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Handbuch der Rauschdrogen Taschenbuch – 1. November 2004

3.7 von 5 Sternen 6 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Beide Autoren sind Psychologen mit Erfahrung im Bereich Drogen und Therapie. Sie haben zahlreiche Fach- und Sachbücher veröffentlicht, die auch in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden.

Jürgen vom Scheidt, 1940 in Leipzig geboren, hat in München Psychologie, Soziologie, Anthropologie und Psychopathologie studiert. Mit einer Studie über Drogenabhängigkeit hat er promoviert. Nach Tätigkeiten als Lektor und Publizist arbeitet vom Scheidt in eigener psychologischer Praxis in München und in seiner "Münchner Schreib-Werkstatt".

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Banisteriopsis caapi
(Ayahuaska, Caapi, Banisteria, Yajé, Yagé)

Schon früh haben Reisende im Amazonasgebiet berichtet, wie die Angehörigen zahlreicher Indianerstämme dort aus der Liane Banisteriopsis caapi ein Getränk zubereiteten, dem zahlreiche magische Effekte zugeschrieben werden: Es soll sie befähigen, Kontakt mit der Geisterwelt aufzunehmen, verlorene Gegenstände wiederzufinden, entlaufene Tiere aufzuspüren oder militärische Aktionen eines Gegners vorauszusehen. Der Trank - in der Regel eine eingedickte Abkochung - hat bei den Stämmen viele verschiedene Namen: Caapi, Ayahuaska, Yajé, Yagé. Er wird aus Stengeln, Blättern und Wurzeln der Liane zubereitet.

Chemie und Wirkung
Man hat dem wichtigsten Alkaloid, das man aus Banisteriopsis isolieren konnte, verschiedene Namen gegeben: Telepathin, Yagein und Harmin. Durchgesetzt hat sich heute die Bezeichnung Harmin. Das Alkaloid enthält ebenso wie die eng verwandten Stoffe Harman und Harmalin einen Indolring (? RA V). Man findet Harmin außer in Banisteriopsis auch in der Steppenraute, Peganum harmala, die von Südeuropa (Balkanländer) bis nach Tibet gedeiht, aber - soviel man weiß - bisher noch nicht als Rauschdroge benutzt worden ist. Ihre Samen werden in der Volksmedizin als Mittel gegen Würmer und zur Blutreinigung benutzt.
Die Hauptalkaloide der Steppenraute (Harmin) und der Liane (Banisterin) sind pharmakologisch, chemisch und kristallographisch identisch, wenngleich noch Lewin meint: " Ersatzmittel für Banisterin gibt es nicht. Das mit ihm identisch sein sollende Alkaloid Harmin leistet klinisch nicht das, was (von mir) geschildert wurde" (1929, S. 18).
Harmin bildet farblose, seidenglänzende Prismen, löst sich in Alkohol und Ether, nicht in Wasser, schmilzt bei 256'C, wobei es sich zersetzt, und färbt reine, konzentrierte Schwefelsäure rosa. Bei Tieren steigert es die Erregbarkeit der Reflexe; so macht es Hunde beißlustiger. Warmblüter beginnen heftig zu zittern und können sich nur mit Mühe aufrecht halten. Das Benehmen der Hunde, an denen man Harmin/Banisterin erprobte, war so auffällig, daß man annehmen mußte, die Tiere hätten Sinnestäuschungen; so bellte eines ohne Grund eine Tür an. Beim Menschen ist reines Harmin ein wirksames Halluzinogen, wirkt also ebenso wie ?Meskalin und ?LSD. Der Ethnologe Koch-Grünberg hat die von den Indianern aus Banisteriopsis caapi zubereitete Rauschdroge konsumiert, in der wahrscheinlich noch eine Reihe weiterer, in der Struktur nicht erforschter Alkaloide enthalten ist. Er sah rote Flammen vor seinen Augen huschen und ein grellfarbiges Flimmern. Andere Selbstversuche ergaben die charakteristischen Visionen nach Halluzinogen-Konsum: schöne landschaftliche Bilder, farbige Schmetterlinge, kaleidoskopartige, bunte Ornamente.
Bereits im vorigen Jahrhundert hat der spanische Geograph Villavicendo wiederholt Ayahuaska ("Liane der Geister" in der peruanischen Quechua-Sprache) genommen: "Jedesmal ... empfand ich Schwindel; manchmal machte ich eine Luftreise, während welcher ich mich erinnere, die bezauberndsten Ausblicke gehabt zu haben, große Städte, hohe Türme, prachtvolle Parks und andere herrliche Objekte. Manchmal habe ich mir auch eingebildet, ich befände mich allein in einem Walde, von wilden Tieren angefallen, gegen die ich mich verteidigte" - also zum Teil ein bad trip in der Sprache des heutigen Konsumenten von Halluzinogenen. Der Rausch endete jeweils mit starkem Schlafbedürfnis; am Morgen erwachte Villavicendo mit Kopfschmerzen und Übelkeit. Besonders verdient gemacht um die Erforschung und Erprobung des Banisteriopsis-Alkaloids hat sich einer der bedeutendsten Drogenforscher im deutschsprachigen Raum, Louis Lewin. Er nennt die Substanz Banisterin. In seiner kleinen, aber umfassenden Studie " Banisteria caapi - ein neues Rauschgift und Heilmittel" beschreibt er schon 1927 die biochemische Darstellung des Mittels, Tierversuche (zu deren genereller Problematik RA V, Schlußteil) und Erfahrungen und Experimente an Menschen sowie Vorschläge zur medizinisch-therapeutischen Anwendung. Wie es auch anderen Drogenforschern immer wieder passierte, glaubte offenbar auch Lewin, mit Banisterin das Heilmittel für ein bestimmtes Leiden entdeckt zu haben. Zumindest die Fachwelt hat seine Begeisterung für die Erfolge bei schwersten Bewegungsstörungen nicht ganz teilen können, obgleich Harmin bzw. Banisterin heute noch bei enzephalitischen Zuständen, bei Parkinson-Kranken und bei Paralysis agitans eingesetzt wird (Hesse S. 95). Es liest sich fast wie eine Wunderheilung, wenn Lewin von einer an massivem postenzephalitischen Parkinsonismus leidenden Frau (S. 18) berichtet, sie "liegt ständig steif wie ein Stock und unbeweglich im Bett, kann weder selbständig essen, noch irgendeine nennenswerte Bewegung machen. Ständige Zuckungen der Zunge ..." Zwei Stunden später, nach subkutaner Injektion von 0,05 Gramm Banisterin in Lösung: "Spontan spricht die Kranke mit viel lauterer Stimme als sonst: >Herr Doktor, ich kann meine Zunge jetzt stillhalten!< Die Zunge liegt tatsächlich ganz ruhig im Mund. Sprache wieder erheblich gebessert. Gesichtsausdruck viel lebhafter als sonst. Eine solche Unmittelbarkeit des Helfens von Bewegungsstörungen durch ein Arzneimittel war bisher unbekannt ..." Und kurz darauf schreibt Lewin: "Meiner Überzeugung nach kann das Banisterin dazu berufen sein, noch weitere große medizinische Überraschungen in bezug auf die Beeinflußbarkeit gewisser krankhafter Gehirnstörungen zu liefern ..." Wie gesagt, diese Hoffnung wurde enttäuscht. Die eigentlichen Heilmöglichkeiten von Banisteriopsis caapi scheinen auf dem Gebiet der Psychotherapie zu liegen. Ähnlich wie Leuner (1962) und Grof (1978) LSD einsetzten, benützt Claudia Naranjo, ein chilenischer Psychiater und Gestalttherapeut, ein Banisteriopsis-Alkaloid für seine Arbeit mit seelisch gestörten Patienten, allerdings nicht Banisterin/Harmin, sondern das verwandte Harmalin (Naranjo 1979; -- Harmalin).
W. Sch.

Literatur:
Efron, D. H. (Hrsg.), Ethnopharmacologic Search for Psychoactive Drugs, Washington 1967
Grof, S., Topographie des Unbewußten, Stuttgart 1978
Hesse, H., Rausch-, Schlaf- und Genußgifte, Stuttgart 1966
Leuner, H, Die experimentelle Psychose, Berlin 1962
Lewin, L., Banisteria caapi - ein neues Rauschgift, Berlin 1929
Naranjo, C., Die Reise zum Ich - Psychotherapie mit heilenden Drogen, Frankfurt a. M. 1979
Reinburg, P., "Contribution ä l'etude des bois sons toxiques des Indiens du nordouest de l'Amazone", in: Journal de la Societe des Americanistes de Paris, Bd. 13, Paris 1921
Villavicendo, Geographia de la Republica del Ecuador, New York 1858

Barbiturate
?Schlafmittel
Betelnuß
?Genuß-Drogen
Bilsenkraut
?Nachtschatten-Drogen
Blätter der Hirtin Maria
?Ska Maria Pastora


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am 12. Dezember 2011
Format: Taschenbuch
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am 9. Mai 2010
Format: Taschenbuch
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am 23. Februar 2007
Format: Taschenbuch
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am 26. November 2009
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am 20. August 2003
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