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Der Gesang des Dodo: eine Reise durch die Evolution der Inselwelten Taschenbuch – 2004

4.8 von 5 Sternen 22 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Rezension

Vor gut 400 Jahren, 1598, erreichten holländische Seefahrer auf dem Weg nach Ostindien die kleine Insel Mauritius im Indischen Ozean. Zurückgekehrt berichteten sie von einem dort lebenden "widerlichen Vogel": schwanengroß, flugunfähig, rund und unansehnlich mit seinen kurzen Beinen und dem dicken Rumpf, unbeholfen und lächerlich mit den winzigen Flügelstümpfen und seinem riesigen Hakenschnabel im nackten Gesicht und überdies mit einem Fleisch, das "immer ungenießbarer wird, je länger man es kocht": Das war der Dodo Raphus cucullatus. Seine mangelnde Eignung für die Küche hat ihn nicht gerettet. Die Seefahrer und die von ihnen eingeschleppten Schweine, Katzen und Ratten stellten ihm so nach, daß er kaum 100 Jahre später ausgestorben war. Und das Interesse der Zeitgenossen und Nachfahren hielt sich in engen Grenzen: Ein Fuß im Britischen Museum, ein Schädel in Kopenhagen, ein Fuß und ein Kopf in Oxford, ein später aus den Knochen verschiedener Exemplare zusammengesetztes Skelett im Museum in Durban (Südafrika), wenige Zeichnungen und Augenzeugenberichte – das ist alles, was uns vom Dodo blieb. Sein Gesang, wenn es denn einen gab, ist für immer verloren. Der Drontenvogel, von dem man bis heute nicht weiß, ob er näher mit den Rallen oder den Tauben verwandt war, wurde zum Sinnbild für den rücksichtslosen Umgang des Menschen mit der Natur, für den mittlerweile allgegenwärtigen Artenschwund und insbesondere für das Verschwinden von Inselformen. "As dead as a dodo", sagen Angelsachsen, wenn etwas unwiderruflich vorbei ist. Im vorliegenden Buch, dessen Original die "New York Times" 1996 als bestes Sachbuch auszeichnete, macht der amerikanische Wissenschaftsautor und preisgekrönte Essayist David Quammen deutlich, daß Raphus cucullatus kein Einzelfall ist: Nicht besser erging es anderen Vögeln wie dem Einsiedler auf der nahe Mauritius gelegenen Insel Rodriguez, den Moas und Huias auf Neuseeland, den Elefantenvögeln auf Madagaskar, der Wandertaube, dem Riesenalk sowie dem Tasmanischen Beutelwolf (Spektrum der Wissenschaft, August 1999, S. 70) und dem balinesischen Tiger. Wie vieles andere in der Biologie zeigt sich das Muster des Artenabgangs am besten auf Inseln, jenen Mikrokosmen, in denen sich das Wirken der Evolution wie im Zeitraffer beobachten läßt, weil sich in kleinen isolierten Populationen genetische Veränderungen schneller durchsetzen. So entstehen Lebensformen, die nirgendwo sonst vorkommen. Wieso treibt die Evolution auf Inseln besonders kapriziöse Blüten, die ihrerseits in erhöhtem Maße vom Untergang bedroht sind? Um diesen Fragen nachzugehen, ist David Quammen in die Fußstapfen großer Naturforscher getreten, von Alfred Russel Wallace (1823–1913) bis zu Robert MacArthur, Edward O. Wilson, Michael Soulé und Michael Gilpin. Wie sie hat er sich auf eine abenteuerliche Reise rund um den Globus begeben, zu den Komodowaranen in Indonesien, den Halbaffen auf Madagaskar, den Paradiesvögeln auf Aru und in die Regenwälder am Amazonas, um an den Feldforschungen einer Wissenschaft teilzunehmen, die sich Inselbiogeographie nennt, aber weitaus mehr im Blick hat als nur Inseln. Quammen ist dabei eine intelligente und gleichwohl unterhaltsame Verknüpfung aus Wissenschaftsgeschichte (insbesondere zu Wallace), Reisereportage (wenngleich einige Episoden entbehrlich wären) und Forschungsbericht gelungen. Sein Buch ist ebenso facettenreich wie die insulären Lebensräume, die es zum Thema hat, und hat mir Lesevergnügen bereitet wie schon lange kein naturkundliches Sachbuch mehr. Ohne den Zeigefinger eines berufsmäßigen Umweltaktivisten zu heben, macht Quammen zugleich deutlich, daß Inseln mit ihren überschaubaren Lebensgemeinschaften nur Nebenschauplatz einer ungleich größeren Tragödie sind: der weltweiten Zerstörung von Ökosystemen. Indem er das Ausmaß des drohenden Verlustes eindrücklich vor Augen führt, gibt er über seine gelungene Geschichte hinaus ein eloquentes Plädoyer für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Es bleibt die Hoffnung, daß zukünftig nicht noch mehr Arten ähnlich stumm wie der Dodo verschwinden werden. Rezensent: Dr. Matthias Glaubrecht

Über den Autor und weitere Mitwirkende

David Quammen, geboren 1948, hat in Yale und Oxford studiert. Als »brillanter Star des naturwissenschaftlichen Journalismus « (E.O. Wilson) gelobt, erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter zweimal den National Magazine Award. »Der Gesang des Dodo« (Claassen 1998) wurde von der New York Times zum besten Sachbuch des Jahres 1996 gekürt. Nach »Die zwei Hörner des Rhinozeros« (Claassen 2000) legt der Autor nun sein drittes Buch auf deutsch vor. Quammen lebt mit seiner Frau in Montana.


Kundenrezensionen

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Top-Kundenrezensionen

Format: Taschenbuch
Manche Menschen können Biologie nichts abgewinnen, sehen darin nur ein stupides Lernfach, in dem Tiere und Pflanzen mit ihren Merkmalen und Eigenheiten stumpfsinnig aneinandergereiht und aufgelistet werden. David Quammens einzigartiges Werk könnte ihnen einen völlig neuen Zugang zu diesem interessanten Wissensgebiet eröffnen.
Hat man sich - vielleicht angelockt durch den exotisch klingenden Titel oder das witzige Titelbild - erst einmal auf die ersten Seiten des 825 seitigen Wälzers eingelassen, so nimmt einen sehr rasch die Welt der Biogeographie, die sich mit der Verteilung des Lebens auf unserer Welt befaßt, gefangen. Ein erster Höhepunkt ist der spannende Wettlauf der englischen Forscher Alfred Russel Wallace und Charles Darwin im 19. Jahrhundert um die erstmalige Formulierung einer Evolutionstheorie. Bis dahin hatte bei der Frage der Artenverteilung über die Erde die mehr auf Glauben, denn auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Theorie vom speziellen Schöpfungsakt gegolten.
Quammen, ein preisgekrönter Wissenschaftsautor aus dem US-Bundesstaat Montana, führt in 10 Kapiteln den Leser gekonnt in die Evolutionsforschung ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute ein, bringt uns die beteiligten Wissenschaftler, ihre Ansätze und Begrifflichkeiten näher. Er lockert seine Ausführungen und Erklärungen zur Inselbiogeographie mit der Schilderung persönlicher Lebensumstände und Kuriositäten der beteiligten Wissenschaftler oder eigener abenteuerlicher Reisen so geschickt auf, daß Langeweile oder Ermüdung nicht aufkommen können. Der Leser lernt auf spielerische Weise vieles, was er zuvor noch nie über Artenvielfalt, Artensterben und Artenschutz gehört hatte.
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
David Quammen hat mit diesem Wälzer von 900 Seiten eine äußerst lesenswerte Recherche zum Thema Evolution und Artensterben vorgelegt, die ihn auf jahrelangen Reisen zu allen möglichen Archipelen und Naturschauplätzen geführt hat, immer im Versuch, die Biogeographie - also die Erkenntnis der besonderen Verteiltheit von Arten (zunächst auf Inseln) - in ihrer gedanklichen Entstehungsgeschichte nachzuvollziehen. Wir lesen von dem packenden Gedankenwettstreit eines Darwin und Wallace, letzterem gebührt dabei aufgrund seiner Praxisnähe (Erforschung der Fauna des Amazonas-Urwalds wie auch des malaiischen Archipels) eindeutig Quammens größere Sympathie. Neben vielen zum Teil witzigen Reiseberichten des Autors gehen wir schließlich den gedanklichen Weiterentwicklungen der Theorie nach, die über Edward O. Wilsons Gleichgewichtsbegriff zur Erkenntnis von Soulé und Gilpin führten, daß der Inselcharakter mit seiner besonderen Bedrohung hinsichtlich des Aussterbens von Arten inzwischen längst auch auf die Festlandsgebiete durch menschliche Zersiedelung übergegriffen hat: Es gibt eigentlich nicht mehr in einem umfassenden Ganzen lebende Populationen, sondern nur noch in Landschaftsfragmenten lebende Metapopulationen. Das Buch habe ich geradezu verschlungen, schmerzlich vermißt habe ich lediglich Farbabbildungen der vielen vorgestellten seltenen Tiere. Vorbildlich ist das Register der verwandten Literatur, das unheimlich umfangreich zwar, aber doch auch hilfreich zu weiterem Lesen in die Thematik ist. Fazit: ein Muß für alle an der Natur Interessierten.
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Von Ein Kunde am 24. Oktober 2001
Format: Taschenbuch
Dieses Buch ist ein absolutes Muss für alle Biologie-Lehrer, Uni-Lehrende für Ökologie und Evolution und für alle, die sich in irgend einer Weise mit Artenschutz befassen!!! Es räumt auf mit immer noch gelehrten historischen Irrtümern und öffnet einem die Augen für die immensen komplizierten Wechselwirkungen zwischen den Pflanzen- und Tierarten. Der Umfang des Buches ist etwas abschreckend, aber es lohnt sich unter Garantie. Quammen bringt einem nicht nur das Thema in vielen Beispielen nahe, sondern auch die Menschen, die ihren Teil zur Erforschung beigetragen haben, gewürzt mit spannenden Abenteuer-Episoden.
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Format: Taschenbuch
Niemand weiß, wie "Der Gesang des Dodo" sich wirklich angehört hat - denn der Dodo, eine Art flugunfähige Riesentaube, wurde bereits im 17. Jahrhundert ausgerottet. Im Englischen heißt "dead as a Dodo" daher auch sowiel wie mausetot, endgültig ausgelöscht. Ein Schicksal, das mit dem Dodo viele Tier- und Pflanzenarten teilen, die auf Inseln heimisch sind.
David Quammen, profilierter Wissenschaftsjournalist, betreibt ein abenteuerliches Inselhopping in Zeit und Raum, um die "Ökologie der Inselwelten" auch für den kaum vorgebildeten Leser verständlich zu machen. Hauptaugenmerk bleibt trotz eingängiger Schilderungen kauziger Forscher und ihren Lieblingen immer die Grundthese des Buches: die Anfälligkeit kleiner Populationen.
Ein in jeder Hinsicht fesselndes Buch, Naturgeschichte in ihrer ursprünglichen Bedeutung. Ein ebenfalls recht dickes Buch, gewiß, und mancher wird manches als Längen empfinden. Dafür wird fast jeder seinen besonderen Liebling, seine eigene Inselwelt entdecken - und dafür wird sich die Lektüre lohnen.
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