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am 29. Dezember 2009
"Grenzgänger" schildert den Überlebenskampf von Mensch und Tier. Und erforscht
dabei die Grenzen zwischen Leben und Tod, Amerika und Mexiko, Gesetz und Gesetzlosigkeit,
Einsamkeit und Gemeinschaft, Sesshaftigkeit und Getriebensein, Reichtum und Armut. Und
den Übergang von archaischer Zeit in die Moderne.

Um die Einsamkeit, das rüde Geworfensein und die Tragik entwurzelter Menschen
kreist die Hauptgeschichte in McCarthys Epos. Mehrere Binnengeschichten bilden ein
ausgeklügeltes Räderwerk existenzieller Themen, philosophischer Betrachtungen
und sogar kulturhistorischer Hintergründe.

Ein unerbittliches Mahlwerk magischer Ereignisse und Zufälle erlauben den Handelnden
kein Entkommen vor dem Schicksal und auch nicht aus dem "Labyrinth ihrer Einsamkeit".
Vergiss es. Rettung ist nicht vorgesehen. Der Protagonist wandert immer weiter in
Richtung Nullpunkt. Dass er am Anfang der Geschichte erst 16 Jahre alt ist und am
Ende der Geschichte auch erst 21 Jahre steigert die Wirkung der geschilderten
Ereignisse auf den Leser.

Wenn es in dieser Geschichte nicht jene Menschen gäbe, die die Welt trotz
allem noch im Lot halten - wie der Arzt, der Sheriff, der Ranchero, der
indianische Gerente, die Zigeuner und die vielen anderen kuriosen Gestalten
am Wegesrand, die unplanbar auftauchen, um die Geschichte vor dem endgültigen
Versinken in den Abgrund zu bewahren. So steckt bei aller Tristesse hier
auch ein Quäntchen Hoffnung. McCarthys zeigt die Welt und die Menschen wie
sie sind und beschönigt nichts.

Ganz trübsinnig könnte man werden, wenn man all die Härten miterlebt,
denen der Protagonist Billy Perham ausgesetzt wird. Man wundert sich,
wie er mit seinem Leben fertig wird ohne zu verzweifeln. Erst auf der
letzten Seite schlägt er die Hände vor das Gesicht und weint. Vielleicht
ist das sein Happy end - "weinen können". Man sagt sich "Gott sei Dank",
er hat es geschafft, irgendwie, irgendwas. Obwohl alles beim Alten bleiben
wird. Die Einsamkeit, die Härte der Welt, die Unentrinnbarkeit des Schicksals.
Vor ihm liegt nun die nackte, regennasse, dunkle Straße. Symbol des modernen
Amerikas. Die Bezwingung der rohen Welt durch ein Netzwerk aus Gas-Stations,
Autobahnen und WalMarts kann beginnen. Doch "Der klimatisierte Alptraum" ist
dann auch nur eine andere Art des Trübsinns. Die man 70 Jahre später nur mit
Hilfe von Prozac und einem Heer von Shrinks im Zaum hält.

Sprachlich und gedanklich ist die Geschichte auf höchstem Niveau angesiedelt.
Kein leichtverdauliches Fast food, sondern eher ein zähes angekohltes Steak
in dem man aber noch die Lebenskraft des getöteten Bullen spürt.

Ich lese jetzt gleich anschließend "Kein Land für alte Männer" - den Film
habe ich schon gesehen und weiß: ohne happy end. Aber das ist genau das,
was ich suche und bevorzuge in einer mediengesteuerten Wohlfühlwelt, die uns
dauernd das Happy end vorgaukelt und das Grauen auftischt.
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am 9. April 2008
"Grenzgänger" stellt den mittleren und seitenstärksten Teil der "Border-Trilogie" von Cormac McCarty dar, der von All die schönen Pferde" und "Land der Freien" flankiert wird. Zwar lässt sich jeder Band problemlos für sich alleine lesen, in ihrer Gesamtheit stellt die Trilogie jedoch ein imposantes Werk dar, das im Bild der Grenze den amerikanischen Mythos der "frontier" eine poetische Form gibt. Es ist ein Markstein der amerikanischen Literatur, sowohl in poetischer wie auch in philosophischer Hinsicht.
In "Grenzgänger" dreht sich die Handlung wiederum um einen adoleszenten jungen Amerikaner in den 40er Jahren, den 16-jährigen Billy Parham, der mit seinem kleinen Bruder und den Eltern auf einer Ranch in New Mexiko lebt. Ein junger Wolf, aus den Bergen Mexikos eingewandert, zieht durch das Land, Symbol für die vergangene Wildheit des Landes. Billy Parham begibt sich als Fallensteller auf die Jagd und fängt den Wolf lebend und kehrt nicht mehr nach Hause zurück, sondern beschließt den Wolf in seine Heimat jenseits der Grenze zurück zu bringen.
Von nun an nimmt die Handlung, wie es scheinen mag, einen chaotischen Gang. Billy muss sich als junger Mann in dieser völlig fremden Welt Mexikos zurechtfinden. Zunächst trifft er auf einen zigeunerartigen fahrenden Jahrmarkt, der ihm prompt den Wolf entwendet. Als der Wolf droht bei Hundekämpfen zu sterben, erschießt er ihn. Billy verliert sich in den Weiten des Landes. Monatelang irrt er ziellos durch den Norden Mexikos. Er trifft auf Menschen, er ist alleine. Manche Menschen, die er trifft, erzählen ihm ihr Leben wie der Mann, der sich gegen Gott erhob und der Blinde. Diese Geschichten weiten sich aus zu tiefgründigen Binnenerzählungen über Gut und Böse und schicksalshafte Lebensentscheidungen und es gibt keinen Autor, der solch philosophische Themen in solch poetische Sätze gießen kann wie Cormac McCarthy. Ein Beispiel soll für viele andere Passagen des Romans stehen: "The Consequences of an act are often quite different from what one would guess. You must be sure that the intention in your heart is large enough to contain all wrong turnings, all disappointments. Do you see? Not everything has such a value."
Billy kehrt nach langer Zeit zurück nach Hause und findet seine Familie bis auf seinen kleinen Bruder ermordet. Nun machen sich die beiden Waisen gemeinsam auf gen Mexiko auf der Suche nach den gestohlenen Pferden der Familie. Wieder verläuft die Handlung unabsehbar und überraschend. Jahre vergehen. Der kleine Bruder Boyd wird schwer verwundet, verlässt schließlich den Bruder mit einer mexikanischen Frau. Viel später erst kann Billy nur noch das Grab des verstorbenen Bruders aufsuchen. Er birgt den Leichnam aus dem Grab und reitet mit dem Bündel gen Norden, um ihn im heimatlichen Boden zu bestatten.
Man kann hier noch sehr viel zur Handlung sagen. Entscheidend ist aber bei McCarthy vor allem der Ton, der Atem seiner Sprache, die in einen großen, langsamen Rhythmus schlägt. Die Landschaftsbeschreibungen sind von einer grandiosen Schönheit und die Szenerien sind von einer solch oppulenten Metaphorik und Symbolkraft - wie beispielsweise der der einsame Reiter Billy, der den Leichnam seines Bruders über die Grenze nach Norden rettet -, dass man sie nicht mehr vergisst. McCarthys Romane laden ein zum Wiederlesen. Für meine Begriffe gebührt McCarthy der nächste amerikanische Literaturnobelpreis.

Thomas Reuter
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am 14. März 2001
Lieber Gott, warum gibt es solche Bücher nicht im deutschsprachigen Raum? Was für eine Sprache, was für Bilder! Hier werden noch Geschichten erzählt, es entstehen Landschaften und Figuren vor dem inneren Auge des Lesers. Und bei uns? Gequälte Psychologie, hölzerne Charaktere, konstruierte Handlungen: Abstieg in die literarische Drittklassigkeit! Welch eine Befreiung vom deutschen Seelenmüll - selbst in der Übersetzung!
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TOP 500 REZENSENTam 27. April 2008
Seit Cormac McCarthys Welterfolg "Die Straße" wird die europäische Literaturszene endlich auch auf die epochale "Border Trilogie" des gleichen Autors aufmerksam, einem Tausendseitenwerk, das in Deutschland allerdings nur in drei Teilen erschienen ist. Der vorliegende Band "Grenzgänger", der zweite Band der Trilogie, kann aber auch ohne Kenntnis des ersten Bandes "All die schönen Pferde" gelesen werden. Wieder geht es um die amerikanisch-mexikanische Grenzregion, die neue "Frontier", die nicht als Grenze zweier Staaten sondern als Schnittstelle zwischen Zivilisation und Naturzustand, Gesittung und Barbarei erscheint, wobei diese Schnittstelle keinesfalls mit den Landesgrenzen identisch ist sondern mitten durch Mensch und Natur hindurch verläuft.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der 16jährige Billy Parham, der mit seinen Eltern und seinem 14jährigen Bruder Boyd auf einer Farm in New Mexiko aufwächst. Eines Tages fängt Billy eine trächtige Wölfin, die von Mexiko kommend die Grenze überschritten hatte und die Viehzüchter beunruhigte. Doch anstatt das Tier zu töten, entschließt sich Billy, die Wölfin nach Mexiko zurückzubringen, ein aberwitziges Verlangen, rührend, sinnlos und unbegründet, das am Ende schrecklich scheitert, als Billy die hochträchtige Wölfin erschießen muss, um sie vor den barbarischen Hundekämpfen einer entmenschten Horde zu bewahren.
Nach Hause zurückgekehrt findet er seine Eltern ermordet, die Farm geplündert und alle Pferde geraubt. Nur mit seinem kleinen Bruder Boyd, der das Massaker überlebte macht er sich auf, um in Mexiko die Mörder seiner Eltern und die gestohlenen Pferde zu suchen. Auf ihrer Reise treffen Billy und Boyd Schurken und Altruisten, Gute und Schlechte, Gleichgültige und Rasende und relativ schnell auch ihre Pferde, die sie zuerst zurückerhalten und am Ende bis auf das treue Pferd Nino wieder verlieren. Die Mörder ihrer Eltern finden sie nicht, stattdessen befreien sie eine junge Indianerin aus der Gewalt zweier Vergewaltiger, woraus sich eine nur ganz zart angedeutete Liebesgeschichte zwischen dem jüngeren Bruder Boyd und der Indianerin entwickelt. Aber keine Liebe oder Leid: Als Boyd und die junge Indianerin eines Morgens im Hochland von Mexiko auf Nimmerwiedersehen verschwinden sind, ist Billy ganz alleine. Nur mit seinem Pferd Nino kehrt er in die USA zurück, versucht erfolglos sich zur Armee zu melden ( der Zweite Weltkrieg war gerade ausgebrochen ), schlägt sich als Farmarbeiter und Viehtreiber durch, ehe er zum dritten Mal nach Mexiko aufbricht, um seinen Bruder zu suchen. Doch er findet nur noch sein Grab, das er ausbuddelt, um den Leichnam des Bruders mit in die Heimat zu nehmen.
Soweit die Handlung, die schon für sich alleine genommen das 440 Seitenwerk locker trägt. Aber das Großartige an dem vorliegenden Buch liegt nicht in der Handlung sondern in der grandiosen und bildmächtigen Sprache, mit der der Autor seine Geschichte entfaltet. Wie immer lässt McCarthy im Hochland die Blitze krachen, die Pferde scheuen, die Pistolen rauchen und den Regen sintflutartig vom Himmel stürzen, nur von der Innenwelt seiner Protagonisten erzählt er nichts - mit anderen Worten: er versetzt den Leser in eine Position, als befände er sich direkt an der Seite von Billy und Boyd im Angesicht der Straßenräuber und Halunken des mexikanischen Hochlandes, eine literarische Technik, die an Unmittelbarkeit kaum zu übertreffen ist. Dazu nur einige Beispiele: Als Billy die erschossene Wölfin in den Bergen begräbt, spürten die noch ungeborenen "kleinen Wölfe in ihrem Bauch, wie sich die Kälte um sie herum zusammenzog und heulten stumm die Dunkelheit an. Er begrub sie alle, häufte die Steine darüber und ritt weiter." Billy erwacht in einem nächtlichen Sommergewitter und sieht durch die Planken der verfallenen Hütte sein Pferd in der Sierra stehen - wie ein Geist von den Blitzen am Horizont beleuchtet. Wo ist der Regisseur, der diese gespenstische Szenen ins Bild setzt? Schrecklich, die Binnengeschichte des Blinden, dem in den Wirren der Revolutionskriege von einem ausländischen Söldner die Augen ausgesaugt werden und der der Welt mehr und mehr abhanden kommt. Geradezu apokalyptisch die Passage, als kurz vor Ende der Handlung ein abgrundtief psychotischer Straßenräuber die Gebeine des toten Boyd schändet und dem Pferd Nino das Messer in die Brust rammt. Erschütternd der Auftritt eines vollkommen herunter gekommenen Hundes auf der vorletzten Seite des Buches, in dessen Elend sich noch einmal alles Leiden aller Kreaturen zusammenballt.
Ganz trübsinnig kann man werden, wenn man all die Härten miterlebt, denen der junge Billy ausgesetzt wird, der am Ende die Hände vor das Gesicht schlägt und weint. Wenn da nicht jene Menschen wären, die die Welt trotz allem noch im Lot halten - wie der Arzt, der Sheriff, der Ranchero, der indianische Gerente und die vielen anderen, die unplanbar und doch zuverlässig auftauchen, um die Geschichte vor dem endgültigen Versinken in den Abgrund zu bewahren. So steckt bei aller Tristesse auch ein Quäntchen Hoffnung in McCarthys monumentalem Werk, das Welt und Mensch so zeigt wie sie sind und nichts beschönigt.
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am 9. Oktober 2012
Mir hat der erste Teil " All die schönen Pferde " besser gefallen.

Was mir nicht gefiel ?
Zum ersten das etwas " zuviel " an spanischer Sprache. Ich kann die Sprache nicht / mir die Arbeit mit einem Wörterbuch oder Übersetzungsprogramm schlicht zu viel ist wenn ich ein Buch lese /habe ich doch etliche Textabschnitte "überlesen".

Was mich jedoch noch mehr gestört hat - die in meinen Augen zu häufigen (religiös-)philosophischen Abschnitte im Buch. Diese waren mir schlicht und einfach zu zäh und langweilig.

Das gab es zum Beispiel im ersten Teil nicht. Ehrlich gesagt: wäre das vorliegende Buch meine erste Lektüre gewesen, hätte ich die Trilogie sicherlich nicht mehr weitergelesen.

Schaun mer mal wie der letzte Teil der Trilogie ist - das Buch habe ich mir jedenfalls schon besorgt.
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am 31. Oktober 2000
Billy Parham unterwegs in Mexico.Auf seinen Wegen animiert er die ihm begegnenden Menschen zu tiefer Lebensphilosophie.Sie lieben ihn,würden ihn aber im nächsten Augenblick schon totschlagen.Er ist- siehe der Großinquisitor bei Dostojewski-eine Art leibhaftiger Jesus,den aber niemand gebrauchen kann.Billy ist ein vollkommener Anachronismus mit einer archaischen Rechtsauffassung,mit einer Achtung vor der Schöpfung,die ihm wie Blei anhaftet.So muß er scheitern,einer der letzten seiner Rasse. Mc Carthy ist ein großartiges Werk gelungen,das bleibende Bilder vermittelt.Was kann Literatur mehr!?
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am 11. Oktober 2009
Nie habe ich eindrucksvoller geschildert gefunden, in welcher Tragödie der Mensch sich selbst, seine Mitmenschen und die Mitgeschöpfe zerfleischt und zerquält. Der Roman beginnt mit einer gefangenen und geschundenen Wölfin, die der Held des Romans aus der von ihm selbst gestellten Falle befreit und dann in die mexikanische Sierra zurückbringen will, damit sie dort ihre Freiheit gewinnt. Dieses Vorhaben scheitert auf eine so schlimme Weise, dass etwa Jack Londons "Wolfsblut" dagegen als Rührstück anmutet. Dieser Prolog gibt den Grundton für die gesamte Handlung vor: Während Billy unterwegs war, löschten Banditen seine Familie aus, raubten den Besitz und ließen nur den Bruder übrig, den Billy allerdings am Ende des Romans als mumifizierte Leiche auf einem Schleppschlitten hinter seinem verwundeten Pferd herzieht. Eine grandiose Landschaft gibt die Kulisse ab für eine Tragödie, die als Gleichnis auf den Menschen überhaupt verstanden werden kann. Wer McCarthy liest, erspart sich anthropologische Klügeleien der Philosophie und übt sich tapfer im illusionslosen Blick auf Mensch, Moral und Gesellschaft. Allerdings ein wirklich harter Stoff. Wie als Kind musste ich mich bei der Lektüre selbst trösten: Es ist ja nur ein Buch, nur ein Buch, nur ein Buch ' Der Leser muss die Geschichte eines modernen Hiob aushalten können, die Geschichte eines Menschen, der alles verliert und am Ende seiner vergeblichen Odyssee in trauriger Verzweiflung an irgendeiner tristen Straße sitzt und Tränen darüber vergießt, dass er gerade selbst einen verkrüppelten Hund zu Tode prügeln wollte, vermutlich als letzte Kompensation für alles Ungemach, das ihm selbst im Weg lag. Aber Ungemach ist das falsche Wort: Es geht um ein Schicksal, das nicht mehr zu tragen ist, dass aber als menschliches Schicksal vielfach die Regel darstellt. Dieser Roman schildert die menschliche Katastrophe in einer traurigen Fabel. Wären die Juroren des Nobelpreises Leser, so hätte McCarthy diesen Preis! Seine Prosa nimmt die menschlichen Grundmuster auf, aus denen die Griechen und Shakespeare ihre Dramenkonflikte konstruierten. Nur muss McCarthy nichts konstruieren, ihm genügt das erzählende Zeigen. Ohne Zweifel ein Meister. Und ein Meisterwerk!
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am 29. August 1999
Cormac Maccarthys Roman spielt in einem Amerika der Trostlosigkeiten, in dem nichts mehr bleibt vom amerikanischen Traum, der alles will und alles erreichen kann. Billy Parhams Suche nach den Mördern seiner Eltern führt den Leser in eine Welt von skurilen, schrägen Gestalten, die nie das tun was von ihnen erwartet wird. Immer eine Spur am Schönen und Guten vorbei zieht Billy durch das südliche Texas und Mexiko auf einer Suche, die zur Suche nach sich selbst wird. Alle materiellen Werte zählen nicht mehr, am Schluß nicht einmal mehr das eigene Leben. Der vierte Roman des Amerikaners Cormac Maccarthy steht in der Tradition einer neuen Schriftstellergeneration, die sich nicht mit der Hollywood - Oberfläche zufrieden gibt. T.C. Boyle, Annie Proulx und viele mehr beginnen mit der Demontage des amerikanisches Traumes, indem sie ihn in seiner Hilflosigkeit präsentieren. Keine Happyends, kein sich-in-die-Arme-fallen, nicht von dem was wir sonst aus Film und Literatur gewöhnt sind ( "Wenn bein John Ford jemand aus dem Fenster schaut, sieht er blühende Landschaften. Bei mir wird er sofort erschossen": Zitat Sergio Leone). Mir selbst hat dieser Roman mit seiner ruhigen Erzählweise, seinem Unpatriotismus und seiner präzisen Detailschilderung hervorragend gefallen, es verlangt einen nach mehr, mehr von dieser Gradlinigkeit und Ehrlichkeit, mehr von Cormac Maccarthy.
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am 2. Mai 2008
Grenzgänger war nach "Die Straße" das zweite Buch, das ich von Mc Carthy las. Was mich störte war die teilweise Verwendung von spanischen Sätzen und Ausdrücken, man hätte das Buch ganz ins Deutsche übersetzen sollen. Für jemand, der der spanischen Sprache nicht mächtig ist ging so manches unter.
Dem Schriftsteller gelingt es hervorragend Wetter und Landschaften zu beschreiben sowie Verhaltensweisen von Mensch und Tier aufzuzeigen wie z.B. bei der Beschreibung vom Schicksal der Wölfin. Es war alles so detailliert als hätte man das Leiden der armen Kreatur selbst miterlebt. Hier wird man von Mitleid gerührt und Zorn steigt auf. Mir fiel der Satz von Schiller "Jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn ein". Das Buch zeigt jedoch nicht nur die negativen menschlichen Seiten, sondern auch die positiven wobei hier Hilfbereitschaft zu nennen wäre. Fazit: ein lesenswertes Buch.
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am 30. Mai 2007
Cormac McCarthys Roman läßt einen nicht los. Seine Geschichte ist hauptsächlich ein Roadmovie zu Pferd. Sie geschieht Ende 19. Anfang des 20. Jahrhundert.

Eine lakonische triste Stimmung liegt über der Reise von Billy Praham. Er ist zu Beginn 17 Jahre alt und treibt sich im Grenzland zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko herum. Er muß sich mit einer rauen unmittelbaren Natur auseinandersetzen.

Die Landschaften und Wetterwechsel sind außergewöhnlich reich und schön beschrieben. Die Menschen denen er begegnet, sind oft gastfreundlich oder auch feindlich und gnadenlos. Bei Tortillas werden Lebensphilosophien ausgetauscht.

Es sind viele spanische Ausdrücke und ganze Sätze eingeflochten, von denen ich bei einigen die Übersetzung nachschlagen mußte. Billys Leben ist durch Niederlagen und Schiksalsschläge bestimmt, wer sich dadurch nicht runterziehen läßt, sollte das Buch lesen.
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