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Der Gesang des Dodo Gebundene Ausgabe – 1999

4.8 von 5 Sternen 22 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Rezension

Vor gut 400 Jahren, 1598, erreichten holländische Seefahrer auf dem Weg nach Ostindien die kleine Insel Mauritius im Indischen Ozean. Zurückgekehrt berichteten sie von einem dort lebenden "widerlichen Vogel": schwanengroß, flugunfähig, rund und unansehnlich mit seinen kurzen Beinen und dem dicken Rumpf, unbeholfen und lächerlich mit den winzigen Flügelstümpfen und seinem riesigen Hakenschnabel im nackten Gesicht und überdies mit einem Fleisch, das "immer ungenießbarer wird, je länger man es kocht": Das war der Dodo Raphus cucullatus. Seine mangelnde Eignung für die Küche hat ihn nicht gerettet. Die Seefahrer und die von ihnen eingeschleppten Schweine, Katzen und Ratten stellten ihm so nach, daß er kaum 100 Jahre später ausgestorben war. Und das Interesse der Zeitgenossen und Nachfahren hielt sich in engen Grenzen: Ein Fuß im Britischen Museum, ein Schädel in Kopenhagen, ein Fuß und ein Kopf in Oxford, ein später aus den Knochen verschiedener Exemplare zusammengesetztes Skelett im Museum in Durban (Südafrika), wenige Zeichnungen und Augenzeugenberichte – das ist alles, was uns vom Dodo blieb. Sein Gesang, wenn es denn einen gab, ist für immer verloren. Der Drontenvogel, von dem man bis heute nicht weiß, ob er näher mit den Rallen oder den Tauben verwandt war, wurde zum Sinnbild für den rücksichtslosen Umgang des Menschen mit der Natur, für den mittlerweile allgegenwärtigen Artenschwund und insbesondere für das Verschwinden von Inselformen. "As dead as a dodo", sagen Angelsachsen, wenn etwas unwiderruflich vorbei ist. Im vorliegenden Buch, dessen Original die "New York Times" 1996 als bestes Sachbuch auszeichnete, macht der amerikanische Wissenschaftsautor und preisgekrönte Essayist David Quammen deutlich, daß Raphus cucullatus kein Einzelfall ist: Nicht besser erging es anderen Vögeln wie dem Einsiedler auf der nahe Mauritius gelegenen Insel Rodriguez, den Moas und Huias auf Neuseeland, den Elefantenvögeln auf Madagaskar, der Wandertaube, dem Riesenalk sowie dem Tasmanischen Beutelwolf (Spektrum der Wissenschaft, August 1999, S. 70) und dem balinesischen Tiger. Wie vieles andere in der Biologie zeigt sich das Muster des Artenabgangs am besten auf Inseln, jenen Mikrokosmen, in denen sich das Wirken der Evolution wie im Zeitraffer beobachten läßt, weil sich in kleinen isolierten Populationen genetische Veränderungen schneller durchsetzen. So entstehen Lebensformen, die nirgendwo sonst vorkommen. Wieso treibt die Evolution auf Inseln besonders kapriziöse Blüten, die ihrerseits in erhöhtem Maße vom Untergang bedroht sind? Um diesen Fragen nachzugehen, ist David Quammen in die Fußstapfen großer Naturforscher getreten, von Alfred Russel Wallace (1823–1913) bis zu Robert MacArthur, Edward O. Wilson, Michael Soulé und Michael Gilpin. Wie sie hat er sich auf eine abenteuerliche Reise rund um den Globus begeben, zu den Komodowaranen in Indonesien, den Halbaffen auf Madagaskar, den Paradiesvögeln auf Aru und in die Regenwälder am Amazonas, um an den Feldforschungen einer Wissenschaft teilzunehmen, die sich Inselbiogeographie nennt, aber weitaus mehr im Blick hat als nur Inseln. Quammen ist dabei eine intelligente und gleichwohl unterhaltsame Verknüpfung aus Wissenschaftsgeschichte (insbesondere zu Wallace), Reisereportage (wenngleich einige Episoden entbehrlich wären) und Forschungsbericht gelungen. Sein Buch ist ebenso facettenreich wie die insulären Lebensräume, die es zum Thema hat, und hat mir Lesevergnügen bereitet wie schon lange kein naturkundliches Sachbuch mehr. Ohne den Zeigefinger eines berufsmäßigen Umweltaktivisten zu heben, macht Quammen zugleich deutlich, daß Inseln mit ihren überschaubaren Lebensgemeinschaften nur Nebenschauplatz einer ungleich größeren Tragödie sind: der weltweiten Zerstörung von Ökosystemen. Indem er das Ausmaß des drohenden Verlustes eindrücklich vor Augen führt, gibt er über seine gelungene Geschichte hinaus ein eloquentes Plädoyer für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Es bleibt die Hoffnung, daß zukünftig nicht noch mehr Arten ähnlich stumm wie der Dodo verschwinden werden. Rezensent: Dr. Matthias Glaubrecht -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Über den Autor und weitere Mitwirkende

David Quammen, geboren 1948, hat in Yale und Oxford studiert. Als »brillanter Star des naturwissenschaftlichen Journalismus « (E.O. Wilson) gelobt, erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter zweimal den National Magazine Award. »Der Gesang des Dodo« (Claassen 1998) wurde von der New York Times zum besten Sachbuch des Jahres 1996 gekürt. Nach »Die zwei Hörner des Rhinozeros« (Claassen 2000) legt der Autor nun sein drittes Buch auf deutsch vor. Quammen lebt mit seiner Frau in Montana. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


Kundenrezensionen

4,8 von 5 Sternen
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Top-Kundenrezensionen

am 12. Juli 2004
Format: Taschenbuch
0Kommentar| 26 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. September 2002
Format: Taschenbuch|Verifizierter Kauf
11 Kommentar| 12 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. Juni 2012
Format: Taschenbuch
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

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