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am 27. September 2009
Die biologische Anthropologie hat in den letzten Jahrzehnten spektakuläre Fortschritte gemacht. DNA-Untersuchungen zufolge sind Menschen afrikanische Menschenaffen, am nächsten verwandt mit den Schimpansen, und erst vor rund 5 bis 7 Millionen Jahren kam es zur Aufspaltung der beiden Linien. Anatomisch moderne Menschen (Homo sapiens) schließlich sind dem Out of Africa"-Modell zufolge vor rund 200 000 Jahren in Afrika entstanden und alle heutigen Menschen stammen überwiegend, vielleicht sogar ausschließlich von diesen Vorfahren ab. Diese neueren Theorien haben eine historische Entwicklung zum vorläufigen Abschluss gebracht, die mit der Begründung der biologischen Anthropologie im 18. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Im Zeitalter der Aufklärung hatten die vergleichenden Anatomen und Systematiker begonnen, die Menschen als Teil der Natur, als eine Tierart unter vielen, zu untersuchen. Die Naturgeschichte (und die aus ihr entstehende Biologie) würde von nun an selbst eine Anthropologie sein, eine Lehre vom Menschen. Seit dieser Zeit geht es um nichts weniger als die Entstehung und das Selbstverständnis der Menschen und entsprechend leidenschaftlich wurden diese Themen unter wissenschaftlichen, politischen und weltanschaulichen Vorzeichen diskutiert.

Die Geschichte der biologischen Anthropologie ist also ein äußerst lohnendes Feld und entsprechend viele Biologiehistoriker, so könnte man vermuten, befassen sich mit ihr. Das Gegenteil scheint aber der Fall zu sein, was wohl dadurch zu erklären ist, dass viele Historiker die Auseinandersetzung mit den Auswüchsen der NS-Rassenlehre, die wie eine bleierne Schicht über früheren Epochen und dem Thema im allgemeinen liegt, scheuen. Insofern musste Uwe Hoßfeld mit seiner Geschichte der biologischen Anthropologie in Deutschland auch Pionierarbeit leisten. Seine Strategie, die damit einhergehenden Schwierigkeiten zu bewältigen, besteht darin, sich auf einige geographische und inhaltliche Schwerpunkte zu konzentrieren.

Die historische Rekonstruktion beginnt im 18. Jahrhundert und folgt dann einer Chronologie wichtiger Ereignisse. Die Struktur wird dabei interessanterweise nicht von der paläoanthropologischen Theorienbildung vorgegeben, sondern orientiert sich an Entwicklungen in paläoanthropologischen ,Hilfs'-Wissenschaften - der Darwinschen Evolutionstheorie (nach 1859), der Genetik (nach 1900) sowie ihrer Verbindung in der Synthetischen Evolutionstheorie (ab den 1930er Jahren). Entsprechend werden die Anthropologen des 18. Jahrhunderts - Georges Buffon, Johann Friedrich Blumenbach, Immanuel Kant u.a. - im Kapitel Die Situation vor Darwin" besprochen. Die implizite These, dass die biologische Anthropologie nicht nur von Evolutionstheorie und Genetik geprägt wurde (was unbestritten ist), sondern dass sie nur eine nachrangige eigenständige Theorieentwicklung durchlief, ist sicher einer weiteren Überprüfung wert.

Die Schwerpunkte für das 19. Jahrhundert sind die Universität Jena und Ernst Haeckel, für das 20. Jahrhundert sind es die Aktivitäten von Gerhard Heberer als Anthropologe und Herausgeber des großangelegten und durch drei Auflagen sehr erfolgreichen Sammelwerkes Die Evolution der Organismen (1943-74). Heberer war wichtig, aber er repräsentiert nur eine Richtung in der Paläoanthropologie. So übernahm er nach 1945 die Ansicht von Louis Leakey, derzufolge sich die menschliche Stammlinie sehr früh (vor bis zu 30 Millionen Jahren) abgespalten hat. Die alternative Ansicht einer engen Verbindung zu den Schimpansen, wie sie von Gustav Schwalbe bereits Anfang des 20. Jahrhunderts und dann später von Hans Weinert postuliert worden war, und die in den letzten Jahren eine glänzende Renaissance erlebte, wird dagegen kaum erwähnt.
Allgemein stehen bei Uwe Hoßfeld einzelne Wissenschaftler, wichtige Publikationen und organisatorische Entwicklungen im Mittelpunkt, während die anthropologische Theorienbildung nur am Rande behandelt wird. Dies war in Anbetracht der Stofffülle vielleicht unvermeidlich, ist aber insofern bedauerlich, als es außerhalb von Fachkreisen kaum mehr bekannt sein dürfte, worum es beispielsweise bei den höchst interessanten Kontroversen um die Präsapiens- oder die Brachiatoren-Theorie konkret ging.

Uwe Hoßfelds Geschichte der biologischen Anthropologie in Deutschland ist der höchst ambitionierte Versuch, ein ebenso vielfältiges wie vernachlässigtes Feld der Biologiegeschichte zu beschreiben. Es ist eine Pionierarbeit und eine Fundgrube, die keinen Zweifel darin lässt, welchen erstaunlichen Reichtum an faszinierenden Ideen die biologische Anthropologie hervorbrachte und der sich eben nicht nur in Rassentheorien erschöpfte. Und, auch dies ein wichtiger Fortschritt, es macht deutlich, wo es noch Lücken und blinde Flecken im historischen Verständnis gibt.
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