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Geschichte des Atheismus - Von den Anfängen bis zur Gegenwart Gebundene Ausgabe – 2000

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Am Anfang steht Nietzsche. Kaum ein anderer Denker ist so prädestiniert für das Auftaktzitat zu einer Geschichte des Atheismus. Doch wie bei so vielen anderen Begriffen sind Definition, Ausprägungen und Konsequenzen auch bezüglich des Atheismus unklar. Dieser Tatsache versucht der französische Historiker Georges Minois mit der vorliegenden, vornehmlich mentalitätsgeschichtlichen Studie Rechnung zu tragen.

Ein Kernbestandteil seiner Arbeitshypothese verneint die eingleisige Entwicklung von einem religiösen Urzustand hin zu "einer uneingeschränkten Rationalisierung der Weltsicht materialistischen Typs" und betont die gleichzeitige Existenz von Atheisten und Gläubigen zu allen Zeiten in allen Kulturen und Religionen. Ein Phänomen, das sich bereits für archaische Völker und antike Hochkulturen sowie Religion und philosophische Strömungen der griechisch-römischen Antike nachweisen lässt. Dieses permanente Spannungsverhältnis bildet den Gegenstand der Darstellung mit Konzentration auf das Gegensatzpaar Christentum-Atheismus.

Gab es ein atheistisches Mittelalter? Ging man bislang von einem rein christlichen Mittelalter aus, so haben erst eine Reihe von jüngsten Untersuchungen Korrekturen und Differenzierungen hinsichtlich Rationalität und Skeptizismus -- nicht gleichzusetzen mit Häresie -- vorgenommen. Es ist selbstverständlich kein Zufall, dass aber die eigentliche, intellektuelle wie wissenschaftliche Auseinandersetzung erst im 16. Jahrhundert im Kontext von Renaissance, Konfessionalismus, Naturwissenschaften etc. einsetzte. Die Aufklärung, die Entstehung eines Bildungsbürgertums, philosophische Kontroversen des Rationalismus wie politische und gesellschaftliche Umwälzungen vom 18. bis in das 20. Jahrhundert hinein zeichnen die zunehmende individuelle Freiheit in der Religion, die Profanisierung des Religiösen und den Verlust des Glaubens an einen wirkmächtigen Gott.

Das Schlusskapitel zur Entwicklung des Atheismus im 20. Jahrhundert mit Minois' Fazit des Sieges des Atheismus (Atomisierung des Glaubens, Säkularisierung religiöser Inhalte, Erhebung des Ich zum höchsten Wert) sowie der scheinbar unerheblich gewordenen zentralen, jedoch nach wie vor ungelösten Frage nach der Existenz Gottes bietet für Gegenwart und Zukunft sicher den größten Diskussionsbedarf.

Die allgemein verständlich verfasste und gut lesbare Überblicksdarstellung schließt mit Anmerkungsapparat, Auswahlbibliografie und Personenregister. Allerdings leidet der Band an seiner eindeutigen Ausrichtung auf die französische (und teilweise deutsche) Kultur und Forschung und lässt ganze europäische Regionen wie Großbritannien, Italien, Spanien, Ost- und Nordeuropa außer Betracht -- insofern kann nur bedingt von einer umfassenden Geschichte des Atheismus im christlichen Abendland gesprochen werden. --Osseline Kind

Pressestimmen

"Der in Saint-Brieuc wirkende Gelehrte hat nun eine monumentale "Geschichte des Atheismus" vorgelegt, der an Detailfülle gegenwärtig kaum etwas Vergleichbares an die Seite gestellt werden kann. [...]Minois zeichnet ein so umfassendes Bild des Atheismus vom Altertum bis in die Gegenwart (und die Zukunft), dass man seine Darstellung durchaus auch als Nachschlagewerk benutzen kann." (Das Parlament)

"Der Verfasser legt hier eine in erster Linie historisch-materialreiche Arbeit vor. Es geht ihm vor allem darum, die ungläubige Haltung als fundamentalen Bestandteil jeder Gesellschaft aufzuzeigen, verstanden nicht nur negativ, sondern als etwas mit positivem Inhalt ..." (Philosophischer Literaturanzeiger)


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am 1. April 2015
Format: Gebundene Ausgabe
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