Lade die kostenlose Kindle-App herunter und lese deine Kindle-Bücher sofort auf deinem Smartphone, Tablet oder Computer – kein Kindle-Gerät erforderlich.
Mit Kindle für Web kannst du sofort in deinem Browser lesen.
Scanne den folgenden Code mit deiner Mobiltelefonkamera und lade die Kindle-App herunter.
OK
Bild nicht verfügbar
Farbe:
-
-
-
- Herunterladen, um dieses Videos wiederzugeben Flash Player
Hans Globke (1898-1973): Beamter im Dritten Reich und Staatssekretär Adenauers Gebundene Ausgabe – 14. September 2009
Kaufoptionen und Plus-Produkte
- Seitenzahl der Print-Ausgabe445 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberCampus Verlag
- Erscheinungstermin14. September 2009
- Abmessungen15.4 x 3.3 x 21.8 cm
- ISBN-103593390353
- ISBN-13978-3593390352
Produktbeschreibungen
Pressestimmen
"Lommatzsch untersucht in seinem Buch vor allem die reale Tätigkeit des Beamten. Ihm geht es darum, die 'Handlungsspielräume' auszuloten, die sich für Globke in seiner jeweiligen Tätigkeit ergaben - und wie er damit umging. Dieser Ansatz ist die Stärke der Studie." (Die Welt, 01.10.2009)
Der Schattenmann
"Globkes Doppelbild wird von Erik Lommatzsch eindrucksvoll und ausdrucksstark gezeichnet." (Die Welt, 10.10.2009)
Werbetext
Über den Autor und weitere Mitwirkende
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
1. Annäherungen an Hans Globke
1. Seit 1935 war die Personalakte des Oberregierungsrates Fritz Hoch praktisch nicht mehr greifbar. Der mehrfachen Anforderung dieser Akte konnten die Registraturbeamten des Reichs- und Preußischen Ministeriums des Inneren nicht nachkommen, stets befand sie sich irgendwo "im Geschäftsgang" oder war "nicht auffindbar". Andererseits tauchte sie immer dann in der Registratur auf, wenn sie gerade niemand benötigte.
Was sich hier für die meisten Beteiligten als ärgerlicher Alltagszufall darstellte, war eine unspektakuläre, aber gezielte und sehr wirksame Aktion, die dem Oberregierungsrat Hoch mit Sicherheit die Stellung und mit hoher Wahrscheinlichkeit das Leben rettete.
Für die Bewegung der Akte hatte ein Beamter des Reichsinnenministeriums gesorgt: Hans Globke.
Als "Nichtarier" und exponierter Sozialdemokrat hätte Hoch bereits im Frühjahr 1933, nach Erlass des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, seine Stellung verlieren müssen. Durch die Hilfe eines Freundes, des Landesrates Erich Schultze, konnte die bereits eingeleitete Entlassung zunächst abgewendet werden. Als 1935 die Entlassung Hochs erneut bevorstand, konnte Schultze, der inzwischen selbst wegen "politischer Unzuverlässigkeit " aus dem öffentlichen Dienst entfernt und dem sogar das Betreten des Ministeriums des Inneren untersagt worden war, sich nicht mehr direkt für Hoch verwenden. Der mit Schultze befreundete Rechtsanwalt Ludwig Bielschowsky übernahm es daraufhin, innerhalb des Ministeriums nach Beamten zu suchen, die sich für Hoch verwenden könnten. Von Schultze selbst sowie vom Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg war ihm ganz besonders der Oberregierungsrat Hans Globke empfohlen worden. Hans Globke, selbst nicht in der Personalabteilung beschäftigt, vermittelte Bielschowsky den Kontakt zu Amtsrat Wolter, einem Sachbearbeiter der Personalabtei lung. Wolter war es dann, der auf Anregung Globkes die Personalakte Hochs verschwinden und wieder auftauchen ließ.
2. Recht kurzfristig musste der Ministerialdirektor Hans Globke im Juni 1953 nach Unterfranken reisen. Bundeskanzler Adenauer war verärgert, vor allem aber besorgt über das Gebaren des Würzburger Bischofs Julius Döpfner. Dieser hatte sich geweigert, gemeinsam mit einem evangelischen Geistlichen eine neu errichtete Zuckerfabrik in Ochsenfurt zu weihen. Die Geschichte, die auf den ersten Blick eher anekdotischen Charakter aufweist, barg jedoch die Gefahr von vergleichsweise großen Auswirkungen. Durch diesen und verschiedene ähnlich geartete Kleinkriege zwischen den Konfessionen war deren Verhältnis stark belastet. In der Öffentlichkeit fanden derartige Auseinandersetzungen ein starkes Echo. Aber gerade auf den Zusammenhalt von Protestanten und Katholiken war die CDU angewiesen, da sie sich als christliche Partei, unabhängig von der jeweiligen Konfession, geschlossen gegen die anderen weltanschaulichen Lager positionieren wollte und zudem Konkurrenz von Parteien zu befürchten hatte, die konfessionell einseitig ausgerichtet waren. Vor allem in Anbetracht der im September 1953 anstehenden Bundestagswahl konnten dem Kanzler derartige Aktionen von kirchlichen Würdenträgern wie Julius Döpfner alles andere als willkommen sein. Um zu vermitteln und um den Würzburger Bischof zum Einlenken zu bewegen, schickte er Hans Globke, der informell wohl schon zu dieser Zeit sein erster Mann im Bundeskanzleramt war. Globke fuhr nach Würzburg und sprach bei dem von ihm im Übrigen nicht allzu hoch geschätzten Döpfner vor. Verborgen blieb das indirekte Eingreifen des Bundeskanzlers in diese Angelegenheit zwar nicht, aber so weit wie möglich hatte man sich um Geheimhaltung bemüht. Ein Bekannter Globkes aus der Zeit im Reichsinnenministerium, der inzwischen in Würzburg tätig war, beklagte sich, dass er von Globkes Reise erst im Nachhinein aus der Zeitung erfahren habe.
Globke konnte Döpfner zum Einlenken bewegen; unter anderem wurde eine Erklärung veröffentlicht, in der der Bischof sein prinzipielles Eintreten für den konfessionellen Zusammenhalt betonte. Eine rasche Sinneswandlung war da vollzogen worden.
3. Am 23. Juli 1963 erging das Urteil. Der 1. Strafsenat des Obersten Gerichts der DDR sprach "Hans, Josef, Maria Globke, Staatssekretär im Bundeskanzleramt der deutschen Bundesrepublik", wegen "in Mittäterschaft begangenen fortgesetzten Kriegsverbrechens und Verbrechens gegen die Menschlichkeit in teilweiser Tateinheit mit Mord" schuldig. Lebenslanges Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit waren dafür vorgesehen - eine Verurteilung, die angesichts der Tatsache, dass die DDR keinen Zugriff auf Globke hatte, symbolischen Charakter trug.
Beispielhaft steht jede der drei Episoden für einen der Ausgangspunkte, von denen aus eine Annäherung an Hans Globke möglich wäre, oder anders gesagt, jede der drei Episoden steht für eines der Bilder, welche von ihm überliefert und im Bewusstsein der Nachwelt, sei es in der Wissenschaft, sei es in der historisch interessierten Öffentlichkeit, verankert sind. Da ist zum einen der Ministerialbeamte, der während der gesamten Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft im Reichsministerium des Inneren Dienst tat, ohne überzeugter Nationalsozialist zu sein, dies aber wohl zu verbergen wusste. Dabei nutzte er seine Position, um vom Regime Verfolgten und Entrechteten so weit wie möglich zu helfen. Zum zweiten ist da der Mann im Bundeskanzleramt, zunächst Ministerialdirektor, seit 1953 Staatssekretär, der Mann hinter Adenauer, sein vielleicht wichtigster Mitarbeiter, der den Kanzler mit seinen organisatorischen Fähigkeiten und seiner immensen Arbeitskraft unterstützte, großen Einfluss auf die personelle Besetzung verschiedenster Positionen nahm und - wie gezeigt - im Konfliktfall zu geräuschloser Vermittlung eingeschaltet wurde oder, wenn man so will, um Abweichler, die Adenauer als Angehörige des eigenen Lagers betrachtete und benötigte, wieder auf Linie zu bringen. Bezeichnenderweise war Globke von Beginn an, das heißt seit September 1949, im Kanzleramt tätig; gemeinsam mit Adenauer schied er im Oktober 1963 aus dem Dienst. Das aber wohl wirkungsmächtigste Bild, welches von Globke vorherrscht, wird durch das Urteil des Obersten Gerichts der DDR repräsentiert. Globke wird hier als einer der Schreibtischtäter des Dritten Reiches charakterisiert, mitverantwortlich für das Verbrechen des Holocausts an der jüdischen Bevölkerung, zu verorten gleich hinter Adolf Eichmann. Und zu allem Überfluss wurde es ihm dann auch noch ermöglicht, in der Bundesrepublik in höchste Positionen aufzusteigen.
Vorweggenommen sei, dass die beiden ersten hier aufgezeigten Bilder - Globke als Helfer für im Dritten Reich Verfolgte und Globke als wichtiger Mitarbeiter des Bundeskanzlers, der sich ganz in den Dienst der Umsetzung von Adenauers Politik stellte - etwas für sich haben, wenn auch sicher nicht in der oben umrissenen Absolutheit. Wenig hingegen hat Globke mit einem Schreibtischtäter des Dritten Reiches gemein. Er wurde von den politischen Gegnern Adenauers, sowohl in der Bundesrepublik als auch außerhalb, hier insbesondere von der DDR, instrumentalisiert. Der von ihm verfasste Kommentar zu den Nürnberger Gesetzen sowie die Tatsache, dass er als höherer Beamter des Dritten Reiches das Regime zwangsläufig auch unterstützte, werden jedoch, trotz aller Argumente, die zu Globkes diesbezüglicher Verteidigung angeführt werden können, als belastende Momente bleiben.
Gegen Globke wurden von verschiedenen Seiten Kampagnen in Gang gesetzt. Hält man sich deren Ausmaß und den Aufwand, mit dem sie betrieben wurden, vor Augen, so hatten sie vergleichsweise wenig greifbaren Einfluss auf sein Wirken. Aus diesem Grund sollen die Kampagnen hier nicht zentraler Gegenstand sein. Das überlieferte Material würde eine eigene Studie rechtfertigen, die Globke jedoch...
Produktinformation
- Herausgeber : Campus Verlag; 1. Edition (14. September 2009)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 445 Seiten
- ISBN-10 : 3593390353
- ISBN-13 : 978-3593390352
- Abmessungen : 15.4 x 3.3 x 21.8 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 148,986 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
- Nr. 475 in Politik & Geschichte des 21. Jahrhunderts (Bücher)
- Nr. 952 in Das Dritte Reich (Bücher)
- Nr. 957 in Politische Biografien & Erinnerungen (Bücher)
- Kundenrezensionen:
Informationen zum Autor

Entdecke mehr Bücher des Autors, sieh dir ähnliche Autoren an, lies Autorenblogs und mehr
Kundenrezensionen
Kundenbewertungen, einschließlich Produkt-Sternebewertungen, helfen Kunden, mehr über das Produkt zu erfahren und zu entscheiden, ob es das richtige Produkt für sie ist.
Um die Gesamtbewertung der Sterne und die prozentuale Aufschlüsselung nach Sternen zu berechnen, verwenden wir keinen einfachen Durchschnitt. Stattdessen berücksichtigt unser System beispielsweise, wie aktuell eine Bewertung ist und ob der Prüfer den Artikel bei Amazon gekauft hat. Es wurden auch Bewertungen analysiert, um die Vertrauenswürdigkeit zu überprüfen.
Erfahren Sie mehr darüber, wie Kundenbewertungen bei Amazon funktionieren.-
Spitzenrezensionen
Spitzenbewertungen aus Deutschland
Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuche es später erneut.
Besonders hervorzuheben ist, dass die Widersprüche in Globkes Handeln in dem Buch gut dargestellt werden, ohne vorschnell zu urteilen. Laut dieser Biographie war Globke zwar kein Nationalsozialist, aber auch kein Widerstandskämpfer, auch wenn er später oft versuchte, sich so präsentieren.
Beschrieben wird zudem Globkes Tätigkeit als Ratgeber Adenauers. Hier erfährt man, wie weit sich der Einfluss Globkes erstreckte, aber auch, wie begrenzt sein persönlicher Ehrgeiz war.
Nach der Lektüre des Buches kann man viele Propagandalegenden, die über die graue Eminenz" Globke im Laufe der Zeit entstanden sind, getrost als erledigt betrachten!
Ich schenke dem Autor jedoch in einigen seiner Ausführungen Glauben. So belegt er nach meiner Ansicht glaubhaft die Versuche Globkes, juristische Ratschläge zu geben oder mildernd auf die NS-Gesetzgebung einzuwirken und so Verfolgungen zu verhindern oder wenigstens zu verzögern. Auch entlarvt er die Kampagnen der DDR und der deutschen Linken gegen Globke als haltlos und lediglich politisch motiviert. Dennoch stand Globke als Referent des Innenministeriums im Dienste des NS-Regimes und war mittelbar an Verfolgungen beteiligt. Vereinzelte Ratschläge an Verfolgte oder lockere Kontakte zu Widerständlern ändern daran nichts, zumal Globkes geringes Engagement wohl eher auf christliche als auf politische Überzeugungen zurückzuführen ist. Es wäre selbstgerecht, Globke daraus einen Vorwurf zu machen, nur sollte man ihn nicht in einer durchschaubaren politischen Absicht zum Widerstandshelden verklären.
Indes ist das Buch des politischen Journalisten Jürgen Bevers nach meiner Ansicht nicht besser. So bleibt eine objektive Biografie über den umstrittenen Sekretär Adenauers weiterhin ein Desiderat.
Unaufgeregtheit, kritisches Hinterfragen und Fairness kennzeichnen die Abschnitte über das "Dritte Reich" und die Nachkriegszeit, in der Globkes eigentlicher Aufstieg begann.
Oft wurde über Globke auf dürftiger Wissensgrundlage geredet, spekuliert und geurteilt - hier findet man nun Fakten, die Maßstab jeder künftigen Bewertung sein sollten.
In dieser Biographie erfährt nun auch der allgemein an Politik und Zeitgeschichte Interessierte, was es mit diesem widersprüchlichen Mann auf sich hat ' einem Beamten, der einerseits einen Kommentar zu den antisemitischen Nürnberger Gesetzen verfasste, sich andererseits persönlich einsetzte, wenn es galt, Verfolgten des NS-Regimes zu helfen.
In der Bundesrepublik war Globke für Adenauer immens wichtig, heute würde man sagen ein idealer Manager im Hintergrund. Über Missliebige Politiker, selbst CDU-Parteifreude, trug Globke allerlei Informationen zusammen ' was anekdotenhaften Charakter hat und sich zuweilen sehr amüsant liest.