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Die Glücksformel oder Wie die guten Gefühle entstehen Taschenbuch – 1. November 2003

4.1 von 5 Sternen 28 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

geboren 1965 in München, studierte Physik und Philosophie in München, Grenoble und Freiburg und promovierte in Freiburg über Biophysik. Er schrieb Beiträge für viele deutschsprachige Zeitungen und Magazine und war von 1996 bis 1999 Wissenschaftsredakteur beim "Spiegel", von 1999 bis 2000 Redakteur bei "Geo". Lebt jetzt als freier Autor in Berlin. 1998 erhielt er den Georg-von-Holtzbrinck-Preis für Wissenschaftsjournalismus. 2000 erschien seine vielbeachtete Studie "Die Tagebücher der Schöpfung".

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ist Liebe eine Sucht?
Im Hochgefühl der Liebe erscheint der Partner als ein ganz besonderes Wesen. Nichts und niemand kann uns in solch euphorische Stimmung versetzen wie er oder sie, wenn wir verliebt sind. Diese romantischen Gefühle gehen im Gehirn häufig mit einem eigentümlichen Zustand der Erregung einher, in dem sich die Grenzen der eigenen Person aufzulösen scheinen. Dichter haben diese Erfahrung seit jeher beschrieben; vor kurzem haben die Londoner Forscher Andreas Bartels und Semir Zeki gezeigt, dass der Rausch des Verliebtseins auch der Wissenschaft zugänglich ist. Über das Internet suchten sie Versuchspersonen, die sich glaubhaft als von "echter, tiefer und verrückter Liebe" besessen beschrieben. Die meisten waren Frauen.
Um festzustellen, was den Zustand des Verliebtseins ausmacht, baten Bartels und Zeki ihre Probanden zur Kernspintomographie. Dort zeigten sie den Teilnehmerinnen zunächst Fotos von Freunden, zu denen die Frauen keine sexuelle Beziehung hatten, und forderten sie auf, intensiv an diese Menschen zu denken. Währenddessen zeichneten die Wissenschaftler die Aktivität ihrer Gehire auf.
Dann wurden die Bilder von Freunden durch Porträts der Geliebten ersetzt. Nun sollten die Versuchspersonen an ihre Partner denken, während ihre Gehirne ein zweites Mal durchleuchtet wurden. Der Vergleich beider Aufnahmen ließ erkennen, was die Beschäftigung mit der geliebten Person im Gehirn bewirkt: Bartels und Zeki stellten ein Muster der Hirnaktivität ganz ähnlich wie unter dem Einfluss von Drogen fest. Die Euphorie des Verliebtseins ist also der Rauschwirkung von Heroin oder Kokain durchaus vergleichbar.
Das ist neurobiologisch gesehen nicht verwunderlich, denn Drogen einerseits und die Liebeselixiere Oxytocin und Vasopressin andererseits wirken auf dieselben Schaltungen im Gehirn. Beide sprechen Systeme an, in denen Dopamin, das Hormon des Begehrens, eine wesentliche Rolle spielt. Das muss so sein, damit eine Bindung an den Partner entstehen kann: Dopamin steuert ja, wie wir gesehen haben, die Aufmerksamkeit und weckt das Verlangen.
Der Neuropsychologe Jaak Panksepp vergleicht denn auch die Liebe mit einer Sucht: Im einen Fall entsteht eine Bindung an die Droge, im anderen an eine Person. Die Verwandtschaft zeigt sich besonders deutlich im Moment der Trennung - dem Entzug von der Droge oder dem Abschied von dem oder der Geliebten. Gefühle von Einsamkeit und Leere, Appetitverlust, Niedergeschlagenheit, Schlaflosigkeit und Reizbarkeit sind in beiden Fällen die Folge.21
Gegen die angenehme Wirkung einer Droge stumpft der Süchtige gewöhnlich ab, und auch die Reize eines geliebten Menschen können mitunter ihre Wirkung einbüßen. Trotzdem begegnen wir oft Paaren, deren Augen noch nach Jahrzehnten des Zusammenseins strahlen, wenn sie den anderen erblicken. Es muss also einen Mechanismus geben, der der Abstumpfung in der Liebe entgegenwirkt und Menschen davor bewahren kann, unter ihrem Partner wie unter einer Droge zu leiden.
Auch daran scheint Oxytocin beteiligt zu sein. Tierversuche deuten darauf hin, dass dieses Hormon die Gewöhnung an gute Gefühle zumindest abschwächen kann. Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, dann hieße die Zauberformel für eine über lange Zeit lebendige Liebe: Sex. Schließlich wird Oxytocin während des Höhepunkts bei Mann und Frau ausgeschüttet; möglicherweise wirkt es wie ein Jugendelixier für die Partnerschaft, das die Leidenschaft am Kochen hält.



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