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Graben für Germanien: Archäologie unterm Hakenkreuz Gebundene Ausgabe – 5. März 2013
- Seitenzahl der Print-Ausgabe192 Seiten
- SpracheDeutsch
- HerausgeberTheiss
- Erscheinungstermin5. März 2013
- ISBN-103806226733
- ISBN-13978-3806226737
Produktinformation
- Herausgeber : Theiss (5. März 2013)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 192 Seiten
- ISBN-10 : 3806226733
- ISBN-13 : 978-3806226737
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1,253,907 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Stattdessen wird glatt die Existenz Germaniens in Frage gestellt und- als wenn das noch nicht reicht- bezeichnen die Autoren sogar die Himmelsscheibe von Nebra als in ihrer Bedeutung völlig umstritten und überbewertet. .Schliesslich könnte durch sie der falsche Eindruck einer deutschen Hochkultur entstehen. Dabei wurde die 3200 Jahre alte Bronzescheibe erst 2002 der Öffentlichkeit bekannt und zu diesem Zeitpunkt existierte das Dritte Reich bekanntlich schon seit 57 Jahren nicht mehr. Völlig themenfremd wird auch zum Rundumschlag gegen die moderne Rechte und Spielzeughersteller ausgeholt, die falsche Heldenfiguren herstellen würden.
Der Historiker Haar schildert in seinem Buch über nationalsozialistische Wissenschaft eine Szene , die sich 1938 im Reichsinnenministerium abspielte. Dort wurde das Forscherehepaar Mortensen (Frau Mortensen war litauischer Abstammung) vorstellig, um für die Anerkennung der deutschen Staatsbürgerschaft der in Ostpreußen ansässigen Minderheit der preußischen Litauer zu sprechen. Es erhielt zur Antwort, daß für fremdnationale Bevölkerungsgruppen entweder die Ausweisung oder die Assimilierung in Frage komme.
Bekennende Litauer wurden von den Nazis verfolgt (Wilhelm Storost kam ins KZ, der Verleger Jagomast wurde von der Gestapo liquidiert). Andererseits konnte der litauische Bauernsohn Georg Gerullis im 3. Reich kurzzeitig Minister werden. Dafür wurde er von dem Historiker Morgenstern als Deutsch-Balte geadelt und danach als Nazi denunziert.
Bei Jankuhn kommen Steuer und neuerdings Mahsarski gerade noch bis zum 'deutsch-nationalen' Elternhaus. Daß der Ausgräber von Haithabu nicht mehr erzählte, leuchtet ein.
Denn Jankuhns Vater war litauischer Abstammung ( lit. Jankunas = Sohn des Johannes) und die Mutter (aus Angerburg?), wie ihr Mädchenname Jedamski andeutet, polnisch-masurischer Herkunft. Jankuhns Bewußtsein seiner nicht-deutschen Herkunft kommt verdeckt zum Ausdruck, wenn er schreibt:
'Wenn wir in Zukunft in stärkerem Maße die geistige Führung in Europa ausüben wollen, ... müssen [wir] in viel stärkerem Maße, als das bisher geschah, die indogermanischen Wurzeln betonen, die uns mit den meisten europäischen Völ
kern gemeinsam sind. Wir müssen weiterhin nach meinem Dafürhalten betonen, daß das deutsche Volk, bei dem das germanische Element überwiegt, doch auch andere Völker in sich aufgenommen hat, und daß wir dabei keineswegs die anderen Völker als von vornherein zweitrangig betrachten.'
Hiermit kann er nur Slawen und Balten gemeint haben, die Ethnien seiner Eltern.
Nach der Pestkatastrophe von 1709/10, die die Litauer stark dezimierte, und der folgenden Neubesiedlung des nördlichen Ostpreußen, wurde 1736 von der Verwaltung eine umfassende Bevölkerungsstatistik erstellt, getrennt nach ethnischen Kategorien (Litauer, Salzburger, Deutsche ..).
(Veröffentlicht in: Horst Kenkel: Amtsbauern und Kölmer im nördlichen Ostpreußen um 1736. Hamburg 1972)
Als ethnische Litauer sind genannt:
Ensies Jankus in Willkischken
Christ. Johnkuns in Gerschwillauken
Abraham Johnkuhns in Nestorkehmen
Hans Johnkuns in Maygunischken
Abram Johnckuhns in Kubillen
Friedrich Jankuhn in Werxnupöhnen (bei Kölmern fehlt die Angabe der Ethnie)
Von einem dieser litauischen Bauern stammt Jankuhn also ab.
Eine sehr konkrete Spur führt nun über den Großvater Wilhelm Jankuhn (Geburtsdatum 29.6.1839).
Dieser besucht das Lehrerseminar Karalene für litauische Grundschullehrer.
'Karalene, Erziehungsinstitut auf dem Gute Kummetschen im Kreis Insterburg des preuß. Reg.- Bez. Gumbinnen, an der Pissa, 1811 als Musteranstalt von Karl Aug. Zeller gegründet und seit 1829 Lehrerseminar für Litauer. Der litauische Name K. heißt auf deutsch ("Königin", zu Ehren der Königin Luise, die die Gründung der Anstalt begünstigte....' (Brockhaus 14. Auflage, 1894-1896)
Wilhelm Jankuhn hat im Jahr 1867 dort das Examen bestanden.
Im Lehrer-Personalbogen von Hugo Jankuhn, Herbert Jankuhns Vater, in der BBF finden sich weitere Angaben zur Familiengeschichte:
xxxxbbf.dipf.de/kataloge/archivdatenbank/hans.pl?x=u&t_show=x&wertreg=PER&wert=jankuhn,+hugo+[1876-1939]&reccheck=120961
Dort sieht man, wo sich die Familie bis 1900 bewegt hat. Das ist immer der Kreis Heydekrug: Trakseden, Coadjuthen etc. Die Nationalitätenkarte zeigt dort um 1900 noch bis zu 75 Prozent an litauischsprachiger Bevölkerung. Bis 1873 wurde in den Dorfschulen noch litauisch unterrichtet! Also hat auch der Großvater Wilhelm Jankuhn vor den Deutscherlassen von 1873 noch auf litauisch unterrichtet.
In dieser Zeit werden in ganz Deutschland die sogenannten Wenkerbögen für den zu erstellenden deutschen Sprachatlas erstellt. Nun, ein Wenkerbogen wird im Ort TRAKSEDEN vom Dorfschullehrer Wilhelm Jankuhn ausgefüllt. Wenker wünscht, daß der Bogen vom Lehrer nur dann in einer anderen Sprache als Deutsch ausgefüllt wird, wenn am Ort praktisch keine deutschen Muttersprachler vorhanden sind. Jankuhn füllt den Fragebogen von eigener Hand mit den 40 Sätzen aber nur auf Litauisch aus, obwohl er in den Erläuterungen angibt, daß seine Schülerschaft zu zwei Dritteln aus Litauern (als Staatsbürger natürlich zu jenem Zeitpunkt Deutsche), aber immerhin zu einem Drittel aus Deutschsprachigen ( wohl in der Mehrheit an das Deutschtum assimilierte Litauer) besteht.
Wenkerbogen: xxxxxxxxxdiwa.info/Wenkerbogen/Katalog.aspx "TRAKSEDEN"
1885 schreibt der Baltist Bezzenberger einen politisch verheerenden Artikel über eine angebliche 5000 Jahre währende Anwesenheit der Litauer in Ostpreußen (erst in jüngster Zeit endgültig widerlegt: Jähnig, Bernhart und Vercamer, Grischa: Hans und Gertrud Mortensen: Die Besiedlung des nordöstlichen Ostpreußen bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Die Einwanderung der Litauer nach Ostpreußen. Zusammenfassung hier: xxxxxxxacademia.edu/10622504/2008_Einf%C3%BChrung_in_Die_T%C3%BCrkensteuer_im_Herzogtum_Preu%C3%9Fen_1540_Bd._3_Ragnit_Insterburg_Saalau_Georgenburg_Sonderschriften_des_Vereins_f%C3%BCr_Familienforschung_in_Ost-_und_Westpreu%C3%9Fen_e.V._88_3_hrsg._von_Diehlmann_Hans_Heinz_Hamburg_2008_S._7_-31_). Er wird das Verhältnis zwischen Deutschen und Litauern nachhaltig vergiften. Deutscherseits schaut man seit der Reichsgründung verächtlich auf die ungebildeten litauischen Bauern (z.B. hier: Max Beheim-Schwarzbach: Friedrich Wilhelm's I. Colonisationswerk in Lithauen, vornehmlich die Salzburger Colonie. Königsberg 1879 (xxxxxarchive.org/details/friedrichwilhel00schgoog)).
1905 wird Herbert Jankuhn in Angerburg geboren, wo Hugo Jankuhn Lehrer ist. Nach mehreren Stationen kommt die Familie in den Raum Tilsit, wo Herbert Jankuhn am humanistischen Gymnasium 1924 Abitur machen wird.
Dieses Gymnasium ist ein ganz besonderes, die Königliche Litthauische Provinzialschule: hier gab es einen Litauisch-Zug, den die königlichen Stipendiaten litauischer Herkunft besuchten, hierher flossen aus der königlichen Schatulle Gelder zur Förderung der litauischen Sprache.
Nach dem Krieg ist dies nun vorbei. Im gleichen Jahr, als Litauen 1923 das Memelland besetzt, löste sich die in Tilsit ansässige Litauische Literarische Gesellschaft auf. Die großlitauische Propaganda tat ein übriges. Dissidenten wie der Pfarrer und Abgeordnete Gaigalat und der spätere litauische Außenminister Dovas Zaunius hatten dieses Gymnasium besucht. D.h. die Identitätsfrage muß den jungen Jankuhn schon in der Schulbank erreicht haben.
Was in den Köpfen der meisten preußischen Litauer ablief, beschreibt'Georg Gerullis so:
'....Der Weltkrieg hat die Germanisierung meines Heimatdorfes mit einem gewaltigen Ruck nach vorne getrieben. Die waffenfähige Mannschaft kehrte stark gelichtet aus dem Felde zurück. Die Daheimgebliebenen wurden Herbst 1914 von den Russen verschleppt und blieben bis 1918 in Gefangenschaft. Dann kam die Besetzung des Memellandes durch Litauen. Gleiche Sprache und gleiches Blut vermochten nicht die Entfremdung zu überbrücken, die infolge jahrhundertelanger Zugehörigkeit zu zwei ganz verschiedenen Kulturkreisen, dem preussisch-deutschen und dem polnisch-russischen, eingetreten war. Der preußische Litauer sieht mit Verachtung auf die pulekai 'Polacken' herab. (Eine auffallend geringe Rolle spielt der Gegensatz evangelisch-katholisch). Einheimische Litauer und Deutsche, beide monarchistisch und äusserst rechts eingestellt, schlossen sich nun bewusst zusammen, während sie bisher nebeneinander einherlebten, wie etwa Evangelische und Katholische in Mischgebieten. Der Litauer begann, sich auf einmal seiner Muttersprache zu schämen. Er wollte nicht mit den Leuten von jenseits der Grenze verwechselt werden. Es setzte eine energische Selbstgermanisierung ein, was ja bei den oben geschilderten Sprachzuständen nicht schwer fiel...."
Steuer attackiert in seiner Einleitung Hugo Jankuhn wegen diesen Aussagen:
'Erst viel später suchte der deutsche Orden für den Wiederaufbau nach verlorenem Krieg
'die billigsten Hilfskräfte, die er nur haben konnte, und die boten sich ihm in den halbwilden verarmten Litauern von jenseits der Grenze.'
Das schreibt im Jahr 1926 nicht etwa Herbert Jankuhn, der damals 21 Jahre alt war, sondern sein Vater Hugo Jankuhn, Studienrat in Tilsit, in seiner kleinen Schrift Gibt es ein Preußisch-Litauen?
Archäölogische Funde werden politisch instrumentalisiert, Germanen waren vor den Litauern im Memel-Gebiet; durch positive Qualitäten hebt sich das Germanentum im Vergleich mit den kulturell niedrig stehenden Litauern ab, was zur Identitätsfindung dient.'
Wenn Jankuhn hier von seinen eigenen Vorfahren spricht, fällt der unterstellte Rassismusvorwurf natürlich zusammen. Man darf sich die Litauer auch nicht als liebenswertes Völkchen vorstellen. 'Halbwild' ist noch untertrieben. Es gibt Berichte über Kannibalismus:
7. In der Sieckelsche Witme (Widdem = Predigerwohnung) ist ein Littower gewesen, alß der Pastor außgetzogen; der hatt seine Hunde und Katzen vertzehret, so woll einen lamen Jungen, Jahn Stuckens Schwester Sohn, noch ander 2 Persohnen, so woll auch des Pastorn Viehemagt, mit nahmen Anna, auffgefressen.' '
'8. Diesen (Bauer Martin) hatt gemelten Littower sambt andern Dieben vom Galgen genommen und aufgefressen. Bezeugt Friedrich Engell, Pastor daselbst, hat solches am Tage Reminiscere erfahren und selbst gesehen.'
'28. Der Krüger ist ein Littower; darumb daß er 3 Gesind außgemordet und auffgefressen, auffs Rad gelecht. Testis Gothard Budtberchi.'
(Quelle: xxxxlietuvos.istorija.net/kleinlitauen/tetzner.htm)
Zur Einwanderung im Memel-Gebiet: Kuren und Schalauer sind Altbevölkerung, dann kam der Deutsche Orden und als letzte Ankömmlinge die vorher hinter der Memel im Osten sitzenden Litauer bzw Schamaiten (s. Thorwald Poschenrieder: Deutsch- und baltischsprachige Preußen des Memellandes. In: Bense, Kozianka, Meinhold (Hrsg.): Deutsch-Litauische Kulturbeziehungen. Jena 1995, S. 109'150, xxxxxxtausendschoen-verlag.de/PDF/Memelland.pdf) Warum weiß Steuer das nicht?
Wer als preußischer Litauer dem Verdacht der Illoyalität begegnen wollte, hat sein Bekenntnis zum Deutschtum ostentativ - auch als Eigenschutz - hervorgehoben. So könnte Hugo Jankuhns (preußischer Beamter!) Schrift "Gibt es ein Preußisch-Litauen?" motiviert gewesen sein.
Auch manches in den Schriften des Sohns. Der Ausgräber von Haithabu - kein Germane!
Wenn Himmler das gewußt hätte.
Am Eröffnungstag, Punkt 10:00 Uhr wurde timediver® mit dem Begleitband in der Hand als erster Besucher in das Focke Museum hereingelassen, wo ich mich zugleich in das erste Obergeschoss zur Sonderausstellung begab. Dort konnte ich feststellen, dass die fünf Kapitel des Bandes exakt der räumlichen und thematischen Gliederung der Exposition entsprechen. Anders verhält es sich jedoch in der Präsentationsform der einzelnen Themen. Während ein recht großer Teil der Ausstellung in eine Vielzahl von Vitrinen oder Abschnitte, welche jeweils mit einem spezifischen Verb, wie z. B. Erfinden, Auslegen, Finanzieren, Ausbeuten usw. tituliert wurden, gegliedert ist, bieten die insgesamt 22 Essays des Begleitbandes eine mehr geschlossene und flüssige Darstellung. Beide Formen sind schlussendlich inhaltlich nahezu identisch, dabei jedoch ihrem jeweiligen Zweck angemessen und dienlich. Ab Seite 183 ff. stellt Dr. Karin Walter jedoch auch die Leitgedanken der Ausstellung dar und lädt den Leser zu einem imaginären Rundgang ein. Bereits aus diesem Grunde handelt es sich bei dem Band nicht um einen "Ausstellungskatalog". Hinzu kommt noch, dass es weder in der Ausstellung, noch im Begleitband irgendeine Nummerierung der Exponate gibt und verständlicherweise aus Platzgründen auch nicht alle Ausstellungsgegenstände für das Druckwerk übernommen werden konnten. Die Abbildungen wurden jedoch repräsentativ und mit Bedacht ausgewählt, so dass hierbei keine Informationslücken gegenüber entstanden sind.
Die fünf Ausstellungsräume und Buchkapitel können folgendermaßen kurz umrissen werden. Funde und Erfindung zeigen, dass der Begriff "Germanen" von Julius Cäsar für die rechtsrheinischen Volksstämme ersonnen wurde, der er – anders als die sogenannten Kelten – nicht unterwerfen konnte. Tacitus benutzte seine "Germania", um seinen dekadenten Landsleuten einen Spiegel vorzuhalten. So wurden die beiden recht unterschiedlichen Römer zu den Begründern eines Mythos. Später wurden der Begriff Von den deutschen Humanisten aufgegriffen. Aus Arminius wurde Hermann, aus dem Osning der Teutoburger Wald. Die Befreiungskriege gegen Napoleon verstärkten den nationalen Aspekt, dem erste rassistische Ausgrenzungen durch die "Völkische Bewegung" folgten. Das Kapitel "Auf der Suche nach Belegen" präsentiert neben den Schwarmgeistern und Phantasten u. a. das Verhältnis der Nationalsozialisten zur Archäologie. Der "weiße Raum" der Ausstellung, bzw. das Kapitel "Propagierung einer Idee" ist der Archäologie in der politischen Schulung, im Stundenplan der Schüler, aber auch den oftmals, sogar von damaligen Wissenschaftlern als "Germanenkitsch" bezeichneten Utensilien des NS-Alltags gewidmet. Archäologen der so unterschiedlicher und rivalisierenden Organisationen des "SS-Ahnenerbe" und "Reichsbundes für Deutsche Vorgeschichte", aber auch "völkische Laienforscher" gaben der NS-Ideologie Steilvorlagen zur Rechtfertigung von rassistischer und sozialer Ausgrenzungen (beispielsweise wurden Moorleichen als hingerichtete Homosexuelle interpretiert) bis zum Eroberungskrieg und Holocaust. Der "schwarze Raum", bzw. Kapitel vier befassen sich mit der dunkelsten Seite, namentlich der Eroberung von Europa und der Welt. Auf erschreckende Weise wird hierbei deutlich, wie Archäologie und Ideologie vereint im Gleichschritt marschierten. Alle Archäologen des Dritten Reiches waren Mitglieder irgendeiner NS-Organisation, wenn nicht gar der "Waffen-SS" oder des "SD", in deren Uniform sie nicht nur zu Mitwissern, sondern selbst auch zu Tätern wurden. Das letzte Kapitel "Der Mythos lebt weiter" beschreibt nicht nur die ungestörte Fortsetzung archäologischer Karrieren nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern auch die - als Folge der NS-Zeit - noch heute weit verbreiteten und regelrecht eingebrannten falschen Germanenvorstellungen. Diese reichen von harmlosem Kinderspielzeug (vornehmlich Wikinger) und Lebensmitteln über populärwissenschaftliche Darstellungen in den Medien bis hin zu gefährlichen Symbolen und Publikationen der Neonazi-Szene.
Nachdem timediver® die Ausstellung besichtigt und erlaubterweise (!) eine Vielzahl von Fotos gefertigt hatte, nahm ich noch das Angebot einer Führung mit Dr. Dirk Mahsarski, dem Verfasser mehrerer Essays des Begleitbandes an. Während die Ausstellung mit Zitaten Ciceros beginnt, endet sie mit schlichten Fakten, welche der Besucher mitnehmen soll, unter anderem mit der Tatsache, dass es "die Germanen" gar nicht gab, dass sie vielmehr eine propagandistische Erfindung der Römer sind. Die Frage eines Ausstellungsbesuchers an Dr. Mahsarski, "ob die Ausstellung nicht eine Provokation sei, welche den Deutschen ihre historische Identität nähme", beweist einmal mehr, wie überfällig sowohl Ausstellung als auch ihre Begleitschrift waren.
5 Amazonsterne für die gelungene Umsetzung einer Ausstellung, welche dokumentiert, das die Archäologie entgegen fast allen anderen Bereichen im "Dritten Reich" keiner "Gleichschaltung" bedurfte und wie sie zum Werkzeug von Mittätern wurde. Die Hartnäckigkeit mit der sich die falschen historischen Vorstellungen noch bis heute gehalten haben und die Gefährlichkeit ihrer Konsequenzen sollte als Mahnung dienen.