des Dritten Reiches stammenden Personen dürften manchen Leser überraschen, vielleicht auch den frühen Erfolg als Nachrichtenmagazin in einem neuen Licht erscheinen lassen. Dass Augstein und Heidegger eine gemeinsame Feindschaft gegen den politischen Katholizismus (vor allem in Gestalt von Bundeskanzler Adenauer) einte, mag stimmen, wirkt aber eher als kleinkarierte Anekdote denn als überzeugende Erklärung warum ausgerechnet der Spiegel von Heidegger als Organ für die Veröffentlichung des Interviews akzeptiert wurde.

Hachmeister sucht Ursachen zudem auch in persönlichen Beziehungen. Das klingt plausibel. Eine besondere Rolle weist er diesbezüglich dem neben Augstein für den Spiegel am Interview beteiligten, ehemaligen SD-Offizier Georg Wolff zu, von dem er auch umfänglich nicht veröffentlichte Memoiren wiedergibt. Das ist alles sehr spannend, ebenso wie die Herausarbeitung vielfältiger sonstiger Viten von Personen mit Bezug auf die Anfangsjahre des Spiegel oder auf Heideggers Rektorat, dem anderen Kristallisationspunkt des Buches. Nur, Heideggers Denken selbst kommt hierbei doch insgesamt zu kurz. Zwar garniert Hachmeister sein Buch immer wieder mit im "Heidegger-Jargon" gehaltenen Zitaten, ein Verständnis worum es Heidegger eigentlich ging, lässt sich daraus aber nicht gewinnen. Gerade die zwar angesprochene aber nicht angegangene Frage, ob Heidegger ein gedanklicher Wegbereiter des deutschen Versagens war, bedarf aber eines Zugriffs auf die Quellen seiner Texte und kann nicht allein zeitgeschichtlich erschlossen werden.

Obwohl sich Hachmeister insgesamt um ein sehr ausgewogenes Urteil über die behandelten Personen bemüht, fällt doch auf, dass er im letzten Teil des Buches in gewisser Weise mit Hermann Heidegger abrechnen will. Zwar zeigt er Verständnis für dessen Schicksal als Soldat im 2. Weltkrieg, für die Art der Verwaltung des Nachlasses seines Ziehvaters allerdings umso weniger. Mit dem Thema des Buches hat dieser Epilog jedoch nichts zu tun, weshalb ich nur vermuten kann, hier wird wegen der verweigerten Abdruckrechte des Spiegel-Interviews nachgetreten. Dessen Rechte liegen nämlich beim Heidegger-Nachlass und nicht beim Spiegel.
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am 7. November 2015
Ist eher eine "der Spiegel und seine (notwendigen?) Verstrickungen mit ehemaligen Nazi SD-Leuten" Geschichte, deswegen nicht uninteressant. Sicherlich eine interessante Lektüre, auch wenn der Titel etwas irreführend sein mag.
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